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Ausbildung, Alter, Berufserfahrung, Region – was sorgt für den höchsten Verdienst?

Ergebnisse der GULP Arbeitsleben Studie 2021

08.08.2022
Florian Schießl – Freiberuflicher Autor
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Verdient man in Deutschland einfach mit dem Alter automatisch mehr? Oder ist es eine Frage der relevanten Berufserfahrung im Feld des aktuellen Jobs bzw. Projekts? Und wie steht es hier um die Ausbildung? Die Antwort: Es kommt, wie bei der Auswertung zu Unternehmensgrößen, Rolle und Geschlecht drauf an – unter anderem, ob Sie selbstständig oder fest angestellt sind. So auch bei den Einsatzorten: Je nach Beschäftigungsart sind in Sachen Verdienst unterschiedliche Bundesländer in der Pole Position.

Über die GULP Arbeitsleben Studie

Seit 2013 liefern GULP Studien einen Überblick über Stundensätze, Projekte und Auslastung von freien Mitarbeitenden der IT- und Engineering-Branche. An der aktuellen Arbeitsleben Studie nahmen im Zeitraum von Juni 2021 bis Januar 2022 insgesamt 781 Unternehmer:innen sowie freie und festangestellte Mitarbeitende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Sie gaben Auskunft über Überstunden und Verdienst, Arbeitsleben, Zufriedenheit, Anforderungen an Unternehmen und Expert:innen sowie Trends.

 

Zu allen Ergebnissen

Alter: In den 50ern auf dem Zenit des Verdienstes

Die Grafik zum All-inclusive-Stundensatz nach Altersgruppen ergibt einen Berg mit der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre an der Spitze. In diesem Alter verdient man als Freelancer in Deutschland mit 104,69 Euro mit Abstand am besten. Links und rechts dieses Gipfels fallen die Flanken beinahe gleichmäßig ab: In den benachbarten Altersgruppen 40 bis 49 (96,59 Euro) und 60 bis 69 Jahre (93,30 Euro) konnte 2021 die 90 Euro Marke noch geknackt werden. Unterhalb von 40 Jahren macht es interessanterweise keinen Unterschied, ob man in seinen Zwanzigern oder Dreißigern ist: Knapp 90 Euro konnten sowohl die 20- bis 29- als auch die 30- bis 39-Jährigen im Vorjahr abrechnen. Im Durchschnitt konnten Freiberufler:innen ihren Stundensatz gegenüber der vorigen Erhebung merklichen auf 98,37 Euro steigern.  

Säulendiagramm: Den höchsten Stundensatz verdienen Freelancer zwischen 50 und 59 Jahren

Bei den Festangestellten sieht es hierzulande etwas anders aus: Bis zur Altersgruppe von 50 bis 59 Jahren (61.662,46 Euro) steigt das Brutto-Jahresgehalt kontinuierlich an, um danach abrupt abzufallen: Die 60- bis 69-Jährigen verdienen mit 43.999,00 Euro in etwa nur noch so viel wie die zweitjüngste Gruppe der 20- bis 29-Jährigen (42.326,25 Euro). Dieser Fakt ist mit etwas Vorsicht zu genießen. Denn in den ältesten Kategorien waren deutlich wenig Umfrageteilnehmer als in den anderen Altersklassen. Dennoch könnten auch weitere Effekte, etwa ein größerer Anteil von Teilzeitarbeit kurz vor der Rente, eine Rolle spielen.

Auch spannend: Während die Kurve über die ersten drei Altersgruppen noch relativ steil ansteigt, macht es zur Gehaltsspitze hin kaum mehr einen Unterschied, ob man nun in seinen 40ern oder 50ern ist.

Säulendiagramm: Das größte Brutto-Jahresgehalt gibt es zwischen 50 und 59 Jahre

Berufserfahrung: Goldene Zeiten nach 25 Jahren

Der Verdienst nach Berufserfahrung im aktuellen Tätigkeitsbereich bringt, wenig überraschend, ähnliche Sieger hervor: 25–30 und 30–35 Jahre Berufserfahrung sorgen mit um die 110 Euro all inclusive für die höchsten abrechenbaren Stundensätze im Freiberufler:innen-Business. Geht man von einem Berufseinstieg in den jeweiligen Tätigkeitsbereich im Alter von etwa 25 Jahren aus, kommt man grob bei den denselben Altersgruppen heraus, die auch oben bei der Analyse der Stundensätze je Lebensalter führend waren.

Insgesamt betrachtet ergibt der Stundensatz über die Jahre der Berufserfahrung hinweg gesehen aber seltsamerweise keine einheitliche Linie oder Kurve, sondern ein munteres Auf und Ab. Die geringsten Werte finden sich dabei naheliegenderweise sowohl in der untersten Kategorie bis 5 Jahren (58,86 Euro) und ab 40 Jahren aufwärts (80,39 Euro). Jedoch auch überraschend mittendrin bei 10 bis unter 15 Jahren Erfahrung (89,21 Euro).

