Interview mit RDL Schweiz AG

"Run" auf die Schweiz?

15.07.2002
GULP Redaktion

Die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU sind in Kraft getreten. Damit erhalten EU-Bürger ein Anrecht auf die Erteilung einer Arbeitsbewilligung.
In einem Gespräch mit GULP erläutert Herr Grassi, Geschäftsführer der RDL Schweiz AG, die Neuerungen und deren Auswirkungen.

GULP Kommt es nun zu einem "Run" auf den Schweizer Markt?
Herr Grassi

Nein, daran glaube ich nicht. Dafür hat sich im Grunde zu wenig geändert. Die Grundvoraussetzungen für eine Tätigkeit in der Schweiz sind gleich geblieben - ohne Vertrag kein Permit, also keine Arbeitsbewilligung.

Aber natürlich sind die neuen, vereinfachten Verfahren und die größeren Bewilligungskontingente eine echte Erleichterung für alle. Die ganzen Prozesse sind vereinfacht worden. Vorher war die Arbeitsbewilligung kantonsbezogen, jetzt kann man über die Kantonsgrenzen hinweg tätig sein und wechseln. Durch diese neue Freizügigkeit herrscht jetzt eine viel höhere Mobilität.
Vorher war der Arbeitgeber in der Arbeitsbewilligung vermerkt, der nichtschweizer Arbeitnehmer war dadurch an diesen Arbeitgeber gebunden, jetzt ist er frei, die Stelle und den Arbeitgeber zu wechseln. Mit einer EU/EFTA Arbeitsbewilligung hat man deutlich mehr Rechte.

GULP Und wie kommt man jetzt in den Genuss derselben? Welche Hürden müssen für eine Arbeitsbewilligung genommen werden?
Herr Grassi

Dafür muss man das Abkommen erst genau betrachten. Die bilateralen Verträge sehen eine stufenweise Öffnung des schweizerischen Arbeitsmarktes vor. Bis 2004 wird vor Erteilung einer Arbeitsbewilligung der Inländervorrang geprüft, die Lohn- und Arbeitsbedingungen kontrolliert, und es dürfen natürlich die Kontingente nicht ausgeschöpft sein.
Erst nach 2004 wird der Inländervorrang und die Kontrolle der Lohn- und Arbeitsbedingungen aufgehoben. Aber die Kontingentierung bleibt weiterhin bestehen. Diese fällt erst nach fünf Jahren weg. Damit führt dann die Schweiz versuchsweise den freien Personenverkehr mit der EU ein.
Nach sieben Jahren wird dann in einem fakultativen Referendum das Schweizer Volk entscheiden, ob die bilateralen Verträge weiterhin Bestand haben sollen; gedacht als Sicherheit und Selbstschutz. In dieser Zeit führt die EU übrigens die Gesetze stillschweigend weiter, bis sich das Schweizer Volk entschieden hat.
Aber die Schweizer können sich dabei nicht die Rosinen herauspicken. Entweder sie stimmen dem Abkommen in vollem Umfang zu oder gar nicht.

GULP

Wie groß ist dieses Kontingent? Und ist zu erwarten, dass es schnell ausgeschöpft ist?
Herr Grassi

Dass das Kontingent schnell ausgeschöpft ist, glaube ich nicht. Es setzt sich aus zwei Gruppen zusammen: einmal 15.000 Bewilligungen für Daueraufenthalter und weitere 115.000 Stellen für Kurzzeitige. Diese 130.000 Stellen müssen erst mal besetzt werden.

Leidtragende sind übrigens in diesem Zusammenhang die Nicht-EU-Bürger, denn mit der neuen Kontingentierung verschlechtert sich das Verhältnis auf 130.000 EU/EFTA-Bürger zu 9.000 aus Drittstaaten. Eine klare Besserstellung der EU-Bürger, eine De-facto-Verschlechterung für Nicht-EU-Bürger.

