Pallia - Gemeinsam gehen

Corona-Projekt: Freelancer entwickelt App für digitale Sterbebegleitung

   

Während der ersten Welle der Corona-Pandemie startete die Bundesregierung den “WirVsVirus” Hackathon. Unter tausenden von Einsendungen wurde das Projekt “Pallia - Gemeinsam Gehen”, das Schwerkranke und professionelle Hospizbegleiter digital vernetzt, für die Förderung zur Umsetzung auserwählt. Duch eine effiziente Zusammenarbeit von Kunde, Freelancer und GULP Direkt wurde die Realisierung ein voller Erfolg. 

EIn Interview mit Juliane Koch, Leiterin des Hackathon-Projektes “Pallia - Gemeinsam Gehen”

Wir freuen uns, dass wir Sie als Referenzgeber gewinnen konnten und Sie bereit sind, Ihre Erfahrungen mit GULP Direkt mit anderen Kunden zu teilen. Bitte stellen Sie sich und das Projekt doch einmal vor.

Juliane Koch Leiterin des Corona-Projektes Pallia

Juliane Koch: Sehr gerne. Ich bin Juliane Koch und leite von Berlin aus das Hackathon-Projekt “Pallia - Gemeinsam Gehen”. Als Mediatorin mit juristischem sowie psychologischem Hintergrund habe ich bereits verschiedene Start-Ups beraten oder selbst in ihnen gearbeitet. Zu dem so ungewöhnlichen wie auch schönem Projekt “Pallia” kam ich spontan. Als im Frühjahr 2020 die erste Corona-Welle anrollte, lud die Bundesregierung kurzfristig mit einigen Social Impact-Organisationen aus Berlin zum “WirVsVirus” Hackathon. Inspiriert durch ein Vorbild aus Estland wollte man Zivilgesellschaft, staatliche Institutionen und Unternehmensvertreter zusammenbringen, um schnell und agil Lösungen zu entwickeln: Gemeinsam gegen das Virus. 

Mir gefiel dieser Ansatz, die Krise als Chance zu nutzen – ich meldete mich an. So auch 28.000 andere Menschen! Es waren fast 2.000 Herausforderungen eingereicht worden, aus denen frei wählbar in Teams 48 Stunden lang zu arbeiten war.

Im Bereich “mentale Gesundheit” stieß ich auf den Hilferuf einer Hospizmitarbeiterin: “Aufgrund der Corona Maßnahmen dürfen wir nicht wie gewohnt tätig sein – Wir können unsere Patienten nicht mehr betreuen!” Es verstörte mich, dass zwischen Sterbebegleitern und Schwerkranken teilweise kein Kontakt möglich war – man denke an die Bilder einsam Sterbender aus Italien. Sodass ich, zusammen mit ca. 20 anderen “Hackern”, überlegte: “Okay, was können wir hier tun?”

Wir erdachten “Pallia”, eine Web-Lösung, in der jeder Schwerkranke einen verlässlichen Begleiter finden kann. Unbürokratisch und sofort. Virtuelle Geborgenheit, wenn sie anders unmöglich ist. 
Das war alles sehr spannend. Inhaltlich sowieso, aber auch der Aspekt mit völlig Fremden nur via Video-CalI und Online-Workspace etwas auf die Beine zu stellen. Der Teamgeist war großartig! 

Ihr Projekt finden wir wirklich spannend, vielen Dank für die Schilderung! Es ist erstaunlich, wieviel hier dahinter steht und wie Sie sich dafür engagieren. Wie ging es nach dem Hackathon weiter?

Juliane Koch: Die Jury wählte uns für ein intensives Förderprogramm aus, in dessen Verlauf wir als eines von ca. 30 der 2000 Projekte dann auch eine Finanzierung gewinnen konnten, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die technische Entwicklung des Prototypen sollte für 3 Monate in Vollzeit vorangetrieben werden. 
Unser Ursprungsteam bestand aus Unternehmern, Juristen, Sozialarbeitern, Psychologen,… und natürlich IT-lern. Da unsere Coder eigene Vollzeitjobs hatten, kam jedoch für die bezahlte Stelle nur eine externe Kraft in Frage. 
Wir brauchten jemanden, der sowohl hoch qualifiziert und engagiert als auch für die nächsten 3 Monate frei war. Im IT-Bereich ein rarer Fund! So blieb die Schatz-Suche via Stellenanzeige in den eigenen Netzwerken auch erfolglos…

...Und dann sind Sie auf GULP Direkt gestoßen?  

Juliane Koch: Genau. Die Zeit drängte - es blieben nur wenige Tage, um alle formalen Bedingungen inklusive Gesellschaftsgründung zu erfüllen.

