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Marktstudie: Selbstständige Konstrukteure treffen sich in Süddeutschland

05.04.2018
GULP Redaktion – Monika Riedl
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Produzierende Unternehmen, Automobilfirmen oder Anlagenbauer müssen immer schneller immer bessere Produkte auf den Markt bringen. Die Innovationszyklen werden immer kürzer und auch die Konkurrenz aus Fernost schläft nicht. Selbstständige Konstrukteure sind eine wichtige Stütze in Unternehmen, um diese Herausforderungen zu meistern. Sie helfen dabei, einerseits Lastspitzen auszugleichen und andererseits wichtiges Fachwissen ins Unternehmen zu bringen. In dieser Marktstudie nehmen wir den Projektmarkt für selbstständige Konstrukteure unter die Lupe. Was verdienen sie? Wo sind sie besonders gesucht? Und welche Lösungen zur mechanischen Konstruktion sind bei den Kunden am gefragtesten?

Wir nähern uns den Antworten auf zwei Wegen: Zum einen analysierten wir die Profile der Experten in der GULP Datenbank mit dem Schwerpunkt Konstruktion. Auf der anderen Seite werteten wir die Projektanfragen der letzten drei Jahre aus, die über uns an GULP Profilinhaber herausgingen und in denen Konstrukteure gesucht wurden.

Der Projektmarkt für Konstrukteure

Seit Januar 2015 gingen insgesamt 16.413 Projektanfragen für 1.179 Projekte rund um die Konstruktion an die bei GULP registrierten Freelancer heraus. Heruntergebrochen auf die einzelnen Jahre verhält sich die Entwicklung wie folgt:

 

Stärkstes Jahr im Drei-Jahres-Vergleich ist 2015, doch nach einer Senke im Jahr 2016 befand sich die Anzahl der Projektanfragen 2017 wieder auf dem steigenden Ast. 2018 scheint für selbstständige Konstrukteure gut gestartet zu sein. Rechnet man die Projektanfragen auf Monate herunter, so gab es nur 2015 mehr Anfragen pro Monat.

Hier werden Konstrukteure gesucht

Schlüsselt man die gelaufenen Projektanfragen nach Region aus, so zeigt sich deutlich: Die Konstruktions-Hochburgen liegen im Süden der Republik. Jede fünfte Projektanfrage läuft für den Großraum München (Postleitzahl-Region 8). Nur ein klein wenig seltener werden Konstrukteure für Projekte rund um Stuttgart (Postleitzahl-Region 7) gesucht. Hier machen sich die Automobil-Riesen BMW, Audi, Daimler und Porsche sowie zahlreiche Zulieferer-Firmen bemerkbar. Auch der Maschinen- und Anlagenbau ist besonders in Baden-Württemberg präsent. Auf Platz drei liegt das Postleitzahlen-Gebiet 6 rund um Frankfurt. Besonders südlich von Frankfurt ist die Chemie- und Pharma-Branche stark vertreten. (vgl. Industriestandorte in Deutschland – eine Bestandsaufnahme der Dr. Jörg-Peter Naumann Gesellschaft für Unternehmensberatung mbH).

An diese Projektverteilung haben sich die Konstrukteure offensichtlich angepasst, denn auch sie wohnen mehrheitlich im Süden der Bundesrepublik: Jeweils um die 20 Prozent leben in den Postleitzahl-Gebieten 7 (Großraum Stuttgart; 19,4 Prozent) und 8 (Großraum München; 19,2 Prozent). Deutlich abgeschlagen auf Platz drei der Top-Wohnorte ist das Postleitzahlen-Gebiet 2 (Großraum Hamburg/Bremen). Hier haben 13,7 Prozent der selbstständigen Konstruktionsexperten ihren Wohnsitz. Rund um Frankfurt haben sich rund 8 Prozent der Freelancer angesiedelt.

Was fordert ein selbstständiger Konstrukteur?

Im Schnitt haben die selbstständigen Konstrukteure einen Stundensatz von 63,27 Euro (netto und all-exklusive) in ihrem Profil eingetragen. Am häufigsten, nämlich zu 30,6 Prozent, fordern die Experten jedoch etwas weniger, nämlich zwischen 50 und 60 Euro. Zwischen 60 und 70 Euro fordert knapp jeder Vierte (24,0 Prozent). Dass das Durchschnittshonorar über 60 Euro liegt, liegt daran, dass es auch einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Experten gibt (30,9 Prozent), die mehr als 70 Euro pro Stunde fordern.