GULP Und der Inländervorrang? Ist zu erwarten, dass er einer Bewilligung im Wege steht?
Herr Grassi Der Inländervorrang ist nichts Neues, der bestand schon immer. Er besagt, dass vor einer Erteilung der Arbeitsbewilligung geprüft werden muss, ob nicht ein Schweizer Bürger mit den gleichen Qualifikationen zur Verfügung steht, dem man somit den Vorrang geben soll.
GULP Wie wird das geprüft?
Herr Grassi Dafür muss ein Rekrutierungsnachweis erbracht werden. Das bedeutet, der Arbeitgeber muss nachweisen, dass er über entsprechende Stellenanzeigen, Inserate und die kantonalen Arbeitsvermittlungszentren einen gleich qualifizierten Schweizer erfolglos gesucht hat. Zusätzlich ist es hilfreich, wenn er anhand einer Schweizer Bewerbung begründen kann, warum gerade dieser Inländer nicht in Frage kommt.
Zusätzlich werden noch in den ersten zwei Jahren die Lohn- und Arbeitsbedingungen kontrolliert. Also ob zum Beispiel die Arbeitszeiten und die Mindestlöhne eingehalten werden. Nach Wegfall dieser Kontrolle sind flankierende Maßnahmen vorgesehen, um die Schweizer Arbeitnehmer vor einem Lohndumping zu schützen. Für Informatiker gilt grundsätzlich 6.500 CHF brutto monatlich. Es ist also nicht möglich, jemanden für 4.500 CHF als Informatiker einzustellen. Und wenn doch, dann nur mit niedriger Qualifikation, aber dann greift der Inländervorrang wieder. Geschichtlich ist die hohe Lohnhürde dadurch bedingt, dass bisher nur absolute Fachkräfte und Spezialisten einreisen durften.
Zurzeit wird wieder stärker geprüft und kontrolliert, eine Folge der angespannten Marktlage die sich auch in der Schweiz auf den Arbeitsmarkt niederschlägt.
GULP Bei diesem Mindestlohn handelt es sich um ein Gehalt für Festangestellte. Wie sieht es bei Freiberuflern aus?
Herr Grassi Die Vermittlung von Freiberuflern wurde im Rahmen des Abkommens nicht liberalisiert. Ein somit weiterhin gültiges Schweizer Gesetz, ähnlich dem deutschen Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, besagt, dass erstmalig in die Schweiz einreisende, ausländische Kräfte nicht verliehen werden dürfen. Dieses Gesetz besteht schon seit mehreren Jahren. Aber eine Vorschrift weichte es zwischenzeitlich wieder auf. Die Behörden waren angehalten, branchenbedingte Gegebenheiten zu berücksichtigen. Zu Zeiten des absoluten IT-Fachkräftemangels durften dann auch erstmalig Einreisende überlassen werden. Diese Vorschrift findet aber keine Anwendung mehr.
GULP Besteht denn jetzt die Möglichkeit, als ein in Deutschland ansässiger Freiberufler direkt in der Schweiz tätig zu sein?
Herr Grassi Das Abkommen sieht nur eine begrenzte Liberalisierung der grenzüberschreitenden personenbezogenen Dienstleistungen vor. Als Dienstleister mit Sitz außerhalb der Schweiz darf der IT-Freiberufler nur maximal 90 Arbeitstage im Jahr in der Schweiz tätig sein. Für diese Dienstleistung muss ein entsprechender Werkvertrag nachgewiesen werden. Der Freiberufler muss die Tätigkeit bei den Behörden anzeigen und sich bewilligen lassen. Der Inländervorrang und die Kontrolle der Lohn- und Arbeitsbedingungen gelten in der zweijährigen Übergangszeit übrigens auch für Dienstleister! Sobald Sie aber über eine Schweizer Agentur vermittelt werden, müssen Sie temporär bei der Agentur angestellt sein. Wie eben schon erwähnt, ist die Arbeitnehmerüberlassung oder der Personalverleih von erstmalig einreisenden, nichtschweizerischen IT-Kräften weiterhin nicht erlaubt, diese Hürde bleibt bestehen. Nichtschweizer müssen grundsätzlich bei der Agentur temporär angestellt sein, sofern sie nicht Inhaber einer in der Schweiz registrierten Unternehmung oder in einer Festanstellung mit einer Schweizer Unternehmung sind.
Die Bewilligungspflicht für Nichtschweizer Dienstleister wird erst in fünf Jahren mit der dritten Stufe abgeschafft, wenn die volle Personenfreizügigkeit auf Probe eingeführt wird.
GULP Wird es dann zu einem "Boom" kommen?
Herr Grassi

Ich habe Schwierigkeiten mit dem Wort "Boom" in diesem Zusammenhang. Einen Boom wird es so nicht geben. Sie müssen sehen, dass bereits 60 bis 70 Prozent der in der Schweiz tätigen Freiberufler EU-Bürger sind.

