a Randstad company
Login

Projektarbeit in der Schweiz

Reich werden in der Schweiz!? Ein Interview mit IQ PLUS

21.08.2001
GULP Redaktion
Artikel teilen:

Dank einiger gesetzlicher Änderungen werden schweizerische Projekte für ausländische Fachkräfte erheblich an Bedeutung gewinnen. Wie Ihnen der Einstieg in diesen Markt gelingen kann, darüber unterhielt sich GULP mit der in Winterthur ansässigen Unternehmensgruppe IQ PLUS.

Herr Dr. Hartmann ist Geschäftsführer der schweizerischen Unternehmensgruppe
IQ PLUS.

GULP Die Schweiz gilt als sehr solider und unabhängiger Wirtschaftsraum. Verspüren Sie trotzdem die Auswirkungen der weltweiten IT-Krise?
Dr. Hartmann: Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist sehr gering und der Bedarf an qualifizierten Fachkräften dementsprechend hoch. Die sogenannte "IT-Krise" ist zwar auch in der Schweiz zu spüren, aber längst nicht so stark wie im EU-Raum. Natürlich bemerken wir derzeit - insbesondere bei kleinen Firmen - eine gewisse Zurückhaltung bei den Projektangeboten. Von einer "IT-Krise" zu sprechen wäre allerdings stark übertrieben.
GULP In welchen schweizerischen Regionen werden IT-Fachkräfte besonders stark nachgefragt?
Dr. Hartmann:

Das Dreieck Zürich, Bern und Basel dürfte für IT-Freiberufler besonders reizvoll sein. Am interessantesten ist vielleicht der Großraum Zürich mit seinen vielen, international tätigen Großunternehmen.

GULP

Zumindest von außen betrachtet scheint sich die Schweiz gegenüber ausländischen Arbeitskräften stark abzuschotten. Wie kommt denn ein deutscher IT-Freiberufler an ein schweizerisches Projekt?
Dr. Hartmann: Zugegebenermaßen ist der Einstieg in den Schweizer Markt für ausländische Freiberufler nicht einfach. Wer aber einmal in einem schweizerischen Unternehmen erfolgreich tätig war, kommt in aller Regel ziemlich einfach an Nachfolge-Aufträge. Der wichtigste Schritt ist, erst mal einen Fuß in die Tür zu bekommen.
GULP Und wie schafft man das?
Dr. Hartmann:

Spezialisierte Freiberufler-Jobbörsen wie etwa GULP in Deutschland existieren bei uns nicht. Die meisten in der Schweiz tätigen Vermittler arbeiten sehr diskret, fast schon wie Geheimbündler, und suchen nicht aktiv nach Freiberuflern. Oft tragen die Vermittlungsagenturen auch missverständliche Namen wie etwa "Softwareentwicklung" oder "Generalunternehmen" und haben weder eine Internetseite noch eine offizielle Kontaktadresse.

Auch bieten die schweizerischen Arbeitsämter keine Vermittlungen vom und ins Ausland an. Wenn Sie die Projektarbeit in der Schweiz interessiert, können Sie sich direkt an das ausschreibende Unternehmen wenden. Direktverträge sind möglich, allerdings eher die Ausnahme als die Regel. Besser ist es, eine Unternehmensberatung wie etwa IQ PLUS zu kontaktieren. Noch besser ist es, eventuell vorhandene Kontakte spielen zu lassen, denn in der Schweiz läuft sehr viel über Beziehungen.

