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Industrie goes digital: Die wichtigsten Trends für Ingenieure

09.08.2018
GULP Redaktion – Monika Riedl
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Das Buzzword-Karussel dreht sich auch im Engineering-Bereich munter weiter und bei jeder Branchenmesse werden neue Schlagworte ausgerufen. Wir haben daher die Spreu vom Weizen getrennt und die wichtigsten Technologietrends für Ingenieure zusammengestellt.

Digitalisierungs-Dreiklang: Vernetzung, Internet of Things, Industrie 4.0

Wenig überraschend und passend zu den wichtigsten Tech Trends des Jahres: Die digitale Transformation hält auch in der Industrie Einzug. Alles wird vernetzt und digitalisiert. Nahezu jede Maschine und jedes Produkt wird derzeit mit Sensoren ausgestattet, von der Spritzgussmaschine über Industriebohrer bis hin zum heimischen Staubsauger-Roboter. Das ist an und für sich kein neuer Trend mehr, doch letzten Endes lassen sich die meisten der unten genannten Aspekte auf diese Vernetzung zurückführen.

IT-ler und Ingenieure rücken zusammen

Der erste Aspekt ist das Thema Horizonterweiterung: Jetzt, wo die Technologie längst über reine Spielereien und Prototypen hinausgeht, gilt es, in der Realität die Bereiche IT und Engineering produktiv zu verbinden. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) fordert beispielsweise, diese veränderten Begebenheiten in den Lehrplänen der Maschinenbau-Studiengänge widerzuspiegeln. In der Praxis bedeutet das auf der einen Seite, als Ingenieur Grundwissen in IT-Themen mitzubringen, auf der anderen Seite sollten IT-ler bereit sein, sich in technische Sachverhalte wie Materialkunde oder Produktionsprozesse einzuarbeiten.

Digitale Transformation: Bahn frei für neue Geschäftsmodelle

Durch die Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen und Produkten ergibt sich noch eine weitere, zentrale Änderung: Es reicht mittlerweile nicht mehr, nur das reine Hardware-Produkt anzubieten. Die technischen Möglichkeiten durch die Digitalisierung eröffnen neue Geschäftsmodelle, dies schlägt sich auch im Projektmarkt nieder: Maschinenbauhersteller werden immer mehr zum Anbieter von Plattformlösungen. Google und Amazon machen es vor. Was als Suchmaschine bzw. Internet-Warenhaus begann, hat sich in den letzten Jahren zu einem vielfältigen und innovativen Angebot entwickelt. Automobilhersteller bieten nicht mehr nur den Wagen an sich an, sondern weitere Mobiltätsdienstleistungen rund um das Connected Car wie Opel OnStar, Audi Connect, BMW Connected Drive, Mercedes me oder VW Car-Net. Für Maschinen- und Anlagenbauer können solche Geschäftsmodelle beispielsweise Angebote zur Fernwartung oder vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance) beinhalten oder noch vieles mehr. Doch wo Deutschland bei den Produkten an sich mit „Made in Germany“ bisher gut punkten kann, ist es in Sachen neuer digitaler Geschäftsmodelle noch eindeutig Entwicklungsland. Die Herausforderung wird sein, die bereits vorhandene gute Produktqualität um ebenso attraktive und innovative Angebote zu ergänzen.

Das bedeutet ein großes Umdenken. Denn es steht nicht mehr nur das Produkt im Vordergrund, welches einmal produziert wird und dann „fertig“ ist. Digitale Geschäftsmodelle entstehen nicht auf dem Reißbrett im stillen Kämmerlein, sondern durch Marktanalysen, Testen – eventuell Scheitern – und wieder verbessern.

Agiles Arbeiten: Geht Scrum, Kanban & Co. im Maschinenbau?

