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Branchen im Vergleich: Wie viele Projekte werden direkt vergeben?

Auswertung aus dem GULP Tool „Stundensätze in der Praxis“

18.09.2012
GULP Redakion
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Für Unternehmen gibt es zwei klassische Wege, um IT-/Engineering-Freiberufler als Externe ins Boot zu holen: Entweder setzen sie die Selbstständigen direkt ein oder sie nutzen die Dienste einer Agentur, die für sie die Projektvermittlung und weitere Services übernimmt. Ja, die Vermittlung macht dabei den Löwenanteil der Projekte aus und manchmal sieht es so aus, als gäbe es nur noch Agentur-Vermittlungen. Doch in einigen, wenigen Branchen ist auch der Anteil der Direkteinsätze sehr hoch. Dass Freiberufler ohne Agentur zwangsläufig immer höhere Stundensätze realisieren können, stimmt nicht – auch das ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Lesen Sie selbst die Auswertung der von Freelancern eingetragenen Projekteinsätze.

Grundlage der Branchenanalyse sind mehr als 5.600 Einträge von IT-/Engineering-Freiberuflern in der Liste " Stundensätze in der Praxis", also Daten zu ihren in den Jahren 2001 bis 2012 abgewickelten Projekten. Bei den angegebenen Stundensätzen handelt es sich um die tatsächlich gezahlten Honorare. Tragen auch Sie die Daten Ihres aktuellen (oder zuletzt durchgeführten) Projektes in diese Liste ein, damit wir bald noch detailliertere Auswertungen veröffentlichen können!

Dreiviertel der Projekte kommen über Agenturen zustande

Projekteinsatz Anteil
(2001-2012)
Durchschn. Stundensatz
(2001-2012)
Direkt 25,3 Prozent 75 Euro
Über Agentur 74,7 Prozent 72 Euro

Bezieht man alle Datensätze seit Start des Tools „Stundensätze in der Praxis“ in die Auswertung ein, liegt der Anteil der Direkteinsätze bei 25,3 Prozent. Agenturen sind folglich bei einem Dreiviertel der Projekteinsätze von IT-/Engineering-Experten zwischengeschaltet.

In den letzten Jahren hat sich der Anteil der Vermittlungen etwas verändert: Von 83 Prozent im Jahr 2007 ist er im Jahr 2010 auf 69 Prozent gesunken – um danach wieder anzusteigen. Das könnte natürlich mit dem Bedarf an IT-/Engineering-Spezialisten zu tun haben – also der Marktdynamik: Ende 2009 und Anfang 2010 sank die Zahl der Projektanfragen – wegen der damaligen Finanz- und Wirtschaftskrise wurden Projekte gestoppt und externe Beauftragungen in die Zukunft verschoben.

Die Nachfrage nach externem IT-Personal sank, Freiberufler waren etwas schlechter ausgelastet als in den Jahren zuvor. Unternehmen, die Freelancer ins Boot holen wollten, fanden diese relativ einfach und sahen sich nicht unbedingt gezwungen, die Dienste einer Agentur in Anspruch zu nehmen. Als der Markt ab Mitte 2010 wieder anzog, wendete sich das Blatt und der Bedarf an Selbstständigen stieg an. Mittlerweile haben Firmen Schwierigkeiten damit, verfügbare externe Spezialisten zu finden – und greifen auf die Unterstützung von Personalagenturen zurück. Die Zeit der Agenturen ist (wieder) gekommen.

Übrigens: Die 78 Prozent bei 2012 sind zwar eine sehr wahrscheinliche Zahl, allerdings noch nicht in Stein gemeißelt, da das Jahr noch nicht abgeschlossen ist. Die Fortführung der grauen Linie des GULP IT-Projektmarktindex ist eine grobe Schätzung auf Basis der bisherigen Monatswerte – die genaue Anzahl der 2012 über GULP verschickten Projektanfragen steht erst am letzten Tag des Jahres fest.

Banken, Telekommunikation und Logistik: Hier geht ohne Agentur nichts

Während im Dienstleistungsbereich noch 42 Prozent der Aufträge an Freelancer direkt vergeben werden, läuft bei den Banken und Finanzinstituten, in der Telekommunikations- und in der Logistik-Branche ohne Vermittlungsagenturen so gut wie gar nichts (mehr). Hier liegt der Anteil der über Agenturen vermittelten Projekteinsätze bei 80 Prozent und mehr. Es ist zu vermuten, dass dieser Anteil weiter steigen wird, wenn sich der Trend der Lieferantenkonsolidierung auf Unternehmensseite weiter durchsetzt.

