Projekte für selbstständige Ingenieure: Im Süden spielt sich mehr ab als im Norden

Angebot und Nachfrage in den einzelnen Regionen passen aber gut zusammen

(Juni 2011)

 

Hin und wieder werden wir mit der Sorge konfrontiert, dass es Projekte für freiberufliche Ingenieure nur im Süden Deutschlands gibt (Freiberufler) – beziehungsweise dass man im Norden keine Ingenieure für seine offenen Projektpositionen findet (Unternehmen). Dass die Sorge nicht begründet ist, zeigt die folgende Analyse von GULP. Ja, es gibt Regionen, in denen sich auf dem Engineering-Projektmarkt mehr abspielt als in anderen. Aber in den einzelnen Regionen im deutschsprachigen Raum passen Angebot und Nachfrage gut zusammen.

Hoher Bedarf an selbstständigen Ingenieuren

Anteil der Engineering-Projektanfragen an allen Anfragen eines Monats

Dass der Bedarf an Ingenieuren hoch ist, ist nichts Neues. Die Grafik aus dem GULP Trend Analyzer zeigt, dass vor allem dieses Jahr der Anteil der Ingenieurs-Projektanfragen an alle über GULP verschickten Anfragen rasant wächst – auf zuletzt 6,8 Prozent im April 2011. Und das bei einem gleichzeitig starken Anstieg der absoluten Anzahl an über GULP verschickten Projektanfragen.

Hierbei muss aber erwähnt werden, dass GULP seit Mitte 2010 einen verstärkten Fokus auf freiberufliche Ingenieure und Engineering-Projektanfragen gelegt hat. Der starke Nachfrage-Anstieg bei GULP ist nicht zuletzt darin begründet.

Jobs für Ingenieure in den einzelnen Regionen

Wie verteilt sich diese Nachfrage auf die einzelnen Regionen? Dafür zunächst einmal ein Blick über den Tellerrand: Wie sieht das bei den Stellen für angestellte Ingenieure aus? Hier gibt es deutliche Ballungszentren für Ingenieur-Jobs, wie die Grafik der Bundesagentur für Arbeit zeigt:

Regionale Beschäftigungsschwerpunkte für Ingenieure

Hier führt die Region in und um München das Ranking an: Dort arbeiteten im Jahr 2009 52.500 Ingenieure in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Insgesamt arbeiten in den Regionen München, Stuttgart, Hamburg, Berlin und Nürnberg zusammen mehr als ein Fünftel aller Ingenieure, wie die Bundesagentur für Arbeit in einer Publikation schreibt. „Die Beschäftigungssituation wird dabei häufig von einzelnen großen Firmen determiniert, die sich in diesen Städten niedergelassen haben“, heißt es dort weiter. Besonders viele Stellen kamen zwischen 2005 und 2009 demzufolge hinzu „in den Regionen Ingolstadt (+4.600 bzw. 124 Prozent), Hamburg (+3.700 bzw. +14 Prozent), Nürnberg (+2.700 bzw. +12 Prozent), Heilbronn (+1.800 bzw. 35 Prozent), Helmstedt/Wolfsburg (+1.500 bzw. 35 Prozent) und Berlin (+1.400 bzw. +5 Prozent).“

Konzentration der Selbstständigen auf den Süden

Ja, auch bei den selbstständigen Ingenieuren gibt es diese Konzentration auf einzelne Bereiche. Mehr als ein Drittel (34,2 Prozent) aller bei GULP eingetragenen Ingenieure stammen allein aus den Postleitzahlgebieten D7 (Stuttgart, Karlsruhe) und D8 (München, Ingolstadt).

Anteil aller Freiberufler und der Engineering-Freiberufler pro Region

Das ist aber keine Besonderheit der Engineering-Freiberufler, sondern betrifft alle der mehr als 75.000 bei GULP eingetragenen Selbstständigen aus IT/Engineering. 27,7 Prozent der IT/Engineering-Selbstständigen wohnen in den Regionen D7 und D8.

Etwas stärker ist die Konzentration auf den Süden Deutschlands bei den Ingenieuren also schon. Die Region um München (D8) kann hier den größten Unterschied zwischen Engineering-Selbstständigen und allen Freiberuflern verzeichnen: Der Anteil der Ingenieure ist dort um 23 Prozent höher.