Im Vergleich zu allen in der GULP Datenbank eingetragenen Freiberuflern liegt der geforderte Durchschnittsstundensatz rund 22 Euro pro Stunde unter dem Gesamtdurchschnitt, der aktuell 85,88 Euro pro Stunde beträgt. Doch man muss hier relativeren: In diesen Durchschnitt fließen auch die Stundensätze der IT-Experten ein, die generell ein etwas höheres Stundensatzniveau haben als ihre industrienahen Kollegen.

In den Hochburgen wird nicht am besten bezahlt

Die regionale Auswertung der Projekte sowie der Wohnorte der Freelancer zeigt, dass sich die Konstruktionsbranche schwerpunktmäßig in Süddeutschland trifft. Doch verdient man dort als selbstständiger Konstruktionsexperte am besten? Die Antwort lautet: Nein. Die regionale Aufteilung der Stundensätze zeigt: In Deutschland fordern die freiberuflichen Konstrukteure für Projekte im Postleitzahlen-Gebiet 4 (Ruhrgebiet und Münsterlad) den höchsten Durchschnittsstundensatz, nämlich 69,76 Euro. Die Unternehmen dort liegen in Sachen Projektvolumen nur auf dem siebten Platz.

Doch wo liegen in diesem Ranking die Projekt-Hochburgen im Süden Deutschlands? Im Postleitzahlen-Gebiet 8 wurden im Schnitt 65,59 Euro gefordert, was Platz 5 ergibt. Der Großraum Stuttgart (Postleitzahlen-Gebiet 7) landet mit 62,43 Euro auf dem vorletzten Platz. Spitzenreiter im gesamten deutschsprachigen Raum ist die Schweiz, mit umgerechnet 88,78 Euro geforderten Durchschnittsstundensatz. Österreich befindet sich mit 62,98 Euro pro Stunde auf dem drittletzten Platz.

Das zeigt also: Den Preis bestimmen immer noch Angebot und Nachfrage. Zwar mag es im Süden der Bundesrepublik leichter sein, an Projekte zu kommen, doch wer reisebereit ist oder nicht in Süddeutschland lebt, kann auch in anderen Regionen zu seinem Geld kommen.

Mechanische Konstruktion: Welche Tools sind gefragt?

Den Markt für CAD-Konstruktionstools teilen einige wenige Branchengrößen unter sich auf. Es ist zwar hilfreich, alle Tools zumindest in Grundlagen zu kennen, doch die meisten selbstständigen Konstrukteure spezialisieren sich im Laufe ihrer Tätigkeit auf ein Programm. Am häufigsten wird nach CATIA-Experten gesucht, gefolgt von Autodesk Inventor und Solidworks. Hier hat sich der Markt in den letzten zehn Jahren deutlich gewandelt. In einer Marktstudie von 2010 wurde in mehr als jeder zweiten Projektanfrage nach CATIA-Spezialisten gesucht, heute nur noch in jeder vierten (24 Prozent). AutoCAD wurde zwischenzeitlich vom 3D-Schwesterprogramm Autodesk Inventor abgelöst und Solidworks arbeitete sich vom damals letzten Rang auf den dritten Rang vor.

Fazit

Nach einem Nachfragetief scheint der Markt für selbstständige Konstrukteure wieder leicht an Fahrt aufzunehmen. Technologien für Industrie 4.0 werden einerseits die Nachfrage weiter beflügeln, andererseits aber auch das Marktumfeld herausfordernder gestalten. So wird es bald nicht mehr reichen, sich nur mit dem Konstruktionspart bei der Produktentwicklung zu beschäftigen. Immer mehr Anforderungen kommen hinzu, beispielsweise Project- und Product Lifecycle Management. Cloudbasierte Konstruktionslösungen erleichtern zwar die Zusammenarbeit in teilweise weltweit kooperierenden Teams, doch das bedeutet auch völlig neue Zusammenarbeitsmodelle. Nicht zuletzt erfordern Themen wie die vernetzte Fertigung, autonomes Fahren oder vorausschauende Instandhaltung auch einen gewissen Grundstock an IT-Wissen, das von den Konstrukteuren gefordert wird. Hier heißt es, immer auf dem Laufenden zu bleiben und sich kontinuierlich an die Anforderungen des Marktes anzupassen.

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