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Betriebsrente: Mythen, Vorurteile und was wirklich dahintersteckt

20.11.2017
Oliver Mest – Freiberuflicher Autor
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Die Betriebsrente gilt in den vielen vorhandenen Durchführungswegen als ein wichtiger Baustein für die private Altersvorsorge und als ein wirksames Instrument gegen drohende Altersarmut für Arbeitnehmer. Aber es gibt rund um das Thema auch viele Mythen, Halbwahrheiten und Vorurteile. Was ist wirklich dran?

„Die Betriebsrente ist unrentabel“

Die Behauptung: Als Betriebsrentner muss man deutlich älter als 85 werden, damit die betriebliche Altersvorsorge wirklich Rendite bringt.

Tatsache ist: Legt man bei der Renditeberechnung die garantierten Werte zugrunde, ist die Rendite deutlich unter einem Prozent anzusiedeln – diese Betrachtung vergisst aber, dass zusätzlich Überschüsse erzielt werden, die die Rendite attraktiver werden lassen. Natürlich stimmt es aber, dass in einem Nullzinsumfeld eine Rendite schwerer zu erreichen ist als früher und die Versicherer vor große Herausforderungen gestellt sind. 

Gut zu wissen:

Eine Betriebsrente ist weniger eine Renditeanlage, sondern vielmehr eine Absicherung des Langlebigkeitsrisikos, denn die Rente wird ein Leben lang gezahlt. Natürlich kann man sein Geld attraktiver in Fonds oder ETFs anlegen – dann muss allerdings auch das Finanzmanagement im Alter darauf angelegt sein, dass das Kapital lebenslang eine Rente garantiert. Und genau diese Garantie kann der Einzelne nur schwer erreichen.

„Abgaben im Alter machen die Betriebsrente unattraktiv“

Die Behauptung: Die Abzüge auf die Leistungen der Betriebsrente durch Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung zehren mögliche Ersparnisse aus der Ansparphase auf und machen die Betriebsrente unattraktiv.

Tatsache ist: In der Rentenphase werden Abgaben wie Steuern und Beiträge für die gesetzlichen Kassen inklusive Pflegeversicherung fällig. Ausgenommen davon sind Privatversicherte, die nicht belastet werden.

Gut zu wissen:

Die Abgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind nicht wegzudiskutieren – hier sind Betriebsrentner mit privater Krankenversicherung im Vorteil. Die steuerliche Belastung ist aber in der Regel im Rentenalter deutlich geringer als im Erwerbsleben, sodass unter dem Strich ein Plus stehen dürfte. Zudem erlaubt die steuerliche Förderung in der Ansparphase einen deutlich höheren Beitrag und damit höhere Rentenansprüche im Alter als bei ungeförderten Verträgen.

„Geringverdiener profitieren nicht“

Die Behauptung: Für Geringverdiener rechnet sich die staatliche Förderung nicht – außerdem werden Rentenleistungen der betrieblichen Altersvorsorge im Alter auf eine möglicherweise bezogene Grundsicherung angerechnet. 

Tatsache ist: Tatsächlich würden Leistungen einer Betriebsrente auf die Grundsicherung angerechnet – privates Vermögen aber auch, sodass mit dieser Argumentation jede Form von Altersvorsorge komplett sinnlos wäre.

Gut zu wissen:

Private Altersvorsorge verschafft finanzielle Unabhängigkeit im Alter – und das gilt bei geringeren Einkünften ebenso wie bei höheren. Die Alternative wäre höchstens, private Vorsorge ganz sein zu lassen und sich auf die staatliche Unterstützung zu verlassen.

„Private Altersvorsorge ist attraktiver“

Die Behauptung: Wer mit einer privaten Rentenversicherung vorsorgt, fährt finanziell besser.        

Tatsache ist: Eine so generalisierende Aussage kann selten richtig sein. Für jeden einzelnen Sparer muss die individuelle Lösung gefunden werden – und das kann eine Betriebsrente sein, eine Basis- oder Riester-Rente, eine private Rentenversicherung oder eine Mischung aus allen Formen.

Gut zu wissen:

Die Betriebsrenten der betrieblichen Altersvorsorge und die private Altersvorsorge haben oft dieselben Produkte mit vergleichbaren Garantieversprechen und Sicherheiten. Und was bei dem einen gut ist, muss beim anderen nicht schlechter sein.

 

 

Unser Gastautor Oliver Mest ist Jurist, Journalist und Versicherungsmakler. Als Chefredakteur des Vorsorgeportals www.optimal-absichern.de beschäftigt er sich zudem mit Versicherungs-, Vorsorge- und Finanzthemen, die er journalistisch kompakt und leicht verständlich vermittelt.

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