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Zusatzversicherungen für Freiberufler und Selbstständige

Welche Policen sind wichtig und sinnvoll – welche nicht?

02.10.2018
Oliver Mest – Freiberuflicher Autor
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Wer selbstständig tätig und in der gesetzlichen Kasse versichert ist, bei dem kommt zwangsläufig irgendwann die Überlegung auf, den gesetzlichen Versicherungsschutz zu ergänzen. Die Gründe dafür: Blanke Notwendigkeit wie beim Krankentagegeld oder der Wunsch nach einer besseren Versorgung, z. B. bei der Zahnzusatzversicherung. Wir geben Ihnen hier einen kleinen Überblick über Ihre Möglichkeiten und sagen Ihnen, was sinnvoll ist und was nicht.

Krankentagegeldversicherung

Die Krankentagegeldversicherung ist eine Muss-Versicherung für alle, die freiberuflich und selbstständig tätig sind. Sie leistet bei Arbeitsunfähigkeit ab dem versicherten Tag die vereinbarte Summe als Einkommensersatz. Und während Arbeitnehmer bis zum 43. Tag eine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber erhalten, sind selbstständig Tätige auf sich gestellt und müssen den Einkommensersatz selbst absichern. Sinnvoll ist eine Krankentagegeldversicherung in der Regel mit dem Beginn einer Zahlung ab dem 22. oder 29. Tag – bis dahin reichen die eingehenden Rechnungen in der Regel aus, um ein Einkommen zu bestreiten. Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach dem Einkommen. Abgesichert werden sollten mindestens 80 Prozent des laufenden Einkommens. Liegt das bei 4.000 Euro, sollten 3.200 Euro mit einem Tagessatz von 100 Euro abgesichert werden. Im Monat fließen dann 3.000 Euro als steuerfreier Einkommensersatz.

Auslandskrankenversicherung

Sie kostet kaum mehr als der erste Drink im Urlaubshotel oder ein Frühstück auf Dienstreise – trotzdem haben erstaunlich wenige Menschen eine Auslandskrankenversicherung. Eine grob fahrlässiges Versäumnis, denn vor allem außerhalb der EU sind Sie in der Regel Selbstzahler bei Krankheiten und Operationen. Gerade in Ländern mit einer teuren medizinischen Versorgung wie den USA oder Kanada kann eine Operation schnell 30.000, 40.000 oder noch mehr Euro kosten – ohne Auslandskrankenschutz ein finanzielles Desaster. Aber auch in der EU mit den Sozialversicherungsabkommen der Länder ist privater Schutz sinnvoll und existenziell. Und wer will auf Kreta oder in Rom noch klären lassen, ob die gesetzliche Kasse für alle Kosten aufkommt oder nicht, wenn er ins Krankenhaus muss? Eine Auslandskrankenversicherung leistet in der Regel in der EU oder dem EWR sowie weltweit für Krankenhausaufenthalte und notwendige Operationen, medizinisch notwendige Arzt- und Zahnarztbesuche sowie Kosten für Heil- und Hilfsmittel vor Ort und ggf. sogar für den Rücktransport bei schwerer Erkrankung.

Zahnzusatzversicherung

Die Versorgung mit Zahnersatz, Zahnbehandlungen und zum Teil sogar Prophylaxe-Maßnahmen sind als Basisschutz immer Kassenleistung. Sichergestellt wird eine zweckmäßige Versorgung mit günstigen und angemessenen Materialien. Diese dünnen Begriffe beschreiben die Qualität der Versorgung ganz gut und anschaulich, denn hochwertiger Zahnersatz und Zahnarztbehandlungen auf dem neuesten Stand der Technik – etwa bei Wurzelbehandlungen – sind keine Kassenleistung, sondern selbst zu tragen. Und gerade bei Zahnersatz können die Kosten schnell einige 1.000 Euro ausmachen. Zahnzusatzversicherungen leisten für eine privatärztliche Versorgung mit Zahnersatz, für Zahnbehandlungen außerhalb der Regelversorgung (z. B. schmerzfreie Behandlungen) und auch umfassende Prophylaxe-Maßnahmen und kieferorthopädische Behandlungen werden von der Zahnzusatzversicherung getragen. Der optimale Schutz für Freiberufler lässt sich am besten mit einem Vergleich der Zahnzusatzversicherung ermitteln: Im Fokus sollte dabei die Höhe der Erstattung und der Umfang der Leistungen stehen.

Krankenhauszusatzversicherung

Wer einmal als Notfall mit Schmerzen in einem Vier-Bett-Zimmer eines Krankenhauses gelegen hat, der wird wissen, wie wenig gesundheitsfördernd das ist. Eine Krankenhauszusatzversicherung ändert das und ermöglicht neben der Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer 

  • die freie Krankenhauswahl mit freier Wahl des Behandlers,
  • vor- und nachstationäre Betreuung,
  • ambulante Operationen als Privatpatient.

