Das Auto der Zukunft, Teil 2: Smartphones und Multimedia

iPhone und Internet im Auto: Ist das für Freiberufler noch Zukunftsmusik?

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 (Dezember 2011)

 

Immer mehr Menschen möchten im Fahrzeug auf die auf ihrem Smartphone gespeicherte Musik Zugriff haben oder die Daten zwischen Auto und Handy synchronisieren. Was ist hierfür die beste Lösung? Wie können Apps fürs Fahrzeug auf Fahrzeugdaten (z.B. GPS) zugreifen? Wird es eine offene Plattform für alle Apps und Fahrzeughersteller geben? Sollten alle Fahrzeugdaten in der Cloud abgelegt werden? Nachdem wir in Teil 1 dieser dreiteiligen Serie über das Auto der Zukunft die Fahrerassistenz näher beleuchtet haben, geht es in diesem zweiten Teil um den Bereich, der die hier genannten Fragen aufwirft: Smartphones und Multimedia im Automotive-Bereich. Wo gibt es hier Projekte für Freiberufler?

Entwickler für mobile Apps im Automotive-Umfeld

Der erste Bereich, den wir uns näher ansehen, ist die Entwicklung von mobilen Apps fürs Auto. Das ist ohnehin ein Markt mit Zukunftschancen, wie wir im März 2011 in einer Marktstudie festgestellt haben. Freelancer, die einen neuen Tätigkeitsbereich suchen und vielleicht schon Kenntnisse in Java, J2EE, Eclipse, xCode, Objective C, C++, C# mitbringen, sollten sich überlegen, ob die Entwicklung von mobile Apps nicht etwas für sie wäre. Gerade in der Automotive-Branche gewinnen mobile Endgeräte zunehmend an Bedeutung. So etwa im Bereich Infotainment bei der Kommunikation zwischen Smartphone und Auto (Mensch-Maschine-Schnittstelle). Ideale Weiterentwicklungsmöglichkeiten also auch für Engineering-Freelancer. Was sollten sie mitbringen?

Tätigkeit/
Aufgabenbereich
Primäre Skills Sekundäre Skills
App-Entwicklung Mobile Betriebssysteme, v.a. Android, iOs (iPhone, iPad);
Hardware-Beschränkungen der Smartphone-Plattformen;
Objective C, Java, C++;
Branchen-Erfahrung Automotive;
Hardwarebeschleunigung (z.B. Video-Enkodierung, Parallelverarbeitung);
GUI-Design;
Bild- und Signalverarbeitung im Automotive-Bereich;
Ajax, Javascript-Frameworks, Java Server Faces, Flash/Flex;
Englisch;

Im Auto der Zukunft geht es nicht rein um das Entwickeln von Apps, sondern um die Integration des Smartphones ins Auto. Gefragt sind fast ausschließlich Know-how über Android und iOs (iPhone, iPad), die anderen mobilen Betriebssysteme verlieren hier an Bedeutung. Software-Entwickler für Smartphone-Applikationen im Automotive-Umfeld sollten natürlich Kenntnisse in der App-Programmierung und Wissen über die Beschränkungen der Smartphone-Plattformen mitbringen. Nötig ist aber darüber hinaus neben Branchenkenntnis das Wissen, wie effizient auf die Sensorik zugegriffen werden kann (Video, Audio, GPS, ...). Freelancer sollten Erfahrung mit GUI-Design und grafischen Benutzeroberflächen mitbringen, sowie über Bild- und Signalverarbeitung im Automotive-Bereich Bescheid wissen.

Oft ist in der Automotive-Branche zusätzlich zur reinen App-Entwicklung Schnittstellen-Wissen gefragt. Deswegen fließen der erste und der zweite Punkt in diesem Artikel auch fast nahtlos ineinander über. Das Umfeld, in dem Freiberufler eingesetzt werden, geht über die Smartphone-Integration hinaus – hinein in den Multimedia- und Internetbereich.

Wer zum Beispiel Branchenkenntnis hat, mit OO-Modellierungstechniken (z.B. UML-Systeme) umgehen kann und Wissen über relationale Datenbanken (z.B. Oracle, Applikationserver JEE/Glassfish) und die Entwicklung mobiler Applikationen mitbringt, ist gefragt, wenn es darum geht, Webtechnologien ins Fahrzeug zu integrieren. Freiberufler können dann etwa Web-Oberflächen auf Basis von JSF, HTML und XML, CSS, Javascript, Ajax, Flex/Flash programmieren, die ins Auto integriert werden.

