Umfrage-Ergebnis: Softwarepatente

01.07.2005
GULP Redaktion

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Nur wenige Themen haben in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen der einschlägigen Medien so bestimmt wie die heftig umstrittene EU-Richtlinie über die Patentierbarkeit "computerimplementierter Erfindungen". Am 6. Juli nun soll das EU-Parlament in seiner 2. Lesung darüber endgültig entscheiden – Grund genug für GULP, bei IT-Freiberuflern wie Projektanbietern einmal näher zum Thema nachzufragen.

Wird am 6. Juli eine scheinbar " unendliche Geschichte" doch ihr vorläufiges Ende finden – oder wird sich die EU-Plenumsabstimmung erst als der Beginn für weitere Irrungen und Wirrungen herausstellen? So oder so – GULP führte in der heißen Phase vor der Entscheidung sowohl bei den Projektanbietern als auch bei den IT-Freiberuflern jeweils eine Umfrage durch, die Anzahl der Teilnehmer: Insgesamt 316.

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Hinsichtlich der prozentualen Antwortverteilung besitzen die Projektanbieter gegenüber den IT-Selbstständigen einen deutlichen Informationsvorsprung: Während bei den einen nur 8 Prozent nichts über das Thema Softwarepatente wissen, sind es bei den anderen stattliche 29 Prozent – ein hoher Anteil, der angesichts der ständigen Begleitung der Richtlinie durch die Medien (eigentlich) nur mit aktuellem Desinteresse erklärt werden kann. Ob dieses allerdings generell gilt oder man einfach nur eine Entscheidung abwarten will, sei dahin gestellt.

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Das Votum geht unmissverständlich einher mit der häufig geäußerten Kritik deutscher Unternehmerschaft an der EU: Es gibt zu viel Bürokratie, die die Wirtschaft nur hemmt. Die EU-Richtlinie würde dazu weiter beitragen – diese Meinung vertreten drei Viertel der Projektanbieter, die an der Umfrage teilgenommen haben.

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Jeden Tag werden (fast) in jedem Staat der Erde Erfindungen gemacht und z. B. neue Software entwickelt. Und jeden Tag werden (fast) in jedem Staat der Erde Patente angemeldet. Und so steht für die überwiegende Mehrheit der Projektanbieter außer Frage, dass eine umfassende Patentrecherche, die nötig zur Vermeidung von Patentrechtsverletzungen ist, in der Regel entweder sehr schwierig oder gar unmöglich sei.

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Die EU-Richtlinie ist "heiß" – zumindest für beinahe die Hälfte der IT-Freiberufler, die direkte Folgen auf sich zukommen sehen. Während sich weitere 42 Prozent noch kein Urteil über persönliche Konsequenzen erlauben möchten, blickt jeder zehnte IT-Selbstständige der Entscheidung am 6. Juli wegen Nicht-Betroffenheit gelassen entgegen.

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Weniger finanzielle und personelle Mittel zur Patentrecherche: Noch pessimistischer als die Projektanbieter sehen logischerweise die IT-Selbstständigkeiten ihre Möglichkeiten, in Sachen "Softwareentwicklung" auf Nummer sicher zu gehen.

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Immerhin knapp ein Viertel der IT-Freiberufler, die an der Umfrage teilgenommen haben, würden ein Inkrafttreten der EU-Richtline zum Anlass nehmen, eine Absicherung der eigenen Softwareentwicklungen zu versuchen.

Die Antwortverteilung lässt einen anderen interessanten Rückschluss zu: So schlecht, wie immer wieder geunkt wird, scheint es in Deutschland mit dem Erfindergeist nicht zu stehen – zumindest, was die IT-Branche betrifft.

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Zur Stimmigkeit der Antwortverteilungen bei den einzelnen Fragen: 23 Prozent der Freiberufler würde zwar ein Patent anmelden, allerdings rechnen nur 2 Prozent mit daraus entstehenden Lizenzeinnahmen – was wiederum keine Überraschung ist, denn die dazu nötige Patentrecherche ist laut 77 Prozent der IT-Freiberufler für IT-Freiberufler ein Ding der Unmöglichkeit.

Einmal abgesehen von diversen Detailbetrachtungen und -statements, sieben von zehn selbstständigen IT-Experten sind strikte Gegner der EU-Patentrichtlinie – und zwar aus dem für Unternehmer elementarsten aller Gründe:

Sie sind der Meinung, die Patentrichtlinie und ihre Folgen könnten früher oder später zur Bedrohung der eigenen wirtschaftlichen Existenz führen.

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