Sie zahlen als versicherter Freiberufler oder Selbstständiger in der Regel keinen Euro Eigenanteil! Und trotzdem sind höhere Arztkosten, Kosten für eine Komfort-Unterbringung und Mehrkosten für die Einweisung in ein Wunschkrankenhaus von der Krankenhauszusatzversicherung voll gedeckt. 

Ambulante Zusatzversicherung

Ambulante Zusatzversicherungen sehen für Freiberufler und Selbstständige Leistungen in den verschiedensten medizinischen Bereichen vor, unter anderem für 

  • Heilpraktikerbehandlungen und alternative Medizin,
  • privatärztliche Versorgung im ambulanten Bereich,
  • Kostenerstattung für Sehhilfen, sog. Brillenversicherungen, oft in Verbindung mit weiteren Leistungen.

Je nach Vertragsgestaltung und Alter des Vertrages werden Ihnen heilkundliche und alternative Behandlungen bis zu 2.000 Euro über zwei Jahre erstattet – für Brillen und Sehhilfen allgemein gibt es Zuschüsse im Bereich von 150 bis 500 Euro alle 12 bis 36 Monate. Erstattet werden oft auch die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen vor Impfungen.

Fazit: 

Im Gegensatz zu den hohen Kosten, die Krankenhaus- und Zusatzversicherungen abdecken, ist das Risiko einer finanziellen Belastung bei den ambulanten Zusatzleistungen aber eher gering – deshalb sollte genau gerechnet werden, ob das eingeschränkte Budget für die gewünschten Leistungen in einem vernünftigen Verhältnis zu den Beiträgen steht.

 

 

 

Unser Gastautor Oliver Mest ist Jurist, Journalist und Versicherungsmakler. Als Chefredakteur des Vorsorgeportals www.optimal-absichern.de beschäftigt er sich zudem mit Versicherungs-, Vorsorge- und Finanzthemen, die er journalistisch kompakt und leicht verständlich vermittelt.

Lesermeinungen zum Artikel

2,6 von 5 Sternen | Insgesamt 7 Bewertungen und 6 Kommentare

  • Danke für Ihre Nachricht

    Oliver Mest am 08.10.2018 um 11.29 Uhr

    Hallo, lieber Herr J.,

    danke für Ihre Nachricht. Tatsächlich sind BU und (mit Abstrichen) die Unfallversicherung Policen, die sehr wichtig sind. Hier war das Thema aber erst einmal Zusatzversicherungen und in einem Punkt gebe ich Ihnen Recht: In der Kürze soll die Würze liegen und es ist manchmal schwierig, alle Aspekte unterzubringen. Die Höhe des Tagesgeldes ist eine sehr individuelle Entscheidung, es hängt vor allem davon ab, wie die Einkünfte sich bei längerer Krankheit entwickeln - bei einem automatisierten Geschäftsmodell ist ggf. gar kein KTG sinnvoll, weil die Einkünfte nur minimal "leiden" bei einer Krankheit. Bei einem Berater sieht es hingegen anders aus - er lebt von der Präsenz und das muss versichert werden. Sinngemäß gilt das natürlich auch für die Laufzeit ...

  • Schwach und ungenau

    Andreas J. am 05.10.2018 um 16.47 Uhr

    Hier leidet der Artikel darunter, dass man es zu einfach darstellen will. So haben z.B. viele Privatversicherte auch den Auslandsschutz direkt mit inkludiert. Bei der Krankentagegeldversicherung sind aus meiner Erfahrung 40 bis 60 Prozent ausreichend, auch sollte man nicht schon ab dem 22. Tag oder noch früher abdecken. Denn je früher die Versicherung einspringen muss, desto teurer wird es.
    Viel wichtiger ist für mich eine Unfallversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

  • Danke für Ihre Anmerkungen

    Oliver Mest am 05.10.2018 um 13.42 Uhr

    Lieber Alexander O
    Ja, die Kassen bieten tatsächlich für einen erhöhten Beitragssatz ein Krankengeld an, das dem von Arbeitnehmern gleicht, also ab dem 43. Tag gezahlt wird. Eine entsprechende Wahlmöglichkeit müssen Selbstständige ausüben und sind daran für 3 Jahre gebunden. Die lange Bindung, die Zahlung ab dem 43. Tag und die Einschränkungen der Höhe nach sowie die indirekte Versteuerung über den Progressionsvorbehalt würde ich niemandem empfehlen wollen. Die Wahltarife der Kassen können durchaus eine Option sein, stehen dann aber im Wettbewerb zu den anderen privaten Angeboten für ein Krankentagegeld, wobei der Zugang je nach Tarif aber eingeschränkt ist. Die vermeintlich falsche Verlinkung kann ich nicht nachvollziehen!