Beispiel für eine Projektanfrage:

Gesucht war ein Software-Entwickler (m/w) für den Bereich Smartphone-Applikationen.
Aufgaben:
Unterstützung des vorhandenen Entwicklungsteams bei der Programmierung von Apps für iPhone und Android.
Gesuchtes Qualifikationsprofil:

  • Erfahrung im Bereich Entwicklung von Apps für iPhone und Android
  • Programmiersprachen: Objective C, Java, c, C++
  • Effizienter Zugriff auf Sensorik (Video, Audio, GPS, Sonstige) und Dateisystem
  • Nutzung der verfügbaren Hardwarebeschleunigung (z.B. Video-Enkodierung und Parallelverarbeitung)
  • In-App-Purchase und In-App-Advertising
  • GUI-Design hilfreich, aber nicht notwendig
  • Bild- und Signalverarbeitung, insbesondere im Automotive-Bereich
  • Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift (da internationales Team)

(Embedded-) Software-Entwickler im Bereich Multimedia/Infotainment

Tätigkeit/
Aufgabenbereich
Primäre Skills Sekundäre Skills
Embedded-Entwicklung (z.B. Multimedia, Infotainment oder HMI) Erfahrung in der Embedded-Infotainment-Entwicklung (Navigation, HMI, Multimedia);
Erfahrung in der Lösung von Problemen mit Performance, Speicher, Stabilität;
Erfahrung in der HMI-Entwicklung (Skinning, Grafik);
Erfahrung in der GUI-Entwicklung (Automotive);
C, C++, Objective C, Embedded C, Java, UML;
Schnittstellenprogrammierung (CAN, I2C, SPI, USB etc.);
MOST;
App-Entwicklung;
Mikrokontroller;
Mobile Betriebssysteme;
Datenbankkennisse Embedded-DBMS (SQlite);
Media-Engines (QNX Aviage Multimedia, Openmax AL);
SDK (Software Development Kit) für Mobiltelefone;
Qualitätsstandards für Automotive-Software;
CAN & CAN-Werkzeuge (z.B. CANoe), Lin;
DOORS (für Requirements Engineering);

Wie gesagt, die Übergänge sind fließend, deswegen sind auch in dieser Tabelle die mobilen Betriebssysteme aufgeführt. Wenn Bediensysteme und Schnittstellen für die Integration von Smartphone entwickelt werden sollen, ist dafür zunächst Embedded-Programmierung mit C gefragt. Aber natürlich sollten dem Freiberufler auch die mobilen OS bekannt sein. Meist handelt es sich im Multimedia-Bereich um Embedded-Entwicklung – aber auch eine reine Software-Entwicklung ohne die Beschränkung der eingebetteten Systeme ist hin und wieder gefragt. Manchmal auch alles in einem, wenn zum Beispiel nicht nur eine GSM-Schnittstelle zwischen Mobiltelefon und Fahrzeug spezifiziert werden soll, sondern auch die Entwicklung einer Applikation für Mobiltelefone und einer PC-Applikation als Kommunikationsendpunkt gefordert werden. Oft wird Erfahrung mit Computergrafik oder grafischen Benutzeroberflächen (GUI) gefordert. Hier ist wiederum ein fließender Übergang zur Fahrerassistenz (siehe Teil 1) gegeben – denn MMI-Schnittstellen sind nicht nur für Enter- und Infotainment, sondern auch für die Fahrerassistenz nötig.

Beispiele für Tätigkeiten von (Embedded-)Entwicklern im Bereich Multimedia/Entertainment (Automotive):

  • Definition, Programmierung und Integration von neuen Soundfunktionen, automotive DSP-Entwicklung (Digital Sound Processing)
  • Entwicklung von Softwaremodulen zur Erschließung sowie Wiedergabe von Audio-/Videoinhalten verschiedenster Medienquellen (z.B. DVD und USB) und Integration mobiler Medienplayer ins Fahrzeug; Definition von Softwareschnittstellen sowie Erstellung von Modultests und Dokumentation
  • Entwicklung graphischer Benutzeroberflächen, Modellierung von Zustandsautomaten, Programmierung in Java

Geht es um die Entwicklung von MMI-Schnittstellen (zur Steuerung von z.B. Klimasystemen oder Multimedia-Anwendungen) und dabei um Requirements Engineering, ist auch eine Kenntnis der Hardware hilfreich. Hier sind Elektrotechniker gefragt, die sich mit Elektronik und der Software-Entwicklung auskennen – Mikrokontroller und Echtzeitsysteme eingeschlossen. Oft wird in diesem Bereich Erfahrung im gleichen Projektumfeld (MMI, Multimedia und Fahrerassistenz) gefordert.

Beispiel für eine Projektanfrage:

Gesucht war ein Software-Ingenieur (m/w) für Navigationsprojekte.
Aufgaben:

  • Entwicklung von ansprechenden, intuitiv und in Echtzeit zu bedienenden Benutzerschnittstellen
  • Analyse von Problemen, die sich aus der Integration unterschiedlicher Systemkomponenten ergeben
  • Portierung auf unterschiedliche Embedded-Plattformen bei möglichst hohem Grad an Code-Wiederverwendung
  • Beachten der für Automotive-Software nötigen Qualitätssicherungsmaßnahmen
  • Größtmögliche Automatisierung von Arbeitsschritten in der Softwareintegration und im Test

Gesuchtes Qualifikationsprofil:
Must-have:

