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Für alle Fälle abgesichert – der richtige Versicherungsschutz für Freiberufler

08.11.2016
Oliver Mest – Freiberuflicher Autor
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Wer als Freiberufler selbstständig arbeitet, benötigt den passenden Versicherungsschutz – für die freiberufliche Tätigkeit wie auch für sich selbst. Welche Versicherungen wichtig sind und worauf bei der Auswahl zu achten ist, erfahren Sie hier von unserem Experten Oliver Mest, Journalist für Versicherungs-, Vorsorge- und Finanzthemen.

Vermögensschadenhaftpflicht

Wer als Freiberufler für andere tätig wird, kann Fehler machen und dafür in Regress (Haftung) genommen werden. Eine Vermögensschadenhaftpflicht ist dann die richtige Absicherung: Sie tritt ein, wenn Ansprüche gegen Sie berechtigt sind, und reguliert den Schaden. Und sie wehrt unberechtigte Ansprüche ab. In manchen Branchen und freiberuflichen Tätigkeiten sind Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen sogar gesetzlich vorgeschrieben, um die Tätigkeit überhaupt ausüben zu dürfen ‒ etwa bei Rechtsanwälten, Ärzten, Notaren, Heilpraktikern, Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern. Aber auch in anderen freien Berufen ist die Haftpflicht unbedingt zu empfehlen: Wer als IT-Experte für einen Datenverlust verantwortlich ist, der kann schnell einen existenziellen Schaden verursachen. Gerade im Bereich IT und Technik passieren auch schnell Fehler, die zu Urheberrechtsverletzungen, Markenrechtsverletzungen oder zum Verstoß gegen Wettbewerbs- und Datenschutzgesetze führen – auch das sollte eine Vermögensschadenhaftpflicht abdecken.

Fazit: Auch wenn eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung in Ihrer Branche keine Pflichtversicherung sein sollte – sinnvoll ist sie allemal, um bei Pflichtverstößen gegen Regressansprüche gewappnet zu sein.

Schutz Ihrer Leistungsfähigkeit

Wer als Freiberufler krank wird, der kann nicht arbeiten und hat Einnahmeverluste – bei einem Infekt mit drei Tagen Bettruhe ist das hinnehmbar, bei einer ernsthaften Erkrankung kann das schnell existenzbedrohend werden. Sinnvoll ist es deshalb, ein Krankentagegeld zu vereinbaren. Das sollte spätestens nach sechs Wochen – besser vorher – bei nachgewiesener Erkrankung den versicherten Tagessatz zahlen. Wer so schwer erkrankt, dass er über Monate nicht mehr arbeiten kann, der braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Werden Sie berufsunfähig, zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung bei Invalidität die vereinbarte Rente – so lange, bis Sie wieder als Freiberufler Aufträge annehmen können oder der Vertrag mit Beginn des Rentenalters endet.

Tipp: Sie sollten auf die Klausel zur Umorganisation des Betriebes achten: Diese Klausel sieht vor, dass die vereinbarte Rente nicht gezahlt wird, wenn Ihre freiberufliche Tätigkeit so umorganisiert werden kann, dass trotz Ihrer Erkrankung weiterhin die Möglichkeit einer Tätigkeit bleibt – etwa durch das Einstellen eines Mitarbeiters. Die Berufsunfähigkeitsversicherung sollte zumindest dann auf diese Klausel verzichten, wenn durch eine Umorganisation das Einkommen um mehr als 20 Prozent sinken würde. Außerdem gibt es viele Berufsunfähigkeitsversicherungen, die die Klausel grundsätzlich bei kleineren Unternehmen und alleine arbeitenden Freiberuflern nicht anwenden.

Fazit: Die Absicherung der Arbeitskraft über eine Krankentagegeld- und eine Berufsunfähigkeitsversicherung sichert bei längeren Krankheiten oder auch schlimmeren Unfällen die wirtschaftliche Existenz.

Absicherung von Partnern

Arbeiten Freiberufler in einer Partnerschaft mit anderen zusammen, geht man oft gemeinschaftliche Verpflichtungen ein – bei der Aufnahme von Darlehen genauso wie bei der Einstellung von Mitarbeitern. Um diese gemeinsamen Verpflichtungen abzusichern, sollten verpartnerte Freiberufler eine Risikolebensversicherung abschließen. Sinnvoll ist eine sogenannte Risikolebensversicherung auf verbundene Leben – hier sind beide oder alle Partner versichert, die Versicherungssumme wird aber nur beim Tod des zuerst Sterbenden ausgezahlt und kann dafür verwendet werden, gemeinsame Verpflichtungen auszulösen oder zu erfüllen. Natürlich darf über der Absicherung von Geschäftspartnern nicht die der Familie und der Hinterbliebenen vergessen werden: Hier ist eine ergänzende Risikolebensversicherung empfehlenswert.

Fazit: Eine solche Risikolebensversicherung verschafft finanziellen Spielraum und hilft, finanzielle Folgen des Todesfalls aufzufangen.

Rentenversicherung

Die Altersvorsorge ist bei den meisten Freiberuflern Privatsache – Ansprüche auf eine Altersrente aus der Deutschen Rentenversicherung gibt es kaum, oft sind sie vielleicht noch ein Relikt aus einer früheren Tätigkeit als Festangestellter. Die privaten Altersvorsorgelösungen bieten umfangreiche Möglichkeiten – die Rürup-Rente bietet sogar eine staatliche Förderung, die den Vermögensaufbau leichter macht.

Wer als Freiberufler im rechtlichen Rahmen einer GmbH tätig wird, kann als Geschäftsführer auch in den Genuss der betrieblichen Altersvorsorge kommen. In der Praxis läuft es bei der Versorgung vor allem auf die Pensionszusage, die Unterstützungskasse sowie die Direktversicherung hinaus. Die Direktversicherung eignet sich dabei besonders für junge Geschäftsführer, denn in den ersten Jahren sind die anderen Lösungen noch verschlossen. Wichtig und zu beachten – damit vor allem die Versorgungszusage vor den Augen des Fiskus Bestand hat, denn die Kosten der Versorgung sind für das Unternehmen Betriebsausgaben:  

Gesellschafterbeschluss erforderlich: Für die Einrichtung der Geschäftsführer-Versorgungszusage ist ein Gesellschafterbeschluss erforderlich.

Erdienbarkeitsfrist beachten: Zwischen dem Zeitpunkt der Zusage-Erteilung und dem Beginn der Auszahlung von Versorgungsleistungen müssen mindestens zehn Jahre liegen.

Angemessenheit berücksichtigen: Insgesamt müssen die Versorgungsansprüche angemessen sein und dürfen inklusive möglicher Ansprüche aus der gesetzlichen Rente nicht mehr als 75 Prozent des letzten tatsächlichen Bruttogehalts betragen.

Fazit: Die Versorgung von Geschäftsführern in der GmbH ermöglicht verschiedene Durchführungswege, die für den Geschäftsführer attraktiv und für das Unternehmern steuerlich relevant sind. Dazu können alternativ oder ergänzend private oder staatlich geförderte Vorsorgelösungen sinnvoll sein.

 

 

Unser Gastautor Oliver Mest ist Jurist, Journalist und Versicherungsmakler. Als Chefredakteur des Vorsorgeportals www.optimal-absichern.de beschäftigt er sich zudem mit Versicherungs-, Vorsorge- und Finanzthemen, die er journalistisch kompakt und leicht verständlich vermittelt.

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