Marktstudie: Im Herzen der Banken, Teil 2

Hohe Stundensatzforderungen: IT-Experten für Core-Banking-Systeme Avaloq, Core 24, MBS und OSPlus

10.12.2009
GULP Redaktion
Artikel teilen:

Teil 1 | Teil 2

Nachdem in Teil 1 dieser zweiteiligen Marktstudie die vier Kernbankensysteme Avaloq, Core 24, MBS und OSPlus vorgestellt wurden, geht es nun um die externen IT-Spezialisten selbst. Sie fordern überdurchschnittlich hohe Stundensätze, soviel steht fest. Dabei festigt Avaloq seine Sonderstellung als Schweizer – und in Deutschland trifft sich der Core-Banking-Markt wie erwartet zum allergrößten Teil in und um Frankfurt am Main sowie in und um München. Auch die Daten für den zweiten Teil der Analyse lieferten die Profile der in die GULP Datenbank eingetragenen IT-Spezialisten, der GULP Trend Analyzer und die über www.gulp.de an Freelancer zugestellten Projektanfragen.

Stundensätze: Avaloq vorne

Wie in Teil 1 der Marktstudie beschrieben, sind die Marktchancen im Kernbankenbereich gut – und die Stundensatzvorstellungen überdurchschnittlich:

corebanking2_1

Dabei verlangen die freiberuflichen Avaloq-Experten am meisten. Mehr als ein Fünftel von ihnen (26,9 Prozent) fordert Stundensätze über 100 Euro. Bei den Core 24-Spezialisten sind es 11,7 Prozent, bei MBS 10,5 Prozent und bei OSPlus 9,9 Prozent. Zum Vergleich: 8,35 Prozent aller bei GULP eingetragenen IT-Selbstständigen verlangen über 100 Euro pro Stunde.

Selbstständige IT-Spezialisten mit Avaloq-Wissen fordern mit 87 Euro auch die höchsten durchschnittlichen Honorare. Sie liegen mit ihren Vorstellungen 17 Euro über dem allgemeinen Durchschnitt aller IT-Experten mit GULP Profil (70 Euro laut GULP Stundensatz-Auswertung). Aber auch die Freiberufler im Core 24-, MBS- und OSPlus-Bereich fordern mit jeweils 76 Euro sechs Euro mehr als der allgemeine Durchschnitt. Für die hohen Honorarvorstellungen der Avaloq-Selbstständigen gibt es eine einfache Erklärung, sieht man sich die Herkunft der untersuchten IT-Freelancer an.

Sie haben höhere oder niedrigere Stundensätze erzielt?
Haben Sie andere Erfahrungen mit den Stundensätzen im analysierten Bereich gemacht? Tragen Sie die Daten Ihres aktuellen oder letzten Projekts in die Liste " Stundensätze in der Praxis " ein!

Wo trifft sich der Markt?

Fast die Hälfte (47,5 Prozent) der Avaloq-Spezialisten kommt aus der Schweiz – nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass die meisten Banken, die dieses System einsetzen, dort zuhause sind. Wiederum die Hälfte der Schweizer Avaloq-Spezialisten (55,2 Prozent) wohnen im Schweizer Postleitzahlgebiet 8 – also in und um Zürich oder Thurgau. Bei den Eidgenossen liegen die durchschnittlichen Stundensatzforderungen aller IT-Freiberufler derzeit bei 85 Euro. Warum die Honorarvorstellungen der Schweizer höher sind, erläutert eine Marktstudie zum Thema.

corebanking2_1

Bei Avaloq liegt der Schwerpunkt in der Schweiz. Eines aber sollte noch erwähnt sein: In Österreich wohnen 8,2 Prozent der Avaloq-Experten, auf so einen hohen Anteil kommen die anderen drei Systeme bei weitem nicht. Österreich ist für Avaloq ein wichtiger Markt, im September 2009 hat der Schweizer Banken-Software-Spezialist eine Niederlassung in Wien eröffnet.

corebanking2_3

Zurück nach Deutschland: In 39,6 Prozent der Anfragen im Zeitraum Januar 2008 bis September 2009 wurden freiberufliche Core 24 Spezialisten für die Regionen D6 oder D8 gesucht, in 37,4 Prozent MBS-Experten, in 41,3 Prozent Freiberufler für OSPlus.

