Marktstudie: Die besten Branchen für IT-/Engineering-Freiberufler

Banken, Elektronik und Telekommunikation sind die Top-Branchen auf dem IT-/Engineering-Projektmarkt

22.06.2012
GULP Redaktion

In welchen Branchen werden viele Aufträge an IT-/Engineering-Freiberufler vergeben und wie lang dauern die Projekteinsätze? Das zeigt diese Marktstudie, die auf die Daten des GULP Tools „Projekteinsätze bei Kunden“ zurückgreift. In die Liste tragen Freelancer ihre bereits getätigten Projekteinsätze ein – das heißt, ausgewertet werden nicht Projektanfragen, sondern die durchgeführten Aufträge. Diese Daten aus der Praxis können wir dank Ihnen auswerten – durch die Hilfe aller, die ihre Projekteinsätze in der Liste erfassen. Welche Branchen sind also die Gewinner? Natürlich die Banken – aber nicht allein und nicht in allen Disziplinen.

Die Daten für diese Marktstudie lieferten Einträge von Freelancern in die Liste „ Projekteinsätze beim Kunden“. Ausgewertet wurden 39.856 Einträge zu 477 Unternehmen in 18 Branchen.

Gesamtranking: Die besten Branchen für IT-/Engineering-Freelancer

Was charakterisiert eine gute Branche? Viele Unternehmen, die Externe einsetzen, viele durchgeführte Aufträge oder eine lange Projektlaufzeit? Am aufschlussreichsten für ein Ranking ist die Kombination mehrerer Kriterien. Wir haben mit den Daten aus der Liste „Projekteinsätze beim Kunden“ jeweils Einzelrankings gebildet für die Anzahl der Unternehmen pro Branche, die Anzahl der Freiberufler, die Anzahl der Projekte und die Laufzeit der Projekte und daraus eine Gesamtplatzierung errechnet.

Die Top 5 Branchen für IT-Freelancer sind damit: Banken und Finanzinstitute, Elektronik, Telekommunikation, Versicherungen und IT. IT ist seit 2010 vom zweiten auf den fünften Platz gefallen und Telekommunikation hat sich vom fünften auf den dritten Platz vorgekämpft, aber die fünf besten Branchen für IT-/Engineering-Freelancer haben sich alles in allem nicht geändert.

Branche Rang nach Anzahl Firmen-Einträge Rang nach Anzahl Freiberufler Rang nach Anzahl Projekte Rang nach Projektlaufzeit Platz 2012 Platz 2010 Platz 2005
Banken & Finanzinstitute 1 1 1 10 1 1 1
Elektronik 9 3 3 1 2 2 2
Telekommunikation 5 2 2 8 3 5 5
Versicherungen 2 6 6 7 4 4 3
IT 3 4 4 13 5 2 4
Automotive 6 5 5 9 6 6 8
Handel & Konsumgüter 4 8 9 16 7 9 12
Industrie 7 10 10 11 8 8 6
Chemie & Pharma 8 7 7 17 9 7 7
Software 16 13 11 2 10 12 13
Luft- und Raumfahrt 13 12 12 6 11 10 11
Verkehr, Transport, Logistik 15 9 8 14 12 11 9
Beratung 14 15 15 3 13 14 16
Behörden & Öffentliche Verwaltungen 12 11 13 12 14 13 15
Touristik 17 17 17 5 15 15 14
Energieversorger 11 14 14 18 16 16 10
Medien 10 16 16 15 16 18 17
Sonstige 18 18 18 4 18 17 18

Im Folgenden werden wir detaillierter aufschlüsseln, wie dieses Ranking entstanden ist und was die Vor- und Nachteile der einzelnen Branchen sind.

Breite Basis oder dünnes Eis? Die Anzahl der Unternehmen

Die Anzahl der Unternehmen pro Branche, zu denen Einträge in der Liste vorliegen, zeigt, wie viele Firmen mit Externen zusammenarbeiten, im Umgang mit Freelancern vielleicht schon geübt sind und weitere Projektchancen für Selbstständige bereithalten.

Branche Anzahl Unternehmen
Banken & Finanzinstitute 73
Versicherungen 57
IT 44
Handel & Konsumgüter 43
Telekommunikation 38
Automotive 30
Industrie 30
Chemie & Pharma 29
Elektronik 25
Medien 18
Energieversorger 16
Behörden & Öffentliche Verwaltungen 15
Luft- und Raumfahrt 15
Beratung 14
Verkehr, Transport, Logistik 14
Software 9
Touristik 4
Sonstige 3

Was ist die Liste „Projekteinsätze beim Kunden“?