Um die Chance nicht verfallen zu lassen, googelte ich einfach mal drauflos nach Codern mit passenden Skills - und fand so zu GULP Direkt. Der IT-Personaldienstleistungsservice, den ich vorher nur vom Namen kannte, wirkte seriös, freundlich und schien als Marktführer Qualität zu versprechen. 
Sofort erstellten wir eine Anzeige, in der wir kurz aufzeigten, worum es geht. Und dass da eben noch die besondere Bedingung war, dass ad hoc eine GbR gegründet werden musste, um die Förderung überhaupt annehmen zu können. 
Beim Lesen unseres Textes dann Skepsis: “Ob sich darauf jemand einlässt: Nur über Online-Kontakt, und so kurzfristig?”
Schon Stunden später aber war das Mailfach voll, ca. 30 Freelancer bekundeten Interesse – viele sehr, sehr nett und mit Begeisterung hinsichtlich des Vorhabens.

Es gab nur einen Haken: Die 5 Euro/Stunde Marge an GULP, die bei der öffentlichen Förderung natürlich nicht vorgesehen war. 
Hier war es toll, dass GULP in Reaktion auf unsere Anzeige bei uns anrief und vorschlug, zur Unterstützung des Corona-Projektes auf die Marge zu verzichten.
Und das, obwohl GULP gar kein offizieller Partner des “WirVsVirus” Programmes war! 

Ja, wir freuen uns wirklich sehr, Ihnen und anderen Unternehmen in dieser unsicheren Zeit als Partner zur Seite zu stehen. Sie hatten das Vorhaben als Corona-Projekt ausgeschrieben und nachdem wir von GULP Direkt bereits überlegt hatten, wie wir Unternehmen während der Pandemie unter die Arme greifen können, wussten wir sofort: Hier können und wollen wir helfen! 

Juliane Koch: Das hat uns echt umgehauen. Es ist einfach schön, wenn man etwas für die Gesellschaft tun will und dann merkt, da sind eben auch andere, die unterstützen das. Viele Unternehmen haben sich ja im Förderprogramm beteiligt, aber bei Ihnen war es nochmal etwas Besonderes: Sie kamen eigeninitiativ auf uns zu. 

Wie haben Sie sich denn auf unserer Plattform zurecht gefunden?

„Super easy, intuitiv. Die Plattform kam mir aus Kundenperspektive gebaut vor, was wie ein selbstverständliches Unternehmensziel klingt, aber oft nicht entsprechend umgesetzt wird. Ausschreibung und Bewerbungsprozess waren unkompliziert, die Eingabefelder detailliert genug ohne überfrachtet zu sein. Besonders gefallen haben uns die Kurzvorstellungen der Freelancer, da man auf einen Blick gute Eindrücke gewinnen konnte.“

Vielen Dank, das trage ich gerne ans Team weiter!
Wie kam es dann zur Zusammenarbeit mit dem Freelancer und was waren die größten Vorteile für Sie?

Juliane Koch: Bei den Bewerbungen fiel der unterschiedliche Stil ins Auge: Einige hatten knapp die nötigsten Felder betippt, andere schrieben persönlich und projektbezogen, was uns natürlich positiv auffiel, weil uns wichtig war, dass jemand Herzblut einbringt.
In Telefonaten kristallisierte sich Herr Dominik Fried heraus: Er schien fachlich wie – mindestens ebenso wichtig – menschlich zu Pallia passend. Noch am selben Abend rief er zurück. Ja, er habe Lust, für uns zu programmieren. 
Trotz Distanz Berlin-München waren die Formalia schnell geregelt. Es herrschte auf beiden Seiten von Anfang an ein großes Vertrauen. 

Und ja, Herr Fried war ein Glücksgriff! 
Die Zusammenarbeit war hervorragend: Er war absolut verlässlich, hat sich vom ersten Tag an voll ins Projekt integriert und autonom in die Sachen eingearbeitet. Wir hatten schon einigen Code, der sich nicht hundert Prozent mit dem deckte, wie Herr Fried zuvor programmierte. Dies stellte für ihn aber kein Problem dar, sich reinzufuchsen. Er hat auch viel mehr gemacht, als er hätte machen müssen und oft gefragt, welche weiteren Aufgaben er übernehmen könne. 
Besonders toll war die Entspanntheit und zugleich Sensibilität, mit der er unser Projektthema anging."

Denn “digitale Sterbebegleitung” klingt ja für viele Menschen vielleicht erstmal schwer vorstellbar?