GULP Gesetzt den Fall, der Freiberufler hat einen schweizerischen Projektauftrag in Aussicht. Welche bürokratischen Hürden muss er überwinden, um in der Schweiz arbeiten zu dürfen?
Dr. Hartmann: Der ausländische Arbeitnehmer benötigt eine Arbeitsbewilligung. Die wird stets von der jeweiligen Firma beantragt. Zudem kontrollieren die Behörden, ob die ausländische Person für die vorgesehene Tätigkeit ausreichend qualifiziert ist und (als Schutz vor Dumping) auch zu den üblichen Konditionen eingestellt werden soll. Da die Einreisen zur Erwerbstätigkeit zahlenmäßig begrenzt sind - wir sprechen hier von der sogenannten Kontingentierung - muss darüber hinaus ein Kontingent zur Verfügung stehen.
GULP Das klingt ziemlich aufwändig - wie lange dauert so ein Genehmigungsverfahren normalerweise?
Dr. Hartmann: Wenn die Firma einen guten Rechtsanwalt hat, vergehen zwischen Antragstellung und Genehmigung etwa zwei Wochen. Allerdings liegt die Tücke im Detail. Insbesondere mit der Qualifikation haben unsere Behörden manchmal so ihre Probleme, denn der Kunde muss dem Amt gegenüber nachweisen, dass eine gleichermaßen qualifizierte Fachkraft in der Schweiz nicht zu bekommen war. Man spricht hier vom sogenannten Inländer-Vorzug.
GULP Inwieweit werden ausländische Qualifikationen akzeptiert?
Dr. Hartmann: Hochschulabschlüsse und offizielle Zertifikate werden problemlos anerkannt. Schwieriger ist es, wenn der Freiberufler ein sehr neues und daher noch nicht zertifizierbares Fachwissen mitbringt oder wenn er sich sein Wissen im Selbststudium beigebracht hat. Ohne zusätzlichen, offiziellen Abschluss nützt ihm - wenn er Pech hat - seine ganze Berufserfahrung nichts und die Behörde lehnt den Antrag mangels Qualifikation ab. Aber als servicefreundliches Land regelt die jeweilige Firma all diese Details mit den Behörden selber und hilft dem Freiberufler auch mit Ämtergängen. Großunternehmen sind den ausländischen Fachkräften oftmals gerne bei der Wohnungssuche behilflich oder verfügen sogar über ein eigenes Wohnkontingent für diese Zwecke.
GULP Erstreckt sich die Servicefreundlichkeit auch auf die Kostenübernahme bei Vorstellungsgesprächen?
Dr. Hartmann: Nein, die Reisekostenerstattung bei Vorstellungsgesprächen ist in der Schweiz nicht üblich. Für uns ist das eine etwas befremdliche, deutsche Tradition.
GULP Wir dachten eigentlich, dass der Eintritt in den schweizerischen Arbeitsmarkt durch die Verträge mit der EU etwas erleichtert wird. Bis jetzt hört sich das alles aber ziemlich kompliziert an.
Dr. Hartmann: Ich sprach bislang auch vom Ist-Zustand. Der wird so nicht bleiben, denn die gesetzlichen Bestimmungen werden nach und nach erheblich gelockert. Hoffentlich schon bis Jahresende, aber spätestens bis zum nächsten Sommer treten gesetzliche Änderungen in Kraft, die einschneidende Verbesserungen für EU-Ausländer enthalten.
GULP Was soll sich ändern, und vor allem wann?
Dr. Hartmann:

Bislang ist es beispielsweise so, dass man als in der Schweiz tätiger Grenzgänger seit mindestens einem halben Jahr im deutschen Grenzbereich wohnhaft sein muss und auch nur im schweizerischen Grenzgebiet tätig sein darf. Künftig entfällt dieser Passus. Grenzgänger müssen dann nicht mehr im grenznahen Bereich wohnen und müssen auch nur noch einmal pro Woche außerhalb der Schweiz nächtigen. Darüber hinaus dürfen sie dann in der gesamten Schweiz Tätigkeiten aufnehmen. Nach zwei Jahren wird es eine Aufhebung des Inländer-Vorzuges geben, nach fünf Jahren eine Aufhebung der Kontingente und bis in zwölf Jahren gibt es die volle Freizügigkeit. In Zukunft ist nur noch die EU-Zugehörigkeit wichtig und sonst gar nichts.

