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3 Perspektiven zum Bildungsstand und Stundensatz von IT- und Engineering-Freelancern

GULP Freelancer Studie 2017

28.11.2017
GULP Redaktion – Maria Poursaiadi
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Wie wirkt sich der Bildungsstand eines IT- und Engineering-Spezialisten auf seinen Stundensatz aus? Ist die Welt der Know-how-Träger ausschließlich abhängig von den Skills, die er anbietet oder spielt der höchste erworbene Ausbildungsabschluss doch irgendwie eine Rolle?

Um dieser Frage auf den Grund gehen zu können, bedienen wir uns der Möglichkeit von Kreuzvalidierungen aus den Ergebnissen unserer diesjährigen GULP Freelancer Studie 2017.

Der erste Teil unserer GULP Freelancer Studie 2017 „Stundensätze und Finanzielles“ steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

Dies gelingt uns, indem wir die benötigten demographischen Daten für eine Auswertung im Hinblick auf die Stundensätze heranziehen.

Stundensatz und Bildungsstand

Diplom, Master, Abitur oder Berufsausbildung – eigentlich Faktoren, die später nur bedingt eine Aussage darüber treffen können, wie gut oder schlecht jemand seiner Berufung nachgeht. Trotzdem finden diese Faktoren in einer leistungsorientierten Gesellschaft mal weniger, mal mehr Beachtung bei der Entscheidung, ob eingestellt und wie entlohnt wird. Wie sieht das auf dem Projektmarkt aus? Spielt der Bildungsstand eine Rolle?

Auf den ersten Blick ein überraschendes Bild? Mit Sicherheit dachten einige Leser, dass ein Masterstudiengang sich mehr „rentiert“ oder ein Universitätsabschluss besser honoriert wird als der Fachhochschulabschluss.

Die Ergebnisse zeigen jedoch etwas anderes: Die Praxiserfahrung der Experten scheint eine größere Rolle zu spielen als der Bildungsstand. So stehen nämlich diejenigen auf den ersten Rang, die sich üblicherweise schon in jungen Jahren für den Fachbereich IT entschieden und dementsprechend auch bereits früher einen IT-Beruf ausgeübt haben als diejenigen, die zunächst einen akademischen Abschluss absolvierten: die IT-Berufsausbildungen, hier Fachinformatiker, IT-Kaufleute und IT-Systemkaufleute.

Universität vs. Fachhochschule (FH)

Diese These lässt sich durch eine weitere Beobachtung festigen. Betrachten wir die Hochschul- und die Fachhochschulabsolventen:

Nimmt man den Durchschnittsstundensatz aller Universitätsabsolventen, ergibt dieser 85,85 Euro pro Stunde. Bei den Fachhochschulabsolventen sind es 90,80 Euro. Im Schnitt verdienen FH-ler also rund 5 Euro mehr in der Stunde. Kein enormer Unterschied vielleicht und doch lässt er vielleicht das Herz des ein oder anderen IT-Freelancers in spe für die praxisorientiertere akademische Ausbildung höher schlagen.

Ing. vs. Inf.

Hauptsache technischer Beruf. Hauptsache Hochschule. Aber was? Sicherlich ist es nicht zu raten, sein berufliches Glück (nur) vom Geld abhängig zu machen. Doch manchmal gibt es das Zünglein an der Waage oder den berühmten „Kicker“ beim Pokerspiel, der die Oberhand über ein anderes Blatt gewinnt. Welcher Berufszweig wäre denn bei einer solchen Abwägung der attraktivere? Verdienen akademisch ausgebildete Ingenieure oder IT-ler mehr?

Auf Basis der uns zur Verfügung stehenden Daten würde sich die Waage in Richtung des Ingenieurwesens neigen. Die an der GULP Freelancer Studie teilnehmenden Ingenieure verdienten 2017 im Schnitt einen All-inclusive-Stundensatz von 88,89 Euro. Alle Hochschulabsolventen der IT-Wissenschaften kamen zusammen auf einen Schnitt von 84,66 Euro.

Hier muss man jedoch ein großes „Aber“ einwerfen. Denn wie wir oben gesehen, haben wir bei den Informatikern die neuen Ausbildungsabschlüsse „Master“ und „Bachelor“ ebenfalls abgefragt. Dies haben wir bisher bei den Ingenieuren versäumt. Betrachten wir nur die Diplomabschlüsse beider Fachbereiche, so geht die Waage in die andere Richtung: Die IT-ler kommen dann auf 91,47 Euro. Hier wird die Redaktion wohl nachliefern müssen.

 

Fazit:

Für den jetzigen Augenblick sei gesagt: Geld ist natürlich nicht alles. Ist man in seinem Fach gut, so wird das auch meist entsprechend honoriert: vom Auftraggeber, aber auch vom Leben selbst, denn Spaß im Beruf kann durchaus auch eine Währung sein. Eine viel wichtigere Frage ist, wann es für einen selbst am geeignetsten ist, mit der praktischen Welt in Berührung zu kommen. Hier scheint ein „je früher, umso besser“, nicht ganz von der Hand zu weisen sein.

Lesermeinungen zum Artikel

3 von 5 Sternen | Insgesamt 3 Bewertungen und 3 Kommentare

  • PMO kann auch jeder

    Torsten am 02.12.2017 um 16.49 Uhr

    Claudia, im Artikel ging es um Fachkräfte mit Skills die am Markt gefragt sind und nicht um PMO/Teilprojektleitertätigkeiten.

  • Bologna nicht richtig verstanden

    Hendrik am 02.12.2017 um 11.59 Uhr

    Meine 10ct:

    Dass die Stundensätze der Master und Bachelor im Vergleich zum Diplom Uni/FH geringer ausfallen, könnte tw. natürlich auch daran begründet liegen, dass die Bologna-Reform noch nicht allzu lange her ist. Anders ausgedrückt: MAster und Bachelor werden vor allem die jüngeren Freelancer sein, die naturgemäß nicht die höchsten Stundensätze aushandeln können (fehlende Erfahrung, Skills, Kontakte). Ein Peer-Vergleich mit der Gruppe der Gleichaltrigen würde hier wohl statistisch besser Aussagen geben.

    Antwort von der GULP Redaktion

    Hallo Hendrik, vielen Dank für Ihren Kommentar und den Hinweis. Und tatsächlich haben wir auch bereits die Stundensätze nach Alterklassen aufgeschlüsselt: https://www.gulp.de/knowledge-base/17/iv/4-fragen-zum-thema-stundensatz-berufserfahrung-als-freelancer-und-alter.html

  • Traumgagen - nur wer bekommt sie?

    Claudia am 01.12.2017 um 13.20 Uhr

    Mir sind nur sehr, sehr wenige Freelancer bekannt, die solch hohen Honorarforderungen durchsetzen könne. Die Situation in meinem Bereich (Senior PMO/Teilprojektleitung) in 2017 war äußerst kompetitiv mit Preisdruck ohne Ende.

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