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Unter der Lupe: Java auf Talfahrt?

Die aktuelle Situation für Java im IT-Projektmarkt

15.05.2002
GULP Redaktion
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GULP Information Services untersuchte im IT-Projektmarkt die aktuelle Situation für Java von Sun Microsystems. Die vorliegende Marktanalyse fasst die wesentlichen Ergebnisse der im GULP-o-meter, GULP Trend Analyzer und GULP Stundensatz Kalkulator errechneten Trends zusammen.

Quo vadis Java?

Das Marktforschungsunternehmen Gartner Group schätzt, dass Java im Jahre 2005 einen Marktanteil von 40 bis 50 Prozent erreicht haben wird. Java wird sich der Prognose zufolge auch in Zukunft als wichtigste Technologie behaupten können.

Bill Gates macht jedoch Java Konkurrenz und will mit seiner .NET-Strategie das Internet revolutionieren. Dabei soll .NET nach der Gartner Group Studie einen Marktanteil von 30 bis 40 Prozent errreichen. Auch wenn Microsoft somit sein Monopol bei PC-Software nicht auf das Internet ausweiten kann, sollten sich IT-Freiberufler darauf einstellen, dass die beiden Technologien Java von Sun und .NET von Microsoft nebeneinander im IT-Projektmarkt bestehen werden (siehe Umfrage: .NET kommt).

Gegen die Microsoft-Konkurrenz schützt Sun der momentan noch hohe Marktanteil von Java. Doch dieser befindet sich auf Talfahrt. Wie tief ist der Abstieg der "populärsten Programmiersprache der Welt" (Pressemitteilung von Sun Microsystems vom 19. November 2001). GULP hat dazu die aktuelle Situation für Java im IT-Projektmarkt unter die Lupe genommen.

Java-Facts

  • Java hinter C++ auf Platz 2 der am häufigsten von Projektanbietern in der GULP Profiledatenbank gesuchten Programmiersprachen.
  • Java ist nach Basic (Visual Basic, VBA u.a.) die zweithäufigste fachliche Qualifikation bei IT-Freiberuflern.
  • Java-Spezialisten sind laut GULP Profiledatenbank im Durchschnitt 35,6 Jahre alt.
  • Der durchschnittliche Stundensatz für Java liegt in England bei £40,83, in Deutschland bei €73,03 und in der Schweiz sogar bei 129,61 Schweizer Franken.

Der Trend

Laut Sun Microsystems entwickeln weltweit rund 3 Millionen Programmierer Software in Java. An fast 80 Prozent aller Universitäten rund um den Globus wird Java gelehrt. Mehr als 800 Benutzergruppen pflegen die internationale Kommunikation der Java-Entwickler untereinander. Jüngst feierte Sun den zweimillionsten Download des Enterprise Edition (J2EE) Software Developer Kit (SDK).

Evans Data erwartet, dass 2003 rund 58 Prozent aller Software-Entwickler mit Java arbeiten sollen. Wie steht es aber um Projektangebote zu dieser weit verbreiteten Entwicklungsplattform? Bedeuten steigende Entwickler-Zahlen auch gleichzeitig mehr Projekte oder eher das Gegenteil? Eine Analyse von GULP auf Basis von 66.360 Projektangeboten im Untersuchungszeitraum vom 01.01.2000 bis 30.04.2002 zeigt die dramatische Lage für Java-Experten auf dem deutschen IT-Projektmarkt.

monatliches Mittel   1. Quartal
2000
1. Quartal
2001
1. Quartal
2002
  gesamt
2000
gesamt
2001
Anteil an Java-Projektanfragen   23,9% 21,1% 10,8%   25,0% 15,0%

Tabelle 1: Spezifischer Trend für Java im IT-Projektmarkt

 

Abbildung 1 gibt einen Einblick, wie Java in der Gunst der Projektverantwortlichen gefallen ist: Wurden im ersten Quartal 2000 noch in durchschnittlich 23,9 Prozent aller Projektanfragen Java verlangt, waren dies im entsprechenden Zeitraum 2002 im Durchschnitt nur in 10,8 Prozent aller Anfragen der Fall. Im gesamten Boom-Jahr 2000 wurde Java in jedem vierten Projekt als benötigte Qualifikation gefordert. Nach einem solchen Marktanteil können sich Java-Spezialisten 2002 angesichts der aktuellen Marktlage nur sehnen. Jedoch gibt der jüngste Anstieg nach dem katastrophalen Einbruch der Java-Projektanfragen auf nur noch 7,4 Prozent einen Anlass zur Hoffnung: Der Anteil an allen Projektanfragen verdoppelte sich im April 2002 auf 13 Prozent und liegt damit knapp unter dem Durchschnittsniveau von 2001.

