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Umfrage-Ergebnis: IT-Luftblasen 2009

28.08.2009
GULP Redaktion
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Die Analysten von Gartner haben im Winter zehn IT-Trends identifiziert, die im Jahr 2009 ihrer Meinung nach die IT-Landschaft verändern werden und einen entscheidenden Mehrwert bringen werden. GULP hat im Sommer acht davon herausgepickt. 311 IT-Freiberufler und 39 Projektanbieter haben uns ihre Meinung dazu gesagt, ob diese IT-Trends nur Luftblasen sind, alter Wein in neuen Schläuchen – oder ob diese Technologien ernst zu nehmen sind und Auswirkungen auf den IT-Projektmarkt haben werden. Kritisch waren die Antworten, denn wirklich ernst zu nehmen sind der Umfrage zufolge nur zwei der gewählten Trends. Und die anderen?

Cloud Computing

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"Wolke und Computer" – das klingt für mehr als zwei Drittel der Projektanbieter nach einer Luftblase. Knapp die Hälfte der IT-Freiberufler dagegen nimmt Cloud Computing ernst. Nach Meinung der Analysten von Ovum entwickelte sich Cloud Computing im Jahr 2009 bislang zu einem der wettbewerbintensivsten Bereiche der IT-Welt. Ovum ist aber gleichzeitig der Meinung, dass Cloud Computing On-premises-Software nicht komplett ersetzen kann und wird, vor allem nicht, wenn es um geschäftskritische Daten und Abläufe geht.

In ihrem " Hype Cycle Special Report 2009" sehen die Marktforscher von Gartner vor allem einen anhaltenden Kostendruck als Ursache für das wachsende Interesse der Unternehmen, IT-Dienste aus der Cloud zu beziehen – zum Beispiel Rechenleistung im Data Center, Storage oder auch komplette Business Applikationen wie CRM (Customer Relationship Management), ERP (Enterprise Resource Planning) oder SCM (Supply Chain Management). Beim Cloud Computing liegt der Schwerpunkt der Rechenleistung, Anwendungsbereitstellung und Datenspeicherung nicht auf dem Client beim Kunden, sondern auf Servern. Die Financial Times berichtete im August 2009, dass durch Cloud Computing indischen IT-Dienstleistern neue Herausforderungen entstehen könnten, da die Nachfrage nach der Wolke wächst und die Technologie von Größen wie IBM, HP, Microsoft und Oracle vorangetrieben wird. Wegen des Kostendrucks nehmen Unternehmen die "Cloud" ernster als zuvor. Wollen indische IT-Dienstleister mit den Konkurrenten weiterhin mithalten, müssen sie sich auch an den Wandel anpassen, so der Bericht.

Green IT

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Gemischte Gefühle auch bei der Green IT: IT-Freiberufler sind sich gar nicht einig, ob grüne Informatik eine Luftblase ist oder Auswirkungen auf den IT-Projektmarkt haben wird. Die Projektanbieter tendieren ein wenig mehr dazu, den Trend ernst zu nehmen. Die IEEE Computer Society zählt Green IT in einem Bericht zu den Top-IT-Möglichkeiten für 2009. Unternehmen werden Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs weit oben auf die Agenda setzen, heißt es. Dass das Thema wirklich vielfach auf der Tagesordnung steht, zeigt die Gründung der " Green-IT-Allianz" im Juli 2009. IT-Firmen, Anwender, Wissenschaftseinrichtungen und mehrere Ressorts der Bundesregierung haben sich darin zusammengeschlossen, um die Zusammenarbeit von Anbietern, Anwendern, Forschung und Bund im grünen IT-Bereich zu verstärken. Laut einem Bericht des Magazins InformationWeek vom August 2009 floss im Jahr 2008 Strom im Wert von 1,1 Milliarden Euro durch die Leitungen der Rechenzentren – das entspricht der Versorgung durch vier mittelgroße Kohlekraftwerke. Die Energiepreise steigen und die gesetzlichen Vorschriften werden verschärft: Deswegen engagieren sich immer mehr Unternehmen für umweltfreundliche IT-Strategien. Dabei stehen nicht immer ökologische Interessen im Vordergrund – ökonomische Gesichtspunkte (Kosten sparen) und die Möglichkeit, sich als verantwortungsbewusste Firma zu vermarkten, spielen ebenso eine Rolle.

Wer grüne Informatik unterstützt, ergreift Maßnahmen, die helfen, ein IT-Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten und nutzen. Design und Herstellung des IT-Produkts und sein ressourcenschonender Betrieb gehören ebenso dazu wie eine umweltfreundliche Entsorgung. Als konkrete Maßnahmen zählen dazu beispielsweise der Einsatz energiesparender Prozessoren, Klimamanagement in Serverräumen und Virtualisierung von Servern sowie die Weiterverwendung der Komponenten und der Recyclingfähigkeit alter Rechentechnik.

