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GULP New Work Kompendium 2019 – Erreicht die schwache Konjunktur den Freelancing-Projektmarkt?

29.10.2019
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Der Zuwachs kann sich sehen lassen: Zwischen September 2018 und August 2019 nahmen sich 1290 IT- und Engineering-Freelancer die Zeit, die Fragen der GULP Freelancer Studie zu beantworten. Das sind ganze 18 Prozent mehr Teilnehmer als bei der letzten Erhebung. 

Die Antworten der Freelancer zeichnen ein klares Bild: 2018 war geschäftlich ein gutes Jahr für sie. Allerdings vernehmen auch freie IT-Berater und Ingenieure allmählich das Donnergrollen in der Weltwirtschaft. 

Aus der GULP Freelancer Studie wird das GULP New Work Kompendium

In den letzten Jahren hat sich die GULP Freelancer Studie allein der Beurteilung des Projektmarkts für Freiberufler und Solo-Selbstständige gewidmet. Mit der aktuellen Studie wollen wir Silos aufbrechen und auch IT- und Engineering-Experten außerhalb der Selbstständigkeit zu verschiedenen Themen der spezifischen Marktlage betrachten. Aus diesem Grund entstand das GULP New Work Kompendium. Denn durch die Digitalisierung sowie durch veränderte Ansprüche der Menschen an ihren Arbeit- und Auftraggeber wandelt sich aktuell auch die Art und Weise, wie wir arbeiten (wollen). Auch verwässern die Grenzen zwischen Beschäftigungsformen und Teams aus internen und externen Kollegen immer häufiger.

Stundensatz steigt im Schnitt um drei Prozent

So stieg der durchschnittlich erzielte Bruttostundensatz 2019 zwar um drei Prozent oder 3,09 Euro auf 92,96 Euro. Allerdings konnten Freelancer in der vorherigen Studie von 2016 auf 2017 noch ganze 6,39 Euro mehr pro Stunde verlangen. 

Auch blieb der Stundensatz 2019 hinter den Wünschen der freien IT-Profis und Ingenieure zurück. In der GULP Freelancer Studie hatten sie 2017 angegeben, bei ihrem nächsten Projekt im Schnitt 96,53 Euro also 7,4 Prozent mehr zu verlangen.

Wachstumsdynamik des Stundensatzes beschleunigt sich im Fünf-Jahres-Vergleich

Dennoch verstärkten die Zuschläge, die sich beim Stundensatz realisieren ließen, die Wachstumsdynamik im Vergleich der fünf Jahre von 2014 bis 2019 gegenüber dem Fünfjahresvergleich der letzten Erhebung deutlich. 

Im Jahr 2014 rechneten Freelancer im Schnitt 80 Euro pro Arbeitsstunde ab. Das waren 12,96 Euro oder 16,2 Prozent weniger als 2019. Damit ist der Bruttostundensatz in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 3,2 Prozent pro Jahr gestiegen.

Im Jahr 2017 konnten freie Ingenieure und IT-Profis im Schnitt lediglich 13,8 Prozent mehr abrechnen als fünf Jahre zuvor. Das entsprach im Zeitraum von 2013 bis 2017 einer durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate von 2,8 Prozent. 

Die Hälfte der Freelancer erhöhte den Stundensatz

Kein Wunder also, dass 94,9 Prozent der Umfrageteilnehmer mit ihrer finanziellen Situation zufrieden oder eher zufrieden sind. Zumal die Wachstumsdynamik auf dem Projektmarkt jedem zweiten Freelancer im Umfragezeitraum ermöglichte, seinen Stundensatz gegenüber früheren Projekten zu steigern. Der größte Teil davon (63,8 Prozent) verzeichnete eine Erhöhung von bis zu zehn Prozent. Diese Aufschläge scheinen aber vor allem im Bereich der mittleren Honorarhöhe möglich gewesen zu sein.

... aber der Anteil der Spitzenverdiener sinkt

Das legt die Verteilung der Stundensätze über die einzelnen Preisklassen nahe. Dabei fällt auf, dass der Anteil der Freien, die zwischen 80 und 89 Euro pro Stunde verlangen, gegenüber 2017 um 19,5 Prozent oder rund 3,4 Prozentpunkte gestiegen ist. Dagegen sank der Anteil derer, die Stundensätze von mehr als 130 Euro abrechnen können, um 6,9 Prozentpunkte auf nur noch 7,7 Prozent. Das ist ein massiver Rückgang von 47 Prozent. 

Erreicht die nachlassende Konjunktur den Projektmarkt?

