a Randstad company
Login
© Fotolia/svetlana67

Müssen IT-Freelancer die Künstlersozialabgabe zahlen?

In diesen Fällen werden Beiträge in die Künstlersozialkasse fällig

08.12.2016
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
Artikel teilen:

Erstmals seit 2009 sinkt der Beitragssatz zur Künstlersozialabgabe im Jahr 2017 wieder – von bislang 5,2 Prozent auf 4,8 Prozent. Beitragspflichtig sind sämtliche Entgelte eines Jahres, die für künstlerische oder publizistische Leistungen gezahlt werden. Dazu gehören insbesondere Honorare, Gagen, Tantiemen und vergleichbare Zahlungen. Nicht beitragspflichtig sind Umsatzsteueranteile sowie Reisekostenerstattungen für Künstler und Publizisten.

Keine Ausnahme für Freelancer

Auch IT-Freelancer und ähnliche Solo-Selbstständige müssen die Künstlersozialabgabe zahlen. Wenn Sie regelmäßig Aufträge an freischaffende Künstler und Publizisten vergeben, gelten Sie als Verwerter im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG). Ausdrücklich genannt werden dort zwar nur typische Verwerter wie Verlage, Medienunternehmen, Theater, Konzertveranstalter, Kunsthändler und Werbe-Agenturen. Ergänzend heißt es jedoch:

„Zur Künstlersozialabgabe sind auch Unternehmer verpflichtet, die für Zwecke ihres eigenen Unternehmens Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit betreiben und dabei nicht nur gelegentlich Aufträge an selbständige Künstler oder Publizisten erteilen.“

Die Einschränkung „nicht nur gelegentlich“ bedeutet, dass Honorare von insgesamt (!) bis zu 450 Euro pro Jahr abgabefrei sind. Mit anderen Worten: Wenn Sie Leistungen von Textern, Web-Designern, Fotografen und ähnlichen Kreativ-Dienstleistern für betriebliche Zwecke in Anspruch nehmen und dafür mehr als 450 Euro pro Jahr bezahlen, müssen Sie auf den Gesamtbetrag die Sozialabgabe in Höhe von 5,2 Prozent zahlen (ab 2017: 4,8 Prozent).

Angenommen, der Netto-Betrag der von Ihnen gezahlten Honorare liegt 2016 bei insgesamt 4.000 Euro. Dann ist darauf eine Künstlersozialabgabe in Höhe von 208 Euro fällig.

Aufzeichnungen und Meldungen

Von den abgabepflichtigen Unternehmen verlangt der Gesetzgeber in § 28 KSVG, „fortlaufende Aufzeichnungen über die Entgelte […] zu führen.“ Das muss nicht unbedingt ein eigenes Buchungskonto oder eine separate Nebenrechnung sein: Sie sollten alle abgabepflichtigen Vorgänge aber eindeutig kennzeichnen, um sie spätestens anlässlich einer Betriebsprüfung als Liste mit Namen, Art der Leistung und gezahltem Entgelt ausgeben zu können.

Außerdem müssen Sie jeweils bis zum 31. März des Folgejahres eine unaufgeforderte Meldung über die Gesamtsumme Ihrer beitragspflichtigen Honorar- und Gagen-Zahlungen abgeben. Die Meldefrist für das Jahr 2016 endet am 31. März 2017. Vordrucke für die „Entgeltmeldung“ gibt es auf der Website der Künstlersozialkasse.

Nur wenige Schlupflöcher

Große Schlupflöcher lassen Gesetz und Rechtsprechung nicht:

  • Ob der beauftragte Dienstleister selbst Mitglied der Künstlersozialkasse ist, spielt keine Rolle.
  • Die Abgabe ist sogar dann fällig, wenn Sie sich im Ausland einen Kreativen suchen!
  • Der Versuch, die Abgabe durch frisierte Leistungsbeschreibungen zu umgehen, ist gefährlich. Wird statt einer abgabepflichtigen künstlerischen Leistung aus Gefälligkeit eine abgabefreie Leistung in Rechnung gestellt, machen sich sowohl der Aussteller als auch der Empfänger strafbar.

Einzige legale Ausnahme von der KSA-Pflicht stellen Aufträge an Kapitalgesellschaften dar: Erbringt zum Beispiel eine AG oder GmbH künstlerische oder publizistische Leistungen, sind die Kreativen dort in der Regel als sozialversicherte Arbeitnehmer beschäftigt. Eine zusätzliche Abgabepflicht würde in dem Fall zu einer unzulässigen Doppelbelastung führen.

Verschärfte Prüfpraxis

Kontrolliert wird die Erfüllung der Abgabepflicht normalerweise durch den Prüfdienst der Deutschen Rentenversicherung (DRV) im Rahmen routinemäßiger Arbeitgeberprüfungen. Die finden in größeren Unternehmen üblicherweise alle vier Jahre statt. Unternehmen mit bis zu 20 Beschäftigten müssen im Schnitt nur alle zehn Jahre mit dem Besuch eines DRV-Prüfers rechnen.

