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Brauche ich als Freiberufler eine besondere Rechtsschutzversicherung?

Tipps für Selbstständige zu Versicherungsumfang, -Zeitpunkt und -Kosten

24.08.2016
Oliver Mest – Freiberuflicher Autor
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Wer beruflich selbstständig ist, der kann nicht davon ausgehen, dass immer alles glatt läuft mit Kunden, Partnern oder Behörden wie zum Beispiel dem Finanzamt. Bei einem Streit kann eine Rechtsschutzversicherung hilfreich sein. Aber worauf kommt es beim richtigen Rechtsschutz als Freiberufler an? Wie finde ich die zu meiner Tätigkeit passende Versicherung? Und was kostet der Schutz?

Rechtsschutzversicherung: Sinnvoll in Krisensituationen

Die Rechtsschutzversicherung zählt für Freiberufler nicht zu den Pflichtversicherungen – damit ist jeder frei, sich für oder gegen eine Absicherung zu entscheiden, und jeder kann den individuellen Umfang seines Rechtsschutzes selbst festlegen: Das gilt für die versicherten Streitigkeiten genauso wie für die Höhe der Versicherungssumme. Absicherbar sind die folgenden Bereiche:

Vertrags-Rechtsschutz

Sie kaufen Büromöbel, die sich schnell als mangelhaft herausstellen: Die Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für den eingeschalteten Sachverständigen und den Anwalt, der die außergerichtliche Einigung herbeiführen soll.

Steuer-Rechtsschutz

Bei einer Betriebsprüfung moniert das Finanzamt Betriebsausgaben, die nicht mehr anerkannt werden sollen – vor Gericht muss geklärt werden, ob das rechtmäßig ist. Die Rechtsschutzversicherung übernimmt die Anwalts- und Gerichtskosten.

Sozialgerichts-Rechtsschutz

Ihnen wird vorgeworfen, als IT-Freelancer lediglich scheinselbstständig zu sein, weil Sie für ein längeres Projekt nur einen einzigen Kunden hatten. Sie wehren sich gegen die Statusfeststellung vor Gericht – die Kosten dafür trägt die Rechtsschutzversicherung.  

Verwaltungs-Rechtsschutz

Auf einer beruflichen Fahrt werden Sie geblitzt – die Rechtsschutzversicherung unterstützt Sie finanziell dabei, vor Gericht gegen das drohende Fahrverbot anzugehen.

Mietrechtsschutz

Sie sollen für Ihr Büro mehrere hundert Euro Nebenkosten nachzahlen – Sie möchten gegen die Nebenkostenabrechnung vorgehen – die Rechtsschutzversicherung trägt die Kosten dafür, notfalls bis vor Gericht.

Nicht alles ist mitversichert

In der Regel nicht vom Rechtsschutz erfasst sind Ansprüche, die gegen Sie wegen vermeintlicher Pflichtverletzungen erhoben werden. Wer als IT-Dienstleister durch einen Fehler einen Schaden beim Auftraggeber verursacht, wird bei der Rechtsschutzversicherung keine Unterstützung bekommen – in diesem Fall ist eine Betriebshaftpflichtversicherung sinnvoll, die passiven Rechtsschutz vorsieht: Grundsätzlich ist die Haftpflicht dafür da, Ansprüche zu klären, die gegen Sie erhoben werden. Berechtigte werden dabei reguliert, unberechtigte aber auch abgewehrt – notfalls vor Gericht. Die Betriebshaftpflicht hat dann also die Funktion einer Rechtsschutzversicherung – passiv wird dieser Rechtsschutz deshalb genannt, weil er Rechtsschutz bietet, wenn jemand gegen Sie vorgeht, nicht aber, wenn Sie aktiv gegen jemanden vorgehen wollen. 