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Abbildung 1: Die Entwicklung der Projektanfragen für Java in Prozent in den Jahren 2000, 2001 und 2002

Der enorme Einbruch bei Java-Projekten hat unter anderem auch zur Folge, dass Java-Experten vermehrt Festanstellungen in Ihrer Qualifikation suchen. Seit Freischaltung des GULP Roboter Festanstellung stiegen die Suchanfragen zu Festanstellungen im Bereich Java mit Ausnahme Januar 2002 stetig an (siehe Abbildung 2). In der Rangfolge der im GULP Roboter Festanstellung gesuchten Stellenangebote belegt Java im April 2002 mit 12,4 Prozent den ersten Platz bei den Programmiersprachen.

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Abbildung 2: Anteil der Java-Suchanfragen im GULP Roboter Festanstellung in Prozent

Immerhin belegt Java weiterhin bei den am häufigsten von Projektanbietern gesuchten Programmiersprachen in der GULP Profiledatenbank trotz gesunkener Projektanfragen den 2. Platz hinter C++. Doch die Chance eines der begehrten Projekte im Bereich Java zu erhalten ist angesichts der Konkurrenz nicht gerade groß, denn Java ist bei freiberuflichen IT-Spezialisten sehr verbreitet: 41 Prozent der IT-Freiberufler geben in ihren Profilen an, fachliche Kenntnisse in Java zu besitzen. Damit ist Java nach Basic (Visual Basic, VBA u.a.) bei den Programmiersprachen die zweithäufigste fachliche Qualifikation bei IT-Freiberuflern.

Die Stundensätze

Abbildung 3 legt in Jahresschritten den Zusammenhang zwischen Berufserfahrung und Stundensatzhöhe offen. Es wird in Abhängigkeit zur Berufserfahrung die marktübliche Honorarhöhe ersichtlich, welche in den Freiberufler-Profilen angegeben ist. Java-Experten bleiben demnach mit wenigen Ausnahmen unter den Honorarforderungen ihrer Kollegen (Stand: April 2002).

 

Alle bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler (schwarz) und freiberufliche Java-Spezialisten (blau)

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Abbildung 3: Stundensatzhöhe in Abhängigkeit von der Berufserfahrung freiberuflicher IT-Spezialisten in Jahren

Diese Tatsache wird in Zusammenhang mit dem sinkenden Marktanteil von Java bei den Projektanfragen erklärbar: Lag der durchschnittliche Stundensatz für Java im Boom-Jahr 2000 noch über dem aller bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler, so glich er sich in 2001 mit Abnahme der Java-Projektanfragen an den Durchschnittsstundensatz an. Die derzeit schlechte Situation bei Java-Projekten macht daher auch den unterdurchschnittlichen Stundensatz von EUR 73 für Java-Spezialisten möglich (siehe Abbildung 4).

 

Durchschnittlicher Stundensatz aller bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler (schwarz) und durchschnittlicher Stundensatz für Java-Experten (blau)

javatalfahrt_hSatz
Abbildung 4: Die Entwicklung der Stundensätze

Mit einem Stundensatz von 73,- EUR liegt Deutschland im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Während in Hochpreisländern wie der Schweiz noch ein durchschnittlicher Stundensatz von 129,61 Schweizer Franken, also ca. 89,- EUR, gezahlt wird, müssen sich Java-Experten in England mit durchschnittlich 40,83 Britischen Pfund, rund 65,- EUR, zufrieden geben (Quelle: Contractor UK).

Fazit

Angesichts der trüben Stimmung auf dem IT-Projektmarkt und den stark eingebrochenen Projektanfragen im Bereich Java, müssen sich Freiberufler nun verstärkt selber um (Folge-) Projekte im Java-Umfeld bemühen. GULP bietet mit dem GULP Roboter ein tagesaktuelles Verzeichnis offener IT-Positionen und trägt auch der steigenden Nachfrage nach Festanstellungen im Java-Bereich Rechnung.

 

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Bleibt abzuwarten wie sich Microsofts .NET-Strategie und deren Programmiersprache C# durchsetzen wird, denn C# ist als direkte Kampfansage an Java gedacht und ist ähnlich positioniert. Microsoft glaubt, mit .NET eine entscheidende Schwäche von J2EE überwunden zu haben: J2EE spricht nur Java. Unter .NET setzen die Programmiersprachen auf einem gemeinsamen Fundament auf, der Common Language Runtime (CLR). Dadurch wird eine Sprachintegration möglich, die es zuvor nicht gab.

So bleibt es auf alle Fälle spannend im Reich der Programmiersprachen. Interessierte können die Entwicklung von Java über den GULP Trend Analyzer monatsaktuell verfolgen.

Die Stichprobe

Die vorliegende Marktanalyse der monatlichen Entwicklung der Projektanfragen beruht auf der statistischen Auswertung von 66.360 Projektangeboten, die IT-Freiberuflern im Zeitraum Januar 2001 bis April 2002 über den GULP Server zugestellt wurden. Das Datenmaterial wird durch Informationen aus den Profilen der 33.225 (Stand: April 2002) bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler und Angaben zum Nachfrageverhalten großer IT-Anwenderfirmen vervollständigt. Die der Marktanalyse zugrunde liegende Datenbasis aus über 30.000 IT-Freiberuflerprofilen repräsentiert etwa 88 % des deutschen IT-Projektmarktes.