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Blockchain – was bringt die Zukunftstechnologie für IT-Freelancer?

12.09.2018
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Spitzer Bart, rote Wangen und ein undurchsichtiges Lächeln im weißen Gesicht – die Guy-Fawkes-Masken der Occupy Wall Street Bewegung sind längst aus den Bankenvierteln von Frankfurt und New York verschwunden. Blockchain nicht. Mit der Technologie wollten die Kapitalismuskritiker 2011 die Finanzindustrie aushebeln. Nun erhofft sich gerade diese von der Zukunftstechnologie große Gewinne.

Blockchain – die Macht der Masse

Blockchain ist eine Datenbanktechnologie. Nutzer speichern damit verschlüsselt Informationen über Geschäfte und Transaktionen, die sie getätigt haben. Die Datenbank liegt dabei auf einer Vielzahl von Rechnern. Diese sind über ein Netzwerk miteinander verbunden. Loggt sich ein Computer dort ein, lädt er dabei jedes Mal die aktuelle Version der Datenbank herunter. So ist jede darin gespeicherte Information fast in Echtzeit auf allen Rechnern des Netzwerks eingetragen. Jedes Mitglied des Netzwerks hat immer vollständige Transparenz darüber, welche Geschäfte stattgefunden haben.

Transparent und fälschungssicher

In eine Blockchain-Datenbank eingetragene Transaktionen lassen sich nachträglich nicht verändern. Dies würde sofort auffallen. Denn jede Transaktion erhält einen digitalen Datumsstempel. Alle Vorgänge werden außerdem hintereinander in einen Block der Datenbank eingetragen. Ist ein Block voll, wird ein neuer beschrieben. Dieser enthält eine Prüfsumme des vorangehenden Blocks. So entsteht eine nicht zu trennende Kette von Datensätzen. Wer eine Transaktion fälschen will, muss somit auch alle anderen Eintragungen manipulieren – auf allen Rechnern des Netzwerks.

Smart Contracts – kluge Erweiterung für die Blockchain

Viele Use Cases der Zukunftstechnologie kombinieren Blockchain-Datenbanken mit Smart Contracts. Diese übersetzen eine vertragliche Vereinbarung in Code. Die Software löst definierte Vorgänge automatisch aus, sobald eine festgelegte Voraussetzung – etwa ein Eintrag in einer Blockchain – erfüllt ist. Ob dies der Fall ist, überprüfen Smart Contracts automatisch und regelmäßig durch Abfrage der zugeordneten Blockchaindatenbank. So lassen sich mit den digitalen Verträgen beispielsweise automatisch Zahlungen anweisen, sobald ein Freelancer Code an seinen Auftraggeber geliefert und dieser das in der Blockchain bestätigt hat.

Schau mir in die Blockchain, Partner!

Blockchain und Smart Contracts werden überall dort disruptiv wirken, wo Parteien heute Geschäfte über eine Instanz abwickeln, der beide Partner vertrauen – etwa eine Bank oder eine Plattform. Die Mittelsmänner garantieren, dass beide Vertragspartner ihre Pflichten erfüllen. Allerdings macht das Geschäfte langsam und teuer. Künftig wickeln Parteien Transaktionen ohne einen vertrauenswürdigen Dritten ab. Dessen Aufgabe übernimmt die Blockchain. Peer-to-Peer lassen sich Geschäfte schneller und zu niedrigeren Kosten tätigen. Blockchain wird auch überall dort eine Revolution auslösen, wo Prozesse, Eigentumsverhältnisse, oder Identitätsangaben durch rechtssichere Dokumente lückenlos nachvollziehbar und absolut fälschungssicher dokumentiert sein müssen.

