Neue Herausforderungen im Einkauf

Ein Interview mit Peter Eggers (ehemaliger Chef-Einkäufer bei Axel Springer)

08.09.2015
GULP Redaktion – Peter Eggers & Maria Poursaiadi
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Das Berufsbild des Einkäufers hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert: Vom „Schlusslicht Manager“ (schlechter bezahlt als Manager im Vertrieb oder in der Produktion) zur Schlüsselfunktion im Unternehmen. Und immer noch stecken enorme Potentiale im Beschaffungsprozess, denn noch haben nicht alle Unternehmen erkannt, dass das nur mit hochqualifizierten Einkaufsmanagern zu erreichen ist.

Peter Eggers, ehemaliger Leiter für den Bereich Konzerneinkauf bei Axel Springer, ist einer der Tagungssprecher der diesjährigen GULP Fachtagung. In unserem Interview, befragten wir ihn zu den neuen Herausforderungen des Einkaufs und wie sich die Aufgaben in den letzten Jahren verändert haben.

 

GULP: Herr Eggers, wie haben sich die Anforderungen der Unternehmen an den Einkauf im Allgemeinen, aber auch hinsichtlich des Einkaufs von IT-Dienstleistungen in den letzten Jahren geändert?

Peter Eggers: Früher ging es um viele Einzelbestellungen und überwiegend um operative Abwicklungen. In der Beschaffung von IT-Dienstleistungen verlief es nicht anders: Der Einkäufer hat sich den ganzen Tag mehr oder weniger nur um die Beschaffung von IT-Dienstleistungen gekümmert. Er hat 20-30 Kontakte per Mail aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Dann folgte die elektronische Anfrage und Auswertung, gemäß der Anforderungen der Fachbereiche.


GULP: Welche neuen Aufgabengebiete beziehungsweise Herausforderungen muss der Einkäufer von heute meistern?

Peter Eggers: Heute steht der gesamte Beschaffungsprozess im Fokus. Der Einkäufer wird zur Schnittstelle zwischen einzelnen Organisationseinheiten sowie externen Dienstleistern und Lieferanten, die in den Beschaffungsprozess integriert werden müssen. Natürlich erfordert dies eine umfangreiche Abstimmungen: 1.000 Vorgänge täglich sind in einem Konzern keine Ausnahme. Der Einkäufer wird mehr und mehr zum Wertschöpfungs-Manager. Er muss Synergien erkennen und Prozesse optimieren.

Was den Einkauf von IT-Dienstleistungen anbetrifft, so ist dieser einerseits einfacher und auch gleichzeitig komplexer geworden. Einfacher, weil viele Aufgaben in automatisierten Prozessen erfolgen können und komplexer, weil immer mehr rechtliche Aspekte berücksichtigt werden müssen, wie zum Beispiel Arbeitnehmer-Überlassung und Werkverträge.


GULP: Verändern sich durch die neuen Aufgabengebiete und Herausforderungen auch die Einkaufshebel? Wenn ja, wie?

Peter Eggers: Natürlich erweitern sich die Möglichkeiten der Wertschöpfung aufgrund der erweiterten  Prozesse erheblich. Die Herausforderung ist, dass einer allein nur schwer die volle Wertschöpfung heben kann. Das Team oder besser die Teams sind gefordert und alle Bereiche sind einzubeziehen. Wenn das gelingt, dann sind die Ergebnisse beindruckend und nachhaltig zugleich.


GULP: Was sind die typischen Fallstricke, wenn der Einkauf solchen Herausforderungen begegnet?

Peter Eggers: Als Schnittstelle in einem Gefüge unterschiedlich operierendender Einheiten ist man einerseits von vielen anderen Kollegen abhängig und andererseits ist die eigene Leistung nicht immer unmittelbar für alle sichtbar, da sprichwörtlich viele Köche am gleichen Brei kochen. So wird sich ein Einkäufer beispielsweise häufiger mit Situationen konfrontiert sehen, in denen so manch ein Kollege lieber hinterher um Zustimmung als vorher um Genehmigung bittet. Ein Einkäufer muss also vertrauen können und in Vorleistung gehen, um voranzukommen. Das ist natürlich nicht leicht umzusetzen und es wird immer schwieriger Mitarbeiter zu finden, die bereit sind, das auf sich zu nehmen. Darum ist es wichtig, dass Einkäufer auch als Projektmanager ausgebildet werden.


GULP: Worauf muss Ihrer Meinung nach beim Einkauf von IT-Dienstleistungen besonderer Wert gelegt werden?

Peter Eggers: Der Einkauf von Fachkräften sollte so professionell wie möglich erfolgen und das ist meines Erachtens am besten mit externen Dienstleistern möglich, weil viele Einkaufsbereiche die eigenen Ressourcen abbauen mussten. Die externen Dienstleister verfügen über Datenbanken und elektronische Such- und Bestellprozesse, die auch der Fachbereich selbst durchführen kann. Es ist sogar möglich eigene Kontakte mit in die Datenbank aufzunehmen. Ich denke, jeder Einkäufer wird früher oder später externe Ressourcen für die Vermittlung von IT-Dienstleistern nutzen und diese über elektronische Prozesse anbinden. So können die Fachbereiche schneller bedient werden.


GULP: Welche weiteren Weiterbildungsmaßnahmen können Unternehmen ergreifen, um die Professionalisierung des Einkaufs voranzutreiben?

Peter Eggers: Qualifizierung und die richtigen Arbeitsbedingungen sind entscheidend für ein erfolgreiches Unternehmen. Die besten Unternehmen der Welt trainieren ihre Einkäufer bis zu 12 Tage im Jahr.


GULP: Worauf sollte hinsichtlich einer Schulung von Einkäufern Ihrer Meinung nach besonders geachtet werden?

Peter Eggers: Gefragt sind praxisnahe Themen und die nachhaltige Vermittlung der Inhalte …

 

Tipp: Welche Inhalte das sind, erfahren Sie auf der GULP Fachtagung. Dort hält Peter Eggers seinen Vortrag „Die 12 Gebote zur Qualifizierung”.

Hier geht es zu den Terminen.

Über Peter Eggers:

Peter Eggers ist Diplom Ingenieur. Zwischen 1980 und 2014 durchlief er im Axel Springer Verlag mehrere wichtige Positionen als Einkäufer. Unter anderem war er Leiter für die Bereiche Konzerneinkauf IT, Leiter für den Zentraleinkauf für Sachgüter und Dienstleistungen sowie Leiter für Materialwirtschaft und Logistik. Im Jahr 2010 wurde er zum Vorsitzenden des wissenschaftlichen Kuratoriums der FGL e.V. und dieses Jahr Vorstandsmitglied der Forschungsgemeinschaft Logistik e.V. 2014 gründete Peter Eggers die BCT (Beratung-Coaching-Training) und öffnete damit ambitionierten Einkäufern seinen langjährigen Erfahrungsschatz.

Mehr Informationen über Peter Eggers gibt es hier.