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Ingenieure – Digitalisierung verlangt neue Kompetenzen

01.08.2019
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Lange sicherten sich deutsche Ingenieure beim Kampf um die bestbezahlten Jobs einen „Vorsprung durch Technik“. Dann kam die Digitalisierung. Ob Kaffee- oder Werkzeugmaschine, Kleinwagen oder Abfüllanlage in der chemischen Industrie – ohne eingebaute Software kommt heute kaum ein technisches Gerät mehr klar. Auch die Herstellung der meisten Produkte hat sich durch die Digitalisierung grundlegend verändert. 

Industrie 4.0 stellt Ingenieure vor neue Aufgaben

Maschinen sind über das Internet der Dinge vernetzt. Sie melden Daten über ihren Betriebszustand und von ihnen ausgeführte Prozesse an Plattformen. Dort wertet Künstliche Intelligenz die Informationen aus. Algorithmen weisen Verantwortliche in der Produktion darauf hin, wenn sie Fertigungsparameter optimieren können und wann sie Maschinen warten müssen. Smarte Fabriken sind auch mit den Produktions- und Logistiksystemen ihrer Zulieferer vernetzt. So lassen sich Güterflüsse zwischen einzelnen Unternehmen optimieren. 

Die in der Industrie 4.0 generierten Daten erlauben es Unternehmen zudem, passgenau auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnittene Dienstleistungen zu entwickeln. Dabei arbeiten immer häufiger Kollegen aus Entwicklung, Produktion und Vertrieb zusammen. Für Ingenieure ist das oft eine bislang unbekannte Erfahrung. 

Digitalisierung fordert Ingenieure heraus

Doch drei von vier Unternehmen haben erkannt, welche Chancen ihnen die Digitalisierung bietet, und verfolgen gezielt eine Strategie, um diese Potenziale zu nutzen. Jede zweite Organisation bietet Produkte und Dienstleistungen an, die es individuell für seine Kunden entwickelt hat. Das ergab eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom und der Unternehmensberatung Tata Consultancy. Weiteres Ergebnis: Spezialisten für die Digitalisierung werden für die Unternehmen immer wichtiger. Jeder dritte Arbeitgeber sucht derzeit Datenwissenschaftler und vier von zehn Firmen Spezialisten für Cloud-Computing. 

Die Nachfrage nach Maschinenbau- und Elektrotechnikingenieuren sinkt dagegen. Einer Umfrage der Zeitung „VDI-Nachrichten“ zufolge  besetzt die Automobilindustrie künftig 17,4 Prozent weniger Stellen mit Ingenieuren als heute. In der Elektroindustrie sowie dem Maschinen- und Anlagenbau sinkt der Bedarf um 15 Prozent. 

Ingenieure müssen Kulturgrenzen überwinden

Das bedeutet nicht das Ende des Ingenieursstands. Doch Ingenieure müssen umdenken. Im Zeitalter der Digitalisierung brauchen sie Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, die bislang nicht als ihre herausragenden Stärken galten. 

Bislang waren Ingenieure Meister der Mechanik, Mathematik, Materialkunde und Präzision. Sie brachten kein Produkt auf den Markt, bevor es nicht perfekt funktionierte. So garantierten sie lange, dass das Qualitätssiegel „made in Germany“ hielt, was es versprach. 

Mit Daten und Quellcodes fremdelten Ingenieure dagegen oft ebenso wie mit Controlling und Vertrieb. Noch weniger verstanden sie, weshalb IT-Profis davon ausgehen, dass sich ein perfektes Produkt grundsätzlich nicht entwickeln lässt, im Betrieb auftauchende Fehler vielmehr durch kontinuierliche Updates korrigiert werden müssen. 

Spezialisten für technische Systeme

In der Industrie 4.0 müssen Ingenieure diese Kulturgrenzen überwinden. Denn bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien wie smarten Fabriken, Künstlicher Intelligenz oder autonomen Fahrzeugen arbeiten Kollegen aus vielen Unternehmensbereichen in agilen, interdisziplinären Teams zusammen. Codern, Daten-Wissenschaftlern, App-Entwicklern oder Spezialisten für Logistik, Finanzen und Vertrieb fehlt jedoch oft das Verständnis für das zu entwickelnde Produkt als Ganzes. Auch können sie meist nicht einschätzen, welche Anforderungen die Herstellung einer Neuentwicklung an ihre Kollegen in der Fertigung sowie bei Zulieferern stellt. Ingenieure haben dieses Systemverständnis. Deshalb bleiben sie für Unternehmen auch in Zukunft unverzichtbare Mitarbeiter.

Ohne IT-Kenntnisse geht es nicht mehr

Ihnen fällt künftig die Aufgabe zu, die Zusammenarbeit von Kollegen aus unterschiedlichen Fachrichtungen zu steuern und zu koordinieren. Das erfordert ein grundlegendes Verständnis davon, wie die Teammitglieder aus den betriebswirtschaftlichen Abteilungen und der IT denken und arbeiten. 