Blockchain weckt gewaltige Hoffnungen – auch für Freelancer

Noch ist die Technologie allerdings so jung, dass niemand weiß, wo sie sich hin entwickeln wird. Es gibt auch noch keine Zahlen dazu, wieviel sich mit ihr verdienen lässt. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass 2025 zehn Prozent der weltweit getätigten Geschäfte in Blockchains abgesichert sein werden. Im vergangenen Jahr belief sich das globale Bruttoinlandsprodukt den Zahlen des Internationalen Währungsfonds zufolge auf knapp 80.000 Milliarden Dollar. Zehn Prozent davon sind eine Menge Geld.

IT-Giganten wie Microsoft, Cisco, Samsung, Intel oder SAP, Rohstoffkonzerne wie Shell und BP, Finanzdienstleister wie die Deutsche Bank, J.P. Morgan, HSBC oder die Deutsche Börse, aber auch Industriekonzerne wie Daimler und Airbus entwickeln deshalb mit Hochdruck Blockchainlösungen für ihre Branchen. Dazu haben sie sich zu Plattformen wie der Enterprise Ethereum Alliance oder dem Hyperledger-Netzwerk zusammengeschlossen.

Finanzdienstleister an vorderster Blockchain-Front

Am weitesten fortgeschritten bei der Entwicklung und dem Einsatz von Blockchainlösungen sind Banken und Versicherungen. So testen die Deutsche Bank, HSBC und Unicredit mit weiteren Partnern derzeit, wie mittelständische Firmenkunden ihren Handel in Europa über eine Blockchain-Plattform abwickeln und grenzüberschreitende Überweisungen tätigen können. Die Versicherer Aegon, Allianz, Munich Re und SwissRe haben das Netzwerk B3i gegründet. Es hat eine Lösung entwickelt, mit der Rückversicherer mit Smart Contracts und einer Blockchain bis zu 30 Prozent produktiver werden. Axa bietet als erster Versicherer auch für Privatkunden blockchainbasierte Policen an. Erstes Produkt auf Grundlage der Technologie ist eine Flugversicherung.

Blockchain setzt Energiebranche unter Strom

Auch die Energieversorger Eon und Enel arbeiten bereits mit der Blockchain. Sie wickeln einen Teil ihres Stromhandels über eine Plattform auf Grundlage der Technologie ab. Insgesamt experimentiert jeder zweite Stromversorger derzeit mit Blockchainlösungen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Energie Agentur dena. Die Branche muss sich mit der Technologie beschäftigen, will sie nicht Opfer ihrer disruptiven Kraft werden. Immerhin ermöglicht Blockchain den Betreibern von privaten Photovoltaikanlagen oder Ladestationen für Elektroautos, ihren Strom direkt an Kunden zu vertreiben – ohne einen Versorger als Mittelsmann.

Logistik steht kurz vor der Blockchain-Revolution

In der Logistik ist der Einsatz von Blockchains und Smart Contracts dagegen noch ein schöner Traum. Dabei könnten die Branche und ihre Kunden gewaltig von der Technologie profitieren. Mit ihr ließe sich fälschungssicher und lückenlos dokumentieren, wann welcher Dienstleister in einer Supply Chain eine Warenlieferung erhalten und weitergegeben hat. Dem Absender und Empfänger böte eine Blockchaindatenbank sofort den nötigen Überblick über den Warenfluss. Smart Contracts könnten zudem automatisch Zahlungen auslösen, sobald ein Lieferpartner seine Dienstleistung erbracht hat. Die britische Barclays Bank hat die Möglichkeiten der Blockchain 2016 bei einer Lieferung von Nahrungsmitteln getestet. Ergebnis: Der Aufwand für die Dokumentation der Lieferung verkürzte sich von zehn Tagen auf wenige Stunden.

Die Technologien bieten also jede Menge vielversprechende Ansätze. Aber ist der Hype bereits auf dem IT-Freelancing-Projektmarkt bemerkbar? In Teil 2 unseres Artikels nehmen wir diesen mit dem GULP Trend Analyzer genauer unter die Lupe.

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