Das ist mentalitätsbedingt. Der Schweizer sieht die freiberufliche Tätigkeit mit Interesse und auch einer Portion Neid in Hinblick auf die möglichen Einkommen. Aber da er aus tiefster Seele ein sicherheitsbedachter Mensch ist, scheut er oft das freiberufliche Risiko. Eine Freiberufler-Kultur besteht kaum. Übrigens auch ein Grund, warum das Agenturgeschäft für IT-Fachkräfte in der Schweiz noch relativ jung und unbekannt ist.

GULP Wenn bereits 60 bis 70 Prozent der Freiberufler EU-Bürger sind, aus welchen Nationalitäten setzen sie sich dann zusammen?
Herr Grassi Der Großteil von vermutlich mehr als 50 Prozent der IT-Experten kommt aus Großbritannien, gefolgt von Deutschen, Niederländern und Schweden. Wenige Italiener und Franzosen.
GULP Wenige Franzosen? Die Schweiz ist doch regional französischsprachig, trotzdem wenige Franzosen?
Herr Grassi Die französische Schweiz ist industriell geprägt. Und das mit Industrieunternehmen, die aufgrund des relativ kleinen Schweizer Marktes international agieren müssen. Diese Firmen haben als Firmensprache Englisch gewählt, bedingt durch ihre internationale Ausrichtung. Französisch ist daher im Projekt nicht zwangsläufig ein Vorteil, bei der sozialen Einbindung natürlich schon. Übrigens ein interessantes Phänomen: In Zeiten von knappen IT-Kräften ist die Projektsprache größtenteils Englisch. Jetzt wo wieder mehr Kräfte zur Verfügung stehen, wird auch wieder Deutsch gesprochen.
GULP Sie sprachen eben die soziale Einbindung an. Wie lang ist denn das typische Schweizer Projekt, auf welche Zeiten in der Fremde muss sich ein Freiberufler einstellen?
Herr Grassi Die Projektlänge beträgt oft ein Jahr, aber nicht selten zwei bis fünf Jahre. Hier wird dann auch deutlich, wie wichtig der soziale Rückhalt ist. Verträge werden in der Regel in Halbjahresschritten gemacht. Hier greift die Vereinfachung durch die bilateralen Verträge. Wer eine Vertragsverlängerung nachweisen kann, kann nun unbürokratisch seine Arbeitsbewilligung verlängern lassen, ohne das gesamte Genehmigungsverfahren nochmals durchlaufen zu müssen.
GULP Wie ist zurzeit der Schweizer Markt für IT-Freiberufler?
Herr Grassi

Man kann noch von einem intakten Arbeitsmarkt sprechen. Es gibt laufende Projekte und Projektanfragen. Aber im Moment finden Firmen eher wieder die Fachkräfte, die sie brauchen, als noch vor zwei Jahren, als der Markt leer gefegt war. Dadurch sind die Stundensätze ins Rollen geraten. Mit Forderungen in Höhe von 300 CHF ist der Freiberufler eindeutig auf der falschen Seite. In den Mangelzeiten haben Freiberufler die Höchstsätze der von Servicefirmen fakturierten Mitarbeitersätze übernommen und bis zu teilweise 270,- CHF gefordert und auch bekommen.