    Lieber Konstantin W.
    Ich kann mit Ihrer Kritik ehrlich gesagt konstruktiv nicht viel anfangen. Sie finden den Artikel schwach? Warum? Was erwarten Sie in diesem redaktionellen Umfeld an weitergehenden Infos? Welche Beispielrechnungen fehlen Ihnen denn in dem Artikel, die Sie gerne erläutert hätten? Welche Informationen fehlen Ihnen denn, die Sie gerne noch ergänzt hätten? Gerne fügen wir die entsprechenden Inhalte hinzu, wenn Sie konkret Ihre Kritikpunkte bzw. fehlenden Informationen benennen.

    Lieber/ liebe Rommy
    Ich fürchte, ganz so simpel ist der Wechsel in das schweizerische Versicherungssystem nicht, genausowenig wie der Wechsel in andere europäische Systeme. Denn das Wahlrecht kann je nach Land und Wohnsitz deutlich eingeschränkt sein und der Marktzugang eben nicht so „easy“ möglich sein. Eine Übersicht, wer wo als „normaler“ Selbstständiger, Angestellter, Grenzgänger etc. wie versichert ist, sprengt aber auch leider den Rahmen eines solchen Artikels.

  • Gesetzliche Kasse - als Freiberufler / Selbstständiger ?

    Rommy am 05.10.2018 um 11.32 Uhr

    Gesetzlichen Kassen in Deutschland sind schwierig: Ich habe eine Schweizer Krankenversicherung für 205 Euro mit allem drum und dran plus 18 Euro private Zusatzversicherung für internationale Abdeckung, dh incl Deutschland etc - mit fairen Preisen im Alter und das alles bei der gleichen Krankenversicherungen.

    Das nennt man Globalisierung - schaut Euch in Europa um, vergleicht die Preise - verhaltet Euch wie Freiberufler / Selbstständiger - denkt an die Leistungen im Alter. Lasst Euch nicht möglichst von den Deutschen Versicherern / Deutschen Politik ausnehmen.

  • Unvollständige Informationen

    Alexander O am 05.10.2018 um 11.09 Uhr

    Die GKV bietet ein sehr verwandtes "Krankengeld" an, was auch für freiwillig Versicherte eine günstige Option sein kann. Dies sollte in diesem Zusammenhang unbedingt erwähnt werden.

    Stattdessen taucht im Artiel ein defekter Link zum Vergleich privater Krankentagegeldangebote auf, der (falsch betitelt) Haftpflichtversicherungen für Hausbesitzer vergleicht. Dies legt nahe, dass der ganze Artikel nur nachlässig verfasst wurde.

    Antwort von der GULP Redaktion

    Sehr geehrter Herr Alexander O,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir die GULP Redaktion können in Sachen Versicherungsrecht nur bedingt auf Ihre Einwände reagieren, da wir dem Autor die Möglichkeit geben wollen, als Autor und Experte Auskunft zu geben. Daher haben wir Ihren Kommentar weitergeleitet und um Stellungnahme gebeten. Wir hoffen, dass Herr Oliver Mest, sich bald melden wird.

    Ihren Einwand bezüglich falscher Linksetzung haben wir geprüft und finden keine Fehler vor. Für die Weiterverlinkungen auf der verlinkten Seite können wir leider nicht garantieren. Jedoch werden wir die Webseiten-Inhaber benachrichtigen.

    Beste Grüße
    GULP Redaktion

  • Schwacher Artikel, Werbung ohne Inhalt

    Konstantin W. am 05.10.2018 um 08.58 Uhr

    Ein schwacher Artikel, ohne Beispielrechnungen für die Kosten. Dafür mit der Rechnung, was 80% bedeutet - glaubt der Autor, das kann der Freiberufler nicht selber ausrechnen?
    Der Artikel hätte auch heißen können: Werbung für einen Versicherungsvergleich. Hier klicken.

    Muss so etwas nicht als Werbung deklariert werden?

    Antwort von der GULP Redaktion

    Sehr geehrter Herr Konstantin W.,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir die GULP Redaktion können in Sachen Versicherungsrecht nur bedingt auf Ihre Einwände reagieren, da wir dem Autor die Möglichkeit geben wollen, als Autor und Experte Auskunft zu geben. Daher haben wir Ihren Kommentar weitergeleitet und um Stellungnahme gebeten. Wir hoffen, dass Herr Oliver Mest, sich bald melden wird.

    Beste Grüße
    Ihre GULP Redaktion

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