IT-Security-Spezialisten: Mit Zertifikat zu mehr Projektanfragen

Freiberufliche IT-Security-Spezialisten mit TISP, CISSP, CISM oder CISA sind gefragter und verlangen höhere Honorare

(Juni 2011)

 

IT-Zertifikate sind in der Branche anerkannte Bestätigungen der Fachkenntnisse und steigern so den Marktwert und die Wettbewerbsfähigkeit. Sie sind Kompetenznachweise für Kunden und verbessern so die Chancen auf neue Projekte. So lauten zumindest die Versprechungen der zahlreichen Anbieter für Zertifikatsprüfungen. Seit die Firma Novell im Jahr 1989 ihr Zertifizierungsprogramm für den Certified Netware Engineer (CNE) startete, haben viele weitere Hersteller eigene Zertifizierungsprogramme für ihre Produkte und Technologien entwickelt. So auch im IT-Security-Bereich, wo es unter anderem die Zertifikate TISP, CISSP, CISM, CISA zu erwerben gibt. Wir haben uns den Bereich der IT-Sicherheit herausgepickt und uns anhand der Nachfrage und der Stundensätze angesehen, ob sich solche Zertifikate lohnen. Und tatsächlich: IT-Security-Spezialisten mit Zertifikat bekommen tendenziell mehr Projektanfragen als ihre Kollegen ohne „Schein“.

Die Daten für diese Marktstudie lieferten die Profile der in die GULP Datenbank eingetragenen IT-Spezialisten, der GULP Trend Analyzer und die über GULP an Freelancer zugestellten Projektanfragen.

Zunächst kurz zur Methode: Wir haben aus über 75.000 Profilen von IT-Selbstständigen in unserer Datenbank zwei gleich große Gruppen von Freiberuflern gezogen. Die einen verfügen über mindestens eines der Zertifikate TISP (TeleTrusT Information Security Professional), CISSP (Certified Information Systems Security Professional), CISM (Certified Information Security Manager), CISA (Certified Information Systems Auditor). Die anderen haben die gleichen Skills und sind im gleichen Bereich tätig, jedoch ohne dass sie eines der Zertifikate in ihr Profil eingetragen hätten.

Die wichtigsten Daten wie immer im Überblick:

Durchschnittswerte FB mit IT-
Security-
Zertifizierung
FB im IT-
Security-
Bereich ohne
Zertifizierung
Alle IT-
Freiberufler
Geforderter
Stundensatz
85 Euro 79 Euro 72 Euro
Alter 43 Jahre 45 Jahre 44 Jahre
Berufserfahrung 19 Jahre 21 Jahre 20 Jahre

Security-Spezialisten mit Zertifizierung sind gefragter

Die Security-Spezialisten mit Zertifikat haben von Januar 2009 bis Juni 2011 etwa 2.515 Projektanfragen erhalten. Rein rechnerisch sind das etwa 14 pro zertifiziertem Selbstständigem (ohne die Verfügbarkeit mit einzubeziehen). Mit Projektanfrage ist ein konkretes Angebot zur Mitarbeit in einem IT-Projekt gemeint, das ein Projektanbieter einem Selbstständigen zuschickt, wenn der Selbstständige für das Projekt infrage kommt. Die Security-Spezialisten ohne Zertifikat bekamen im gleichen Zeitraum 2.176 Anfragen, das sind etwa 12 pro Selbstständigem – also etwas weniger. Das deutet darauf hin, dass Freiberufler mit Zertifikat bevorzugt werden und etwas stärker gefragt sind.

Allerdings ist eine solche Zertifizierung kein absolutes Ausschlusskriterium:

In den entsprechenden Projektanfragen im IT-Security-Bereich wird eine solche Zertifizierung in den allermeisten Fällen als Nice-to-have angegeben, also nicht zwingend vorausgesetzt. Fast immer wird von den Unternehmen entsprechende Praxis oder Erfahrung als gleichwertig akzeptiert. Dennoch bringt das Vorhandensein einer Zertifizierung wie TISP, CISSP so gut wie immer Pluspunkte. Dabei ist auffällig, dass nur wenige Projektanbieter sich in den Projektanfragen auf ein bestimmtes Information-Security-Zertifikat festlegen. In der Regel werden alle ähnlichen Zertifikate akzeptiert.