Projektanbieter setzen bevorzugt Freiberufler ein, die zuvor bereits in ihrem Unternehmen tätig waren, denn diese Freelancer kennen sich mit der Systemumgebung aus – und haben nachweislich gute Qualität geliefert.

Allerdings haben nur äußerst wenige Unternehmen einen Überblick darüber, welcher Externe wann und wo bereits eingesetzt wurde, aktuell verfügbar ist und auf das neu ausgeschriebene Projekt passt. Der Freiberufler dagegen hat oft keine Kenntnis von Vakanzen bei seinem Ex-Kunden und diese Folgeeinsätze gehen an ihm vorbei.

Die Liste „ Projekteinsätze beim Kunden“ soll deswegen Unternehmen und „bekannte“ Freelancer besser zusammenbringen. Externe erfassen dort ihre getätigten Einsätze – und Kunden können gezielt nach Freiberuflern suchen, die früher für sie tätig waren, fachlich passend und aktuell verfügbar sind. Die Einträge werden nicht im GULP Profil veröffentlicht, sondern ausschließlich für die Recherche für/durch diese Unternehmen verwendet.

Die fünf Branchen, zu denen in der GULP Liste die meisten Einträge von Freiberuflern vorliegen, sind neben den Banken Versicherungen, IT, Handel- und Konsumgüter und Telekommunikation. Die Schlusslichter mit jeweils weniger als zehn Einträgen sind Software und Touristik. „Sonstige“ sind übrigens die drei Unternehmen Tüv, Dekra und Adac, die keiner anderen Branche zuzuordnen waren.

Banken und Finanzinstitute: Breite Basis

Nun sagt die Anzahl der Unternehmen noch wenig darüber aus, wie viele Projekte mit wie vielen Externen dort durchgeführt werden. Ein Punkt spricht allerdings schon für die Branchen mit vielen Firmen: Sie sind breit aufgestellt. Wenn in den Schlusslichter-Branchen plötzlich eines oder mehrere Unternehmen sich entscheiden, keine Freiberufler mehr zu beauftragen, bleiben nicht viele Firmen, die das auffangen könnten. Schnell kann so eine ganze Branche für IT-/Engineering-Selbstständige weniger attraktiv werden und Externe haben nur noch wenige Chancen, ihr Branchen-know-how gewinnbringend einzusetzen. Bei 73 Banken und Finanzinstituten ist die Sicherheit höher – diese breite Basis verkraftet auch eine hohe Fluktuation, wie sie bei Banken und Finanzinstituten der Fall ist. Seit 2004 sind in der GULP Liste im Bankenbereich so viele „neue“ Unternehmen hinzugekommen wie im Vergleich in keiner anderen Branche – durch Neugründungen, Fusionen und Umfirmierungen. An die Banken-Branche geht im ersten Einzelranking ein berechtigter erster Platz.

Chronik: Wo die meisten Externen zum Einsatz kommen

Dem zweiten Einzelranking in der obigen Tabelle liegt die Zahl der eingesetzten Freiberufler pro Branche zugrunde. Hier ist nicht nur der aktuelle Stand interessant, sondern zusätzlich die Entwicklung der letzten Jahre – denn sie lässt Rückschlüsse zu auf das, was kommen wird. Die Zahlen für das Jahr 2012 in den folgenden Grafiken sind allerdings unter dem Vorbehalt zu betrachten, dass noch nicht einmal die Jahreshälfte erreicht ist – sie werden sich in allen Branchen mit Sicherheit noch ändern. Deswegen haben wir im weiteren Text nur die Werte des Jahres 2011 mit den vergangenen Jahren verglichen.

Anteil der eingesetzten Freiberufler pro Branche I

Die sechs Brachen in den ersten Grafik sind diejenigen, in denen prozentual in den letzten acht Jahren die meisten IT-/Engineering-Selbstständigen eingesetzt wurden. In der Bankenbranche sind Freiberufler derzeit gut beschäftigt. Viele Umstrukturierungsmaßnahmen, neue Gesetze oder Fusionen machen den Einsatz von IT-Freelancern nötig. Im Jahr 2011 entfielen 21,1 Prozent der eingesetzten Freiberufler auf diese Branche. Ein Plus von 6,3 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2008 (14,8 Prozent).

