a Randstad company
Login

Und plötzlich waren alle Daten weg .....

IT-Haftpflicht in der Praxis, Teil 1

12.11.2004
Ralph Günther
Artikel teilen:

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6 | Teil 7 | Teil 8 | Teil 9 | Teil 10 | Teil 11

Ob IT-Freiberufler eine Betriebshaftpflicht besitzt oder nicht, hängt nicht zuletzt vom jeweiligen Typus ab. Zweifellos gibt es Argumente für die risikoreichere und versicherungsfreie Variante, zweifellos gibt es aber auch Fälle aus der Praxis, in denen sich Freiberufler und Projektanbieter darüber freuen, dass eine Betriebshaftpflicht die Schäden abdeckte. Von einem aktuellen Fall berichtet der Versicherungsexperte Ralph Günther.

Der Schaden hatte sich im August 2004 in Österreich zugetragen: Ein IT-Freiberufler hatte bei einem Unternehmen aus der Versicherungsbranche einen Software-Wartungsvertrag unterschrieben, der auch die Betreuung des Datenbank-Programmes einschloss.

Wie es geschah

Und dann passierte das, womit keiner gerechnet und der freiberufliche IT-Experte nicht für möglich gehalten hatte: Beim Aufspielen eines Software-Updates auf dem unternehmenseigenen Server wurden versehentlich sämtliche Daten der firmeneigenen Datenbank (Buchhaltungsdaten und Archiv mehrerer Jahre) gelöscht. Da der IT-Freiberufler ein vorsichtiger Mann war, hatte er ein Sicherheits-Backup dieser Daten auf einen externen Speicher aufgespielt. Aber: Bei diesem Speicher war die Oberfläche beschädigt und so konnten die Daten nicht ausgelesen werden. Und das, obwohl der externe Datenträger eine Einrichtung besaß, die den Datenträger vor jeder Benutzung selbst überprüft. Es half jedoch wenig, denn aufgrund eines technischen Fehlers war trotz beschädigter Oberfläche ein "OK" ausgegeben worden – worauf der IT-Freiberufler dann auch vertraut hatte.

Der Schaden

Da eine weitere gesonderte Datensicherung nicht vorgenommen wurde, waren sämtliche elektronischen Buchhaltungs- u. Archivdaten unwiederbringlich verloren. Freiberufler und Unternehmen hatten aber Glück im Unglück, denn man konnte auf eine Papierdokumentation zurückgreifen, die in konservativer Tradition angelegt worden war. Aber: Die Daten mussten in "Handarbeit" wieder komplett in die EDV eingegeben werden, was einen Arbeitsaufwand von rund 200 Stunden betrug. Und wenn man, wie in diesem Fall, pro Stunde 25 Euro ansetzt, war ein Schaden von insgesamt 5.000 Euro entstanden. Und dabei ist der Freiberufler, nüchtern betrachtet, noch mit einem "blauen Auge" davon gekommen, denn der Schaden war noch nicht existenzbedrohend. Was wäre jedoch gewesen, wenn es sich bei den gelöschten Daten um "operative Daten" oder Individualsoftware für den täglichen Geschäftsbetrieb einer Unternehmung und nicht um bloße Archivdaten gehandelt hätte?

1) Die Rekonstruktion wäre deutlich teurer geworden. Bei z.B. 700 Stunden à 25 Euro hätte sich der Schaden auf rund 14.000 Euro erhöht.
2) Wäre es während der Datenrekonstruktion zu einem teilweisen oder vollständigen Betriebsstillstand und zu Gewinnausfällen gekommen, hätte wahrscheinlich der Folgeschaden aus dem Datenverlust den primären Schaden noch deutlich überstiegen.

Versichert, aber aufgepasst!

Das Beispiel zeigt einen ganz typischen und häufigen Schadenfall – den Datenverlust. Ferner wird hier deutlich, dass es im IT-Bereich in der Regel nicht zu einem Personen-, Sach- oder Folgeschaden kommt, sondern häufig zu einem so genannten "reinen" Vermögensschaden.

Daher ist es wichtig, dass die Position "echte Vermögungsschäden" auch in einer Haftpflichtversicherung abgedeckt ist. Dies ist nicht immer der Fall, vielfach sind nur so genannte "unechte Vermögensschäden", d.h. Folgeschäden aus einem Personen- oder Sachschaden versichert. In dem vorliegenden Beispiel wäre dann der Freiberufler nicht versichert gewesen, da er zuvor keinen Sachschaden verursacht hatte. Und auch die beschädigte Oberfläche des Speichermediums, die einen Sachschäden darstellen würde, hatte er nicht zu verantworten.

Ferner gilt zuweilen: Nicht immer "wo Vermögensschäden drauf steht, sind auch Vermögensschäden drin." Von Relevanz ist dabei nicht allein die angegebene hohe Deckungssummen im Vermögensschaden-Bereich, sondern auch das "Kleingedruckte", wo plötzlich z. B. zwischen allgemeinen Vermögensschäden, EDV-Vermögensschäden, Rechtsverletzung oder Betriebsunterbrechung durch EDV-Vermögensschäden unterschieden wird. Dafür stellen manche Versicherer häufig deutlich niedrigere Deckungssummen (so genannte Sublimite) zur Verfügung, als zunächst aus der Police ersichtlich ist.

Nähere Informationen bei Ralph Günther.
Der Autor behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2004 exali GmbH .