Da musste sich der Schweizer Markt umstellen und das tut er auch. Die Stundensätze sind teilweise massiv unter Druck geraten. Im Vergleich zum Ende des letzten Jahres sind im Durchschnitt Senkungen von 25 Prozent erfolgt. In manchen Bereichen sogar bis zu 50 Prozent. Ein Javaentwickler der damals noch 210 CHF fordern konnte, muss sich heute mit 105 CHF abfinden. Die Stundensätze der Schweizer Freiberufler sind ebenfalls auf ein gesundes Niveau gesunken und nähern sich den europäischen Kollegen an. Die Tarife beruhigen sich wieder. Im Schnitt werden jetzt zwischen 100 und 120 CHF gezahlt. Aber es gibt in der Schweiz keine Quelle wie GULP, die einen echten Vergleich ermöglicht. Was sich auch auswirkt. Der englische Markt liegt danieder, die dortigen Dienstleister und Freelancer sehen die Schweiz als eine Goldgrube und drängen stark auf den Schweizer Markt. Aber die Deutschen haben einen entscheidenden Vorteil, sie sind direkt vor Ort, können zu Erstgesprächen anreisen und man kann sich im Vorfeld beschnuppern. Es ist gut, die Nase des Anderen schon mal gesehen zu haben.

GULP Wie wirkt sich die aktuelle Lage auf dem IT-Projektmarkt auf RDL aus?
Herr Grassi Wir verfolgen einen proaktiven Ansatz. Um es salopp zu sagen, durch die Flaute hat RDL sich von einem Bestellbüro in ein Vertriebsbüro gewandelt. Wir stehen deutlich näher beim Kunden. Hier zahlt sich vor allem die Arbeit der letzten Jahre aus. Damals war ein Freiberufler bei seinem Einsatz an den Kunden gebunden, ein Stellenwechsel war überhaupt nicht möglich. Wenn seine Bewilligung abgelaufen war, musste er die Schweiz wieder verlassen, teils für sechs Monate, um dann erst wieder zurückkehren zu können. Alles verbunden mit hohem behördlichen Aufwand. Das Agenturgeschäft war daher den Firmen suspekt und nicht sehr beliebt. Da musste viel Grundsatzarbeit geleistet und Vertrauen aufgebaut werden. Das zahlt sich heute aus. Aber RDL ist auch das Vertriebsbüro für den Freiberufler, wir sind für ihn die Verkäufer und für die Kunden das Ressourcenmanagement.
GULP Sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?
Herr Grassi Bevor man die Frage beantworten kann, muss man erst mal wissen, wie dunkel es überhaupt ist. Auch wenn man jetzt schon im vierten Quartal mit mehr Investitionen rechnet, die Talsohle in diesem Jahr haben wir meiner Meinung nach noch nicht erreicht. Die kann erst noch kommen. Das aktuelle Geschehen an den Börsen, die Zusammenbrüche in der Telekommunikationsbranche, werden nicht spurlos an uns vorübergehen. Das wird uns alle nochmals auspressen wie eine Zitrone, was endgültig zu einer Strukturbereinigung führt. Deshalb gilt, der Gürtel muss weiterhin eng geschnallt bleiben. Aber um auf Ihre Frage zurück zu kommen: Erst wenn der September die Zahlen des Junis klar überschreitet, sehe ich das als einen Beweis und Bestätigung an, dass es wieder aufwärts geht. Wenn man sich rückblickend den Scherbenhaufen, den der Internethype hinterlassen hat, genau ansieht, findet man auch Positives. Die Grundsteine der neuen Technologien sind gesetzt. Daraus kann sich etwas entwickeln. Und Hypes kommen immer wieder.
GULP Welches sind "die" Hochtechnologie-Zentren in der Schweiz?
Herr Grassi 80 Prozent des Projektgeschäftes verteilt sich auf die drei Großräume Zürich, Basel und Bern. Wobei Zürich klassischerweise sehr banken- und versicherungsgeprägt ist, Basel eher von Chemie und Pharma, Bern dagegen deckt die Telekommunikationssparte ab. Gut 50 Prozent der Projekte kommen aus dem Allfinanzbereich.
GULP Wie sieht es mit den technologischen Trends in der Schweiz aus? Sind sie mit denen in Deutschland vergleichbar oder gibt es Besonderheiten?
Herr Grassi (lacht) Die Schweizer sind keine Exoten! Die Trends sind mit denen anderer Länder identisch. Was sich auch in den gefragten Skills niederschlägt. SAP, ERP, Oracle, DB2, Mainframe, Java und C++ sind die gängigen und meistgefragten.
