Marktstudie: Wie nützlich sind Kenntnisse in Systemarchitekturen?

17.09.2015
GULP Redaktion – Bernhard Krebs
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Eine ganzheitliche Sicht auf ein System, ohne sich in Details zu verlieren. Wenn in IT-Projekten Systemarchitekten zugange sind, dann ist dies zuallererst eine methodische Entscheidung. Man baut auf eine fundierte Analyse des Altsystems samt Migrationskonzept (bei Bedarf) und entsprechende Kompetenzen bei Systementwurf, -umsetzung und -organisation einer Systemarchitektur.

ABER: So vielfältig die IT-Systeme sind und so vielfältig die Branchen, so breit ist auch das Einsatzgebiet von Systemarchitekten. Das zeigt sich sowohl in den Expertenprofilen in der GULP-Datenbank als auch in den Projektanfragen, in denen unterschiedlichste Anforderungen mit der Systemarchitektur-Qualifikation zu finden sind.

Wie gefragt ist Systemarchitektur-Kompetenz der IT-Freiberufler in der GULP Profiledatenbank? Für die nachfolgende Erhebung liefern der GULP Trend Analyzer sowie der GULP Stundensatz Kalkulator die Daten. Dabei wurden insgesamt 830.400 Projektanfragen zu 94.900 Projekten an IT-Freiberufler im Zeitraum von 1. September 2010 bis einschließlich August 2015 ausgewertet.

Projektanfragen - Peaks im Frühjahr und Herbst

Die Betrachtung der Projektanfragen an Systemarchitekten zeigt deutlich, dass dieses Know-how mit einem Anteil von um die 15 Prozent sicher zu den gesuchten Top-Qualifikationen im IT-Projektmarkt gehört. Der Vergleich mit den Anteilen der letzten fünf Jahre lässt außerdem erkennen, dass in den Monaten Mai und Juni diesen Jahres neue Spitzenwerte hinsichtlich der Projektanfragen (bis zu 18,2 Prozent) erreicht wurden. Auch sind die absoluten 1.406 Projektanfragen in den vergangenen zwölf Monaten durchaus ein Grund, Kenntnisse in Systemarchitektur zu vertiefen beziehungsweise zu sammeln.

Interessant ist die Verteilung der Projektanfragen im Verlauf der letzten 5 Jahre:

Systemarchitekten scheinen das sprichwörtliche Sommerloch nicht wirklich zu kennen. Zwar ging es den einen oder anderen Sommer etwas abwärts,  der prozentuale Anteil an Projektanfragen blieb jedoch stetig über 10 Prozent. Was einen guten Wert darstellt, wenn man  ihn mit anderen Skills im GULP IT-Projektmarktindex vergleicht.

Konzentration in Frankfurt und München

Fast 40 Prozent aller Projektanfragen nach Systemarchitektur-Expertise kommen aus den Postleitzahlengebieten D6 und D8, also aus dem Bankenzentrum Frankfurt am Main und dem Job- und Innovationstreiber München. Im Vergleich zur regionalen Verteilung aller über GULP abgewickelten Projektanfragen (36,5 Prozent) ist eine etwas stärkere Konzentration auf diese beiden Projekt-Ballungsgebiete erkennbar. Entsprechend abgeschlagen rangieren die anderen Regionen Deutschlands. Interessant ist auch der Blick in Richtung Schweiz, wo ein vergleichsweise hoher Wert anzutreffen ist.

Was, salopp ausgedrückt, nichts anderes heißt als: „Willst du Systemarchitekt sein, dann komm´ nach München oder Frankfurt am Main – oder eben in die lukrative Schweiz.“

Im Schnitt 74,61 Euro in der Stunde

Der Stundensatz-Durchschnitt für alle bei GULP angebotenen Projekten beträgt 76,68 Euro. Damit liegt der durchschnittliche Stundensatz der Systemarchitekten mit 74,61 Euro rund zwei Euro darunter. Einen möglichen Grund dafür liefert der Blick in die Freelancer-Profile und parallel in die angebotenen Projekte. Hier erkennt man eine Zweiteilung der Systemarchitekten: nämlich denjenigen, die sich spezialisiert haben und solche, die es als eine Zusatzqualifikation anbieten. So erklärt sich auch die Bandbreite der Stundensätze: Immerhin 44,1 Prozent der Stundensätze rangieren zwischen 80 und 100 Euro.

Überraschend ist jedoch der Blick auf die regionale Verteilung der Stundensätze. Es gibt in Deutschland keine Ausreißer nach oben – aber: auch keine nach unten. Systemarchitekten können im ganzen Land zu recht stabilen beziehungsweise homogenen Stundensätzen arbeiten.

Erfahrung zählt

Was ihr Alter anbetrifft, liegen Systemarchitekten mit durchschnittlich 44,8 Jahren deutlich über den Altersdurchschnitt aller Freiberufler bei GULP (41,8 Jahren). Einen gewissen Erfahrungs-Horizont sollte man demnach als Systemarchitekt vorweisen können.

 

Fazit:
Kenntnisse in der Analyse und im Aufbau von Systemarchitekturen sind im Vergleich zu allen Projektanfragen sehr häufig gefragt. An der Bandbreite der Stundensätze erkennt man jedoch, wie fragmentiert dieser Markt ist. Gute Stundensätze kann nur derjenige Freelancer verhandeln, der ein echter Spezialist ist. Konnte während des einen oder anderen Projekts Erfahrung in der Systemarchitektur gesammelt werden, so schadet es dennoch nicht, dies im Profil anzugeben.