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Der Freiberufler, das Ausland und die Umsatzsteuer

Ist die Tätigkeit für eine „Briefkastenfirma“ im Ausland in Deutschland steuerpflichtig?

12.12.2012
Rechtsanwalt Dr. Benno Grunewald
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IT-Freiberufler sind nicht nur für deutsche Unternehmen in Deutschland, sondern auch für ausländische Unternehmen oder Unternehmensberatungen im In- oder Ausland tätig – darunter nicht selten so genannte „Briefkastenfirmen“. Dieser Auslandsbezug hat steuerliche Auswirkungen insbesondere im Bereich der Umsatzsteuer. Welche das sind, erläutert Rechtsanwalt Dr. Benno Grunewald in diesem Artikel.

Das deutsche Steuerrecht gilt weltweit

Das deutsche Steuerrecht kennt das so genannte „Welteinkünfteprinzip“. Demnach sind sämtliche (weltweiten) Einkünfte eines deutschen Staatsbürgers mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im Inland einkommensteuerpflichtig. Zwar gibt es in diesem Zusammenhang manchmal Auslegungsprobleme mit den Begriffen „Wohnsitz“ und „gewöhnlicher Aufenthalt“; für die meisten Freiberufler, die im Inland ansässig sind, spielt dies aber keine Rolle.

Die Umsatzsteuer kann auch bei Auslandsbezug gelten

Grundsätzlich muss der IT-Freiberufler für seine Leistungen Umsatzsteuer berechnen. Fraglich ist aber, ob dies auch dann gilt, wenn der Freiberufler im Ausland selbst oder über eine Unternehmensberatung, die ihren Sitz im Ausland hat, für einen Endkunden im Inland tätig ist.

Die Umsatzsteuer gilt grundsätzlich für Leistungen im Inland

Umsatzsteuerpflicht der verschiedenen Tätigkeits-Konstellationen

Gemäß § 1 UStG (Umsatzsteuergesetz) unterliegen „Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt“ der Umsatzsteuer.

Dies ist der Grundsatz, von dem es mehrere Ausnahmen gibt.

So sieht § 3a Abs. 2 Satz 1 UStG vor: „Eine sonstige Leistung, die an einen Unternehmer für dessen Unternehmen ausgeführt wird, wird vorbehaltlich der Absätze 3 bis 8 und der §§ 3b, 3e und 3f an dem Ort ausgeführt, von dem aus der Empfänger sein Unternehmen betreibt.“

Zu diesen so genannten „sonstigen Leistungen“ gehört nach § 3a Abs. 4 Nr. 3 UStG auch die „Tätigkeit als … Ingenieur … sowie ähnliche Leistungen anderer Unternehmer, insbesondere die rechtliche, wirtschaftliche und technische Beratung“.

Die Tätigkeit im Ausland

Hat der Auftraggeber des Freiberuflers seinen Sitz im Ausland und ist der Freiberufler auch dort tätig, besteht keine Umsatzsteuerpflicht in Deutschland.

Die Tätigkeit für eine ausländische Unternehmensberatung im Inland

Ist der Freiberufler für eine ausländische Unternehmensberatung bei einem Kunden im Inland tätig, besteht keine Umsatzsteuerpflicht (in Deutschland), wenn der Freiberufler seine Leistung nicht für das Unternehmen im Inland, sondern für die Unternehmensberatung mit Sitz im Ausland erbringt. Ob dies so ist, hängt von der vertraglichen Gestaltung ab.

Die Tätigkeit für eine ausländische „Domizilgesellschaft“ im Inland

Hat das Finanzamt Zweifel daran, dass der ausländische Auftraggeber des Freiberuflers ein real existierendes Unternehmen mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb ist, besteht die Gefahr, dass das Finanzamt die ansonsten bestehende Umsatzsteuerfreiheit nicht anerkennt und vom Freiberufler die Nachzahlung der Umsatzsteuer verlangt. In diesem Fall hat der Freiberufler nachzuweisen, dass sein Auftraggeber keine „Domizilgesellschaft“ – umgangssprachlich „Briefkastenfirma“ genannt – ist, sondern ein „normales“ Unternehmen. Da hier Auslandsbezug vorliegt, ist die Mitwirkungspflicht des Freiberuflers noch höher als bei inländischen steuerlichen Sachverhalten!

Die steuerrechtlichen Konsequenzen

Eine umsatzsteuerfreie Rechnung bedingt folgende Voraussetzungen:

  1. Die Leistung muss für ein Unternehmen im Ausland erbracht werden.
  2. Es muss sich um ein „echtes“ Unternehmen handeln (keine Domizilgesellschaft)
  3. Die erbrachte Leistung muss ingenieurähnlich sein bzw. im Bereich der Beratung liegen.

 

Da im Zweifel der Freiberufler alle drei Voraussetzungen beweisen muss, ist dringend zu empfehlen, sämtliche Unterlagen, die mit dem jeweiligen Auftrag zusammenhängen, zu sammeln und zu archivieren. Dazu gehören beispielsweise:

  • Verträge
  • Referenzen
  • Arbeitsunterlagen
  • Geschäftsunterlagen des ausländischen Unternehmens
  • Handelsregisterauszüge
  • Wirtschaftsauskünfte
  • Inserate und Adressen anderer Freiberufler, die für dieses Unternehmen tätig sind oder waren

 

Der sicherste Weg für den Freiberufler ist in diesem Zusammenhang selbstverständlich die Ausstellung von Rechnungen mit Umsatzsteuer. Sollte dies nicht möglich sein bzw. vom ausländischen Auftraggeber nicht gewünscht werden, sollte in diesem Fall eine verbindliche Auskunft des Finanzamts in Erwägung gezogen werden, um das Risiko späterer steuerlicher Auseinandersetzungen bzw. möglicher horrender Steuernachzahlungen zu vermeiden.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie vom Autor Dr. Benno Grunewald.

Der Autor behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2012 Dr. Benno Grunewald