GULP Und in welchen Bereichen besteht ein Mangel?
Herr Grassi Ein klarer Mangel besteht im Handzone-Bereich, im Development und im Roll-Out. Die Schweizer Informatiker sind eher im koordinierenden Bereich, viel im Projektmanagement tätig. Was wirklich fehlt, sind die überzeugten Entwickler mit Herz und Seele und Projekterfahrung.
GULP Und was bieten Sie diesen?
Herr Grassi Als Erstes natürlich finden und akquirieren wir für sie Projekte, kümmern uns um die behördlichen Genehmigungen bis hin zu den alltäglichen Kleinigkeiten, ob es nun der schwedisch sprechende Arzt ist oder die Hilfe bei der Frage, wie der Privat-PKW nachgeholt werden kann. Der Service und die Betreuung werden zunehmend wichtiger, nicht zuletzt auch durch die bilateralen Abkommen. Die Freiberufler sind nicht mehr an die Agenturen gebunden und frei, ihre Stelle zu wechseln.
GULP Werden europäische Zeugnisse oder Diplome anerkannt?
Herr Grassi Ja, im Rahmen des bilateralen Abkommens werden Diplome, wenn sie gewissen Minimalstandards entsprechen, anerkannt. Aber dies ist nur bei reglementierten Berufen wie zum Beispiel bei Ärzten nötig. Der Nachweis eines Hochschulabschlusses fällt für IT-Fachkräfte weg und wird nicht mehr gefordert.
Zeugnisse sind generell in der Schweiz hoch angesehen Gerade englische Mitarbeiter gehen damit oft sehr fahrlässig um und missachten den hohen Stellenwert, den ein Arbeitszeugnis in der Schweiz hat.
GULP Gibt es noch mehr Schweizer Besonderheiten, die man beachten sollte?
Herr Grassi Ein Vertrauen muss sich entwickeln können. Daher finden sie im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung auch nur einen kleinen Anteil von transkulturellen Fachkräften in der Schweiz. Da sind die kulturellen Unterschiede zum Teil zu groß, und diese Barriere verhindert einen Vertrauensaufbau. Dem Schweizer ist die Vertrauensbasis untereinander sehr wichtig. Viele Geschäftsvorgänge basieren auf Vertrauen und das wird nur durch das persönliche Gespräch und Miteinander aufgebaut. Da ist der Deutsche von seiner Mentalität her anderen gegenüber klar im Vorteil, allein schon, da keine Sprachbarriere besteht. In der Volkstugend "Jammern" sind sich die Schweizer den Deutschen von der Mentalität her ebenfalls sehr ähnlich.
GULP Die Schweiz hat hohe Lebenshaltungskosten. Ist sie dennoch attraktiv?
Herr Grassi Wenn man alles gegeneinander aufrechnet, liegen die Lebenshaltungskosten nur zwei bis drei Prozent höher. Die Mieten sind höher, auswärts essen und trinken schlägt kräftig zu Buche, dafür sind die Steuern niedriger. Es kommt dabei sehr auf das "persönliche Setup" an, und wie man sich sein Leben nach seinem persönlich größten Nutzen einrichtet.
GULP Was müssen Freiberufler konkret machen, um an ein Projekt in der Schweiz zu kommen?
Herr Grassi Sie müssen vor allem die Bereitschaft mitbringen, in ein Anstellungsverhältnis einzutreten. Damit haben gemäß unserer Erfahrung vor allem deutsche und niederländische Freiberufler ein Problem und zögern, da es für sie ungewöhnlich ist. Aber sie müssen das Vertrauen haben. Die Vermittlung über eine Agentur geht nur über einen temporären Arbeitsvertrag, das Arbeitsvermittlungsgesetz schreibt es vor.
GULP Abschließend nochmals ein Wort zu dem bilateralen Abkommen?
Herr Grassi Es hat für die Schweiz einen enormen Stellenwert. Auch wenn das Schweizer Volk zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht richtig abschätzen kann, wie wichtig die Öffnung ist. Nach 700 Jahren gehen erstmals die Türen auf.
Aber es kommt schon - obwohl die Änderungen in den ersten Jahren gar nicht so umbrechend sind - bei vielen zu einer Art von Motivationsschub.
GULP Wir bedanken uns für das informative Gespräch.

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