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Gamification – Die ganze Arbeit ist ein Spiel

30.08.2018
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens lautet nicht „42“. Auch wenn Kultautor Douglas Adams seinen Lesern das erzählt. Doch der Mensch reist auch nicht „Per Anhalter durch die Galaxis“, um herauszufinden, welche Bedeutung sein Leben hat. Menschen sind soziale Wesen, die sich gerne mit anderen messen. Sie wollen erfahren, dass sie aus eigener Kraft etwas bewirken können. Außerdem möchten sie wissen, weshalb sie etwas tun – egal, ob im Familienurlaub oder im Projektteam.

Spiele befriedigen emotionale Grundbedürfnisse

Spiele greifen diese Grundbedürfnisse auf. Wer Skat oder Schafkopf spielt, muss fast immer mit einem Partner zusammenarbeiten. Gleichzeitig misst er sich mit anderen Mitspielern. Gewonnene Cent-Beträge geben Feedback darüber, wie gut jemand das Spiel beherrscht. Die Belohnung ist dabei nicht das Geld selbst! Es zeigt vielmehr, wie gut wir darin sind, andere Mitspieler auszustechen.

Diese Bestätigung unserer Fähigkeiten ist die schönste Anerkennung, die wir bekommen können. Das Gefühl, eine Herausforderung zu beherrschen, motiviert uns dazu Aufgaben um ihrer selbst willen auszuführen. Wir erleben uns dabei als kompetent, spüren den Flow und wachsen deshalb über uns hinaus.

Gamification macht das Büro zum „Spiel“platz

Gamification überträgt diese Mechanismen in Kontexte, die eigentlich nichts mit einem Spiel gemeinsam haben – etwa an den Arbeitsplatz. Sie will intrinsische Motivation wecken und Menschen so dazu bringen, in ihrem Job zu Höchstleistungen aufzulaufen. Dazu nutzt sie die Grundbedürfnisse des Menschen danach, sich als kompetent sowie als Teil eines Teams zu erleben. So gibt sie ihnen das Gefühl, selbst über ihr Handeln entscheiden zu können. Außerdem lädt Gamification Aufgaben so mit Bedeutung auf, dass es für Mitarbeiter persönlich wie emotional Sinn ergibt, gesteckte Ziele zu erreichen.

Aus der Zusammenarbeit der Team-Mitglieder und ihren Aufgaben macht Gamification dazu das Szenario eines Rollenspiels. Arbeitsabläufe, -prozesse und -methoden gestaltet die Methode so, wie wir es zumeist aus Computerspielen kennen.

Gamification schafft produktiven Wettbewerb im Team

Für Aufgaben, die Team-Mitglieder während des Projekts gut erledigen, bekommen sie Punkte. Mit diesen können sie sich Auszeichnungen – „Badges“ – verdienen und in höhere Levels aufsteigen. „Badges“ und erreichte Levels drücken aus, wie gut Mitarbeiter ihren Job erledigt haben.

Wichtige Rückmeldung geben auch Fortschrittsanzeigen und Ranglisten. Diese können etwa im Layout einer Weltraummission oder als Turniertafel eines Ritterspiels auf den Rechnern der Team-Mitglieder erscheinen. Sie zeigen, wie nahe die Gruppe und ihre Mitglieder dem Ziel schon sind. Ranglisten schaffen zudem Transparenz über den Status, den Kollegen erreicht haben und schüren produktiven Wettbewerb.

Gamification öffnet IT-Freelancern die Türen zum Team

Stoßen IT-Freelancer, ganz gleich ob als Projektleiter oder operatives Mitglied, während eines laufenden Projekts zu einem Team, kann Gamification ihre Aufnahme in die Gruppe deutlich erschweren. Unter Umständen arbeiten die Kollegen bereits als eingeschworene Crew. Neulinge sind da erst mal Außenseiter. Wer später einsteigt, wird auch den Punktevorsprung der Kollegen kaum mehr aufholen können.

Gamification kann festangestellte und freie Kollegen aber auch binnen kürzester Zeit zu einem Team zusammenfügen. Zu Beginn eines Projekts stehen Feste wie Freie vor der gleichen Aufgabe – der Suche nach dem besten Weg ihre Mission zu erfüllen. Gruppen-Aufgaben lösen diese Herausforderung, indem sie gezielt soziale Dynamiken nutzen. Das Team findet meist schneller eine Antwort als einzelne Kollegen. Der gemeinsame Erfolg schmiedet dabei alle Beteiligten zusammen.

