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Steuererklärung: Anlage EÜR für alle!

Neue Regelung ab dem Veranlagungszeitraum 2017

21.03.2018
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
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IT-Freiberufler und gewerbliche Freelancer, die nicht bilanzieren müssen, ermitteln ihren Gewinn per Einnahmenüberschussrechnung (EÜR). Nebenberuflich Selbstständige, Gründer und Kleinstbetriebe mit Betriebseinnahmen von bis zu 17.500 Euro durften beim Finanzamt eine formlose EÜR einreichen. Die Pflicht zur elektronischen Übermittlung galt für diesen Personenkreis nicht.

Da die allermeisten IT-Freiberufler deutlich mehr Betriebseinnahmen erzielen, bleibt für sie alles beim Alten. Doch für nebenberufliche Freelancer und frisch gegründete IT-Unternehmen kann das Auslaufen der EÜR-Vereinfachung Folgen haben:

  • Ab dem „Veranlagungszeitraum 2017“ (das heißt: für alle Steuererklärungen ab 2018) müssen alle Selbstständigen und Unternehmer ihren Gewinn auf Grundlage der amtlichen „Anlage EÜR“ ermitteln – sofern sie nicht darüber hinaus bilanzierungspflichtig sind. In dem Fall ist eine „Gewinn- und Verlustrechnung“ (GuV) Pflicht.
  • Das EÜR-Formular muss laut § 60 Absatz 4 EStDV auf elektronischem Weg ans Finanzamt übermittelt werden: Das kann mithilfe der „Elster“-Schnittstelle geschehen, die in allen aktuellen Steuer- oder Buchführungsprogrammen enthalten ist. Alternativ ist die Datenübertragung auch über 
  • Elektronisch signiert (= „authentifiziert“) werden muss die Anlage EÜR nicht – falls Sie die EÜR via ElsterOnline oder ElsterSmart übermitteln, brauchen Sie aber ein Elster-Konto und das Elster-Zertifikat. Dieses Zertifikat können Sie später auch als elektronische Signatur verwenden – zum Beispiel, um Umsatzsteuervoranmeldungen in authentifizierter Form zu übermitteln. Ausführlichere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Beitrag „Die elektronische Steuersignatur“.

Bitte beachten Sie: Ausnahmen von der Pflicht zur Gewinnermittlung auf dem amtlichen EÜR-Formular gibt es nur noch in echten Härtefällen – zum Beispiel für Selbstständige, denen die Anschaffung eines Computers ausschließlich zur Erfüllung von Steuerpflichten nicht zugemutet werden kann. In der IT-Branche dürften solche Ausnahmen allerdings kaum anzutreffen sein.

Lektüretipp: Falls die Themen Einkommensteuer, Einnahmenüberschussrechnung und Steuererklärung für Sie Neuland sind, empfehlen wir einen Blick auf unseren Steuerkompass, in dem wir alle wichtigen Informationen rund um das Thema Steuern zusammengestellt haben.

Das EÜR-Prinzip

Die gute Nachricht: Um eine Geheimwissenschaft handelt es sich bei der Gewinnermittlung per EÜR nicht – auch dann, wenn sie künftig auf dem amtlichen Formular erledigt werden muss. Das Prinzip lautet: Einnahmen minus Ausgaben = Gewinn/Einnahmenüberschuss. Geregelt ist die vereinfachte Gewinnermittlung in § 4 Abs. 3 EStG:

  • Ausschlaggebend für die Besteuerung ist der Zeitpunkt der Zahlung: Als Einnahmen und Ausgaben werden grundsätzlich nur die laufenden Einzahlungen und Auszahlungen eines Wirtschaftsjahres berücksichtigt.
  • Ein jährlicher Betriebsvermögens-Vergleich (= Bilanz) ist nicht erforderlich.
  • Besondere Formvorschriften für die Belegsammlung und die internen Aufzeichnungen gibt es ebenfalls nicht. Wenn Sie Ihre Aufzeichnungen allerdings in elektronischer Form vornehmen, müssen Sie die „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ beachten. Die „GoBD“ verlangen vom Steuerpflichtigen unter anderem das Festschreiben von Buchungen und den Schutz gegen nachträgliches Korrigieren oder Löschen von Aufzeichnungen. Änderungen an steuerlich relevanten Belegen oder Aufzeichnungen sind nur per Storno-Buchungen zulässig.
  • In der „Anlage EÜR“ fragt das Finanzamt gezielt bestimmte Einnahmen- und Ausgabenarten ab (z. B. Werbung, Fortbildung, Fachliteratur). Besonders genau ist das Finanzamt bei Kosten, bei denen eine private Veranlassung denkbar ist (z. B. Arbeitszimmer-, Kfz-, Reise- und Bewirtungskosten).
  • Außerdem werden in der „Anlage EÜR“ Angaben zu den Abschreibungen (= Absetzung für Abnutzung, AfA) und zum „Anlageverzeichnis“ verlangt: Dabei handelt es sich um eine summarische Aufstellung des Betriebsvermögens.
  • Der ermittelte Einnahmenüberschuss (= Jahresgewinn) muss dem Finanzamt bis Ende Mai des Folgejahres im Rahmen der Einkommensteuererklärung mitgeteilt werden. Wenn Sie Ihre Steuerpflichten an einen Steuerberater übertragen, haben Sie bis zum Ende des Folgejahres Zeit. Das war aber auch schon bei der formlosen EÜR so.