Drückt sich hier bereits das Nachlassen des Wirtschaftswachstums in Deutschland im Jahr 2018 aus? Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den beiden Vorjahren noch jeweils um 2,2 Prozent zugelegt hatte, wuchs es im vergangenen Jahr nur noch um 1,5 Prozent, meldet das Statistische Bundesamt

Dabei ließ die Dynamik ausgerechnet kurz vor Beginn des Umfragezeitraums im September 2018 nach. Zwischen Juli und September vergangenen Jahres schrumpfte das BIP um 0,2 Prozent. In den Monaten zwischen dem Start der GULP Freelancer Umfrage und dem Jahresende nahm die Wirtschaftsleistung dann zwar nicht mehr ab, legte aber auch nicht zu. Von Januar bis März 2019 wuchs das BIP dann zwar wieder um 0,4 Prozent. Allerdings schrumpfte es zwischen April und Juni erneut um 0,1 Prozent. 

Freelancer sorgen sich zunehmend um Folgeaufträge

Das Ende der Hochkonjunktur macht Freelancern zunehmend Sorgen. Der Anteil der Umfrageteilnehmer, die befürchten, keine Folgeaufträge zu bekommen, stieg gegenüber 2017 um 56,3 Prozent oder 6,4 Prozentpunkte auf 17,8 Prozent. 

Gut 54 Prozent dieser Teilgruppe haben schon jetzt keine neuen Aufträge in Sicht oder sehen die Auftragslage allgemein als schlecht an. In etwa ebenso viele Freelancer befürchten, dass sie von ihren Kunden nicht mehr beauftragt werden, weil diese sparen müssen oder ihre Unternehmen umstrukturieren. Vier von zehn der Besorgten befürchten, dass sie langsam in ein Alter kommen, indem sie nur noch schwer Aufträge akquirieren können. 

Allerdings machen sich auch drei von vier Umfrageteilnehmern bislang noch keine oder nur geringe Sorgen um ihr nächstes Projekt. Das sind allerdings weniger Optimisten als in der GULP Freelancer Studie 2017. Damals war ihr Anteil noch um zehn Prozent oder 8,5 Prozentpunkte größer. 

Umsatz rückläufig, Gewinn stabil

Wie sich die konjunkturelle Abkühlung auf Umsatz und Gewinn der befragten Freelancer auswirken wird, bleibt abzuwarten. Da die Umfrage im September 2018 startete, konnten Jahreswerte nur für 2017 abgefragt werden. 

Damals sank der durchschnittliche Umsatz der Umfrageteilnehmer gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent oder 4371 Euro auf 134.136,70 Euro. Alles in allem ist bei der Aufschlüsselung der Umsätze wenig Bewegung zu erkennen. Die größte Bewegung findet sich im höchsten Segment der Umsätze über 200.000 Euro. Der entsprechende Anteil der Freelancer, die in diese Kategorie fallen, ging um einen Prozentpunkt zurück.

Der Umsatzrückgang schlug sich 2017 allerdings nicht im Gewinn nieder. Dieser blieb mit durchschnittlich 72.774,50 Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Erfreulich zu sehen ist, dass im Vergleich zum Vorjahr vor allem in den oberen Kategorien leichte Zuwächse zu verzeichnen sind. 

Hinweis: Aufgrund der Rundung unserer Zahlen auf eine Dezimalstelle kommt es an einigen Stellen zu kleineren statistischen Ungenauigkeiten. 

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Lesermeinungen zum Artikel

3,8 von 5 Sternen | Insgesamt 4 Bewertungen und 8 Kommentare

  • Oh je, ein "Experte"

    AlPa am 04.11.2019 um 08.15 Uhr

    @Wendelin: In Ihren drei Sätzen steckt so unsagbar viel dokumentierte Unkenntnis über die Arbeit der Freelancer. Ich hoffe für Sie, dass sich dies nicht durch alle Bereiche Ihres täglichen Lebens zieht und Sie nicht immer und überall so wenig Substanzielles zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben beitragen. Mein „Mitleid“ ist Ihnen sicher.

  • Hohes Niveau ?

    Norbert am 03.11.2019 um 17.36 Uhr

    @Wendelin : 2001 habe ich zum letzten Mal einen Gas-/Wasserinstallateur mit dem Entkalken meiner Gastherme beauftragen müssen. Mir wurden damals 138,- DM pro Stunde berechnet. ( ok, der Mann hat die nicht selber bekommen ) Ich habe zu der Zeit genau 120,- DM pro Stunde in Rechnung gestellt. ( beides plus MwSt. ) Mein letztes Projekt, als Software-Entwickler hat 65,-€ pro Std. gebracht. Der Installateur wird sehr wahrscheinlich nicht mit 68,-€ berechnet. Meine Autowerkstatt berechnet mir jedenfalls mehr als 90,-€/Std. Hohes Niveau ? Das ich nicht lache. Das Handwerk hat doch eher "Goldenen Boden", als das Ingenmieurwesen.