Trend nach unten: Elektronik-Branche

In der Elektronikbranche ist der Anteil der eingesetzten externen IT-/Engineering-Spezialisten innerhalb von drei Jahren von 11,2 Prozent auf 8,5 Prozent gesunken. Auch in der Automotive-Branche zeigt der Trend nach unten: Waren im Jahr 2008 noch 12,4 Prozent der eingesetzten Freelancer in Automotive-Firmen beschäftigt, waren es 2011 nur noch 8,3 Prozent. Sollte sich der derzeitige Wert von 2012 bis Jahresende so halten, wären das allerdings sehr gute Aussichten. Unwahrscheinlich ist das nicht: Der Branche geht es momentan gut - angekurbelt vor allem durch das Auslandsgeschäft mit China und anderen asiatischen Staaten.

Anteil der eingesetzten Freiberufler pro Branche II

Der hohe Wert 2012 bei Chemie und Pharma muss derzeit leider noch als Aureißer betrachtet werden. Sollte sich der Trend bei Stabilisierung der Datenbasis am Ende des Jahres gehalten haben, wäre das für die Freelancer der Branche erfreulich, denn 2011 sank der Anteil der eingesetzten Freelancer leicht ab (2011: 3,8 Prozent; 2010: 5,0 Prozent). Behörden und öffentliche Verwaltungen legten 2011 einen Spurt hin und anteilsmäßig um 1,5 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent zu.

Anteil der eingesetzten Freiberufler pro Branche III

Die Energieversorger legten deutlich zu – wenn auch noch auf niedrigem Niveau. Von 2008 bis 2011 hat sich der Anteil der in dieser Branche eingesetzten Selbstständigen von 2,4 auf 3,5 Prozent gesteigert – gute Chancen und viele Einsatzmöglichkeiten also für IT-/Engineering-Freiberufler mit „grünen“ Skills.

Hier werden die meisten Projekte durchgeführt

Das nächste Einzelranking, das wir uns vornehmen, ist das der durchgeführten IT-/Engineering-Projekte. Es kann sein, dass ein Freiberufler in mehreren Projekten in einer Branche im Einsatz war. Dabei kann der Freiberufler mehrmals bei demselben Unternehmen – oder jeweils einmal bei verschiedenen Unternehmen einer Branche im Projekt tätig gewesen sein. Nach der Auswertung der Zahl der eingesetzten Freelancer lohnt sich also ein detaillierterer Blick auf die Gesamtzahl der abgewickelten Projekte.

Gesamtanzahl der abgewickelten Projekte pro Branche

Angegeben ist jeweils die Gesamtanzahl aller Einträge pro Branche seit Start der Liste im Jahr 2004 – also die Zahl der Aufträge, die in der Branche in den letzten acht Jahren vergeben wurden. Dargestellt sind natürlich nicht nur Aufträge, die über GULP abgewickelt wurden, sondern alle, die von Freelancern in die Liste eingetragen wurden.

Die Banken-Branche ist mit 8.099 Einträgen mit Abstand führend. Projektmacher Nummer zwei und drei sind „Telekommunikation“ und „Elektronik“ (5.500 bzw. 4.345 Einträge). Eher weniger Projekteinsätze gibt es bei Beratung, Medien und Touristik zu holen.

Luft- und Raumfahrt: Acht Projekte pro Unternehmen pro Jahr

Es ist hier wichtig, die Zahl der Einsätze in Relation zur oben erwähnten Anzahl der Unternehmen zu setzen. In der Luft- und Raumfahrt – einer Branche, in der sich auf den ersten Blick wenig tut – sieht der Vergleich zum Beispiel so aus:

1.000 abgewickelte Projekte seit 2004 – das ergibt einen Schnitt von 125 Projekten pro Jahr (wobei 2012 noch nicht ganz abgeschlossen ist, deswegen wird sich die Zahl bis Ende des Jahres noch steigern). Bei 15 gelisteten Unternehmen bedeutet das etwa acht eingetragenen Projekte pro Unternehmen und pro Jahr in der Luft- und Raumfahrtbranche. Während „Banken & Finanzinstitute“ nur 15,3 Prozent aller gelisteten Unternehmen für sich verbuchen konnten, entfielen 20,3 Prozent aller Projekte auf diese Branche. Hier werden also überdurchschnittlich viele Projekte pro Unternehmen durchgeführt (und in die Liste eingetragen).