Um an der Schnittstelle zwischen Controlling, Vertrieb, Technik und IT erfolgreich zu sein, müssen Ingenieure zwar nicht selbst coden. Aber sie müssen IT-Experten verständlich machen können, welche Anforderungen Software in einem Produkt oder Prozess erfüllen muss. Das erfordert grundlegende Programmierkenntnisse und ein Verständnis davon, was Software zur Herstellung und Funktion eines Produkts beiträgt. 

Unverzichtbar: Soziale Kompetenzen

Als Koordinatoren zwischen den einzelnen Disziplinen brauchen Ingenieure künftig außerdem Kenntnisse in Moderations-, Kreativitäts-, und Innovationstechniken, Team- und Wissensmanagement. Das hilft ihnen allerdings wenig, wenn sie nicht auch über Geduld, Empathie und ausgeprägte kommunikative Kompetenzen verfügen. An der Schnittstelle zwischen den an einem Projekt beteiligten Kollegen wird die Persönlichkeit eines Ingenieurs für Arbeitgeber fast wichtiger als dessen technischen Kenntnisse. Diese lassen sich in Schulungen und Weiterbildungen erweitern und auffrischen – Teamfähigkeit nicht.

Erfolgsformel: Vertriebsdenke plus Leidenschaft für Technik

Auch das Verständnis für Kundenbedürfnisse sowie dafür, wie sie mit vorliegenden Daten, ihrem technischen Know-How sowie den Produktionsmöglichkeiten ihres Unternehmens neue Produkte entwickeln können, ist für Ingenieure künftig unverzichtbar. Unternehmen brauchen Mitarbeiter, die Leidenschaft für Technik mit einer vertriebsorientierten Denke verbinden und erkennen, welche neuen Geschäftsmöglichkeiten der digitale Wandel fortlaufend erschließt.

Ingenieure tragen Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft

Da es für Unternehmen und ihre Marken zudem immer wichtiger wird, Kunden zu zeigen, welche soziale und ökologische Verantwortung sie übernehmen, brauchen Arbeitgeber nicht zuletzt Ingenieure, die treffsicher und frühzeitig die Risiken erkennen, die von technologischen Entwicklungen ausgehen. Sie müssen zudem bereit sein, Fehlentwicklungen selbstbewusst entgegenzusteuern oder zu verhindern. Sonst verwandelt sich der einstige „Vorsprung durch Technik“ des Ingenieursstands unter Umständen nicht nur in der Autoindustrie in technologische Pleiten und einen Softwareskandal.

Lesermeinungen zum Artikel

1,4 von 5 Sternen | Insgesamt 5 Bewertungen und 4 Kommentare

  • latente Antipathie auf Ingenieure

    Marco Tenhumberg am 03.08.2019 um 19.58 Uhr

    Der Bericht bedient nichts weiter als die einschlägigen klassischen und auch platten Klischees was Ingenieure betrifft. Überspitzt gesagt könnte man auch schreiben, dass Ingenieure so nicht mehr gebraucht werden, sondern mehr als Projektmanager.
    Und wenn die Qualität nachlässt oder nicht liefert was erwartet wird, macht es wie die IT'ler, einfach ein Pflaster auf das Problem kleben und gut ist's, geht schneller und der Output ist höher, denn am wichtigsten ist Vertrieb. Und sollte Industrie 4.0 scheitern, sind die Ingenieure mit deren Klischees schuld.
    Nebenbei: Sie Misere mit „Vorsprung durch Technik“ ist keine Fehlleistung der Ingenieure, es waren irrealistische Vorgaben aus der Geschäftsführung (= Projektmanager?), die auf Biegen und Brechen einen Maximalverbrauch von 1 Liter AdBlue auf 1000 km vorgeschrieben hat, egal wie. Realistisch sind aber durchaus etwas über 3 Liter/1000 km (Stadtzyklus). Bei so einer Situation können Ingenieure nur darauf hinweisen, der Rest liegt im Management. Oder anders, der Fisch fängt immer am Kopp an zu stinken.

  • Allgemeinheiten aufgegriffen und mit Prosa versehen....

    Michael Hubal am 03.08.2019 um 09.30 Uhr

    Der Verfasser hat ein Bild über deutsche Ingenieure und gehört, dass wir ein anderes Mindset benötigen. Toll! Wer das nicht weiß hat eh verloren....
    Der Artikel ist äußerst dürftig und in schätzungsweise einer halben Stunde zusammengetragen worden..... so ist der Newsletter kein Mehrwert!

  • Ingenieure?

    Anonymous am 02.08.2019 um 21.36 Uhr

    ...das Ingenieur gerede nervt - als ob man alle Kompetenzen auf einem Hochschulabschluss erkennen könnte. In der freien Marktwirtschaft setzen sich Kompetenzen durch... und Nichtakademiker sind manchmal kompetenter wie Akademiker (Ingenieure)... Kompetenzen sind immer gefragt (egal ob Akademiker oder Nichtakademiker)!

  • Soll der Artikel polarisieren?

    Joachim Mutter am 02.08.2019 um 09.22 Uhr

    Glaubt der Verfasser das der/die Ingenieur/-in alleine für sich in der Kammer sitzt und dort Konstruktionspläne erstellt ohne mit seinem Team zu interagieren und das Team nicht an dem (Verkaufs-) Erfolg der entwickelten Produkte gemessen wird?

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