Mehr Probleme mit Projektverträgen?

Marktklima aktuell Mai 2012

(Mai 2012)

 

Datenbasis (Stand: Mai 2012)

Grundlage der Auswertung ist die
GULP Weiße Liste, in der IT-/Engineering-Freiberufler bisher über 8.800 Bewertungen zu Projekt­anbietern in 25 Kategorien abgegeben haben. Tragen auch Sie Ihre Erfahrungen ein!

GULP beleuchtet seit dem Jahr 2006 die Befindlichkeiten im IT-Projektmarkt: Die Artikelreihe "Marktklima aktuell" wird auf Basis der Einträge der IT-/Engineering-Freiberufler in die GULP Weiße
Liste
erstellt.

"Marktklima aktuell" ist der Gradmesser für das Verhältnis von IT-/Engineering-Freiberuflern und Projektanbietern - und richtet den Blick auch dorthin, wo es weh tut.

Mehr Probleme mit Projektverträgen?

In der Weißen Liste können Selbstständige mit GULP Profil ihren Projektanbieter bewerten – es gibt sieben thematisch verschiedene Fragenblöcke vom Projektangebot über die Stundensätze bis hin zu Service oder Betreuung. Ein Komplex trägt den Titel „Verträge“, er beinhaltet Punkte wie: Hat der Selbstständige den Vertrag zu Gesicht bekommen? Wie fand er ihn? War er für beide Seiten fair? Diesem Themengebiet ist die hier ausgewertete Frage entnommen.

Im Jahr 2008 haben 67,5 Prozent der IT-/Engineering-Freiberufler bei ihrer Bewertung in der GULP Weißen Liste angegeben, dass sie den Vertrag, der ihnen vom Projektanbieter vorgelegt wurde, ohne Änderung unterschrieben haben. 2011 waren es nur noch 60,8 Prozent.

Gar nicht unterschrieben haben 2008 6,5 Prozent der IT-/Engineering-Freiberufler, die ihren Projektanbieter bewertet haben – im Jahr 2011 waren es 13,9 Prozent und damit fast doppelt so viele. Es gab allerdings schon einmal einen ähnlich hohen Wert: 2006 gaben 10,7 Prozent der Freelancer an, den Vertrag gar nicht unterschrieben zu haben. Es scheint so, als hätte sich die Situation in den letzten sechs Jahren zuerst verbessert und dann wieder verschlechtert.

Für das Jahr 2012 liegen noch nicht genügend Einträge vor, sodass eine Auswertung noch nicht möglich war. Haben Sie selbst Erfahrungen mit Projektanbietern gemacht – egal ob sehr gut, mittelmäßig oder schlecht? Bewerten Sie Ihren Projektanbieter in der GULP Weißen Liste!

Was ist los mit den Verträgen?

Es muss nicht unbedingt an den Verträgen liegen, dass Freiberufler nun wieder häufiger „Nein“ sagen – sondern Selbstständige profitieren derzeit scheinbar von einer starken Verhandlungsposition. Im ersten Quartal 2012 wurden über GULP insgesamt 46.518 Projektanfragen an IT-/Engineering-Freiberufler geschickt – so viele wie nie zuvor innerhalb von drei Monaten. Die Auftragslage ist gut und die meisten Freelancer sind – abhängig von Qualifikation, Region oder Stundensatz – gut ausgelastet.

Da können viele Selbstständige es sich leisten, ein paar Punkte im Vertrag anzusprechen, die sie vielleicht hinnehmen würden, wenn die Auftragslage schmäler wäre. Diskussionsstoff bieten meist unvollständige oder schwammige Tätigkeitsbeschreibungen, falsche Vertragsbezeichnungen, Abweichung von mündlichen Vereinbarungen, Klauseln zu Kundenschutz und Zahlungsfristen, Verträge in Entwurfsfassung oder Vertragsstrafen. Auch kommt vor, dass aus dem Schriftstück nicht eindeutig hervorgeht, ob es sich um einen Werk- oder einen Dienstvertrag handelt. Oder die Vertragsart passt nicht zum wirklichen Auftrag. Ebenso ist das Thema Scheinselbstständigkeit ein Punkt – im Vertrag sollten keine Regelungen und Formulierungen enthalten sein, die für eine abhängige Beschäftigung sprechen könnten (siehe dazu den Artikel "Selbstständig oder angestellt?").

Liegt es am Prozess?

Die Verträge müssen nicht schuld sein an der hohen Quote der Nichtunterschreiber – können aber. Denn Diskussionsbedarf kann es immer wieder geben, es kommt also auf die Stimmigkeit der Prozesse an. Es empfiehlt sich natürlich, alle Details im Vorfeld mündlich abzusprechen und nicht erst mit dem Verhandeln zu beginnen, wenn der Vertrag auf dem Tisch liegt. Das spart den Vertragsparteien Zeit und Ärger. Und führt dazu, dass sich IT-/Engineering-Freiberufler und Projektanbieter zum Zeitpunkt des Signierens einig sind. Projektanbieter, die ihre Verträge erst dann unterschreiben lassen, wenn die Details schon ausdiskutiert wurden, sichern sich zumindest bei dieser Frage in der Weißen Liste eine gute Note.