Selbstständige und Gewerbetreibende ohne Mitarbeiter können direkt von der Künstlersozialkasse geprüft werden: Seit 2015 sind „branchenspezifische Schwerpunktprüfungen“ sowie „anlassbezogene Prüfungen“ möglich. Wer weiterhin den Kopf in den Sand steckt und es darauf ankommen lässt, muss mit Geldbußen von bis zu 50.000 Euro rechnen.

Weiterführende Lektüre:

 

 

Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politikwissenschaftler. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als Berater, freiberuflicher Journalist und Autor im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Online-Medien geben bei ihm Fach- und Serviceartikel in Auftrag. Außerdem schreibt er Software-Handbücher, Webtexte und Newsletter für Unternehmen.

Lesermeinungen zum Artikel

2,5 von 5 Sternen | Insgesamt 2 Bewertungen und 3 Kommentare

  • Lach! Diese Regierung sucht händeringend Geld

    Volker Diehl am 26.05.2017 um 04.21 Uhr

    Seid langem bin ich wieder mal hier ... und ich falle bei solchen Artikeln völlig vom Glauben ab.
    Aber danke Gulp für diesen hoch interessanten Beitrag
    Ich lebe schon seid Jahren in Panama-Stadt / Panama. Hier sind alle meine ausländischen Einkünfte völlig steuerfrei.
    Und wenn ich schreibe alle, dann meine ich wirklich alle!
    Unsere Infrastruktur ist sehr gut, Frankfurts Skyline beeindruckt keinen mehr der unsere aktuelle gesehen hat.
    Die Rechtssicherheit ist hoch und man arbeitet daran sie weiter zu verbessern.
    Wir sollten uns wirklich Gedanken machen diesen grausigen Spuk, der bei euch offensichtlich grassiert nicht weiter zu unterstützen.
    Ja, traurig wenn ich nach euch in Europa rüber schaue und sehe was da alles getrieben wird.
    Das Freelancerdasein ist kein Zuckerschlecken um sich die hart erarbeiteten Früchte zur großen Umverteilung so einfach wieder wegnehmen zu lassen.
    Aber ich verstehe. Da muss Geld in die Kassen, egal woher, denn das was angeblich nichts kosten soll wird nun doch teuer, sogar sehr teuer und wer die wahren Absichten und Mechanismen dahinter auch nur ein bisschen ausleuchtet bekommt Zorn.
    Sozial oder Humanistisch und hinter was man sich noch alles auf offizieller Seite versteckt ist da gar nichts.

  • Soloist beauftragt Soloisten

    Ch. Hubertz am 09.12.2016 um 12.50 Uhr

    Also irgendwie scheinen die Gesetzesausleger schon seit Generationen im Jenseits zu existieren.
    Also ich als Soloist, ohne künstlerische Ader, beauftrage einen Soloisten, mit künstlerischer Ader, meine Webpräsens aufzupeppen. Ich erhalte von diesem eine Rechnung, die zu meinen Betriebsausgaben gehört.
    Oder.
    Ich beauftrage einen Soloisten, mit künstlerischer Ader, mir ganz tolle Visitenkarten (z.B. 500 Stück) zu liefern. Ich erhalte von diesem eine Rechnung, die zu meinen Betriebsausgaben gehört.
    Soll ich nun an die KSK einen Beitrag leisten? Das klingt doch als ob ich als Käufer von handgemachten, also an meine Füße angepaßte, künstlerisch wertvollen Socken einen Beitrag zur KSK zahlen müßte. Wer hat denn solche verknotete Gehirnwindungen?
    Nun, ich kann mir nicht vorstellen das ich als Solo_Selbsständiger von Anderen Leistungen ohne Rechnung beziehe.

  • „nicht nur gelegentlich“

    R. Kaufmann am 09.12.2016 um 08.48 Uhr

    Die Einschränkung „nicht nur gelegentlich“ bedeutet aber auch, dass es mehrmalig sein muss. Eine einmalige Tätigkeit ist durchaus gelegentlich. Die Höhe des Honorars ist im Gesetz unberücksichtigt.
    Ich finde es gewagt, bei einem Honorar über 450€ auf "nicht nur gelegentlich" zu folgern!

Weitere Kommentare anzeigen

Ihre Meinung zum Artikel

Bitte verwenden Sie keine Links in Ihrem Kommentar.

Ihr Kommentar wird zunächst geprüft. Möchten Sie informiert werden, wenn er veröffentlicht wurde?
Bitte tragen Sie dazu Ihre E-Mail-Adresse ein:
Wir konnten Ihre Bewertung leider nicht speichern. Bitte geben Sie zuerst Ihr Feedback ab.
Lieber Leser, vielen Dank für Ihr Feedback.
Ihre Bewertung für den Artikel wurde gespeichert. Wir prüfen Ihren Kommentar bezüglich Netiquette und Datenschutzrichtlinien und veröffentlichen ihn danach in Kürze. Sie werden von uns per E-Mail darüber benachrichtigt.
Ihre GULP Redaktion.

Ähnliche Artikel