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Zufriedenheit im Beruf: Unterschiede bei Freelancer:innen und Festangestellten

Ergebnisse der GULP Arbeitsleben Studie

23.05.2022
Joscha Faralisch – Freiberuflicher Autor
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Freelancer:innen sind insgesamt zufriedener mit ihrer beruflichen Situation. Zumindest in den Branchen IT, Engineering, Finance und Life Science. Das belegen die Ergebnisse der GULP Arbeitsleben Studie zweifelsfrei. Über die Hälfte der befragten Freelancer:innen gaben an, mit ihrer beruflichen Situation “sehr zufrieden” zu sein – dreimal so viel wie in der Gruppe der Festangestellten. Die Studie gibt zudem Aufschluss darüber, welche Vorteile Freelancer:innen und Festangestellte in der Freiberuflichkeit sehen und wie viele der Befragten zu gleichen Konditionen in die jeweils andere Beschäftigungsform wechseln würden.

 

  

Über die GULP Arbeitsleben Studie

Seit 2013 liefern GULP Studien einen Überblick über Stundensätze, Projekte und Auslastung von freien Mitarbeitenden der IT- und Engineering-Branche. An der aktuellen Arbeitsleben Studie nahmen im Zeitraum von Juni 2021 bis Januar 2022 insgesamt 781 Unternehmer:innen sowie freie und festangestellte Mitarbeitende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Sie gaben Auskunft über Überstunden und Verdienst, Arbeitsleben, Zufriedenheit, Anforderungen an Unternehmen und Expert:innen sowie Trends.

 

Zu allen Ergebnissen

Freiberuflichkeit oder sicheres Arbeitsverhältnis: So zufrieden sind Freelancer:innen und Festangestellte mit ihrer beruflichen Situation

Wir haben Freelancer:innen und Festangestellte nach ihrer Zufriedenheit im Beruf gefragt. Die Unterschiede sind zum Teil erheblich. So bezeichnen 51,8 Prozent der befragten Freelancer:innen sich als “sehr zufrieden” mit ihrer beruflichen Situation. Bei den Festangestellten sind es lediglich 16,9 Prozent.

Ähnliche Werte zwischen den beiden Gruppen gibt es lediglich in der Kategorie “zufrieden”, wobei Festangestellte hier mit 36,6 Prozent einen leichten Vorsprung gegenüber den Freelancer:innen mit 34,6 Prozent haben.

Insgesamt sind damit jedoch bereits ganze 86,4 Prozent der Freelancer:innen mit ihrer beruflichen Situation “zufrieden” oder “sehr zufrieden”. Dementsprechend gering ist der Anteil der Freelancer:innen, die sich als “unzufrieden” oder “sehr unzufrieden” bezeichnen, wobei gerade einmal 1 Prozent mit “sehr unzufrieden” geantwortet hat.

Bei den Festangestellten sind diese Werte mit 9,1 Prozent bei “unzufrieden” und 7,3 Prozent bei “sehr unzufrieden” zwar merklich höher. Allerdings erreicht die Antwortmöglichkeit mit der geringsten Zufriedenheit auch hier den kleinsten Wert. Auffällig ist auch, dass die Angabe “neutral” bei den Festangestellten mit 30,5 Prozent die zweitgrößte Gruppe darstellt. Freelancer:innen kommen hier lediglich auf 9,9 Prozent.

Säulendiagramm: Die meisten Freelancer sind sehr zufrieden in ihrem Job, bei den Festangestellten dominiert das Mittelfeld

GULP Profilinhaber aufgepasst: An Umfrage teilnehmen und Belohnung sichern

Die FH Bern schreibt gemeinsam mit der Universität Bern eine Studie über Plattformarbeit und wir unterstützen dabei. Im Zentrum steht dabei die Frage: Wie erleben Sie Plattformarbeit? Wie nehmen Sie Ihre Arbeit wahr? Wie zufrieden sind Sie damit? Welche Sicherheiten und Unsicherheiten verbinden Sie damit?

An der Umfrage teilnehmen können Personen, die Deutsch oder Englisch sprechen, in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnen und im Moment keiner beruflichen Ausbildung/ Lehre nachgehen oder Studieren. Zudem sollten Sie seit einiger Zeit über eine Onlineplattform arbeiten.

Teilen Sie Ihre Erfahrungen. Als Belohnung warten 14 Euro(16 CHF) sowie die Teilnahme an der Masterclass “Erfolgreich über Plattformen arbeiten”.