Ergänzende Leistungen der Rechtsschutzversicherung

Neben der klassischen Kostenübernahme für Anwälte, Gerichtsgebühren und Sachverständige leisten viele Rechtsschutzversicherungen auch in anderen Bereichen, die für Sie als Unternehmer relevant sein können:

  • Bonitätsprüfung von Kunden: Sie erfahren bei neuen Aufträgen, ob Sie es mit solventen Kunden zu tun haben.
  • Forderungsmanagement: Sie können offene Forderungen an den Inkasso-Partner der Rechtsschutzversicherung abgeben, der sie durchsetzt – notfalls auch bis zur Vollstreckung.
  • Mediation: Ein Mediator hilft, einen Streit außergerichtlich beizulegen. Oft schlagen Rechtsschutzversicherungen einen Mediator vor und übernehmen dessen Kosten.

Die Wartezeit der Rechtsschutzversicherung

Oft wird der Gedanke an eine Rechtsschutzversicherung für Freiberufler erst dann gefasst, wenn das Kind sprichwörtlich „in den Brunnen gefallen ist“, ein Rechtsstreit also bereits vor der Tür steht. Dann ist es allerdings zu spät, eine solche Police abzuschließen: Denn zum einen werden vorvertragliche Streitigkeiten niemals abgesichert – ist der Kern für einen Rechtsstreit also bereits vor Abschluss der Rechtsschutzversicherung gelegt, dann ist er nicht mehr vom Schutz mitumfasst. Außerdem gilt in vielen Bereichen der Rechtsschutzversicherung eine Wartezeit von drei Monaten: In diesem Vierteljahr ab Vertragsschluss besteht ebenfalls noch kein Versicherungsschutz.

Kosten der Rechtsschutzversicherung für Freiberufler

Die Kosten der Rechtsschutzversicherung hängen bei einem Freiberufler vor allem von drei Faktoren ab:

  • Gewählter Umfang des Versicherungsschutzes
  • Kundenfreundlichkeit der Versicherungsbedingungen
  • Selbstbeteiligung im Schadensfall

Umfang und Qualität des Versicherungsschutzes bestimmen, bei welchen rechtlichen Auseinandersetzungen Rechtsschutz gewährt wird. Die Selbstbeteiligung erlaubt es unabhängig vom gewählten Tarif, die Beiträge günstig zu halten – in der Regel sind Selbstbeteiligungen von 150, 250 oder 500 Euro üblich – in manchen Fällen auch bis zu 1.000 Euro. Je größer Ihr Anteil bei einem Schaden ist, umso geringer ist der regelmäßig zu zahlende Jahresbeitrag. Die Höhe der Selbstbeteiligung hängt übrigens bei vielen Versicherern auch – ähnlich der Kfz-Versicherung – von der Anzahl der schadensfreien Jahre ab. Wenn Sie also in der Vergangenheit keine Rechtsstreitigkeiten hatten, kann das durchaus die Selbstbeteiligung senken.

Tipp:
Die Kosten der gewerblichen Rechtsschutzversicherung können Sie in voller Höhe als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen!

Private Rechtsschutzversicherung ausreichend?

Anders als die Rechtsschutzversicherung für freiberufliche und unternehmerische Risiken deckt die private Rechtsschutzversicherung keine Streitigkeiten aus dem geschäftlichen Bereich ab. Sie dient lediglich dem Schutz bei Rechtsstreitigkeiten im privaten Umfeld, etwa bei arbeitsrechtlichen und mietrechtlichen Streitigkeiten oder bei Streitigkeiten im Vertragsrecht, wenn Sie zum Beispiel nach einem Kauf im Internet Ärger haben, weil die Ware nicht oder beschädigt ankommt.

 

 

Unser Gastautor Oliver Mest ist Jurist, Journalist und Versicherungsmakler. Als Chefredakteur des Vorsorgeportals www.optimal-absichern.de beschäftigt er sich zudem mit Versicherungs-, Vorsorge- und Finanzthemen, die er journalistisch kompakt und leicht verständlich vermittelt.

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