Unter der Lupe: Wer ist die Nummer 1 bei den Datenbanken?

Oracle vs. IBM: Auf der Jagd nach Marktanteilen

10.07.2002
GULP Redaktion

Nach einer Analyse aus dem Hause Gartner Dataquest gelang es IBM im vergangenen Jahr, Oracle als führenden Datenbankanbieter abzulösen. Doch Oracle zieht die Zahlen in Zweifel und zeichnet ein gegenteiliges Bild der Marktaufteilung. Wer überflügelt wirklich seinen Konkurrenten – und in welchem Bereich? GULP verschafft Klarheit und nimmt in dieser Marktstudie den Datenbanksektor im IT-Projektmarkt unter die Lupe. Die vorliegende Marktanalyse fasst hierzu die wesentlichen Ergebnisse der im GULP-o-meter und im GULP Trend Analyzer errechneten Trends zusammen.

Wer führt?!

Ein Jahr nach der Übernahme von Informix in die eigene Produktpalette scheint IBM sein Ziel erreicht zu haben: Laut des Marktforschungsunternehmens Gartner hat sich IBM 2001 dank des Kaufs von Informix die Spitzenposition im Markt für Datenbank-Management-Systeme (DBMS) gesichert. Der Studie zufolge bescheinigten die Analysten IBM - auch Big Blue genannt - 34,6 Prozent aller Umsätze mit Neulizenzen, Oracle erreichte nur 32 Prozent. Erst mit deutlichem Abstand folgt Microsoft. Die Redmonder besetzen mit 16,3 Prozent Marktanteil Platz drei. Im Jahr 2000 hatte Oracle noch mit einem Marktanteil von 34,1 Prozent knapp die Führung vor IBM (33,7 Prozent) behaupten können. Microsoft kam auf nur 14 Prozent.

Als Bezugsgröße zogen die Analysten in ihrer Studie die DBMS-Umsätze mit Neulizenzen heran. Während IBM und Microsoft ihre Einnahmen mit Datenbanksoftware in 2001 um 5,7 beziehungsweise 17,8 Prozent steigern konnten, musste Oracle der Gartner-Studie zufolge ein Minus von 4,9 Prozent hinnehmen. Gartner urteilte aufgrund dieser im Mai 2002 veröffentlichten Zahlen, dass Big Blue nun Oracle im Datenbankmarkt überholt habe. Diese Schlussfolgerung ist jedoch problematisch.

Nicht nur Oracle kritisiert, dass den von Gartner ermittelten Zahlen für IBM und Microsoft nur bedingt zu trauen sei. Denn beide Oracle-Wettbewerber sollen in ihren Bilanzen die Umsätze mit Datenbanksoftware nicht wie Oracle explizit ausweisen. Weiterhin habe Gartner den gesamten Datenbankmarkt untersucht, der auch die Mainframe-Datenbanken und damit den IBM-Stammmarkt beinhalte. Der "moderne Datenbankmarkt" spiele sich hingegen bei Unix-, Windows- und Linux-Plattformen ab, und hier sei Oracle nach wie vor führend, hieß es in seiner Stellungnahme.

Tatsache ist: Ein Großteil des DBMS-Umsatzes von IBM stammt von Mainframe- und AS/400-Systemen. Die Software dieser Systeme ist jedoch fast ausnahmslos geleast. Deshalb vereinen die von IBM berichteten Zahlen auch Lizenzen und Einnahmen aus Wartungsverträgen. Im Gegensatz dazu enthalten die Umsatzangaben bei Oracle nur Lizenzeinnahmen. Aus diesem Grund sind die Zahlen nicht vergleichbar.

Datenbanksysteme

 

Relationale DBMS:

  • Oracle (Oracle)
  • DB2 (IBM)
  • SQL-Server (Microsoft)
  • Informix (IBM)
  • Sybase (Sybase)
  • MS-Access (Microsoft)

 

Nicht-relationale Produkte:

  • hierarchisches Datenbanksystem (z.B. IMS von IBM)
  • Netzwerk-Datenbanksystem (z.B. CA-IDMS/DB von CA, UDS von Fujitsu-Siemens)
  • Dateisysteme (z.B. VSAM, ISAM)
  • Objektorientierte Datenbanksysteme

 

Wie sieht die Marktaufteilung wirklich aus?

Die folgende Analyse der Marktaufteilung beruht auf der statistischen Auswertung von 79.708 Projektangeboten, die den 35.000 bei GULP eingetragenen IT-Freiberuflern im Zeitraum Januar 1999 bis Juni 2002 über den GULP Server zugestellt wurden. Die Datenbasis erlaubt daher zuverlässige Rückschlüsse und verschafft somit Klarheit darüber, wer im Datenbankmarkt führt und die anderen auf die Plätze verweist.