Etwas erfahrener und etwas älter

Das durchschnittliche Alter der freiberuflichen Core 24-Spezialisten (48,2 Jahre), MBS- und OSPlus-Experten (jeweils 47,8 Jahre) liegt ein gutes Stück über dem allgemeinen Schnitt aller IT-Freiberufler (42,0 Jahre). Avaloq-Freiberufler sind ebenfalls älter als der Durchschnitt, aber nur gute zwei Jahre (44,7 Jahre).

corebanking2_4

Unter 40 Jahre alt sind 22,0 Prozent der Avaloq-Spezialisten, 17,2 Prozent der Core 24-Experten, nur 11,9 Prozent der MBS-Freiberufler und 17,6 Prozent der Selbstständigen mit Kenntnissen in OSPlus. Zum Vergleich: Immerhin 31,4 aller bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler sind jünger als 40. Das ist ein deutlicher Unterschied. Ähnliches Bild bei der Berufserfahrung: Auf weniger als 15 Jahre Berufserfahrung blicken nur 13,1 Prozent der Avaloq-Spezialisten zurück, 15,6 Prozent der Core 24-Experten, 6,8 Prozent der MBS-Freiberufler und 13,0 Prozent der Selbstständigen mit Kenntnissen in OSPlus. Bei allen IT-Freiberuflern allgemein beträgt der Anteil immerhin 33,7 Prozent. Damit ist er fast fünfmal so groß wie zum Beispiel bei den MBSlern.

Sowohl was das Alter als auch was die Berufserfahrung angeht, stechen erneut die Avaloq-Spezialisten heraus. Sie sind im Vergleich zu ihren Kollegen aus den anderen drei Bereichen etwas jünger und haben etwas weniger Berufserfahrung. Das ist interessant auch aufgrund der Tatsache, dass die Schweizer IT-Freelancer eigentlich tendenziell etwas älter sind und etwas mehr Berufserfahrung haben als der allgemeine Durchschnitt (siehe Marktstudie: " Warum sind die Stundensatzforderungen der Schweizer IT-Freelancer höher?"). Bei Avaloq sind die Hürden für Neueinsteiger wenn nicht geringer, dann zumindest übersichtlicher und besser definiert. Wer sich zum "Certified Avaloq Specialist" ausbilden lässt (wie in Teil 1 beschrieben), hat sehr gute Chancen als Entwickler und Parametrisierer. Das notwendige Wissen wird ihm in 16 Tagen beigebracht, danach kann der IT-Freelancer es in Projekten und durch Berufserfahrung vertiefen. Dafür ist der Markt für Avaloq allerdings auch relativ stark regional beschränkt auf die Schweiz.

Fazit

Avaloq wird am häufigsten in der Schweiz nachgefragt, deswegen fordern Spezialisten für dieses Kernbanksystem um einiges höhere Stundensätze als ihre Kollegen, die sich mit den anderen drei untersuchten Systemen auskennen. Dennoch liegen alle relevanten Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen über dem Durchschnitt. Bei Core 24, MBS und OSPlus trifft sich der Markt vor allem in den deutschen Postleitzahlgebieten 6 ( Frankfurt am Main, Mannheim) und 8 ( München, Ingolstadt). Zwischen den einzelnen Systemen ist nicht viel um - Avaloq ausgenommen. Die Marktchancen für selbstständige IT-Experten stehen in den Bereichen Avaloq und OSPlus derzeit am besten, aber für alle vier Systeme sehr gut. Freiberufliche Spezialisten für die untersuchten Kernbankenlösungen können aus drei Bereichen kommen: erstens aus dem Großrechner-und Host-Umfeld, zweitens aus dem Cobol-, Java- oder Oracle-Bereich und drittens aus dem betriebswirtschaftlichen Gebiet. Immer aber verfügen sie über ausreichend große Kenntnis der Banken-Branche. Völlige Neueinsteiger in die Bankwelt dürften es demnach schwer haben, als Freiberufler im Bereich Kernbankensysteme Fuß zu fassen.

Mehr Informationen zum Thema bei GULP:
 

Artikel in der GULP Knowledge Base

 

GULP Tools & Dienste

  • GULP IT-Projektmarktindex: Misst die über den GULP Server zugestellten Projektangebote und ist ein idealer Gradmesser für die Angebots- und Nachfragesituation am IT-Projektmarkt
  • GULP Trend Analyzer: Ermittelt, welche Qualifikation wie gefragt ist