Zu beachten ist natürlich, dass in die Liste „Stundensätze in der Praxis“ nur Freiberufler Projekteinsätze erfassen können, die ein GULP Profil haben. Der Eintrag eines Profils bei GULP zeigt wohl schon eine grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Agenturen. Selbstständige, die ihre Aufträge ausschließlich direkt und über ihr Netzwerk akquirieren, werden hier nicht auftauchen – außer, sie haben ohnehin ein Profil bei GULP, um sich darüber am Laufenden zu halten, was derzeit gefragt ist und bezahlt wird.

Die Branche, in denen die meisten Projekte an Freelancer vergeben wird, ist laut dem GULP Artikel " Die besten Branchen für IT-/Engineering-Freiberufler" übrigens mit Abstand die Banken-Branche. Projektmacher Nummer zwei und drei sind „Telekommunikation“ und „Elektronik“:

Diese Grafik ist aus dem Artikel „Die besten Branchen für IT-/Engineering-Freiberufler“ von Juni 2012 übernommen.

Warum lagern Unternehmen die Mitarbeiterbeschaffung an einen externen Dienstleister aus? Es liegt auf der Hand, dass der interne Zeit- und Kostenaufwand um einiges höher ist, wenn das Unternehmen 20 einzelne Freiberufler direkt im Einsatz hat, als wenn es hier zusammenfasst und die Verwaltung der Dienstleister an Experten auslagert.

Das Ziel beim Einsatz einer Agentur ist meist, Prozesse zu optimieren und zu vereinfachen, einheitliche Verträge zu gewährleisten und schnelle Reaktionszeiten bei Lastspitzen zu garantieren. Zunehmend gewinnt der Aspekt der Versorgungssicherheit in Unternehmen an Bedeutung: Wie stelle ich sicher, dass ich in Zeiten, in denen IT-Fachkräfte gut ausgelastet sind, bei Bedarf schnell die passenden Spezialisten bekomme? Oder bei Ausfall schnell Ersatz beschaffe? Die Entscheidung der Endkunden für eine Agentur hängt also stark von der Unternehmensgröße, dem benötigten Bedarf sowie den intern vorhandenen (Personal-)Ressourcen ab.

Wo der Stundensatz ohne Agentur höher ist – und wo mit

Eine Dienstleistung kostet, so auch die Leistung der zwischengeschalteten Agentur. Deshalb können bei einem Direkteinsatz, also ohne Personalagentur, durchaus höhere Stundensätze erzielt werden, wenn der Kunde seinen Aufwand selbst trägt. Kann sein, muss aber nicht, wie der Blick auf einzelne Branchen beweist:

In den Branchen „Versicherungen“ und „Transport & Logistik“ liegen die Stundensätze bei Projekten, die über Vermittler zustande kamen, höher (Versicherungen: plus 6 Euro, Logistik: plus 1 Euro). In der IT-Branche hält es sich die Waage (71 Euro). In den übrigen Branchen ist das erzielte Freiberufler-Honorar bei Direkteinsätzen höher – die größte Differenz ist im Handel ersichtlich. Hier verdient der Experte ohne Vermittler im Schnitt 14 Euro pro Stunde mehr als mit Agentur. Über alle Branchen hinweg sieht es so aus, dass der Stundensatz bei Direktbeauftragungen im Schnitt knapp 3,40 Euro höher liegt (siehe Tabelle).

 

Gewichteter Stundensatz über alle Branchen hinweg:

Direkt
(2001-2012)
Über Agentur
(2001-2012)
Gesamt
(2001-2012)
75,22 Euro 71,83 Euro 72,69 Euro

Da in bestimmten Branchen die Direktakquise oft unmöglich ist, ist fraglich, ob sich der damit verbundene Aufwand tatsächlich immer rechnet. Denn auch Zeit ist ja bekanntlich Geld – und der Vermittler sollte den Projektbeteiligten Zeit sparen helfen. Eine Agentur übernimmt nicht nur die Projektvermittlung, sondern koordiniert Gespräche und Termine, unterstützt den Freelancer bei der Akquise und nimmt ihm administrative Tätigkeiten ab, so dass zum Beispiel Verträge und Zahlungseingänge schneller realisiert werden können. Teils finanziert die Agentur auch zwischen, um lange Zahlungsziele zu überbrücken. Der Personaldienstleister ist Ansprechpartner bei Problemen und stellt dem Unternehmen bei Ausfall Ersatz. Letztendlich muss jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden, welchen Weg es einschlägt, um seine Projektauslastung optimal zu gestalten – und IT-Spezialisten, mit welchen Unternehmen sie zusammenarbeiten und mit welchen nicht.

Tragen auch Sie die Daten Ihres aktuellen (oder zuletzt durchgeführten) Projektes in die Liste " Stundensätze in der Praxis" ein, damit sich auch in Zukunft ein aussagekräftiger Überblick über alle Branchen ergibt!

Mehr Informationen zum Thema bei GULP: