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Umfrage-Ergebnis: Was ist dran am IT-Fachkräftemangel?

24.08.2007
GULP Redaktion
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Der IT-Projektmarkt in Deutschland boomt: Freiberufliche IT-Spezialisten sind heiß begehrt, viele von ihnen sind daher gut mit Projekten ausgelastet. Der IT-Branche geht es nach mageren Jahren endlich wieder besser – doch nun werden die Klagen von einem IT-Fachkräftemangel immer lauter. Aber gibt es diesen tatsächlich oder ist dieser nur ein Konstrukt von Medien, Politik oder Verbänden? Bei einer (repräsentativen) GULP Umfrage äußerten 711 IT-Freiberufler und 65 Projektanbieter ihre Sicht der Dinge.

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE) weist darauf hin, dass die für dieses Jahr erwarteten ca. 9.600 Absolventen in der Elektro- und Informationstechnik den Fachkräftebedarf der Wirtschaft erneut nicht decken könnten. Nach seinen Prognosen würden deutlich über 10.000 Elektroingenieure benötigt. Mehr als die Hälfte der mittelständischen Hightech-Firmen findet derzeit nicht genug Spezialisten: 60 Prozent der Unternehmen bis zu 250 Mitarbeitern bezeichnen den Fachkräftemangel als großes oder sehr großes Problem, so das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Bundesverbands Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM). Viele Mittelständler in der Branche könnten danach qualifizierte Stellen gar nicht besetzen oder nur mit großer Verspätung.

Mit ähnlichen Problemen kämpfen auch die befragten Projektanbieter. Für die meisten von ihnen (82 Prozent) ist es derzeit ebenfalls schwierig, fachlich geeignete IT-Spezialisten zu finden, die für Projekte noch verfügbar sind.

Die Nachfrage nach freiberuflichen IT-Experten erlebt derzeit einen regelrechten Boom. Allein im Juli stellte GULP alle drei Minuten eine Projektanfrage an externe IT-Spezialisten zu. Das macht in Summe 14.263 Projektkontaktierungen und damit doppelt so viele wie im Monatsmittel des Jahres 2006. Derzeit besonders begehrt sind freiberuflich tätige IT-Spezialisten mit den Skills SAP, Java, Oracle und SQL. Händeringend gesucht werden von den Projektanbietern externe Software-Entwickler. Aber auch das Angebot an freiberuflichen Beratern scheint rar zu sein.

Um diesem Engpass zu begegnen, schielt so mancher Auftraggeber schnell auf das verfügbare IT-Know-how im Ausland. So ergab eine kürzlich veröffentlichte GULP Umfrage zur EU-Osterweiterung, dass ein Drittel (35 Prozent) der Projektanbieter bereits mit osteuropäischen IT-Experten zusammenarbeitet. Für weitere 29 Prozent ist dies spätestens dann eine Alternative, wenn die benötigten IT-Spezialisten in Deutschland nicht verfügbar sind.

Kritische Stimmen meinen dagegen, dass es auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch genügend qualifizierte IT-Fachkräfte gibt, die auf der Straße stehen. So schätzen die befragten IT-Freiberufler den Anteil ihrer joblosen Kollegen auf durchschnittlich 14 Prozent. Demnach profitiert noch nicht jeder selbstständige IT-Experte vom aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung.

Es verwundert daher nicht, dass beide Parteien den IT-Fachkräftemangel ganz unterschiedlich sehen: Auf Auftraggeberseite ist er für über drei Viertel (77 Prozent) der Befragten klare Realität. Diese Meinung teilen jedoch nur rund ein Drittel (32 Prozent) der IT-Freiberufler.

Mit einem Anteil von 39 Prozent meinen diese dagegen viel öfter, dass der vielzitierte Mangel an IT-Fachkräften nur ein Konstrukt von Unternehmen und Arbeitgebern sei. Medien, Verbände und die Politik werden dagegen von beiden Seiten nicht als entscheidende Meinungsmacher in dieser Angelegenheit gesehen.

Die Antwort auf die Frage, ob es den Fachkräftemangel nun tatsächlich gibt, hängt also ganz wesentlich von den Erfahrungswerten und der Sichtweise der beteiligten Parteien ab.