  • Zahlen bilden nur Teil des IT-Freelancer-Marktes ab

    Daniel Rödding am 31.10.2019 um 16.36 Uhr

    Die Zahlen sind immer wieder sehr interessant. Jedoch sieht man bereits bei einem kurzen Blick auf das Mengengerüst, dass hier nur ein Teil der IT-Freelancer überhaupt erfasst wird, bzw. an den Umfragen teilgenommen hat. Offenbar haben sich vornehmlich Freelancer beteiligt, die jeweils Projekte sequenziell und nicht selten vor Ort beim Kunden bearbeiten. Die Ratio aus durchschnittlichen Umsätzen und Gewinnen deutet weiterhin auch darauf hin, dass es keine weiteren Bürostrukturen, Subunternehmer o. ä. gibt. Also "Ein-Mann-Betriebe", möglicherweise regelmäßig über Vermittler in Projekten.

    Arbeitet man als (IT-)Freelancer aus einem eigenen Büro heraus, mit mehreren freien Mitarbeitern als Subunternehmern, und nicht "vor Ort beim Kunden eingemauert", sieht die Umsatz-/Ertrags-Ratio deutlich anders aus. Insbesondere fallen dann die Gewinne entsprechend niedriger aus. Weiterhin arbeitet man dann regelmäßig eher nicht für große Konzerne, sondern für kleineren Mittelstand. Der wiederum zahlt typischerweise niedrigere Stundensätze. Dieses Segment des IT-Freelancer-Marktes scheint aber in der Studie kaum Niederschlag gefunden zu haben.

    Das bedeutet im Fazit aber auch, dass die tatsächlichen Durchschnittsverdienste über alle(!) IT-Freelancer um eine satte Dimension niedriger ausfallen dürften, als auf Basis dieser Umfrage errechnet. Man sollte sich also nicht von den Zahlen blenden lassen, erst recht bei Akquise im Bereich des kleineren Mittelstandes nicht auf die Idee kommen, für einfache Tätigkeiten dreistellige Stundensätze aufzurufen. Wer zu gierig auftritt, wird in der bevorstehenden konjunkturell schwierigeren Zeit keine Projekte mehr bekommen. Das war schon nach 9/11 so, auch in 2003, und als Lehman nach Deutschland in 2008/2009 rübergeschwappt ist auch.

  • Open Book

    MICHAEL am 31.10.2019 um 14.33 Uhr

    Da ich gerade als Berater für einen Kunden die benötigten IT-Beratungsleistungen verhandelte, habe ich ein anderes Bild: Die Einkaufspreise Pro Stunde für Endkunden sind deutlich gestiegen. Ich habe meinem Auftraggeber nach Vorlage des Artikels hier dringend zu einer E2E Open Book Policy geraten, um den Widerspruch zu unseren Erfahrungen identifizieren zu können.

  • Markus am 31.10.2019 um 11.26 Uhr

    @Wendelin Das ist - mit Verlaub - absoluter Unfug und zeigt davon, dass Sie keinerlei Wissen über selbstständige Tätigkeiten und deren Kalkulation haben. Zudem können IT Freelancer "Mitleid" korrekt schreiben.

  • Wer jammert hier?

    KUB am 31.10.2019 um 11.16 Uhr

    @Wendelin: Wer jammert hier? Für eine Stunde eines KFZ-Mechatronicers muss ich rund 80 bis 90 Euro zahlen, da sind IT-Freelancer so gesehen noch preiswert, wenn man sich überlegt, was viele in ihre Ausbildung investiert haben. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, dass ein Freelancer auch auftragsarme Zeiten abfedern muss. Außerdem spricht der Artikel von der Sorge um einen Folgeauftrag. Das ist doch wohl auch berechtigt. Das Arbeiten als IT-Freelancer ist ja kein Selbstläufer!

  • Wer jammert hier?

    KUB am 31.10.2019 um 11.16 Uhr

    @Wendelin: Wer jammert hier? Für eine Stunde eines KFZ-Mechatronicers muss ich rund 80 bis 90 Euro zahlen, da sind IT-Freelancer so gesehen noch preiswert, wenn man sich überlegt, was viele in ihre Ausbildung investiert haben. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, dass ein Freelancer auch auftragsarme Zeiten abfedern muss. Außerdem spricht der Artikel von der Sorge um einen Folgeauftrag. Das ist doch wohl auch berechtigt. Das Arbeiten als IT-Freelancer ist ja kein Selbstläufer!

  • Aktuelle Lage

    Wendelin am 30.10.2019 um 15.37 Uhr

    Man muss schon sagen, daß die Freiberufler auf sehr hohem Niveau rumjammern. Sie verdienen sehr viel Geld und nötigen Kunden und Dienstleister bei Stundensatzerhöhungen. Mein Mitleit hält sich in Grenzen!

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