Über welchen Punkt in einem Vertrag haben Sie zuletzt mit dem Projektanbieter diskutiert?

Lesen Sie mehr Empfehlungen von Freiberufler-Kollegen: Als GULP Member haben Sie Einblick in die 50 Top-Projektanbieter der 25 Kategorien – mit Durchschnittsnoten und Namen der Unternehmen. Werden Sie GULP Member!

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Kommentare zu diesem Artikel:

"Letztens bekam ich von einem Consulting Unternehmen einen Vertrag, der den Kundenschutz auf das Unternehmen und die Kunden des Unternehmens beschreibt. Dann im nächsten Satz die Höhe der Vertragsstrafe. Bei einer eventuellen Verlängerung der Projektlaufzeit verpflichtet man sich, diese anzunehmen oder bezahlt auch hierfür eine Strafe von 5.000EUR. Die Krönung war dann noch eine 12 monatige Sperre wenn man nach dem Projekt bei einem Mitbewerber des Vermittlers unterschreibt. (Mai 2012)"

"Ich kann mich nicht daran erinnern, einen Vertrag kritiklos unterschrieben zu haben. Ich sehe jedes Vertragsangebot (1. Zusendung vom Vermittler) erstmal als MAXIMAL-Forderung, der ich dann widerspreche. Nach einer Geschäftsinvestition von 2-3 Besuchen bei einem versierten Vertragsanwalt habe ich meine eigenen Vorstellungen, die ich dann auch versuche durchzusetzen. Jeder Vertragsentwurf geht bei mir mindestens 3-4 mal hinundher. Oft auch mit direktem Kontakt in die Rechtsabteilung des Vermittlers, weil sich der Recruiter überfordert sieht. Jenachdem wer den meisten Druck / Anreiz hat trifft man sich irgendwo und "gut ist". Ein paar K.O.-Punkte und NoGos habe ich, ... da gibts keinen Spielraum und dann sage ich einfach ab. Bei dieser Marktlage können wir uns das leisten !! (Mai 2012)"

"In letzter Zeit geht der Trend zu 40 Tagen Zahlungsziel. Gegen freche 3% Skonto dann nur 7 Tage. Ansonsten ist der Inhalt teils schlicht sittenwidrig wie z.B. Kundenschutz unter Ausschluss von Karenzentschädigung. (Mai 2012)"

"Umfrage nach dem WARUM der Verweigerung wäre sinnvoll. (Mai 2012)"

"Ich kontrolliere jeden Vertrag schon rel. genau, da auch fast alle Vertragsentwürfe schlichten Unsinn enthalten, bis hin zu bösen (und unnötigen) Fallen hinsichtlich des Themas Scheinselbständigkeit. Dabei merke ich, dass die Anbieter rel. überrascht sind, dass nicht abnickend unterschrieben wird, wobei die anschließende Reaktion sehr sehr unterschiedlich ausfällt: Von kooperativer Übernahme der alternativ vorgeschlagenen Formulierungen mit Verständnis für die Problematik, bis hin zu beleidigten Gesichtern und der (dümmlichen) Reaktion: "Das hat noch niemand verlangt." Genau an der Stelle merkt man dadurch aber auch, welcher Anbieter an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert ist und wer den Freiberufler nur als "Erfüllungsgehilfen" ansieht, der aber möglichst Ruhe zu geben habe... Insofern kann ich nur dazu ermuntern, die Verträge kritisch zu betrachten - und GULP dazu, regelmäßig(er) über problematische bis unsinnige Formulierungen zu informieren. (Mai 2012)"

"Was würden die werten Mitleser tun, wenn der Vermittler zuerst immer wieder das Einsehen des Vertrages verzögert und dann Knall auf Fall sofort eine Unterschrift braucht bei einem Vertrag, der frisch von einem Rechtsanwalt "an die aktuelle Gesetzeslage angepasst wurde", heißt: Zu Gunsten des Vermittlers geändert wurde? (Mai 2012)"

"Die Frage, warum die Vertäge nicht unterzeichet worden sind geht aus dem Artikel leider nicht hervor. Vieleicht sollte man die Angaben "Warum" in den Fragenkatalog aufnehmen. Ich selbst habe vor kurzer Zeit auch einen Vertrag nicht unterschrieben. Der Projektvermittler wollte für das Telefoninterview eine vorvertraglichen Kundenschutz mit 12 Monaten Laufzeit und 20.000 Euro Vertragsstrafe. Eine Gegenleistung ging aus dem Vertrag nicht hervor. Der Kunde wurde im Vertrag nicht benannt. Das ganze nannte sich "Rahmenvereinbarung Projektvermittlung" mit mehreren für mich fragwürdigen Punkten. In Gulp befindet sich ein guter Artikel zu diesem Thema "Vorvertraglicher Kundenschutz". Da ich diesen gelesen habe, habe ich beschlossen derartige Verträge nicht zu unterzeichnen. (Mai 2012)"

An den in der GULP Knowledge Base veröffentlichten Artikeln bestehen Rechte nach dem Urheberrechtsgesetz. Alle Rechte vorbehalten.

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