Fachkräftemangel: Gefühlt ist er da

Umfrage-Ergebnis: Projektanbieter haben Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden

04.11.2011
GULP Redaktion

Fachkräftemangel ja oder nein? Viele Stellen für IT-Spezialisten bleiben unbesetzt und es gibt mehr offene Stellen für Ingenieure als Ingenieure auf Jobsuche. Die Nachfrage nach externer Projektunterstützung steigt. Doch mehren sich die Zweifel am Phänomen „Fachkräftemangel“. Gibt es ihn wirklich? 75 Prozent der Teilnehmer an dieser GULP Umfrage für Projektanbieter, Vermittler und Einkäufer sind der Meinung: Ja, wir haben derzeit größere Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden, als 2010. Wobei wir hinzufügen müssen, dass auch unsere Umfrage den Streit um den Fachkräftemangel nicht beilegen wird – denn es haben leider nur 32 Projektanbieter teilgenommen. Interessant ist es dennoch.

Fachkräftemangel: Mär oder Wirklichkeit?

75 Prozent der Teilnehmer finden es derzeit schwerer, geeignete Mitarbeiter zu finden, als 2010. Für 22 Prozent hat sich nichts verändert – wobei natürlich sein kann, dass es für diese auch 2010 schon schwer war. Gefühlt ist der Fachkräftemangel in unserer Umfrage da, so oder so.

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Dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zufolge hat die Zahl der offenen Ingenieurstellen im September 2011 mit 99.000 einen Höchststand erreicht. Auf jeden arbeitslosen Ingenieur kämen mehr als fünf offene Stellen. Der Hightech-Verband Bitkom gab Mitte Oktober bekannt, dass es in der deutschen Wirtschaft derzeit rund 38.000 offene Stellen für IT-Experten gibt. Nach Einschätzung der 1.500 vom Bitkom befragten deutschen Unternehmen habe sich der Fachkräftemangel im Vergleich zu den Vormonaten verschärft.

Gleichzeitig sind seit Anfang September bei Spiegel online zwei Artikel erschienen, in denen die These aufgestellt wird, dass bei derartigen Auswertungen zum Fachkräftemangel deutlich übertrieben werde. In die Berechnung von VDI und IW (Ingenieurmonitor) zum Beispiel fließen laut Spiegel die offenen Ingenieurstellen ein, die der Bundesagentur für Arbeit (BA) vorliegen. Was „VDI und IW machen: Sie multiplizieren die Angaben der Bundesagentur mit dem Faktor 7,14 – weil es viel mehr unbesetzte Stellen gebe, als die Behörden wissen“. Der Faktor selbst sei allerdings umstritten (siehe „ Ingenieurmangel: Mit Karacho in den Schweinezyklus“, 06. September 2011, Spiegel Online). So kommt auch der Artikel „ Wer hat Angst vor der Killerstatistik?“ (12. Oktober 2011, Spiegel Online) recht schnell zum Schluss: „[V]on einem kurzfristig drohenden Mangel [ist] nichts zu sehen. Und die Langzeit-Mangelprognosen beruhen auf unrealistischen Annahmen.“

Mangel treibt Preise in die Höhe

Ihre-Prognose-Die-Stundensaetze-von-IT-Selbststaendigen-werden-in-absehbarer-Zeit

Es ist eines der bekanntesten Gesetze der Volkswirtschaftslehre, dass die Preise für ein Gut, an dem in einem Markt ein Mangel besteht, steigen. So ist es eine logische Konsequenz der ersten Frage, dass mehr als die Hälfte der Projektanbieter mit steigenden Honoraren für IT-Selbstständige rechnen. 38 Prozent denken, die Stundensätze werden sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Das käme den Projektanbietern, die externe Dienstleistungen einkaufen, natürlich gelegen – wenn ein Sinken schon unrealistisch ist, dann wenigstens eine Stagnation.

Nachfrage wird bis Ende 2011 nicht sinken

Noch kurz ein Blick auf die Nachfrage – auch hier bestätigt das Ergebnis unserer kleinen Umfrage einen Fachkräftemangel:

Haben-Sie-im-ersten-Halbjahr-2011-haeufiger-externe-IT-Mitarbeiter-engagiert-als-im-Vorjahr

59 Prozent der Projektanbieter haben im ersten Halbjahr 2011 deutlich häufiger externe IT-Mitarbeiter engagiert als im Vorjahr. Zusammen mit den 16 Prozent bei „geringfügig“ sind es genau wieder 75 Prozent, die von einem Nachfrageanstieg sprechen.

Wie-wird-sich-Ihre-Nachfrage-nach-externen-IT-Spezialisten-im-zweiten-Halbjahr-2011-entwickeln

Für den Rest des Jahres 2011 wird entweder Stagnation (47 Prozent) oder eine weitere Steigerung erwartet (44 Prozent). Mit einem Rückgang ihres Bedarfs an externen IT-Spezialisten noch 2011 rechnen nur 9 Prozent der Projektanbieter und Vermittler – das ist doch mal eine positive Botschaft angesichts der Unkenrufe einer drohenden nächsten Banken- oder Wirtschaftskrise.

 

An dieser Stelle ein Aufruf an die Projektanbieter: Nehmen Sie an der aktuellen GULP Umfrage teil!
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