(Desktop-)Virtualisierung

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Hier sind sich IT-Selbstständige und Projektanbieter einig: Dieser IT-Trend ist ernst zu nehmen und wird Auswirkungen auf den IT-Projektmarkt haben. Auch die IEEE Computer Society erwartet – im oben erwähnten Bericht – für die Virtualisierung eine zunehmende Entwicklung. Ihr Vorteil ist, dass sie den Bedarf der Nutzer nach einer individuellen PC-Umgebung und die zentrale Möglichkeit zur Wartung vereint. Zusätzlich kann Virtualisierung – ob für Server, Storage oder Endgeräte – ebenso dazu beitragen, die IT-Kosten zu senken:  Laut einem Artikel in der Zeitschrift CIO verlängert sich zum einen beispielsweise die Lebenserwartung der Endgeräte, weil keine zusätzliche Rechenpower für Applikationen benötigt wird – die kann kostengünstig auf dem Server realisiert werden. Zum anderen sinken die Supportkosten, wenn Wartungsbesuche am Arbeitsplatz wegfallen und die meisten Rechneraktivitäten im Rechenzentrum laufen. Virtualisierung kann auch für mehr Flexibilität sorgen, da in einer virtualisierten Umgebung jeder Mitarbeiter überall abrufen und bearbeiten kann, also auch von unterwegs im Hotel oder von Zuhause aus. Durch Virtualisierung sinkt im Übrigen auch der Energieverbrauch, wodurch sie der Umsetzung eines Green-IT-Konzepts zuträglich ist.

Enterprise 2.0, Social Software

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Eindeutig: Luftblase. 72 Prozent der Projektanbieter und 66 Prozent der IT-Freelancer halten Enterprise 2.0 und Social Software für nicht ernst zu nehmen. Anders die Meinung der Analysten von Gartner: Laut deren " Hype Cycle Special Report 2009" kommt in naher Zukunft kein Unternehmen an Social Software vorbei. Bottom-up statt Top-down sei der große Vorteil der Enterprise 2.0: Das Wissen und die Erfahrungen aller Mitarbeiter werden durch sie nutzbar und das eröffnet dem Unternehmen bessere Entwicklungschancen. Datenschutzprobleme und Fragen der Qualitätssicherung sollten dabei aber im Auge behalten werden. Microblogging – wie zum Beispiel über Twitter – ermöglicht Gartner zufolge neue Formen eines schnellen, geistreichen und einfachen Austauschs. Weiterer Bestandteil von Enterprise 2.0 sind Gemeinschaften, die Diskussionen von Ideen, Konzepten, Services und Produkten zulassen: Unternehmensblogs, Wikis oder Communities beispielsweise. In den Augen der Analysten von Ovum können solche Enterprise-2.0.-Anwendungen einerseits intern zu einer effizienteren und engeren Zusammenarbeit führen. Andererseits könne sie – nach außen hin – geschäftliche Interaktionen mit Kunden und Partnern sowie die Neukundengewinnung vereinfachen.

Web-orientierte Architektur

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Web-orientierte Architektur (WOA) ist für die Projektanbieter eher eine Luftblase, bei den IT-Freiberuflern halten sich Skepsis und Vertrauen die Waage. Laut den Analysten von Gartner reichen webzentrische Anwendungen derzeit noch nicht aus, um die Kernanforderungen von Unternehmen zu erfüllen, aber werden sich in den nächsten Jahren dorthin entwickeln. In einem Bericht des Magazins InformationWeek vom August 2008 wird WOA als Alternative zur SOA (Service-orientierte Architektur) bei kleineren und einfacheren Projekten bezeichnet. WOA und SOA könnten sich ergänzen. Vor zwei Jahren, 2007, prognostizierte ein Gartner-Analyst, dass die WOA 2015 die Serviceorientierung von der Bedeutung her überholt und sich zum beherrschenden Softwareparadigma entwickelt haben könnte.