Ein Problem wäre diese Konzentration der Freiberufler auf einzelne Regionen allerdings nur, wenn sich die Nachfrage entweder gleichmäßig über alle Regionen verteilen – oder sich in ganz anderen Regionen bündeln würde. Dem ist nicht so. (Anmerkung: In der grün markierten Region (Grafik) ist die Differenz am größten.)

Auch der Bedarf ist im Süden Deutschlands höher

Der Bedarf an selbstständigen Ingenieuren ist im Süden Deutschlands ebenso höher als im Rest Deutschlands.

Engineering bei GULP: Verteilung der Projektanfrage

In 40,7 Prozent der Engineering-Anfragen werden Selbstständige für die Postleitzahl D7 (Stuttgart, Karlsruhe) und D8 (Ingolstadt, München) gesucht. Aber nur in 30,1 Prozent aller Projektanfragen werden Freiberufler für diese beiden Regionen gesucht – deutliche zehn Prozentpunkte Unterschied.

Der Bedarf an Ingenieuren liegt dagegen in den Regionen D4 (Essen, Düsseldorf), D5 (Köln, Bonn) und D6 (Frankfurt am Main, Mannheim) bei niedrigen 27,6 Prozent – hier schneidet dafür der IT-Projektmarkt im Gesamten besser ab: In 37,8 Prozent aller Projektanfragen werden Selbstständige für diese drei Regionen gesucht. Hier sind also wieder die zehn Prozentpunkte Unterschied, diesmal aber in die andere Richtung.

Anteil alle Projektanfragen und der Engineering-Anfragen pro Region

In den Gebieten D8 und D9 kommen viele der Anfragen, in denen Ingenieure gesucht werden, aus dem Automotive-Bereich. Im Gebiet D2 (Hamburg, Bremen) ist in punkto Engineering-Nachfrage die Luft- und Raumfahrtindustrie maßgebend. In D7 ist es eine Kombination: Automobil-Branche in und um Stuttgart, Luft- und Raumfahrt in der Bodensee-Region. Im Postleitzahlgebiet D6 – beim allgemeinen Bedarf eher von der Banken- und Finanzindustrie bestimmt – kommen viele Ingenieurs-Projektanfragen von Automobilzulieferern. Im Gebiet D9 (Nürnberg, Erlangen) fällt die Energiebranche auf. Grün markiert sind auch hier in der Grafik die Regionen, in denen die Differenz am größten ist.

Anteil Selbstständige vs. Anteil Projektanfragen

Ein kurzer Blick auf die Gegenüberstellung der Freiberufler und der Projektanfragen räumt die letzten Zweifel aus. Wo Projekte vorhanden sind, sind in der Regel auch Freiberufler vorhanden – und vice versa. Angebot und Nachfrage passen zusammen:

Region Anteil
Projektanfragen
Anteil
Ingenieure
D0 2,7% 3,1%
D1 5,1% 6,5%
D2 7,4% 7,1%
D3 5,9% 5,8%
D4 6,3% 7,8%
D5 7,6% 9,6%
D6 13,7% 13,5%
D7 16,5% 13,0%
D8 24,2% 21,2%
D9 6,7% 6,7%
CH 1,4% 3,7%
A 2,5% 2,1%

Zum Schluss noch ein Gedanke: Eine GULP Kurzumfrage ergab im Februar 2011, dass IT/Engineering-Freiberufler hochmobil sind: 17 Prozent von ihnen akzeptieren jederzeit Projekte bis zu einem Radius von 100 Kilometern – und 27 Prozent sind sogar bereit, weltweit anzureisen, wenn das Projekt wirklich interessant ist. Stimmen Stundensatz und Aufgabe, dürfte es kein Problem sein, von D5 nach D6 zu pendeln. Oder wie sehen Sie das?

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Kommentare zu diesem Artikel:

"Tolle Info. (Juni 2011)"

"Gute Statistik, sowas ist immer hilfreich als Orientierung. (Juni 2011)"

"Also "von D5 nach D6 zu pendeln. Oder wie sehen Sie das?" könnte nur als problematisch angesehen werden, wenn von nordöstlichstes D5 nach südwestlichstes D6 gependelt werden müßte. Jedoch sind dies eigentlich keine Entfernungen. Flensburg - Passau das wäre eine Entfernung innerhalb BRD. 200 bis 300 km sind immer noch eine akzeptable Entfernung. Natürlich nicht für Heimschläfer. (Juni 2011)"

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