Betrachtet man statt den umstrittenen Umsatzzahlen die Werte über nachgefragte Skills zu tatsächlich im Einsatz befindlichen Datenbank-Systemen, gewinnt man ein gänzlich anderes Bild als es oben skizziert wurde.

Die Auswertung der GULP Datenbank seit 1999 ergab, dass der plattformübergreifende DBMS-Markt immer noch von Oracle dominiert wird. 2000 konnte Oracle mit 53,3 Prozent die absolute Mehrheit im Datenbankmarkt für sich beanspruchen. Allerdings musste Oracle dann ein Minus von 4,6 Prozent Marktanteil hinnehmen: 48,7 Prozent aller in 2001 gestellten Anfragen zu Datenbank-Projekten bezogen sich auf das Produkt der Ellison-Company. Im ersten Halbjahr 2002 ging der Anteil auf 46,8 Prozent weiter zurück.

Gewinner war IBM. Noch im Jahr 2000 wurden Kenntnisse in IBM-Datenbankprodukten nur in 30,2 Prozent aller Datenbank-Projektangebote verlangt. Mit einer Steigerung des Marktanteils um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreichte Big Blue mit seinem Dreigespann DB2, IMS und Informix 2001 dann 38,4 Prozent. IBMs Marktanteil am DBMS-MArkt fiel jedoch leicht im ersten Halbjahr 2002 auf 36 Prozent.

Der Microsoft-Anteil lag noch 2001 bei mageren 4,9 Prozent (Vorjahr 6,8 Prozent). Im ersten Halbjahr 2002 verdoppelte sich der Marktanteil von Microsoft-Datenbanken, darunter vornehmlich SQL-Server, auf 10,4 Prozent. Trotz dieser Steigerung konnte Microsoft seine Macht im Marktsegment Datenbanken bisher nicht ausspielen und belegt mit deutlichem Abstand zu IBM Platz drei.

Kurz und bündig:

 

  • Oracle
    führt den plattformübergreifenden DBMS-Markt an und ist zudem Marktführer auf Unix-, Windows- und Linux-Plattformen.
  • IBM
    erobert im Gesamtmarkt mit DB2, IMS und Informix immer mehr Marktanteile und führt eindeutig auf Mainframe-Systemen.
  • Microsoft
    kann bei Datenbanken seine Marktmacht nicht ausspielen. Grund: SQL-Server ist systemgebunden und läuft nur auf der Windows-Plattform.

 

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Abbildung 1: DBMS-Markt nach Projektanfragen im IT-Projektmarkt. Oracle steht an der Spitze, IBM legt auf Kosten Oracles zu, Microsoft versucht mitzuhalten.

Fazit: Mircosoft spielt mit einem zehnprozentigen Marktanteil (im ersten Halbjahr 2002) nur eine untergeordnete Rolle. Der DBMS-Markt wird im IT-Projektgeschäft im Wesentlichen von den beiden großen Datenbank-Anbietern Oracle und IBM bestimmt.

Während Oracles Marktmacht jedoch zusehends schrumpft, konnte IBM zulegen - jedoch nicht aufgrund des im April 2001 getätigten Zukaufs von Informix, wie Abbildung 2 zeigt: Der Marktanteil dieser Datenbank hat sich seit 1999 auf nunmehr 4,3 Prozent halbiert. Gestiegen ist dagegen die Nachfrage nach IMS. IBMs hierarchisches Datenbanksystem kam im ersten Halbjahr 2002 auf 6,7 Prozent Marktanteil. Ein Viertel des DBMS-Marktes fällt derzeit an DB2: Musste sich DB2 im Jahr 1999 noch mit einem Marktanteil von 14,3 Prozent begnügen, waren es 2001 schon 26,6 Prozent.

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Abbildung 2: Entwicklung der Marktanteile von verschiedenen IBM-Datenbanken (DB2, IMS und Informix, welches seit April 2001 zu IBM gehört).

DBMS-Marktanteile auf modernen Systemen:

Dass Oracle gerade auf modernen Plattformen die Nummer Eins ist, zeigt Abbildung 3. Durchweg über 60 Prozent Marktanteil von 1999 bis 2001 und 53,2 Prozent im ersten Halbjahr 2002 für das Datenbanksystem der Ellison-Company auf Unix-, Windows- und Linux-Plattformen sprechen eine deutliche Sprache.

Doch auch hier konnte Big Blue trumpfen: IBM konnte sich vornehmlich auf Kosten kleinerer Anbieter (z.B. Sybase) Marktanteile erobern: Mit einem Plus von knapp zehn Prozent kletterte Big Blues Marktanteil von 20,4 auf knapp 30 Prozent (29,4 Prozent) aller Anfragen für "Nicht-Mainframe-Datenbanken" in 2001. Das erste Halbjahr in 2002 konnte diese Steigerung bestätigen: 28,3 Prozent gingen in diesem Bereich an IBM-Datenbanken.