Mit Security-Zertifikat höhere Stundensätze

Selbstständige Security-Experten mit Zertifikat fordern im Schnitt um 6 Euro höhere Stundensätze als Security-Experten ohne Zertifikat (85 Euro im Vergleich zu 79 Euro). Beide liegen aber im oberen Stundensatzbereich: Alle bei GULP eingetragenen IT-Selbstständigen fordern im Schnitt 72 Euro pro Stunde.

Stundensatzforderungen der selbstständigen Security-Spezialisten mit und ohne Zertifikat

Die Grafik macht die Verschiebung bei der Verteilung der Stundensätze mit und ohne Zertifizierung deutlich. So fordern zum Beispiel 29,2 Prozent der Security-Spezialisten mit Zertifikat Stundensätze zwischen 60 und 79 Euro – aber 44,1 Prozent ihrer Kollegen ohne Zertifikat liegen mit ihrer Honorarvorstellung in diesem Bereich. Über 100 Euro verlangen nur 13,7 Prozent der Spezialisten ohne Zertifikat, aber ein Fünftel der Security-Freelancer mit TISP, CISSP & Co.

Blick über den Tellerrand: In anderen Bereichen ähnlich

Der Erfahrung nach ist das bei Zertifikaten in anderen Bereichen ähnlich und kein Phänomen, das nur bei IT-Security auftritt. Ein Drittel der Projektanbieter war bei einer GULP Umfrage im Oktober 2009 der Meinung, dass IT-Freiberufler mit Diplom und Zertifikat besser bezahlt werden. 29 Prozent der Projektanbieter sagten ganz klar: Ich bevorzuge Kandidaten mit einer passenden Zertifizierung. Zusammen mit den 48 Prozent, die Zertifikate für das Tüpfelchen auf dem i halten, wenn auch der Rest stimmt, bedeutet das: Mehr als Dreiviertel (77 Prozent) der Projektanbieter achten genau auf ITIL, ITQB & Co.

Nur ein Drittel der Freiberufler hält Zertifikate für wichtig

Freiberufler sehen die Wichtigkeit von Zertifizierungen – egal in welchem Bereich – allerdings skeptischer. 33 Prozent der Teilnehmer an einer GULP Kurzumfrage im November 2010 schätzten die Bedeutung von Zertifizierungen hoch ein. Für sie wäre ein Zertifikat in ihrem Bereich ein Qualitätsnachweis, der Vertrauen bei den Kunden schafft und das eigene Image stärkt. Dies würde dann auch die Chancen auf Projekte verbessern. Die überwiegende Mehrheit (67 Prozent) der Teilnehmer sieht das eher skeptisch und die Bedeutung eines Zertifikats als gering an. Für diese Gruppe sind andere Faktoren wie die (nicht zertifizierbare) Bereitschaft zu Engagement und Leistung sowie die in der Praxis erworbene Erfahrung weitaus wichtiger für den eigenen Marktwert.

"Zertifikate bringen etwas, wenn man den ‚harten Weg‘ geht und sie über praktisches Lernen erwirbt“, kommentierte ein Selbstständiger das Umfrage-Ergebnis. „Für den Kunden ist aber nicht zu erkennen, ob stures Auswendiglernen von Prüfungsfragen oder praktische Erfahrung zur erfolgreichen Zertifizierung führten. Sie ist daher von fragwürdigem Wert. Ich habe zwei Zertifikate, mich hat noch nie jemand danach gefragt."

Mit einem Skill-Profil bei GULP können IT/Engineering-Selbstständige… GULP Profil anlegen

… Projektangebote von GULP und mehr als 2.500 Projektanbietern erhalten, die über GULP externe Mitarbeiter für sich oder ihre Kunden rekrutieren. Zusätzlich können die Freiberufler selbst im GULP Roboter nach aktuellen Projektausschreibungen suchen und sich aktiv darauf bewerben: Täglich sind auf www.gulp.de über 1.000 offene Positionen in IT-/Engineering-Projekten ausgeschrieben. Der Eintrag eines GULP Profils ist kostenlos.

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