Juliane Koch: Genau, es ist eine Dienstleistung, die es so noch nie gab. Wir wollen damit keinesfalls die Sterbebegleitung revolutionieren, deren Wesenskern ja gerade direkter menschlicher Kontakt und Berührung sind. Nein, wir möchten einen alternativen Weg für Nähe schaffen, wenn sie auf physischem Wege erschwert oder verwehrt ist. Und damit Menschen erreichen, die sich ansonsten abgeschottet fühlen. Oder vielleicht auch solche, die schwer krank sind und eine Begleitung ersehnen, aber den Weg über das Hospiz scheuen und sich lieber eigenständig verknüpfen. Man kann auf Pallia auch nach individuellen Kriterien (z.B. geografisch, Religionszugehörigkeit oder bitte nicht,…) einen Begleiter finden, den man später persönlich trifft. 

Das klingt wirklich toll! Wo standen sie vor dem Projekt, also vor der Hilfe von Herrn Fried, und wo stehen Sie jetzt?

Juliane Koch: Wir hatten das grobe Konzept einer App, in der sich Begleiter und Patienten registrieren können, verifizierbar durch Hospize, welche normalerweise die jeweiligen Verbindungen koordinieren und supervisionieren. Anders als bei einer Dating-Plattform ist es im sensiblen Bereich der Sterbebegleitung essentiell wichtig, dass hier kein Schabernack betrieben wird. Dank eines hoch engagierten Spezialisten für IT-Security im Pallia-Team hatten wir ein konzeptionelles Fundament, von dem ausgehend Dominik Fried dann entwickeln konnte. In der kurzen Förderzeit ist ein Prototyp entstanden, der tatsächlich von Hospizen eingesetzt werden kann. Dafür war Herr Fried ein ganz entscheidender Faktor. 

Das noch etwas funktional anmutende Design – auch hier hat Herr Fried sich über die eigentlichen Aufgaben hinaus engagiert – soll natürlich angepasst werden. Dazu haben wir fantasiereiche Ideen. Und suchen zur Umsetzung aktuell ein Grafik-Talent!
Auch planen wir weitere Features zur Unterstützung Schwerkranker, u.a. Beratungsangebote, Digital Legacy und Erinnerungsräume. Um nicht am realen Bedarf vorbei zu implementieren, warten wir aber jetzt erstmal unsere Live Tests ab. Die Uniklinik Dresden plant ein Pallia Pilotprojekt. Wir sind gespannt.

Viele Schritte ergeben sich ja auch im Prozess. Da kann man vorher oftmals nie so genau sagen, wo die Reise in der Entwicklungsarbeit noch hingeht. Es ist ja ein stetiger Prozess und das ist bei uns nicht anders. Auch bei unserer Applikation ist es so, dass das Entwicklerteam stetig dran ist neue Features zu entwickeln, die dem User weiterhelfen.

Juliane Koch: Ganz genau. Und oft ist es so, wenn es von einer Idee ausgehend an die Details geht, wenn man sich hinsetzt und User Flows macht, dass sich die Umsetzung komplexer oder anders gestaltet als zunächst gedacht. Manchmal muss man auch einen Schritt zurück gehen und nochmal ganz neu denken.
Ich bekam, obwohl ich auch zuvor eng mit Programmierern zusammen gearbeitet hatte, während des Projektes nochmal ordentlich Respekt dafür, wie viel Zeit und Mühe darin stecken, tolle Apps zu entwickeln. Anfangs dachte ich, dass wir viel schneller viel mehr bauen könnten. Die Ungeduld wich dann der Erkenntnis, dass Prozesse Zeit brauchen. Gras wächst bekanntlich nicht schneller, wenn man daran zieht. Und drei Monate sind ein knapper Zeitraum. 

Da haben Sie Recht. Und trotzdem haben Sie in der kurzen Zeit ja viel erreicht.

Juliane Koch: Auf jeden Fall. Und je nachdem wie unser Prototyp angenommen wird, verfolgen wir weitergehende Optionen. Und natürlich sind wir offen für Institutionen wie einzelne Menschen, die Pallia unterstützen oder mit uns kooperieren möchten. 

Als Abschlussfrage: Was sollten andere Kunden über GULP Direkt unbedingt erfahren?

Mich hat beeindruckt, wie Sie uns initiativ Ihre Unterstützung anboten. Im offiziellen Programm des “WirVsVirus” Hackathon haben ja diverse Unternehmen enorme Hilfsbereitschaft gezeigt. Dass GULP Direkt sich unabhängig davon bei uns meldete, zeigt, dass Sie als Unternehmen auch nach links und rechts schauen: “Wo können wir vielleicht eine Wirkung erzielen?”
Sowas kann weit über ein, ich nenne es mal “Social Greenwashing”, hinaus ein Gewinn für alle Seiten sein. Im persönlichen Kontakt mit Ihnen wurde deutlich, dass Sie echtes Interesse an unserem Corona Projekt für Schwerkranke haben – und sogar weiterhin richtig mitfiebern. Dafür nochmal ein großes Danke! "

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