Im Gegensatz dazu die Bankenbranche, die die Tabelle anführt: Hier gab es seit 2004 insgesamt 8.099 Einträge in die Liste, also etwa 1.012 pro Jahr. Pro Unternehmen und Jahr sind das etwa 14 Einsätze – also „nur“ sechs mehr als in der Luftfahrtbranche. Zur Luft- und Raumfahrtbranche zählen 3,1 Prozent der aufgeführten Unternehmen – und 2,5 Prozent der eingetragenen Projektaufträge. Es können also auch kleinere Branchen für IT-/Engineering-Freiberufler attraktiv sein. Eine geringe Anzahl an Unternehmen bedeutet nicht zwangsläufig, dass Externe wenig Chancen haben. Das gilt vor allem dann, wenn wenige Externe über die nötige Branchenerfahrung verfügen und um Projektaufträge konkurrieren – das klassische Nischen-Phänomen.

Tipp: Ob die jeweiligen Aufträge auch finanziell lukrativ sind, zeigt ihnen die Gegenüberstellung der gezahlten und der geforderten Stundensätze in der GULP Stundensatz-Auswertung.

Laufzeit: Entweder viele oder lange Projekte?

Was ist besser als viele Projekte? Viele lang laufende Projekte. Zum Abschluss deswegen noch ein Blick auf das Einzelranking nach Laufzeit der Projekte. Vor allem für IT-Freiberufler, deren regelmäßige finanzielle Verpflichtungen nicht von Pappe sind, definiert sich die Attraktivität eines IT-/Engineering-Projektes vor allem auch durch seine Dauer. Je länger, desto höher ist die Planungssicherheit für den Freelancer und desto geringer ist auch der Aufwand für das Unternehmen. Schließlich profitieren beide Seiten von einer langfristigen und positiven Zusammenarbeit.

Durchschnittliche Laufzeit pro Projekt (in Monaten)

Hier führt – im Gegensatz zu den anderen Einzelrankings – die Elektronikbranche. Dort dauern IT-/Engineering-Projekte für Freelancer im Schnitt 18,4 Monate. Silber geht an Software und Bronze an die Beratung.

Banken und Finanzdienstleister finden sich hier auf Platz zehn – und auch sonst unterscheidet sich die Rangfolge bei den Laufzeiten stark vom Einzelranking der Anzahl der Projekte: Entweder lange Projekte oder viele Projekte – beides in derselben Branche geht wohl nicht. Wer auf eine gute Mischung aus viele Unternehmen pro Branche, vielen durchgeführten Projekte und vielen Externen setzen möchte, ist mit den ganz zu Beginn vorgestellten Top-5-Branchen sehr gut beraten.

Mehr Informationen zum Thema bei GULP:

  • Marktstudie: In welchen Branchen gibt es die meisten Projekte? (September 2010)
    Hierzu eine Anmerkung: Dass die Gesamtzahl der Projekte und der eingesetzten Freiberufler in manchen Branchen bei der Auswertung von 2012 niedriger ist als bei der von 2010, hat Gründe: Erstens fallen die Einträge von Freiberuflern, deren Profil (z.B. wegen Wechsels in Festanstellung oder Todesfalls) gelöscht wird, aus der Liste heraus. Selbstständige können ihre einzelnen Projektaufträge auch selbst löschen. Die Gesamtzahl an Einträgen ist zwar dennoch um mehr als 10.000 gestiegen, aber in manchen Branchen kamen anteilsmäßig weniger neue Einträge hinzu als gelöscht wurden. Zweitens wurden die IT-Dienstleister der Banken dieses Mal nicht in die Banken-, sondern in die IT-Branche sortiert, da sie dort besser aufgehoben sind.
  • GULP IT-Projektmarktindex: Misst die über den GULP Server zugestellten Projektangebote und ist ein idealer Gradmesser für die Angebots- und Nachfragesituation am IT-Projektmarkt
  • GULP Trend Analyzer: Ermittelt, welche Qualifikation wie gefragt ist
  • GULP Stundensatz Kalkulator: Berechnet die branchenüblichen Stundensätze und bringt Klarheit in den Tarifdschungel des IT-Projektmarkts

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