a Randstad company
Login
© Fotolia/karashaev

Scrum ist nicht agil - ohne Objectives and Key Results (OKR)

Interview mit einem OKR- und Scrum-Coach

04.05.2016
Christian Jacob (Interviewpartner) & Maria Poursaiadi (GULP Redaktion)
Artikel teilen:

GULP: Herr Jacob, Sie werden bald auf den GULP ProMaDays einen Vortrag halten mit dem Titel: „Warum OKR der bessere Cristiano Ronaldo ist oder warum Scrum nicht reicht, um agil zu sein“. OKR ist die Abkürzung für Objectives and Key Results. Was genau versteht man bzw. verstehen Sie darunter?

Christian Jacob: Objectives and Key Results ist ein Framework, das zeigt, wie ein klassisches Thema wie Zielvereinbarungen im neuen digitalen Zeitalter funktioniert. OKR ist dementsprechend das perfekte Framework für moderne und agile Mitarbeiterführung.

GULP: Sie sagen, dass Scrum allein für die agile Mitarbeiterführung nicht ausreicht. Wo sehen Sie die Schwächen in dem System?

Christian Jacob: Scrum konzentriert sich auf die Produktentwicklung. Das Problem ist, dass man Scrum nicht separat für den Bereich der Produktentwicklung sehen kann. Hinter Scrum steckt ein völlig neues, agiles Mindset, welches das gesamte Unternehmen verändert. Um wirklich ein “agiles Unternehmen” zu werden, müssen sich die meisten Unternehmensbereiche neu erfinden und auf agile Methoden setzen. Das Wichtigste im Unternehmen ist dabei natürlich der Mitarbeiter. Folglich ist eine agile Mitarbeiterführung unumgänglich, um wirklich agil zu sein. Setzt man im Personal auf klassische Methoden wie z.B. “MbO (Management by Objectives)” oder “Balanced Scorecard” wird sich das agile Denken nie vollständig im gesamten Unternehmen ausbreiten können.

GULP: Und diese Lücken sollen durch OKR geschlossen werden? Wie?

Christian Jacob: OKR setzt ähnlich wie Scrum auf die agilen Werte wie z.B. Mut, Transparenz oder Fokus. Damit steckt hinter OKR das gleiche agile Muster wie hinter Scrum. Äquivalent zu Scrum gibt es auch im OKR Framework fest definierte Events, Rollen und Artefakte, die perfekt für schnelllebige, agile Rahmenbedingungen definiert wurden. OKR schafft es, das “agile mindset” von der Produktentwicklung über die Mitarbeiterführung in das gesamte Unternehmen zu tragen.

Unternehmen, die auf Scrum und auf OKR setzen, sind somit perfekt für das neue digitale Zeitalter gerüstet.

GULP: Welche Herausforderungen sehen Sie hier für Projektmanager und ihre Schnittstellen?

Christian Jacob: Die Rolle des klassischen Projektmanagers gehört längst der Vergangenheit an. In neuen, agilen Kontexten kommt es vielmehr darauf an, ein kompletter „agile coach“ im Unternehmen zu sein. Das ist nicht mehr und nicht weniger als die wohl vielseitigste Rolle des modernen Zeitalters. Neben fachlicher Expertise muss der Projektmanager als interner Coach und Pionier womöglich bereit dazu sein, selbst Innovationsmotor zu sein. Völlig neue Aspekte wie Empathie oder agile Methodenkompetenz rücken hier in den Vordergrund.

GULP: Viele deutsche Unternehmen arbeiten immer noch auf Basis klassischer Methoden. Der First Mover in Sachen OKR ist aber der US-amerikanische Konzern Intel: Wieviel Silicon Valley muss in einem Unternehmen stecken bzw. wie passt OKR zu unseren klassischen Unternehmensstrukturen?

Christian Jacob: Es ist richtig, dass OKR im Silicon Valley geboren ist und daher ein bisschen Silicon Valley Geist notwendig ist. Dass klassische und größtenteils starre Strukturen im digitalen Zeitalter nicht mehr funktionieren können, ist nicht ein Aspekt von OKR alleine. Unternehmen benötigen in allen Bereichen ein Umdenken. Das zeigen alle neuen, agilen Frameworks wie zum Beispiel Design Thinking, Scrum, Lean Startup oder eben OKR. Die Frage ist also nicht, ob OKR in die Unternehmensstrukturen passt. Sondern: Wie bekomme ich schnellstmöglich den Change Prozess in das digitale Zeitalter, um nicht zu den Verlierern der digitalen Transformation wie zum Beispiel Nokia zu gehören.

GULP: Nochmals zum Titel Ihres Vortrags: Sie kommen auf Cristiano Ronaldo und Fußball zu sprechen. Was hat OKR damit zu tun?

Christian Jacob: OKR ist zwar in der IT-Branche entstanden, funktioniert jedoch für alle Branchen. Agile Mitarbeiterführung betrifft jedes Unternehmen, unabhängig von Branche oder Größe. Selbst für ein abstraktes Beispiel wie einen Fussballverein kann OKR der perfekte Weg in eine erfolgreiche Zukunft sein. Wie das genau funktionieren kann, werde ich in meinem Vortrag zeigen.

GULP: Letzte Frage: Was erwartet den Zuhörer Ihres Vortrages auf den GULP ProMaDays? Was möchten Sie dort vermitteln?

Christian Jacob: Die Zuhörer dürfen sich auf einen Einblick in das „agile Unternehmen“ freuen. Ich möchte mit meinem Vortrag vermitteln, wie Mitarbeiterführung in agilen Kontexten wirklich funktioniert. Den Zuschauer erwartet dabei neben einen Einblick in dieses spannende Thema ein ebenso anschauliches wie unterhaltsames Beispiel für eine perfekte agile Mitarbeiterführung.

 

 

Christian Jacob ist in der IT-Welt zu Hause und arbeitet bei der pluswerk Akademie als Agile Coach und zertifizierter Scrum Master. Er beschäftigt sich mit Themen wie Scrum, OKR, Management 3.0 und weiteren agilen Managementmethoden.

GULP ProMaDays

Unter dem Motto "Alles agil – alles gut?" geht es in diesem Jahr um all die Herausforderungen, die die agile Arbeitsweise im Unternehmen oder in Teilbereichen mit sich bringt. An zwei Tagen werden in Vorträgen, Praxisbeispielen und Gesprächsrunden verschiedenste Themenaspekte rund um agiles Projektmanagement beleuchtet.

Kommen Sie im Juni 2016 nach München zu den GULP ProMaDays, einer Veranstaltung für alle Projektverantwortlichen in IT und Engineering und idealer Treffpunkt für Networking und kollegialen Erfahrungsaustausch.

Exklusiv für GULP Profilinhaber