  • Gute C++ Kenntnisse
  • Erfahrungen mit
    • Objektorientierung und Kenntnisse von OO-Konzepten
    • einem Embedded-Betriebssystem
    • einer Versionsverwaltung
  • Englischkenntnisse
  • Fähigkeit zum Erstellen von Spezifikationen und Dokumenten

Nice-to-have: Erfahrungen mit

  • UML und einem Case-Tool
  • Bibliotheken zur Erstellung grafischer Benutzerschnittstellen (z.B. QT oder GTK)
  • dem Betriebssystem Windows CE
  • Computergrafik und OpenGL
  • den für Navigationssysteme relevanten Algorithmen und Datenformaten
  • Softwarewerkzeugen zur Analyse von Fehlern
  • der Abwicklung von Softwareprojekten in der Automobilindustrie

Profile von Freiberuflern in diesem Bereich sehen beispielsweise so aus:

Selbstständige Spezialisten für (Embedded-)Software-Entwicklung Multimedia/Entertainment im Automotive-Bereich in der GULP Datenbank fordern im Schnitt 69 Euro pro Stunde, sind 45 Jahre alt und blicken auf 20 Jahre Berufserfahrung zurück. Ihre App-Kollegen (Erläuterung siehe oben) sind im Schnitt um fünf Jahre jünger und um drei Jahre unerfahrener. Ihr Stundensatz liegt dagegen im Schnitt um 4 Euro höher (73 Euro). Bei den Testern in diesem speziellen Bereich (Erläuterung siehe unten) liegt der durchschnittliche Stundensatz bei 70 Euro – bei einem Durchschnittsalter von 45 Jahren und 20 Jahren Berufserfahrung.

Tester im Bereich Smartphone/Multimedia/Entertainment

Tätigkeit/
Aufgabenbereich
Primäre Skills Sekundäre Skills
Tester Tester-Know-how;
Branchenerfahrung Automotive, manchmal sogar Erfahrung bei einem bestimmten Hersteller;
Protokollschichten;
Bussysteme;
HMI, MMI, Schnittstellen;
App-Entwicklung;
mobile Betriebssysteme;
Elektrotechnik;
Kenntnis des „Testgegenstands“;

Kurz möchten wir hier auch auf die Tester eingehen, die natürlich sowohl zum Testen von Apps im Automotive-Umfeld als auch bei jeglicher anderer Software im Infotainment- oder Multimedia-Bereich zum Einsatz kommen. Natürlich sollten sie kennen, was sie testen: Zur Qualitätssicherung von Apps für das Fahrzeug müssen sie die Smartphones kennen und die Applikation im Fahrzeug testen können. Für den Test von TV-Tuner-Applikationen (und ihrer Bedien- und Anzeigemöglichkeiten) brauchen die Spezialisten Erfahrung in Telematik und Infotainment und weitreichendes Wissen in der Elektrotechnik. Tester-Know-how (z.B. Testspezifikationen, Testfälle, Dokumentation und Kommunikation der Ergebnisse) und Branchenerfahrung werden immer vorausgesetzt.

Beispiele für Tätigkeiten von Testern im Bereich Smartphone/Multimedia/Entertainment (Automotive):

  • Testen der Schnittstellen zwischen den Infotainment-Systemen und dem Fahrzeug, dazu gehören alle MMI-Einstellungen und Anzeigen (z.B. Klima- oder Sitzeinstellungen, Anzeige der Einparkhilfe usw.); getestet werden sowohl Protokollschichten und Bussysteme als auch Infotainment-interne Applikations- und HMI-Anteile.
  • Fehlermanagement und Absicherung von iPhone-Applikationen für ein Auto, die durch Schnittstellen über das HMI des Fahrzeugs bedienbar sind.
  • Durchführung von Erprobungen (Labor und Erprobungsfahrt) von TV-Tuner-Applikationen (DVB-T, ISDB-T, CTTB/CMMB, ATSC/Mediaflo) inkl. Prüfung aller relevanten Bedien- und Anzeigemöglichkeiten (HU, Rear Seat Entertainment, Kombi-Instrument, Multifunktionslenkrad, Sprachbedienung)

Beispiel für eine Projektanfrage:

Gesucht wurde ein Testentwickler/Connection Handling.
Aufgaben:

  • Entwicklung von Modul-, Funktions- und Integrationstests eines Connection Managers, der das Verbindungshandling von unterschiedlichen Zugangsknoten (Bluetooth, GSM/UMTS, WLAN) im Fahrzeug koordiniert. Dabei sind die Dienste eines Infotainment-Frameworks, einer Konzernschnittstelle zur Anbindung des HMIs und die Schnittstellen der jeweiligen Applikation zu nutzen
  • Definition und Abstimmung von Testcases und Funktionen mit den jeweiligen Funktionsentwicklern, Dokumentation der Arbeitsergebnisse

In Teil 3 unserer Serie zum Auto der Zukunft betrachten wir die Elektromobilität näher – und die Einsatzmöglichkeiten für Freiberufler.

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