GULP Welche Skills werden in der Schweiz in naher Zukunft besonders stark nachgefragt?
Dr. Hartmann: Das lässt sich nur sehr schwer sagen. Der schweizerische Markt ist klein, nicht besonders transparent und sehr reagibel. Es gibt auch keinerlei detaillierte Trendanalysen, etwa wie sich der schweizerische Bedarf an Softwareprogrammierern in den nächsten Monaten entwickelt. Momentan wird der Mainframe-Bereich sehr stark nachgefragt, das kann sich aber schnell wieder ändern. Wenn eine Großbank beispielsweise ein SAP-Projekt aufsetzt, ist halt SAP sehr gefragt.
GULP Welche Sprachkenntnisse erwartet ein schweizerischer Projektanbieter von einem Freiberufler?
Dr. Hartmann: Im deutschschweizerischen Raum reichen Deutsch und Englisch. Bern ist allerdings ein besonderer Fall. Zwar handelt es sich hierbei um einen deutschsprachigen Kanton, wegen dem Sitz der Bundesbehörde wird dort aber Französisch häufiger gefordert. Dies gilt insbesondere für den Support-Bereich im Zusammenhang mit den französisch sprechenden Kantonen. Ansonsten ist aber - wie bereits erwähnt - unter den Informatikern Englisch üblicher als Französisch.
GULP Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit deutschen Freiberuflern?
Dr. Hartmann: Sehr positiv, denn die gemeinsame Sprache erleichtert natürlich den Umgang miteinander erheblich. Ein weiterer Vorteil von Deutschen ist, dass sie in aller Regel Englisch sprechen. Englisch ist gerade bei vielen großen, schweizerischen Firmen die Projektsprache. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Schweizer Unternehmen sehr international ausgerichtet sind. Oftmals arbeiten in einem Projektteam beispielsweise Australier, Franzosen, Amerikaner, Italiener, Schweizer und Deutsche zusammen. Die Projektsprache richtet sich in solchen multinationalen Teams einfach nach der Mehrheit.
GULP Auf welche Fähigkeiten legen schweizerische Firmen besonderen Wert?
Dr. Hartmann:

Projekterfahrung ist weniger wichtig, um so gefragter ist eine entsprechende Branchenerfahrung. Offizielle Zertifikate und Hochschulabschlüsse sind - wie bereits eingangs erwähnt - vor allem für die behördlichen Bewilligungen von Vorteil.

GULP Thema Stundensatz. Entspricht die übliche Honorarhöhe in etwa den deutschen Standards?
Dr. Hartmann: Ja, in etwa. Die schweizerischen Stundensätze sind vielleicht ein wenig höher, das wird aber durch die höheren Lebenshaltungskosten wieder wettgemacht. Es kommt auch durchaus vor, dass es für dieselbe Arbeit in Frankfurt einen höheren Stundensatz gibt als etwa in Zürich.
GULP Wie groß ist der Spielraum bei den Honorarverhandlungen? Steigt nicht der Tarif eines Skills automatisch bei entsprechender Nachfrage?
Dr. Hartmann:

Anders als vielleicht in Deutschland ist in der Schweiz der Verhandlungsspielraum sehr gering. Es gibt für die gesamte Schweiz gültige, tarifähnliche Tabellen. In denen ist bis auf eine geringe Spanne genau definiert, wie hoch etwa der Stundensatz eines seit drei Jahren tätigen SAP-Spezialisten sein darf. Die Höhe des Stundensatzes orientiert sich dabei an der Qualifikation und der Berufserfahrung. Vermittler und Endkunden richten sich stets nach diesen Sätzen, entsprechend gering ist der Spielraum bei Honorarverhandlungen.

GULP GULP bedankt sich für das informative Gespräch.

IQ PLUS ist seit 1988 erfolgreich im Bereich Projektentwicklung tätig. IQ PLUS löst Kapazitäts- und Know-how-Engpässe im kommerziellen Softwareentwicklungs-, Netzwerk-, SAP- und Internet-Bereich. Die Dienstleistungen werden insbesondere von Banken, Versicherungen, Telekommunikations- und Informationsgesellschaften, Dienstleistungsunternehmen sowie von Verwaltungen in Anspruch genommen. Die Einsätze erfolgen kurz-, mittel- und langfristig in der ganzen Deutschschweiz. Unser Gesprächspartner Herr Dr. Hartmann ist Gründungsmitglied und Geschäftsführer von IQ PLUS.