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Licht und Schatten symbolisieren die Auftragslage der Freelancer in der Corona Krise

Viel Schatten und ein wenig Licht – Wie Corona die IT-Konjunktur trifft

30.04.2020
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Gute Laune sieht anders aus. Der Bitkom-ifo-Digital-Index fiel im April von 0,6 auf minus 18,7 Zähler. Das ist der niedrigste Stand seit der Finanzkrise 2009. Der vom Branchenverband Bitkom gemeinsam mit dem Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung erstellte Index misst sowohl die aktuelle Lage in der IT- und Telekommunikationsbranche als auch deren zukünftige Geschäftserwartungen. 

Der Teilindex für die Geschäftslage sank im April um 20,1 Punkte auf 0,9 Punkte, derjenige für die Geschäftserwartungen sogar auf minus 36,3 Zähler. Das sind 10,6 Punkte weniger als noch Ende März. Die Stimmung in der IT-Branche ist damit allerdings noch deutlich besser als in der deutschen Wirtschaft insgesamt. Der ifo-Index für die Geschäftserwartungen aller Unternehmen sank im April um 21,1 auf minus 54,4 Zähler.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Anfang Mai veröffentlichte Studie des Verbands der Internetwirtschaft, eco, und der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Danach wird die Internetwirtschaft 2020 zwar 1,2 Prozent weniger erlösen als im Vorjahr. Von dem Einbruch wird sich die Branche jedoch schon 2021 wieder erholen und bis zur Mitte des Jahrzehnts um durchschnittlich 11,8 Prozent pro Jahr wachsen. 

Bei einigen Freelancern sorgt Corona für mehr Arbeit

Viele freie IT- und Engineering-Profis bestätigen das. So sagten vier von zehn Freelancern, die GULP zwischen dem 3. und 14. April zu ihrer Geschäftslage befragte, dass sich die Corona-Krise auf sie noch nicht ausgewirkt habe. Ein weiteres Drittel verzeichnet lediglich weniger Anfragen von (potenziellen) Kunden. 

Allerdings haben auch 27 Prozent der Umfrageteilnehmer derzeit keine Folgeprojekte in Aussicht, 17 Prozent der Befragten kündigten Kunden wegen der Pandemie bereits Aufträge.
Immerhin haben jedoch auch knapp sechs Prozent der freien IT-Spezialisten durch die Covid-19-Pandemie derzeit mehr Arbeit oder erhalten mehr Anfragen von Kunden. 
 

Grafik zur Auftragslage von Freelancern während der Coronakrise

Da neun von zehn der von der Bitkom befragten Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Home Office geschickt haben, brauchen sie derzeit vor allem zusätzlichen Support beim Aufbau virtueller Meeting-Räume, der Einrichtung von VPN-Zugängen oder einfach nur der Installation von Software für das Home Office und vielem mehr.

Auch die Nachfrage nach Dienstleistungen aus der Cloud und im Bereich der IT-Sicherheit wächst, je mehr Mitarbeiter remote arbeiten. Eco rechnet in seiner Studie damit, dass die Umsätze in diesen Feldern im laufenden Jahr um fast 20 Prozent zulegen werden, bevor sie ab 2021 jährlich „nur noch“ um 16,8 Prozent wachsen. Die Nachfrage nach Support beim Aufbau und der Pflege von Netzwerken und Software-Applikationen sowie der IT-Infrastruktur steigt 2020 um sieben Prozent. In den kommenden fünf Jahren legt sie dann um 5,9 Prozent pro Jahr zu.

Medizintechnik und Logistik sind mehr denn je auf IT angewiesen

Die Nachfrage kommt vor allem aus Branchen, deren Unternehmen es sich derzeit nicht leisten können, dass ihre Systeme abstürzen. So arbeiten Hersteller von Desinfektionsmitteln wie die Paul Hartmann AG oder der Produzent von Beatmungsgeräten Drägerwerk momentan am Anschlag. Telekommunikationsdienstleister wie Vodafone verzeichnen einen Anstieg des Gesprächsaufkommens um 50 Prozent und des Datenverkehrs im Internet um 40 Prozent. In der Logistik brummen derzeit zwar nicht die Geschäfte, aber die Köpfe. Denn aufgrund der Grenzschließungen müssen viele Spediteure ihre Routen und Fahrpläne aufwendig neu planen. 

Auswirkungen der Pandemie für den Projektmarkt sind noch nicht absehbar

Damit ist allerdings nicht gesagt, dass Auftraggeber aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie oder der Telekombranche für Freelancer künftig so attraktiv bleiben, wie sie es dem aktuellen GULP New Work Kompendium zufolge bislang waren. 

Ebenso wenig ist bereits ausgemacht, dass Maschinenbauer und Automobilkonzerne oder Produzenten elektrotechnischer und elektronischer Geräte und Komponenten insgesamt für lange Zeit als Auftraggeber ausfallen. Derzeit gehören sie zwar zu den von der Pandemie am stärksten betroffenen Branchen. Für die Analysten von Eco und Arthur D. Little steht allerdings auch fest, dass Corona Unternehmen langfristig dazu bewegen wird, noch mehr in die Digitalisierung ihrer Prozesse und Geschäftsmodelle zu investieren. 

Das sieht auch der Präsident des Bitkom, Achim Berg so. „Auch wenn die aktuellen Aussichten nicht rosig sind: Wir befinden uns durch Corona an einem Digital Turning Point“, erklärte Berg anlässlich der Vorstellung des aktuellen Bitkom-ifo-Digital-Index. „Die Welt dreht ins Digitale. Das wird sich demnächst auch in den Auftragsbüchern niederschlagen“, so Berg weiter.

Industrie braucht für den Wiederaufbau mittelfristig mehr IT-Freelancer

Bergs Zuversicht ist nicht unbegründet. So wollen viele Industrieunternehmen nach der Pandemie ihre Lieferketten umstrukturieren. Jedes dritte will mit digitalen Tools mehr Transparenz in seine Supply Chain bringen. Vier von zehn Betrieben wollen mit mehr Lieferanten in Deutschland intensiver zusammenarbeiten und sich dazu enger mit ihnen vernetzen, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Inverto
Die Firmen wollen mit solchen Maßnahmen verhindern, dass sie ihre Fabriken nochmal anhalten müssen, weil diese nicht mehr mit Material beliefert werden. Jedes fünfte Unternehmen kämpft einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zufolge derzeit mit Produktionsausfällen. 

Ohne externe Unterstützung werden die Betriebe entsprechende Projekte allerdings wohl nicht durchführen können.

Konjunkturprognosen sind derzeit Kaffeesatzleserei

Ohne externe Unterstützung werden die Betriebe entsprechende Projekte nicht durchführen können. Offen ist nur, wann sie diese starten können Das hängt davon ab, wie sich die Corona-Krise im weiteren Jahresverlauf auf die Wirtschaft auswirkt. Derzeit sind jedoch sämtliche Vorhersagen zum weiteren Konjunkturverlauf mit großer Vorsicht zu genießen. 

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