Der GULP Projektmarktbericht 2007

Überraschend hohes Wachstum = mutige Prognose

28.01.2008
GULP Redaktion
Artikel teilen:

Projektmarktbericht 2003 | 2006 | 2007 | 2008 | 2010

Bereits seit längerem ist es um die Auftragslage freiberuflicher IT-Spezialisten gut bestellt: Zwei Drittel von ihnen waren bereits im Jahr 2006 nahezu ganzjährig mit IT-Projekten ausgelastet. Trotz dieser positiven Entwicklung erwartete jedoch nur knapp die Hälfte der IT-Freiberufler eine ähnlich hohe Auslastung für 2007.

Tatsächlich konnte sich so mancher IT-Experte vor Projektanfragen nicht retten. Denn mit insgesamt 127.769 zugestellten Projektofferten und damit einem Anfragenplus von 50 Prozent mauserte sich 2007 zu einem Boomjahr im IT-Projektmarkt. Alle Zahlen, Fakten und Trends des vergangenen Jahres sowie die Prognose für 2008 lesen Sie im IT-Projektmarktbericht.

50 Prozent mehr Projektanfragen

Die Prognose für 2007 lautete: "Die Vorhersage für den IT-Projektmarktindex geht von insgesamt 99.080 Projektanfragen aus und damit einem Plus von 15,5 Prozent." Überzeugt von einem weiteren wirtschaftlichen Aufschwung wurde dann aber auch GULP von der Dynamik überrascht, mit der sich dieser vollzog.

itprojektmarktbericht2007_1

Mit über 120.000 abgewickelten Projektanfragen nahm der Anteil der Offerten im Jahr 2007 um 50 Prozent zu. Statt des vorhergesagten neuen Bestwertes von monatlich 9.000 Projektanfragen lag das Monatsmittel oberhalb der 10.000er Marke. Im Juli und August zählte GULP mit über 14.000 vermittelten Anfragen einen neuen Spitzenwert. Zudem lief im Mai - und damit viel früher als erwartet - die 400.000ste Projektanfrage seit Firmenbestehen über die GULP Server.

Vor allem im zweiten Halbjahr stieg der Bedarf an externen IT-Mitarbeitern sprunghaft an. Allein in diesen sechs Monaten wickelte GULP schon fast so viele Offerten (72.823) ab wie im gesamten Jahr 2006 (85.779).

itprojektmarktbericht2007_2

Bei den Skills dominierte SAP unangefochten die Nachfrage: Der Anteil der SAP-Offerten wuchs um 70 Prozent! Weitere begehrte Skills des Jahres 2007 waren Java, SQL oder Oracle.

Optimistisch-realistische Prognose

Die Prognose für den IT-Projektmarkt 2008 fällt dementsprechend optimistisch-realistisch aus:

itprojektmarktbericht2007_3

Die mutige Vorhersage - ermittelt aus den monatlichen Steigerungsraten unter Berücksichtigung kalendarischer und projektmarktspezifischer Gegebenheiten - geht von insgesamt 166.050 Projektanfragen aus. Das entspricht einer Zunahme des Projektmarktindex von 30 Prozent. Nach oben wird der Index voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte erstmals die neue monatliche Bestmarke von 16.000 Projektanfragen durchbrechen. Nach unten sichert die 10.000er-Linie den Index.

Danach wird der IT-Projektmarkt auch 2008 weiter wachsen - voraussichtlich aber auf etwas geringerem Niveau als im Vorjahr. Von einem anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung sind auch die Projektanbieter sowie führende Wirtschaftsexperten überzeugt. Ihrer Meinung nach wird sich das Wachstum gegenüber 2007 jedoch etwas abschwächen.

Welche Themen den IT-Projektmarkt 2007 neben der hohen Nachfrage sonst noch beschäftigten, skizziert der nachfolgende Rückblick.

Stundensätze wieder bei 70 Euro

Das Jahr 2007 brachte für IT-Freiberufler nicht nur mehr Projekte, sondern auch mehr Geld: Der allgemein geforderte Freiberuflerstundensatz stieg erstmals wieder auf 70 Euro. Damit lag er drei Euro höher als noch 2006. Gute Chancen, diese Forderung auch durchzusetzen, ergaben sich für sie in den Branchen Pharma/Chemie, Handel, Telekommunikation, Versicherung und Banken/Finanzen.

Zwar bewerten viele Projektanbieter die geforderten Stundensätze als zu hoch, scheinen sich aber dennoch mit dem höheren Preisniveau abzufinden: Im Jahr 2006 stufte jeder Fünfte die verlangten Honorare als meist richtig ein, 2007 meinte dies schon jeder Dritte. Zudem geben sie sich bei Stundensatzverhandlungen weniger hart als in den Vorjahren. So sind bei bestimmten Projektbedingungen Zuschläge verhandelbar, z.B. bei kurzen Laufzeiten oder für Bereitschaftsdienste.

