Ohne Erfahrung läuft nichts – ohne Zertifizierung dagegen schon

GULP Marktstudie analysiert selbstständige IT-Projektmanager und IT-Projektleiter

(September 2011)

 

Wer hält bei IT-/Engineering-Projekten alle Fäden in der Hand? Wer schätzt den Aufwand ab, managt die Ressourcen und behält die Kosten unter Kontrolle? Die IT-Projektmanager. Dass diese spezialisierten Experten erfahrener und älter sind als der Durchschnitt, war zu erwarten. Dass die Stundensätze sich gut oberhalb des Durchschnitts bewegen, auch. Diese Marktstudie analysiert, wie es genau um die Honorare steht, welche Zertifizierungen wie gefragt sind und welche Skills von Projektleitern erwartet werden.

Die Daten für diese Marktstudie lieferten die Profile der in die GULP Datenbank eingetragenen IT-Spezialisten, der GULP Trend Analyzer und die über GULP an Freelancer zugestellten Projektanfragen.

Die wichtigsten Daten im Überblick:

Durchschnittswerte Selbstständige Projektmanager Alle bei GULP eingetragenen Freiberufler
Stundensatzforderung 88 Euro 73 Euro
Alter 47 Jahre 44 Jahre
Berufserfahrung 22 Jahre 20 Jahre

Für diese Auswertung haben wir nur diejenigen Projektmanager berücksichtigt, die absolute Spezialisten auf ihrem Gebiet sind – und die oft die Rolle eines Teilprojektleiters oder Projektleiters einnehmen. Um die schwierige Suche nach „Projektmanagern“ besser eingrenzen zu können, haben wir uns hier auf diejenigen bei GULP eingetragenen Freiberufler konzentriert, die über mindestens eine der folgenden Zertifizierungen verfügen: PMI, PRINCE 2, GPM, IPMA, PMP oder PMBoK.

Häufigkeit der Projektmanagement-Zertifizierungen (Anteil Freiberufler an allen zertifizierten Projektmanagern)

Dabei wird deutlich: PMI und PRINCE2 sind die Favoriten unter den Freelancern. 41 Prozent der zertifizierten selbstständigen Projektmanager können eine PMI-Zertifizierung vorweisen, 40 Prozent sind es bei Prince 2. GPM, IPMA und PMP liegen jeweils bei einem Viertel. Nur bei zehn Prozent der zertifizierten Projektmanager steht auf dem Schein „PMBoK“.

Achtung: Hier ist es wichtig im Auge zu behalten, dass die Zertifizierung zum „Project Management Professional“ (PMP) vom Project Management Institute (PMI) vergeben wird. Viele Freelancer erwähnen in Ihrem Profil etwas wie „zertifiziert nach PMI“ – das wird in den meisten Fällen PMP sein. Das PMI vergibt daneben noch weitere Zertifizierungen wie etwa den „Certified Associate in Project Management“ (CAPM). Außerdem ist der „Project Management Body of Knowledge“ (PMBoK) die Grundlage für die PMP-Zertifizierung durch das PMI – also sozusagen das Buch zur PMP-Zertifizierung. Die drei Begriffe stehen also in einem engen Zusammenhang und die Trennung in der Grafik ist zwangsläufig etwas künstlich. Ähnlich verhält es sich bei GPM und IPMA: Die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) führt in ihrer Funktion als deutsche Vertretung der International Project Management Association (IPMA) ein vierstufiges Qualifizierungsprogramm für Projektmanagement durch (IPMA Level A bis D).

Ein Tipp für Freiberufler zur Profiloptimierung: Um in den Suchen von Projektanbietern auf jeden Fall gefunden zu werden, sollten Sie verschiedene Schreibweisen und Synonyme für Ihre Zertifizierung verwenden, zum Beispiel nicht nur IPMA, sondern auch GPM und zusätzlich den Level ihrer Qualifikation, also etwa „Certified Project Management Associate“.

Wobei wir hier nicht versäumen möchten, darauf hinzuweisen, dass in den allermeisten Projektanfragen entweder eine solche Zertifizierung oder die entsprechende Methodenkompetenz bzw. Erfahrung verlangt wird. Meist ist die Zertifizierung nur Nice-to-have und kann durch Erfahrung und Know-how ausgeglichen werden.