Enterprise-mash-ups

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In den Augen der Analysten von Gartner sind Enterprise-mash-ups nicht mehr nur für Hobby-Programmierer interessant, sondern auch für Unternehmen, die damit ihre Modelle ergänzen, Anwendungen bereit stellen und verwalten können. Nach der Meinung der Teilnehmer an der GULP Umfrage sind sie vor allem eines: kein Trend, sondern eine Luftblase. Vielleicht sind sie aber auch nur ohne Einfluss auf den IT-Projektmark, weil es sich bei den Mash-ups um eine Art von Software-Entwicklung handelt, die für IT-Projekte nur selten in Frage kommen dürfte:

Enterprise Mash-ups – aus dem privaten in den Business-Bereich übernommen – sind kleine Internet-Anwendungen für spezifische Aufgabem. "Leichtgewichtige" Komponenten können mit Hilfe von Software-Werkzeugen zu Applikationen (Mash-ups) zusammengesetzt werden. Das wird dann gerne "IT-Baukasten für Fachabteilungen" oder "legoartige Software-Entwicklung" genannt, denn Benutzer aus den Fachabteilungen können solche Anwendungen ohne Programmierkenntnisse zusammenstecken. Die IT-Abteilung liefert dabei nur noch modulare Software-Bausteine. In Unternehmen sollen Mash-ups vor allem den Vorteil haben, schnelle Lösungen bereit zu stellen, die den minimalen Anforderungen gerecht werden und die Entwicklungskosten niedrig halten – dabei aber die Zufriedenheit der Nutzer erhöhen. Verschiedene Forschungseinrichtungen schreiben Enterprise-mash-ups ein großes, aber noch ungenutztes Potenzial zu.

Unified Communications

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Zu den Gartner-Trends für 2009 gehören auch Unified Communications (UC). Laut Analyse wird der Wildwuchs bei den Kommunikationssystemen in den nächsten fünf Jahren abnehmen und Unternehmen werden sich zunehmen auf einen Lieferanten verlassen – Konvergenz und Konsolidierung also. Etwa zwei Drittel der befragten IT-Projektanbieter gehen mit den Analysten konform, was den Trend angeht. Die externen IT-Experten sind sich nicht einig.

Bei Unified Communications wird die gesamte Unternehmenskommunikation integriert und automatisiert. Verschiedene Kommunikationsdienste werden in einer einheitlichen Anwendung zusammengefügt. Oft wird eine Funktion integriert, mit deren Hilfe sich erkennen lässt, ob der jeweilige Kommunikationspartner derzeit an- oder abwesend beziehungsweise on- oder offline ist. UC umfasst unter anderem Medien (z. B. Telefon, E-Mail, Instant Messaging usw.), Netze, Routingsysteme und Applikationen (z. B. ERP oder CRM). Laut dem Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. werden mit dem Einsatz von Unified Communications unter anderem folgende Leitlinien verfolgt: Die Inhalte zählen – ganz egal, durch welches Medium sie übertragen werden. Außerdem soll nicht die Technik bestimmen, wann und von wo wer auf Informationen zugreifen kann – sondern es soll jedem möglich sein und ein Rechtesystem reguliert den Zugriff. Ebenso soll nicht durch die Technik vorgegeben werden, wann und wo ein Mitarbeiter des Unternehmens erreichbar ist – sondern jeder soll das durch ein Erreichbarkeitsprofil selbst bestimmen.

Business Intelligence

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Hier herrscht Einigkeit bei IT-Projektanbietern und IT-Freiberuflern: Business Intelligence (BI) ist ernst zu nehmen. Das deckt sich auch mit anderen Daten aus dem Markt: In einem Artikel in der Zeitschrift Computerwoche vom April 2009 wurde prognostiziert, dass BI-Berater für den Mittelstand, BI-Architekten, Spezialisten für Analytics und Forecasting sowie Experten für Data Mining im Jahr 2010 zu den am meisten nachgefragten IT-Spezialisten zählen werden, was Festanstellungen betrifft. In den letzten zwölf Monaten wurden in 3,5 Prozent der über GULP angebotenen Projekte freiberufliche Spezialisten für BI gesucht – das waren 4687 Projektanfragen.

Um geschäftsrelevante Entscheidungen zu treffen, brauchen Manager unterschiedlicher Hierarchieebenen schnell aktuelle und relevante Daten. Während hierbei in kleineren Betrieben das Reporting im Mittelpunkt steht, geht es Konzernen mehr um strategische Planung. Laut Gartner ist Business Intelligence deswegen wichtig, weil sie die Geschäftsergebnisse direkt beeinflussen kann. Sie erleichtert Mitarbeitern aller Hierarchiestufen die Arbeit.

In einer Studie des Management-Beraters Lünendonk gaben die befragten BI-Hersteller an, für das laufende Jahr 2009 mit Umsatzsteigerungen von mehr als 15 Prozent zu rechnen. Die Befragten sehen sich als Gewinner der Krise: 90 Prozent sagten aus, das derzeit steigende Interesse an BI-Lösungen sei eine Folge des Banken-Crashs.