Gerade, wenn es um iterative Verbesserungen und kontinuierliche Weiterentwicklung geht, dauert es nicht lange, bis der nächste Trend ins Gespräch kommt: Agilität. In der IT längst etabliert, schwappt das Thema in viele weitere Bereiche über, auch in die Industrie. Der Gedanke hinter agilen Methoden wie Scrum oder Kanban: Komplexe Projekte werden in einzelne Sprints von ca. zwei bis vier Wochen zerlegt. Anders als bei der klassischen Projektplanung, die von Anfang bis Ende komplett durchgeplant ist, kann so besser auf Änderungen oder Fehlplanungen eingegangen werden. Dennoch herrscht zumindest von einem Sprint zum nächsten höhere Planungssicherheit. Außerdem wird transparenter, woran einzelne Projektmitglieder gerade arbeiten und ob an einer Stelle ein Flaschenhals droht.

Doch bei all dem Hype, den das Thema gerade erfährt: Die Entwicklung einer Software ist nicht mit der Konstruktion eines neuen Auto-Modells zu vergleichen. Nicht immer wird es in einem Engineering-Projekt nach einem Sprint ein funktionsfähiges Produkt geben, wie es das ursprüngliche agile Manifest vorsieht. Und auch die „Ermunterung“ zum immer wieder Scheitern und Ausprobieren bekommt einen faden Beigeschmack, wenn beispielsweise Menschenleben auf dem Spiel stehen. Dennoch werden agile Methoden immer weiter Einzug in die Industrie halten, zumal Software- und Hardwareentwicklung immer weiter zusammenrücken. Einige Unternehmen setzen agile Methoden bereits erfolgreich um. Die Kunst ist, die richtigen Komponenten bei agilen Methoden zu übernehmen und so anzupassen, dass sie den Projektmitgliedern einen wirklichen Mehrwert bringen. Denn auch das sollte berücksichtigt werden: Eine neue, modische Methode einem Projekt einfach überzustülpen ist ebenfalls nicht der Wahrheit letzter Schluss.

Cybersicherheit: Bedrohung durch Hacker

Die „Schattenseite“ der Digitalisierung: Auch Kriminelle profitieren von der immer zentraler werdenden Rolle des Internets. Der GULP Freelancer Studie 2017 zufolge wird Know-how rund um das Thema Datensicherheit immer wichtiger für IT- und Engineering-Freelancer. Zu Recht, wie zahlreiche Statistiken und die häufiger werdenden Meldungen in den Medien bezeugen.

Know-how-Diebstahl durch heimlich kopierte Daten ist dabei nur ein Schreckensszenario. Fatal sind zudem Eingriffe, die zu Produktionsstillstand oder nicht erkannten qualitativen Mängeln von Produkten führen oder beispielsweise auch die Energieversorgung ganzer Regionen lahmlegen. Durch die vernetzte Produktion werden die Angriffspunkte zahlreicher, denn wo mehrere Entitäten miteinander kommunizieren, ist immer eine Lücke für unerwünschte Mithörer oder Mitkommunikatoren. Die oft noch gängige Sicherheitsstrategie, einfach entsprechende Maschinen oder Anlagen gänzlich vom Internet abzuschotten, funktioniert bei Industrie 4.0 nicht mehr.

Doch was bereits in der klassischen IT eine große Herausforderung bedeutet, bekommt in der Industrie eine weitere Dimension. Denn selbst, wenn alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen der klassischen IT eingehalten werden, stehen die Unternehmen laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) noch vor großen Unsicherheiten in Bezug auf die Digitalisierung der Produktion. Es gebe aktuell eine große Vielfalt an Sicherheitsfragen, -lösungen, Standards, Empfehlungen und organisatorischen Rahmenbedingungen, die sich nicht immer auf die Bedürfnisse der vernetzten Produktion übertragen lassen. Das ist eine Herausforderung, die die Unternehmen gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden und staatlicher Unterstützung angehen müssen.

Die oben gezeigten Trends sind nur einer kleiner Teil der Innovationen und Entwicklungen, die die Maschinen- und Anlagenbaubranche gerade umtreibt. Das Credo, um selbst mit den Entwicklungen Schritt halten zu können, lautet wie so oft: Neugierig und offen für Neues bleiben.

Lesermeinungen zum Artikel

4,3 von 5 Sternen | Insgesamt 4 Bewertungen und 1 Kommentar

  • Bei Kanban gibt es keine Sprints

    Stefan Büttner am 10.08.2018 um 10.33 Uhr

    Kleine Anmerkung zu Kanban: dort gibt es keine Sprints, die gibt es in Scrum

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