Wichtig: Bei der EÜR handelt es sich nur um eine Art Nebenrechnung zur Einkommensteuererklärung. Mit dem Ausfüllen und Übermitteln der „Anlage EÜR“ ist es daher noch nicht getan:

  • IT-Freiberufler müssen ihren Einnahmenüberschuss zusätzlich in die „Anlage S“ (wie „Selbstständige Tätigkeit“) eintragen.
  • Gewerbliche Freelancer füllen die „Anlage G“ (wie „Gewerbebetrieb“) aus.

Diese Anlagen sind Teil der privaten Steuererklärung – vergleichbar mit der „Anlage N“ von Arbeitnehmern oder der „Anlage K“ für Eltern.

Das Formular

Einen Eindruck vom EÜR-Formular für das Jahr 2017 bietet das BMF-Schreiben zur „Standardisierten Einnahmenüberschussrechnung nach § 60 Absatz 4 EStDV“. Die Anlage EÜR besteht aus insgesamt fünf Seiten:

  • Die eigentliche Gewinnermittlung erledigen Sie auf den beiden ersten Seiten: Die „Betriebseinnahmen“ werden in Zeile 11 bis 22 eingetragen (1). Für die „Betriebsausgaben“ sind die Zeilen 23 bis 65 vorgesehen (2):
  • Seite 3 ist für Gewinn-Korrekturen gedacht (z. B. Bildung und Auflösung von Rücklagen und stillen Reserven).
  • Seite 4 enthält zusammenfassende Angaben über das Betriebsvermögen („Anlageverzeichnis“).
  • Die „Anlage SZE“ auf Seite 5 muss nur dann ausgefüllt werden, wenn die Schuldzinsen im betreffenden Jahr (nach Abzug der Zinsen für Anschaffungen des Anlagevermögens) höher als 2.050 Euro waren.

Praxistipp: Im Anschluss an die Vordrucke finden Sie im BMF-Schreiben eine sechsseitige Ausfüllanleitung für den EÜR-Vordruck: Dort werden die erforderlichen Angaben Zeile für Zeile erläutert – und das für Finanzamtsverhältnisse sogar halbwegs verständlich!

Bitte beachten Sie: Ob, und wenn ja, welche Auswirkungen der Wegfall der formlosen EÜR in Ihrem konkreten Fall hat, besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater. Falls Sie (noch) keinen haben, leistet der Beitrag „Brauchen IT-Freiberufler einen Steuerberater?“ erste Hilfe.

Lesermeinungen zum Artikel

3,5 von 5 Sternen | Insgesamt 2 Bewertungen und 3 Kommentare

  • Vergnügungssteuer

    Mona am 05.09.2019 um 18.17 Uhr

    Hallo, kann mir jemand sagen unter welcher Zeile ich bei der EÜR die Vergnügungssteuer- sexuellen Vergnügen eintagen muss. Bin mir nicht sicher ob in Zeile 51 oder 56.
    Vielen Dank schon mal für die Antwort.

    Antwort von der GULP Redaktion

    Hallo Mona,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir an dieser Stelle keine steuerliche Beratung leisten können.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihre GULP Redaktion

  • Kein elektronische EUR abgabe moeglich

    A am 23.07.2018 um 16.24 Uhr

    Aber, es gibt kein EStDV formular fuer 2017 an der Elster Seite??

    Antwort von der GULP Redaktion

    Lieber Leser/liebe Leserin,

    wir sind uns nicht ganz sicher, welches Formular Sie damit meinen. Auf https://www.elster.de/eportal/formulare-leistungen/alleformulare/est kommen Sie zum Login, um Ihre Steuererklärung online zu erstellen. Dort steht Ihnen auch die Anlage EÜR zur Verfügung. Da die Anlage EÜR immer digital übermittelt werden muss, steht auch kein leeres Formular zum Download zur Verfügung.

    Wir hoffen, die Info hilft Ihnen weiter.

    Mit freundlichen Grüße
    Ihre GULP Redaktion

  • Steuerberatungshonorar EÜR

    Michael Schäffer am 23.03.2018 um 16.39 Uhr

    Vielen Dank für den tollen Artikel, btw:
    "Die amtliche Anlage EÜR ist eine Form der Einnahmen-Überschussrechnung. Somit darf der Steuerberater für das Ausfüllen der Anlage EÜR keine zusätzlichen Vergütungen berechnen. Diese Arbeit ist mit der Gebühr für die Erstellung der Einnahmen-Überschussrechnung abgegolten." (Haufe)

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