Ob IT-Selbstständige ihre Honorarforderung letztendlich auch durchsetzen können, hängt natürlich auch von ihrem Verhandlungsgeschick ab. Karriere-Coach Gitte Härter rät: "Ein Honorar zu nennen, aber beim ersten Augenbrauenheben des Kunden sofort runterzugehen, ist nicht nur verhandlungstaktisch unklug, sondern es macht außerdem unglaubwürdig. Gibt es einen Grund für einen Nachlass, etwa weil ein Projekt über einen längeren Zeitraum läuft, dann ist es wichtig, das auch entsprechend zu begründen. Denn sonst bringt der potenzielle Kunde den Nachlass und den Grund nicht unbedingt zusammen."

Trends im IT-Arbeitsmarkt

Der IT-Arbeitsmarkt wurde 2007 in den Medien großteils mit dem Stichwort " Fachkräftemangel" verbunden. Viele Projektanbieter erfahren diesen bereits am eigenen Leib. Ca. jeder Dritte von ihnen behilft sich bei personellen Engpässen bereits mit osteuropäischen IT-Spezialisten.  Nach Ansicht vieler IT-Freiberufler ist der diskutierte Mangel vor allem von den Unternehmen bzw. Arbeitgebern konstruiert. Die Mehrheit von ihnen bezweifelt - auch  angesichts immer noch jobloser Kollegen - dass es einen solchen tatsächlich gibt.

Bei weitem einiger als beim Fachkräftemangel waren sich beide Seiten beim neuen Betriebssystem Windows Vista, das seit Januar 2007 auch für Privatanwender angeboten wird. Der vollmundig angepriesene XP-Nachfolger konnte weder die Projektanbieter noch die Freiberufler zu einem Umstieg begeistern. Vielmehr kürten sie Windows Vista zur zweitgrößten IT-Luftblase des Jahres. Als wesentlich zukunftsträchtiger bewerteten beide Parteien dagegen Open Source Software. Etwa 80 Prozent von ihnen setzen die quelloffenen Varianten bereits ein und rechnen auch weiterhin mit einer zunehmenden Akzeptanz von Open Source. Folglich wählten sie Linux, zusammen mit Java, Oracle und SQL-Server, zum Aufsteiger-Skill 2007.

Als zunehmenden Trend identifizierte die IT-Beratung Capgemini die IT-Industrialisierung. Danach wickeln Unternehmen nur noch sehr individuelle Leistungen selbst ab; alle anderen Services lagern sie an externe Dienstleister aus. Bereits heute wird nur noch etwas mehr als ein Viertel der Software intern programmiert. Für IT-Leiter bedeutet dieser Wandel ein anderes Rollenverständnis: Ihre zukünftige Aufgabe wird es immer mehr sein, dem Management beratend zur Seite zu stehen und unternehmerische Herausforderungen in IT-Lösungen umzusetzen.

Das Arbeitskarussell drehte sich 2007 aufgrund der Marktsituation um einiges schneller, wobei die zunehmende berufliche Belastung vor allem den Projektanbietern an die Substanz ging. Sie zeigten sich weit häufiger von ihrem Job gestresst als die IT-Freiberufler: Während jeder zweite Auftraggeber seine beruflichen Aufgaben als zu belastend und anstrengend einstufte, traf dies nur auf ein Drittel der externen IT-Mitarbeiter zu. Offenbar haben IT-Selbstständige mehr Freiheitsgrade, die es ihnen ermöglichen, öfter mal Nein zu sagen und Grenzen zu setzen.

Steuerlicher Einfallsreichtum

Grenzen scheint es hingegen beim steuerlichen Einfallsreichtum der Regierung nicht zu geben. Mit u.a. folgenden Steueränderungen überraschte sie im Jahr 2007: Anhebung der Umsatzsteuer auf 19 Prozent, schwierigere Absetzbarkeit von Arbeitszimmern, Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer, Reduzierung des Sparerfreibetrages, neue Steuernummern ...

Weiterhin relativ unklar war vielen IT-Freiberuflern, ob sie wegen einer Gesetzesänderung nun ein Fahrtenbuch führen müssen oder nicht. Denn die unter Selbstständigen beliebte Ein-Prozent-Regelung für die steuerliche Absetzbarkeit ihres Kfz gilt nun nur noch, wenn sie dieses zu mehr als der Hälfte betrieblich nutzen. Laut Rechtsanwalt Dr. Benno Grunewald sei das Kernproblem, wie die betriebliche Nutzung von mehr als 50 Prozent bewiesen bzw. glaubhaft gemacht werden könne. Sein Fazit: "Da der Vollbeweis - was auf das (von vielen ungeliebte) Fahrtenbuch hinausliefe - nicht verlangt werden kann, muss sich das Finanzamt mit weniger zufrieden geben." Dennoch ergebe sich seiner Ansicht nach hier eine große steuerliche Grauzone, die den Finanzämtern einen weiten Ermessenspielraum einräumt.

