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New Work: Die Zukunft gehört den Selbstständigen

09.01.2019
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Ihr rhythmisches Klappern ist in deutschen Büros längst verstummt. Dabei hat die Schreibmaschine die Arbeitswelt vor 100 Jahren so grundlegend verändert wie heute die Digitalisierung. Die technische Schreibhilfe eröffnete Frauen erstmals den Zugang zu Büroarbeitsplätzen und befreite sie von Heim und Herd. Heute machen Laptop, Smartphone und bald auch 5G die Erwerbsarbeit jederzeit und überall möglich und Arbeitende unabhängig von ihrem Schreibtisch im Büro und genau definierten Arbeitszeiten. Zugleich erledigen Unternehmen immer mehr Arbeit in Projekten. Durch Methoden wie Scrum und Design Thinking lösen sich dabei schwerfällige Hierarchien auf. Teams organisieren sich selbst und übernehmen die Verantwortung für ihren Arbeitserfolg. Statt der Präsenz am Arbeitsplatz zählt in der neuen Arbeitswelt der Beitrag jedes Einzelnen zum Erfolg des Teams.

New Work bringt Familie und Beruf in die Balance

Vier von zehn Deutschen sehen in dieser Entwicklung die Chance, Familie und Beruf dank flexiblerer Arbeitszeiten besser unter einen Hut zu bringen, so eine Umfrage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Wie eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Allianz für selbständige Wissensarbeit ergab, ist diese Flexibilität auch für 42 Prozent der Freelancer, der Grund, weshalb sie selbstständig arbeiten. Sie wollen ihre Arbeitsstunden so legen, dass sie ohne Zeitdruck die Kinder in die KiTa bringen und wieder abholen können. Durch die Arbeit im Home Office wollen sie es sich außerdem ersparen, jeden Tag Stunden auf dem Weg ins Büro zu verbringen.

Freelancer bereuen den Schritt in die Neue Arbeitswelt nicht

Obwohl die meisten freien IT-Profis in der Praxis der Projektarbeit zwar nur selten von zu Hause arbeiten können, bereuen die wenigsten Solo-Selbstständigen ihren Schritt in die Unabhängigkeit: 95,4 Prozent der Freelancer sind laut einer Studie von GULP aus Überzeugung selbstständig. Nur 0,8 Prozent der rund 100.000 in Deutschland selbstständigen IT-Profis würden sich für eine Festanstellung entscheiden, wenn sich ihnen die Gelegenheit böte, ergab außerdem eine Studie des Marktforschungsunternehmens IDG.

Mit New Work begegnen Unternehmen dem Fachkräftemangel

In den Unternehmen stößt der Wunsch der Freelancer, flexibel zu arbeiten, auf eine gewaltige Nachfrage nach Unterstützung durch externe Kräfte. Zahlen des IT-Branchenverbandes Bitkom zufolge konnten Unternehmen 2018 ganze 82.000 Stellen nicht mit IT-Profis besetzen. Damit stieg der Fachkräftemangel gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent.

Neue Arbeitsformen machen Unternehmen schneller und flexibler

Die Personalnot erklärt die Bedeutung der freien Mitarbeiter für die Unternehmen jedoch nur zum Teil. Freelancer sind für viele Firmen auch eine unersetzbare Ressource, mit der sie den Herausforderungen der Digitalisierung und Globalisierung begegnen.

Um dem zunehmenden Kostendruck im weltweiten Wettbewerb standhalten zu können, müssen Unternehmen zunehmend produktiver werden. Immer kürzere Innovationszyklen zwingen sie zugleich dazu, immer schneller neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Firmen müssen Personal deshalb immer schneller und flexibler auf neue Aufgaben ansetzen können.

Projektmarkt boomt dank neuer Arbeitsformen

Freelancer erfüllen in dieser Situation die Anforderungen, die Unternehmen an die zeitliche und räumliche Flexibilität von Mitarbeitern haben. Auf dem Projektmarkt herrscht daher Hochkonjunktur. Der Markt für die Vermittlung von Freelancern legte 2017 um 12,9 Prozent auf insgesamt 11,1 Milliarden Euro zu. Im laufenden Jahr wird er um weitere 11,2 Prozent wachsen, hat das Marktforschungsunternehmen Lünendonk und Hossenfelder errechnet.

Freelancer-Tipp

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Regulierung bremst New Work in jedem fünften Unternehmen aus

Allerdings sind Freelancer nicht unbedingt günstiger als festangestellte Mitarbeiter. Da die Nachfrage nach freien Mitarbeitern bei den Unternehmen größer ist als die Zahl der nach Aufträgen suchenden Freelancer, können diese großzügige Stundensätze berechnen. Außerdem ist durch die Novelle des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes seit April 2017 die Gefahr gestiegen, dass die deutsche Rentenversicherung Freelancer als Scheinselbstständige einstuft. Unternehmen müssen dann sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil zu den Sozialversicherungen nachzahlen. Jedes fünfte Unternehmen will dieses Risiko nicht eingehen und einer Studie von GULP zufolge komplett auf die Vorteile neuer Arbeitsformen verzichten. Hier gilt es in den nächsten Jahren, weiter Aufklärungsarbeit in Berlin zu leisten und Unternehmen sowie Experten gut über alle Möglichkeiten und den sicheren Einsatz von Freiberuflern zu informieren und zu beraten. 

Selbstständigkeit wird bis 2030 zur häufigsten Beschäftigungsform

Diese aktuellen Sorgen sollten jedoch künftig immer kleiner werden. Längst hat die Deutsche Regierung verstanden, wie wichtig die selbstständige Wissensarbeit für die Innovationsfähigkeit des Landes ist. Es ist zu erwarten, dass die Selbstständigkeit in Deutschland zunehmen wird, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeichnet. Ihr Fazit: Da immer mehr Arbeitende Beruf und Privatleben mit Hilfe digitaler Arbeits- und Kommunikationsmittel unter einen Hut bringen und Unternehmen ihre Produktivität durch das Outsourcing von Arbeitsaufträgen optimieren wollen, wird Selbstständigkeit im Jahr 2030 die häufigste Beschäftigungsform sein. Dies setzt allerdings voraus, dass die Bundesregierung bis dahin flächendeckend 5G- und Glasfasernetze in Deutschland aufbaut. Nur mit ihnen können Freelancer wirklich überall arbeiten und Unternehmen ihren Personalbedarf projektbezogen und schnell über digitale Plattformen decken.

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