In ein spielerisches Setting lassen sich auch Elemente integrieren, die Freelancer gezielt in das Team eingliedern. So kann ein bereits in der Gruppe etablierter Mentor Neulinge unterstützen und in das Team einführen.

Dream Team: Scrum und Gamification

Bei kaum einer Aufgabe lässt sich durch Gamifizierung so leicht intrinsische Motivation schaffen wie bei der agilen Entwicklung von Software. Denn dabei strukturieren Teams ihre Arbeitsprozesse meist mit Scrum – einer Methode, die auf viele Mechanismen setzt, die auch Gamification nutzt. So stehen das Team und das Zusammenspiel seiner Mitglieder im Mittelpunkt von Scrum. Das Team entscheidet selbst darüber, wann es welche Aufgaben erledigen will. Product- und Sprint-Backlog definieren die während des Projekts beziehungsweise einzelner Abschnitte zu erreichenden Ziele.

Sprint-Reviews spielerisch gestalten

Sprint-Visions ordnen bei Scrum die Arbeit eines Team-Mitglieds in das gesamte Projekt ein. Im gamifizierten Scrum erkennt der Mitarbeiter dadurch seine Bedeutung für die gemeinsame Aufgabe. Durch ihr Feedback drücken andere Team-Mitglieder unmittelbar Anerkennung aus. Wie Dr. Reinhard Ematinger  von der Karlshochschule International University in Karlsruhe auf den GULP Projektmanagementtagen 2018  in seinem Vortrag „Wie Sie mit Lego® Serious Play®  Projektstarts und Reviews greifbar machen“ anschaulich zeigte, lassen sich mit gamifizierten Moderationstechniken im Sprint-Review auch tieferliegende Probleme des Teams spielerisch an die Oberfläche bringen, bearbeiten und lösen. Das gewährleistet, dass produktiver Wettbewerb unter den Team-Mitgliedern entsteht.

Gamification ist kein Selbstläufer

Arbeitswissenschaftler und Psychologen sind sich einig: Gamification kann Mitarbeiter zu Höchstleistungen motivieren. Fest steht für die Experten aber auch: Die Methode kann auch in die Hose gehen. Sie motiviert nur, wenn Kollegen die Arbeitsweise überzeugt und sie sie freiwillig annehmen. Ein Spiel, das Vorgesetzte einem Team aufzwingen, schweißt dieses weder zusammen, noch löst es bei seinen Mitgliedern einen Flow aus. Im Gegensatz zu Spielen in der Freizeit darf es am Arbeitsplatz auch keine Verlierer geben. Belohnungen müssen deshalb absolut fair, transparent und nach nachvollziehbaren Regeln vergeben werden. Diese müssen alle Mitspieler kennen. Auf gar keinen Fall dürfen während des Spiels gesammelte Punkte oder Auszeichnungen den Ausschlag für monetäre Belohnung geben.

Lesermeinungen zum Artikel

3 von 5 Sternen | Insgesamt 1 Bewertung und 1 Kommentar

  • Definition falsch

    van Wieringen am 31.08.2018 um 07.49 Uhr

    In unsere Branche (Agile) baut Gamification eher auf die Prinzipien des Herrn Eyal. Was hier gemeint wird, ist die Anwendung von gängigen Spiele für Workshop-Formate. Verstehe mich bitte nicht falsch, ich benütze auch Brettspiele für meine Arbeit. Es ist mir wichtig darüber zu sprechen, weil in unsere Branche zu viele gute Konzepte "verbrennen" durch ein "hijacking" des Begriffs Gamification.

    Ich bin mir bewusst das LSP einige gute psychologische Prinzipien wie "Objektivierung" hinzufügt also betrachte mein Beitrag bitte nicht als eine Kritik an LSP.

    Ein gutes Beispiel der Anwendung von Gamification findet man bei Jurgen Appelo. Er wendet den Zyklus "trigger", "action", "reward" an. Nir Eyal fügt "invest" hinzu.

    Ich möchte gerne mit Herrn Dr Ematinger sprechen. 0178-5225484.

    source: https://www.amazon.de/Hooked-How-Build-Habit-Forming-Products/dp/0241184835

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