Säulendiagramm: Mit Berufserfahrung zwischen 25 und 30 Jahren verdienen Freelancer am besten

Bei den festangestellten Mitarbeiter:innen ergibt sich wiederum ein homogenes Bild, das einem symmetrischen Berg ähnelt. Unangefochten auf dem Gipfel des Brutto-Jahresverdienstes: Mitarbeiter mit 25 bis 30 Jahren Berufserfahrung. Sie strichen bis zum vergangenen Jahresende 77.352,94 Euro brutto ein. Die benachbarten Altersgruppen (20–25 und 30–35 Jahre) sind nach Verdienst auf einem geteilten zweiten Platz. Je weiter es an die Alters-Randgebiete geht, desto weniger wurde verdient.

Säulendiagramm: Das höchste Jahresgehalt gibt es nach 25-30 Berufsjahren

Schulabschluss: Freiberufler:innen mit Ausbildung verdienen am besten

Je besser der höchste erworbene Schulabschluss, desto mehr Geld gibt es? Für Selbstständige ist das hierzulande so nicht richtig: Eine Ausbildung sorgte, sogar mit etwas Abstand, 2021 für den höchsten durchschnittlichen All-inclusive-Stundensatz. Über Hundert Euro (100,72 Euro) strichen die freiberuflichen Umfrageteilnehmer:innen ein.

Qualifizierungen, die scheinbar als höherwertig gelten, wurden auf die Plätze verwiesen: Abschlüsse aus Universität (97,58 Euro) und Fachhochschule (97,94 Euro) sorgen für einen etwas niedrigeren Stundensatz. Umfrageteilnehmer:innen nur mit Abitur (91,81 Euro) verdienten sogar merklich weniger.

Balkendiagramm: Den höchsten Stundensatz erhalten Freelancer mit einer Berufsausbildung

Bei den festen Mitarbeiter:innen folgt das Umfrageergebnis der Ausbildungslänge. Wer von einer Universität kommt, erhält mit 60.523,36 Euro brutto jährlich etwas mehr als die Kollegen von der Fachhochschule (59.538,60 Euro). Nochmal deutlich weniger erhalten ehemalige Abiturienten (40.728,26 Euro) und Personen mit einer Berufsausbildung (37.434,74 Euro).

Balkendiagramm: Das größte Gehalt für Festangestellte gibt es mit einem Universitätsabschluss

Alle sonstigen Abschlüsse haben, sowohl bei den freien als auch bei den festen Mitarbeiter:innen, für verlässliche Aussagen eine zu geringe Stichprobe.

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Bundesländer: Hohe Bevölkerungsdichte gleich hohes Einkommen?

In Sachen Verdienst in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands ist den freiberuflichen Umfrageteilnehmer:innen zufolge die Hansestadt Hamburg eindeutig “the place to be”. Mit einem deutlichen Vorsprung vor dem zweitplatzierten Bayern (100,72 Euro) wurde letztes Jahr in der Elbstadt durchschnittlich ein All-inclusive-Stundensatz von 117,19 Euro in Rechnung gestellt. Liegt es daran, dass es als “Stadtstaat” fast ausschließlich aus städtischem Gebiet besteht, mit tendenziell größeren und bekannteren Firmen als auf dem Land? Für diese Überlegung spricht auch das Abschneiden des eher ländlichen Schleswig-Holstein (80,62 Euro) als Schlusslicht. Dagegen spricht, dass das Bundesland Berlin (97,00 Euro) nur im Mittelfeld rangiert. Das drittplatzierte Hessen, mit etwas unter 100 Euro durchschnittlichen Verdienst pro Stunde (99,78 Euro), könnte stark von der Dominanz des Finanzsektors in Frankfurt am Main profitiert haben. 

Balkendiagramm: In Hamburg erhalten Freelancer die höchsten Stundensätze
Hinweis: Es wurden nur Bundesländer mit einer hinreichend großen Anzahl an Antworten berücksichtigt

Auf Seiten der Festangestellten ist die Reihenfolge eine andere: Hamburg ist hier mit einem durchschnittlichen Brutto-Jahreseinkommen von 49.337,50 Euro relativ weit hinten. Bayern (58.100,00 Euro) ist mit etwas Abstand vorne weg, danach folgen auf den Plätzen 2 bis 6 relativ dicht gedrängt Niedersachsen (56.454,55 Euro), Berlin (55.580,77 Euro) Nordrhein-Westfalen (54.655,52 Euro), Baden-Württemberg (54.635,29 Euro) und Hessen (53.565,00 Euro).   

Balkendiagramm: In Bayern verdient man das höchste Brutto-Jahresgehalt
Hinweis: Es wurden nur Bundesländer mit einer hinreichend großen Anzahl an Antworten berücksichtigt

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