Wechsel in die andere Beschäftigungsform: Viele der Befragten schließen diesen Schritt auch zu gleichen Konditionen aus

Obwohl Festangestellte mit ihrer beruflichen Situation im Schnitt weniger zufriedener sind, würden insgesamt nur 27,6 Prozent der Befragten zu vergleichbaren Konditionen als Freelancer:in arbeiten. Auffälligerweise fällt dieser Wert damit nur unwesentlich geringer aus als der Anteil der Festangestellten, die mit ihrer beruflichen Situation “unzufrieden” oder “sehr unzufrieden” sind (insgesamt 33,2 Prozent). Eine Korrelation lässt sich hier also durchaus vermuten.

52,7 Prozent schließen einen Wechsel in Freiberuflichkeit hingegen entschieden aus. Das entspricht ziemlich genau der Zahl derer, die mit ihrer Festanstellung “zufrieden” oder “sehr zufrieden” sind (insgesamt 53,5 Prozent). Der Anteil der Unentschlossenen liegt bei 19,7 Prozent.

Säulendiagramm: Sowohl die Mehrheit der Freelancer als auch der Festangestellten würden eher nicht in die jeweils andere Beschäftigungsform wechseln.

Ähnlich gering ist bei Freelancer:innen die Motivation, zu vergleichbaren Konditionen in eine Festanstellung zu wechseln, wobei der Anteil derer, die sich einen solchen Wechsel definitiv nicht vorstellen können mit 61,3 Prozent sogar noch höher ausfällt als bei den Festangestellten. Infrage käme eine Festanstellung aber immerhin für 19,9 Prozent – also deutlich mehr als die insgesamt 3,6 Prozent, die angegeben haben, als Freelancer:in “unzufrieden” oder “sehr unzufrieden” zu sein. 18,85 Prozent antworteten mit “Weiß nicht”.

Unabhängig, flexibel, abwechslungsreich: Diese Vorteile der Freiberuflichkeit sind für Freelancer:innen und Festangestellte besonders entscheidend

Obwohl Freelancer:innen im Durchschnitt also deutlich zufriedener sind, würde nur rund ein Viertel der Festangestellten ihren Job aufgeben, um zu gleichen Konditionen als Freelancer:in zu arbeiten. Das wirft die Frage auf, welche Gründe letztlich ausschlaggebend für den Schritt in die Freiberuflichkeit sind. Auch hier geben die Ergebnisse der GULP Arbeitsleben Studie Aufschluss: So konnten die befragten Freelancer:innen angeben, warum sie Freiberufler:innen geworden sind, wobei Mehrfachnennungen möglich waren. Für 84,1 Prozent ist die damit verbundene Unabhängigkeit entscheidend, 57,2 Prozent gaben bessere Verdienstmöglichkeiten als Grund an. Auch die Punkte “abwechslungsreiche Tätigkeit” sowie “flexible Arbeitszeiten” erreichten jeweils über 50 Prozent. Für je knapp 35 Prozent der Befragten spielt die fachliche Herausforderung eine Rolle. Bessere Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten kommen hingegen nur auf 15,6 und 27,1 Prozent.

Balkendiagramm: Unabhängigkeit/Selbstständigkeit, bessere Verdienstmöglichkeiten sowie eine abwechslungsreichere Tätigkeit sind die häufigsten Gründe für die Selbstständigkeit

Auch die Festangestellten wurden zu den Vorteilen der Freiberuflichkeit befragt – und kommen dabei in der Tendenz zu einer ähnlichen Gewichtung. Zwar stufen sie den Vorteil “flexible Arbeitszeiten” mit 60,6 Prozent etwas höher und den Stellenwert der Unabhängigkeit mit 77,5 Prozent etwas geringer ein, insgesamt aber nehmen Festangestellte die Vorteile der Freiberuflichkeit interessanterweise ähnlich wahr wie die befragten Freelancer:innen selbst.

Balkendiagramm: Festangestellte sehen Unabhängigkeit, flexible Arbeitszeiten und eine abwechslungsreiche Tätigkeit als die größten Vorteile der Selbstständigkeit

Fest steht jedenfalls: Der Großteil der befragten Freelancer:innen ist den Schritt in die Selbstständigkeit bewusst und freiwillig gegangen. Denn nur rund 15 Prozent gaben hier externe Gründe wie Jobverlust oder Arbeitslosigkeit an. Diejenigen, die sich dazu entscheiden, Freelancer:innen zu werden, tun dies in der Regel also offenbar wohlüberlegt und aus eigenem Antrieb. Die allgemein hohe Zufriedenheit der Freelancer:innen legt unterdessen den Schluss nahe, dass nur die wenigsten diese Entscheidung anschließend bereuen.

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