Nach vier Jahren Bemühen und stetem Verlust von Marktanteilen konnte Microsoft, dessen Datenbanken nur unter Windows laufen, im Jahr 2001 nur noch 6,1 Prozent des DBMS-Marktes für sich vereinnahmen. Nun jedoch meldet sich Microsoft zurück: Zum ersten Halbjahr 2002 verdoppelte die Software-Schmiede aus Redwood auf Kosten Oracles ihren Marktanteil auf immerhin 12,2 Prozent.

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Abbildung 3: Oracle ist Marktführer auf modernen Systemen. Der Anteil von Big Blue am DBMS-Markt wächst, Microsoft kann in 2002 seinen Marktanteil verdoppeln.

DBMS-Marktanteile auf Mainframes

Ganz anders sieht es auf Großrechner-Betriebssystemen aus: Im seinem Stammmarkt überragt IBM seine Konkurrenten bei Weitem. Oracle spielt im Mainframe-Bereich praktisch keine Rolle.

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Abbildung 4: Auf Mainframes laufen praktisch nur Datenbank-Produkte von IBM. Einzig eroberte sich Adabas von der Software AG 2001 einen respektablen Marktanteil.

In der Welt der Großrechner gibt IBM nach wie vor den Ton an. Über 70 Prozent aller Datenbank-Projekte im Mainframe-Bereich wurden 2001 mit einem IBM-Produkt (DB2, IMS oder Informix) realisiert. Allerdings musste Big Blue im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 8,0 Prozent Marktanteil hinnehmen. Auch im ersten Halbjahr 2002 ging die Nachfrage weiter zurück: Noch 67,2 Prozent der Datenbank-Projekte wurden auf Mainframes mit IBM-Datenbanken durchgeführt.

Freuen durfte sich 2001 die Software AG, die mit Adabas ihren Marktanteil mehr als verdoppeln konnte. In einem Fünftel (20,8 Prozent) aller Projektanfragen aus diesem Bereich war Adabas die geforderte Qualifikation. Im ersten Halbjahr 2002 sank der Anteil jedoch wieder auf das Niveau von 2000 zurück: nur noch 8,2 Prozent für Adabas.

DBMS-Markt nach Systemzugehörigkeit

Betrachtet man den DBMS-Markt aufgeteilt nach Mainframe- und technologisch moderneren Systemen, so erscheint die Sachlage eindeutig: Knapp 80 Prozent aller Datenbank-Projekte spielten sich 2001 auf Unix-, Windows- oder Linux-Plattformen ab. Und hier ist Oracle der führende Datenbank-Anbieter.

Doch auch auf den in den letzten Jahren vorschnell für tot erklärten Großrechnern werden vermehrt DBMS-Projekte gestartet. Rund 20 Prozent aller Datenbank-Projektangebote entfielen 2001 auf den Mainframe-Sektor - ein Viertel mehr als noch im Vorjahr. Hier verbuchten bekanntlich IBM-Produkte die meisten Projektanfragen.

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Abbildung 5: Verteilung der Datenbank-Projektanfragen nach Systemzugehörigkeit: Mainframer mit Perspektiven: Auf Großrechnern wurden 2001 vermehrt DBMS-Projekte gestartet.

Das Fazit: Oracle weiterhin Nummer 1

Oracle bleibt weiterhin Marktführer im plattformübergreifenden DBMS-Markt, in dem sich die "big three" (Oracle, IBM, Microsoft) den Kuchen untereinander aufteilen. Oracle bleibt auch die Nummer eins auf modernen Betriebssystemen. Jedoch wird an Oracles Marktmacht weiter geknabbert. IBM hingegen ist der Platzhirsch in seinem Stammmarkt: Auf Mainframes laufen fast ausnahmslos Produkte von Big Blue. Oracle spielt im Mainframe-Bereich praktisch keine Rolle.

Das Eingehen strategischer Allianzen mit unabhängigen Softwarehäusern scheint derzeit IBMs DB2 gegenüber Oracles Datenbankprodukt in eine bessere Position zu bringen. So meldete IBM kürzlich, dass im vergangenen Jahr die Partnerschaften mit SAP, J.D. Edwards, Peoplesoft, Baan und Siebel dem Konzern mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz gebracht hätten - das meiste davon auf Kosten von Oracle.

Diese Entwicklung wird durch einen Blick auf die Auswertung des GULP Trend Analyzers für den gesamten IT-Projektmarkt untermauert: Oracle verliert, während IBM mit seinen beiden Produkten DB2 und IMS zumindest das Niveau halten kann.

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