Angesichts dessen verwundert es nicht, dass das Fahrtenbuch zu den klassischen Punkten zählt, die Betriebsprüfer bei IT-Selbstständigen gerne genauer unter die Lupe nehmen. Ebenfalls häufig überprüft werden zudem die Punkte Home-Office, Status Freiberuflichkeit oder Umsatzsteuer.

Aufregende Gesetze

An der Gesetzesfront endete das Jahr so ähnlich wie es begann: aufregend. Dazwischen gab es speziell für IT-Freiberufler einige Lichtblicke.

Als erster Aufreger erwiesen sich die neuen Pflichtangaben für geschäftliche E-Mails; ein Nebenprodukt des zu Jahresbeginn eingeführten zentralen, elektronischen Handelsregisters (EHUG-Gesetz). Leider erhielt diese - gerade für Unternehmer - wichtige Information in den Medien nicht die nötige Aufmerksamkeit, was zu völliger Verunsicherung führte. Für Klarheit bei den GULP Lesern sorgte dann Rechtsanwalt Max Lion Keller mit seinen Mustervorlagen für alle gängigen Unternehmensrechtsformen.

Ebenfalls noch nicht vom Tisch war das leidige Thema " Software-Patente". Mit ihrem Vorsitz im EU-Ministerrat 2007 wollte die Bundesregierung deren Zulässigkeit entscheidend voranbringen.

Bessere Nachrichten gab es dagegen beim heißen Eisen "Anerkennung als Freiberufler": Nachdem der Bundesfinanzhof (BFH) schon vor längerem die Differenzierung zwischen Anwender- und Systemsoftware aufgegeben hatte, qualifizierte er nun endlich auch die Beratung als freiberuflich. In der betreffenden Entscheidung stellte der BFH fest, dass ein Ingenieur auch eine beratende Tätigkeit ausüben kann.

In Sachen Rentenversicherungspflicht Selbstständiger gab es ein weiteres Urteil, wonach die langjährige Tätigkeit eines Selbstständigen für nur einen Auftraggeber alleine nicht quasi "automatisch" zur Rentenversicherungspflicht führt. Wie Rechtsanwalt Dr. Grunewald berichtete, gelte dies im Übrigen insbesondere für den IT- Bereich, in dem es branchentypisch sei, dem Selbstständigen komplexe Aufgaben zu übertragen, die dessen gesamte Arbeitskraft über einen längeren Zeitraum binden.

Weitere, für Freiberufler relevante, Gesetze waren:
 

  • Der Beschluss des neuen GmbH-Gesetzes: Selbstständige mit einem Hang zur GmbH-Gründung werden dies zukünftig schon mit weniger Stammkapital als bisher realisieren können. Außerdem soll es für Existenzgründer eine noch günstigere GmbH-Einstiegsvariante geben.
  • Das neue Insolvenzrecht ermöglicht zahlungsunfähigen Unternehmern, ihre Selbstständigkeit auch weiterhin auszuüben und Geld zu verdienen. Auch wichtige Betriebsmittel können vorm Zugriff der Gläubiger geschützt werden.
  • Durch das Gesetz zum Pfändungsschutz der Altersvorsorge wird die Altersvorsorge Selbstständiger in gleicher Weise vor dem Vollstreckungszugriff der Gläubiger geschützt wie der Rentenanspruch abhängig Beschäftigter.


Für Wirbel sorgte dann zum Ende des Jahres der Hackerparagraf, durch den Straftaten von Computerhackern härter geahndet werden sollen. Allerdings rückten die schwammigen Gesetzesformulierungen plötzlich auch IT-Sicherheitsexperten in ein dubioses Licht. Noch gibt es hierzu keine klare Grundsatzentscheidung.

Veränderungen bei GULP

Zu guter Letzt: Was waren 2007 die größten Veränderungen bei GULP?

Neben dem Relaunch der Webseiten, der realisierten Personaloffensive von 65 auf knapp 100 Mitarbeiter zählte dazu vor allem die neue Partnerschaft mit Vedior. Die Verbindung mit einem der weltgrößten Personaldienstleister sichert unser Wachstum nachhaltig. Auch zukünftig werden wir unsere Dienste und Services für Sie weiter ausbauen.

In diesem Sinne freuen wir uns auf ein spannendes und erfolgreiches Jahr 2008 zusammen mit Ihnen.