Beispiele für freiberufliche Projektmanager aus der GULP Datenbank:

Honorare 15 Euro über dem Durchschnitt

Stundensatzforderungen der selbstständigen Projektmanager

Die Honorare, die freiberufliche Projektmanager fordern, liegen mit 88 Euro um 15 Euro höher als der Durchschnitt aller bei GULP eingetragenen IT-Freelancer (73 Euro). Besonders auffällig wird das im oberen Segment: 9,5 Prozent aller IT-Selbstständigen verlangen Stundensätze jenseits der 100 Euro. Bei den Projektmanagern sind es 22,5 Prozent, also mehr als ein Fünftel.

Die Stundensätze sind natürlich von der Position abhängig, die der Freiberufler im Projekt einnimmt. 38,8 Prozent der analysierten zertifizierten Projektmanager sind als Projektleiter tätig – das ist die größte Gruppe. 34,2 Prozent nehmen auch Einsätze als Berater an. Beide Gruppen - sowohl die Projektmanager, die als Projektleiter tätig sind, wie auch die Berater – fordern 89 Euro pro Stunde. Lukrativ scheint die Zusatzqualifikation Trainer zu sein, denn Projektmanager, die auch in dieser Richtung tätig sind, verlangen im Schnitt 92 Euro pro Stunde. 19,3 Prozent der Projektmanager sind auch als Trainer tätig.

Nachfrage hält sich konstant – die Erfahrung macht’s

Anteil der Projektmanagement-Anfragen an allen Anfragen eines Monats

Der Anteil der Projektmanagement-Anfragen an allen Anfragen hält sich seit längerem konstant. Im August 2011 wurden in 8,0 Prozent aller über GULP verschickten Projektanfragen selbstständige Projektmanager gesucht. Im August 2010 waren es 8,8 Prozent – die Kurve hält sich ohne große Schwankungen.

Sieht man sich die einzelnen Zertifizierungen näher an, ist PMI die am häufigsten nachgefragte, dicht gefolgt von PRINCE2. Erst mit großem Abstand folgen IPMA, PMP und GPM – und dann kommt wieder lange nichts, bis PMBoK die Rangfolge abschließt. Im Vergleich zum Anteil der Freiberufler mit dem jeweiligen Zertifikat (siehe oben) zeigt sich ein recht ausgeglichenes Bild.

In Projektausschreibungen wird von einem IT-Projektleiter oder –manager natürlich sichere Kenntnis der Projektmanagement-Methoden erwartet. Immer gerne gesehen sind daneben die oben beschriebenen Zertifizierungen. Zusätzlich dazu wird oft Folgendes gesucht:

  • Projektleitungserfahrung bzw. Erfahrung im Projektmanagement. Teilweise wird die geforderte Projekterfahrung sehr konkret genannt, zum Beispiel: „Nachweis über persönlich durchgeführte Projekte mit einem Budget von mindestens 400.000 Euro und mit mindestens 15 Projektmitgliedern“ (aus einer Projektanfrage für einen IT-Projektleiter (w/m) Pharma)
  • Projektmanager nehmen oft eine Schnittstellenposition zu den technischen Projektmitarbeitern ein; das heißt, sie müssen die Technik (IT-Methoden und -Prozesse) verstehen, aber sind nicht selbst in die Technik involviert. Dazu gehört es auch, Erfahrung in der Führung von (Teil-)Projektteams mitzubringen.
  • Verhandlungssicheres Englisch sowie Erfahrung in internationalen Projekten
  • Zu den klassischen Projektmanagement-Skills gehören zum Beispiel Projektstrukturpläne, Ressourcenmanagement, Aufwandsabschätzungen, Budgetplanung und Kostenkalkulation, Überwachen der Terminpläne etc.

Älter und erfahrener als der Durchschnitt

Alter der selbstständigen Projektmanager

Selbstständige Projektmanager sind im Schnitt drei Jahre älter als alle IT-Freelancer und verfügen über zwei Jahre mehr Berufserfahrung. Jünger als 40 Jahre sind nur 16,3 Prozent der Projektmanager – aber etwa ein Viertel aller IT-Selbstständigen (24,9 Prozent). Etwa die Hälfte aller IT-Freiberufler (49,6 Prozent) blickt auf weniger als 20 Jahren Berufserfahrung zurück. Bei den Projektmanagern ist es nur ein gutes Drittel (34,7 Prozent). Das ist nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass hier die Spezialisten analysiert wurden. Um Projektleiter zu werden, ist in der Regel ein gewisser Erfahrungsschatz nötig.

Regionale Verteilung: München sticht hervor

Anteil der selbstständigen Projektmanager pro Region

Bei der regionalen Verteilung der selbstständigen Projektmanager sticht ein Gebiet hervor: In der Region in und um München (Postleitzahl 8xxxx) ist ein Viertel aller selbstständigen Projektmanager ansässig – ganz so deutlich ist die Konzentration auf dem gesamten IT-Projektmarkt nicht. Im Postleitzahlgebiet D8 sitzen nicht nur zwei große Firmen der deutschen Automobilindustrie, sondern viele System- und Softwarehäuser sowie große Technologie-Konzerne, die IT-Projektleiter nachfragen.

Fazit: Projektmanagement-Methoden und Soft Skills

IT-Projektmanager sind etwas erfahrener und etwas älter als der durchschnittliche IT-Freiberufler. Gesucht sind hier Experten auf ihrem Gebiet, die die Methoden so gut beherrschen, dass sie in einem interdisziplinären und interkulturellen Umfeld komplexe IT-Projekte koordinieren und terminieren können. Ob sie das Wissen aus einer Zertifizierung mitbringen oder aus Erfahrung, ist letztendlich nicht ausschlaggebend. Eine sehr gewichtige Rolle kommt in diesem Bereich aber den Soft Skills zu: Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Zielorientierung sind gefragt. Englisch ist immer häufiger die Projektsprache, entweder zusätzlich zu Deutsch oder ausschließlich. Wer sich also vom technischen IT-Projektmitarbeiter zum Projektleiter weiterentwickeln möchte, sollte den Fokus nicht nur auf die Projektmanagement-Methoden (Projektpläne, Ressourcenmanagement, Budgetkontrolle usw.), sondern auch auf die interkulturelle Kompetenz legen. Was den Erwerb eines Zertifikates angeht, sind auf dem IT-Projektmarkt wohl PMI und PRINCE2 die beste Wahl.

Mit einem Skill-Profil bei GULP können IT-Selbstständige… GULP Profil anlegen

… Projektangebote von GULP und mehr als 2.500 Projektanbietern erhalten, die über GULP externe Mitarbeiter für sich oder ihre Kunden rekrutieren. Zusätzlich können die Freiberufler selbst im GULP Roboter nach aktuellen Projektausschreibungen suchen und sich aktiv darauf bewerben: Täglich sind auf www.gulp.de über 1.000 offene Positionen in IT-/Engineering-Projekten ausgeschrieben. Der Eintrag eines GULP Profils ist kostenlos.

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Kommentare zu diesem Artikel:

"Leider auch gelegentlich anzutreffen: Mittels der Formulierungen PMI und/oder PMBOK wird die Tatsache des Fehlens einer tatsächlichen Zertifizierung "kaschiert". (September 2013)"

"Also ich muss sagen, wenn man die Zertifizierungen nicht unterscheiden kann, dann sollte man eine solche Studie nicht veröffentlichen! PMI ist die Institution, PMP die Zertifizierung dieser Institution und das PmBok die Schulungsunterlage. In Summe ergibt die Gulp Säulengrafik also 74% für den PMP. *** Anmerkung der GULP Redaktion: "Das ist korrekt, auf diesen Zusammenhang haben wir im Text hingewiesen." (Juni 2013)"

"sehr informativ, vielen Dank ! (November 2011)"

"interessant, dass sich die schmalen persoenlichen erfahrungen mit den breiten GULP-zahlen im wesentlichen decken. (September 2011)"

"Gute Aspekte für PM, überraschend die Konzentration auf München (September 2011)"

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