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Projektauslastung: Wie geht es Freiberuflern in der Corona-Krise?

GULP Arbeitslebenstudie 2021 – erste Ergebnisse

17.09.2021
Florian Schießl – Freiberuflicher Autor
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Was passiert auf dem Freelancer-Projektmarkt in der globalen Pandemie? Die Geister scheiden sich an zwei zentralen, aber gegenläufigen Thesen. Zum einen: Corona ist ein großer Unsicherheitsfaktor, das spiegelt sich etwa in zögerlicher Vergabe und unsicherer Laufzeit der Projekte wieder. Im Endeffekt würde das für eine schlechtere Auftragslage bei Freiberuflern sprechen. Zum anderen, dass mit fortlaufenden Einschränkungen durch Corona-Maßnahmen der Druck steigt, Prozesse und Dienstleistungen zu digitalisieren. Das sollte das Auftragsvolumen erhöhen. Was entspricht nun eher der Wahrheit?
GULP hat im Rahmen der Arbeitsleben Studie 2021 nachgefragt. Hier sehen Sie erste exklusive Ergebnisse der Umfrage, die von  IT-Freelancer Magazin, manage it, Swiss IT Magazine, Computerworld.ch, Inside-it, ictjobs.ch und swissICT unterstützt wird. Erstmals wurden nicht nur Freelancer:innen und Festangestellte befragt, sondern es können auch Arbeitgeber:innen und Projektanbieter:inn an der Befragung teilnehmen. Die Studie wird zudem zum ersten Mal in Kooperation mit der GULP Redaktion in der Schweiz durchgeführt.

Für eine erste Zwischenauswertung zur Projektauslastung von Freelancern lagen uns 383 Datensätze vor, darunter von 184 teilnehmenden Freelancer:innen aus Deutschland und der Schweiz.

Über die GULP Arbeitsleben Studie

Seit 2013 liefern GULP Studien einen Überblick über Stundensätze, Projekte und Auslastung von freien Mitarbeitenden der IT- und Engineering-Branche. An der aktuellen Arbeitsleben Studie nahmen im Zeitraum von Juni 2021 bis Januar 2022 insgesamt 781 Unternehmer:innen sowie freie und festangestellte Mitarbeitende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Sie gaben Auskunft über Überstunden und Verdienst, Arbeitsleben, Zufriedenheit, Anforderungen an Unternehmen und Expert:innen sowie Trends.

 

Zu allen Ergebnissen

Genügend Projekte? Eine Frage des Heimatprojektmarkts

Corona-Senke? Scheinbar nicht die Spur! 77,7 Prozent der teilnehmenden freien Expert:innen aus Deutschland und der Schweiz können sich nicht über fehlende Auslastung beklagen. Anders gesagt: Mit 22,3 Prozent findet nicht mal ein Viertel keine passenden Projekte. Vor Corona war die Situation beinahe identisch: 77,8 Prozent waren zum Umfragezeitpunkt im Jahr 2019 im Projekt.

Rund drei Viertel der Freelancer findet derzeit genügend Projekte

Betrachtet man die beiden Länder separat, zeigt sich ein differenzierteres Bild: Der Deutsche Projektmarkt zeigt sich in der Pandemie äußerst formstark. In der Bundesrepublik finden aktuell 85,4 Prozent ausreichend Projekte. In der Schweiz ist die Lage weniger rosig: Gaben 2020 in der Schweizer GULP Freelancer Studie noch 71,5 Prozent der dort teilnehmenden Selbstständigen an, auf ihrem Heimatmarkt genügend Projekte zu finden, sind es dieses Jahr nur noch etwas mehr als die Hälfte der Befragten (55,3 Prozent). Ein Grund zur Sorge – oder liegt es an der (noch) kleinen Stichprobe von 47 Schweizer Freelancer:innen?

Arbeitsvolumen auf Augenhöhe mit Festangestellten

Und wie viel arbeiten die Freiberufler:innen im Jahr? Mit 31,2 Prozent gab der mit Abstand größte einzelne Block der Befragten an, im letzten Jahr 200-250 abrechenbare Tage im Projekt gewesen zu sein. Insgesamt fast zwei Drittel (62,3 Prozent) der Teilnehmenden konnte 2020 mehr als 150 Projekttage fakturieren, 37,7 Prozent sogar mehr als 200. Dabei unterscheiden sich die beiden Länder nicht großartig: In der Schweiz wurden von 34,0 Prozent der Freelancer:innen mehr als 200 Projekttage abgerechnet, in Deutschland waren die Freien mit einem Anteil von 37,7 Prozent in dieser Kategorie nur unwesentlich arbeitsamer. Dies kann bei 47 (Schweiz) bzw. 114 (Deutschland) Befragten natürlich nur ein erster Trend sein.

Die meisten Freelancer waren 2020 zwischen 200 und 250 Arbeitstagen im Projekt

Zur Einordnung: Festangestellte in Vollzeit arbeiten 225 Tage im Jahr. Daten aus dem GULP New Work Kompendium 2019 zufolge, investieren die Selbstständigen rund 20 Prozent ihrer Arbeitszeit in nicht abrechenbare, zusätzliche Arbeit wie Administration, Akquise & Co. Entsprechend arbeiteten die oben genannten 37,7 Prozent der freien Experten mit 220 oder mehr Tagen gleich viel oder mehr als ihre festangestellten Kollegen.

Am unteren Ende der Skala finden sich nur etwa ein Zehntel (10,9 Prozent) der Befragten in Deutschland und der Schweiz wieder: Diese Gruppe steht bei 0-50 Tage Projektauslastung bzw., inkl. nicht abrechenbarer Zeit, entsprechend ca. 0-60 Gesamtarbeitstagen im letzten Jahr. Das klingt auch hier erst einmal nicht nach einem Erlahmen des Projektmarkts durch die Coronakrise.

Seien Sie gespannt auf die Endauswertung der Arbeitslebenstudie, in der wir diese und andere Fragen zu Skills, Honoraren und Weiterem unter die Lupe nehmen.

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