Stundensätze und Gehälter: Das verdienen freie und festangestellte Experten
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Stundensätze und Gehälter - sind Freelancer die Gewinner in herausfordernden Zeiten?

22.02.2022
GULP Redaktion
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Die Ergebnisse in Bezug auf Stundensätze und Gehälter der frisch erschienen GULP Arbeitsleben Studie haben überrascht. Sind Freelancer:innen die heimlichen Gewinner in Krisenzeiten? Welche Stundensätze oder Jahresgehälter konnten die Teilnehmenden realisieren und haben sich die Erwartungen aus dem Jahr 2019 erfüllt?

Über die GULP Arbeitsleben Studie

Seit 2013 liefern GULP Studien einen Überblick über Stundensätze, Projekte und Auslastung von freien Mitarbeitenden der IT- und Engineering-Branche. An der aktuellen Arbeitsleben Studie nahmen im Zeitraum von Juni 2021 bis Januar 2022 insgesamt 781 Unternehmer:innen sowie freie und festangestellte Mitarbeitende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Sie gaben Auskunft über Überstunden und Verdienst, Arbeitsleben, Zufriedenheit, Anforderungen an Unternehmen und Expert:innen sowie Trends.

 

Zu allen Ergebnissen

Entwicklung der Stundensätze bei freien Mitarbeitenden

Lag der durchschnittliche All-inclusive-Stundensatz der Studienteilnehmenden im Jahr 2019 bei 92,96 Euro, so zeichnet sich hier wie in den letzten Studien eine erneute Entwicklung nach oben ab. Zwar konnten die 2019 geplanten Erhöhungen von 7,2 Prozent nicht ganz realisiert werden, so lagen sie dennoch mit 98,37 Euro im Jahr 2021 um 5,8 Prozent höher als zwei Jahre zuvor. Die Freelancer:innen stimmt das weiterhin optimistisch und so planen sie für dieses Jahr eine Preissteigerung von durchschnittlich 7,9 Prozent Im Mittel rechnen die Befragten also mit einer Erhöhung auf durchschnittlich 106,13 Euro pro Stunde.

Der durschnittliche All-inclusive-Stundensatz von Freelancern in Deutschland liegt derzeit bei 98,37 Euro

Wie schon in den Jahren davor, berechnen ca. die Hälfte der Freiberufler:innen laut der Umfrage zwischen 70 und 100 Euro pro Stunde (All-inklusive). Doch auch hier gibt es eine Verschiebung nach oben. Stellten im Jahr 2019 nur 33,7 Prozent der freien Mitarbeitenden über 100 Euro pro Stunde in Rechnung, sind es im Jahr 2021 bereits 42,2 Prozent! Unter 70 Euro pro Stunde verdienen nur ca. 10 Prozent der Freelancer:innen in Deutschland.

Säulendiagramm zur Stundensatzverteilung: In Deutschland rechnen die meisten Freelancer zwischen 70 und 100 Euro ab.
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Basis für die Kalkulation von Stundensätzen bei Freelancern

Natürlich darf es immer ein bisschen mehr sein, dennoch kalkulieren freie Projektmitarbeitende ihre Stundensätze auf Basis verschiedener Informationen, um wettbewerbsfähige und realistische Angebote abgeben zu können. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle.

Knapp ein Drittel der Befragten orientiert sich an Erfahrungswerten aus vorherigen Projekten. Sicher spielen hierfür der erwartete Aufwand und die Komplexität des Projekts eine Rolle. Auch die Erfahrung aus abgeschlossenen Verhandlungen mit Auftraggeber:innen dürfte hier zum Tragen kommen. Allerdings gaben die Hälfte der teilnehmenden Freelancer:innen an, sich am Marktwert zu orientieren und die Nachfrage, die benötigten Skills und die eigene Projekterfahrung mit einfließen zu lassen. Verständlich und nachvollziehbar, da die beauftragenden Organisationen gerne bereit sind, einen höheren Stundensatz für gut passende und qualifizierte Mitarbeitende zu zahlen.

20 Prozent der Interviewten gaben an, sich hauptsächlich an vorherigen Honorarsätzen zu orientieren. Bei wiederkehrenden Projekten mit bekannten Auftraggeber:innen dürften große Veränderungen nach oben, die über eine Anpassung im einstelligen Prozentbereich hinausgehen auch schwer akzeptiert werden.

Balkendiagramm: Freelancer orientieren sich bei der Stundensatzberechnung hauptsächlich am Marktwert

Durchschnittliches Brutto-Gehalt festangestellter Experten

Die Ergebnisse der GULP Arbeitsleben-Studie 2021 zeigen auf der Seite der Freelancer:innen viel Optimismus trotz herausfordernder Zeiten. Auf den ersten Blick zeigt sich das Bild auf Seiten der Festangestellten anders. Hier kam es zu einem Rückgang des durchschnittlichen Brutto-Jahresgehalts. Im Jahr 2019 gaben die Teilnehmenden an, in Festanstellungen in der IT- und Engineering-Branche durchschnittlich 73.500 Euro brutto pro Jahr zu verdienen. In der neuesten Auswertung lag die Angabe des Brutto-Jahresgehalts aller Interviewten in Festanstellung bei 52.081 Euro. Dieser Wert fügt sich in die aktuelle Datenlage zum durchschnittlichen Brutto-Gehalt deutscher Bundesbürger, beispielsweise des statistischen Bundesamtes.

Das durschnittliche Brutto-Jahresgehalt liegt in Deutschland derzeit bei 52.081,23 Euro

Diese Diskrepanz könnte sich dadurch erklären, dass die letzte Studie nur auf IT- und Engineering-Mitarbeiter:innen begrenzt war, die diesjährige jedoch für Expert:innen aus allen Branchen offen stand. In einem weiteren Artikel sind wir dieser These genauer auf den Grund gegangen. Die Befragten aller Branchen sind sich jedoch einig, dass in der Gehaltsentwicklung noch Luft nach oben ist. So würden alle Interviewten bei einem vergleichbaren Job jetzt durchschnittlich 23 Prozent mehr verlangen. 2019 fiel die gewünschte Steigerung mit 12,4 Prozent deutlich geringer aus.

Lesermeinungen zum Artikel

2,3 von 5 Sternen | Insgesamt 6 Bewertungen und 4 Kommentare

  • Stundensätze REMOTE <> Vor Ort

    Andreas am 28.02.2022 um 13.58 Uhr

    Ich habe immer eine kleines Problem mit diesen Verallgemeinerungen. Mein REMOTE Stundensatz hat sich in den letzten Jahren analog der Inflation erhöht (aber auch nicht gravierend darüber hinausgehend!). Mein "Vor Ort" Stundensatz war selbst bei meinen Projekten in einem Jahr nicht vergleichbar, da ich für Müchen und Hannover zwei sehr unterschiedliche Stundensätze hatte und selbst zwei Projekte in München zu Wiesenzeiten und "Unterjährig" sehr weit auseinander lagen (das erste Projekt war 2018 und das zweite 2020). Ich würde mir daher eine etwas detalierter Befragung wünschen, damit auch die Ergebnisse etwas aussagen (können). Ich denke das ist auch im interesse von uns FB, da gerade die jüngeren Kollegen (aber auch die neueinsteiger) erst damit etwas sinnvolles anfangen können. Gruß Andreas

  • Die Berechnungsgrundlage hat sich geändert

    Helmut Gabriel am 25.02.2022 um 08.55 Uhr

    Die Aussage der Auswertung passt nicht ganz. In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Einsatz von vor Ort in Richtung Remote im HomeOffice verlagert. Damit sind in meiner Branche die Stundensätze im Schnitt 20-25% gefallen, was die weggefallenen Hotelkosten, aber nicht die gestiegenen Kosten im eigenen Büro kompensiert.

  • Stundensatz remote

    Stefan B. am 25.02.2022 um 08.47 Uhr

    Da gebe ich Timo recht. 2020 war ich ungefähr zur Hälfe der Einsatztage remote tätig und mein Auftraggeber was so nett, das nicht nachzuverhandeln, so dass ich denselben Stundensatz bekam. 2021 musste ich ein neues Projekt suchen und bin für 100% remote dann auch 8 Euro heruntergegangen, was ich aber OK fand.

  • Stundensatz tatsächlich noch höher

    Timo am 25.02.2022 um 08.16 Uhr

    Da ja 2020 und 2021 bei vielen nahezu keine Spesen angefallen sind(Hotel, Fahrtkosten), ist der netto Stundensatz noch viel stärker gestiegen.

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