Tipp für gesetzlich Versicherte: Krankenkasse bei Gewinnrückgang sofort informieren

Eine rückwirkende Erstattung zu viel gezahlter Beiträge ist nicht möglich

20.05.2014
GULP Redaktion
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Selbstständige, die in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, zahlen ihre Beiträge teilweise einkommensabhängig. Wer einen höheren Gewinn erzielt als angenommen, muss für das betreffende Jahr nachzahlen. Wer allerdings einen niedrigeren Gewinn erzielt, bekommt seine zu viel gezahlten Beiträge nicht wieder zurück. Wer also weiß, dass sein Gewinn sinkt, sollte sofort aktiv werden – nicht erst mit Erhalt des Steuerbescheids.

Beitragszahlungen einkommensabhängig

Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung, wo die Beiträge von persönlichen Faktoren wie Alter oder Geschlecht abhängen, zahlen Selbstständige für die gesetzliche Krankenversicherung teilweise einkommensabhängige Beiträge. Grundlage für die Festsetzung der Beiträge ist der Gewinn, den der Selbstständige zuletzt laut Steuerbescheid erzielt hat. Zum Einkommen zählen hier nicht nur die Einnahmen aus der selbstständigen Tätigkeit, sondern unter anderem auch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, Zinseinnahmen und natürlich auch Einkommen aus einer nichtselbstständigen Tätigkeit, falls vorhanden.

Änderung des Beitrags anhand des Steuerbescheids

Die Krankenkassen haben das Recht, vom Versicherten regelmäßig einen Einkommensnachweis zu verlangen – in der Regel ist das der Steuerbescheid (vgl. z.B. § 206 SGB V). Wenn sich der Gewinn im Vergleich zum letzten Bescheid gesteigert hat, können für das Jahr Nachzahlungen fällig sein. Seien Sie darauf vorbereitet und legen Sie Geld zurück! Das ist der eine Haken, der aber relativ leicht zu umgehen ist.

Der zweite Haken ist ärgerlicher: Wenn der Gewinn sinkt, zahlen die Krankenkassen nachträglich nichts zurück, sondern es wird nur der zukünftig zu zahlende Beitrag gesenkt. Erst wenn der Nachweis vorliegt, ist eine Reduzierung des Beitrags möglich.

In § 204 Abs. 4 SGB V heißt es zum Beispiel:
„Veränderungen der Beitragsbemessung auf Grund eines vom Versicherten geführten Nachweises (…) können nur zum ersten Tag des auf die Vorlage dieses Nachweises folgenden Monats wirksam werden.“

Was also tun?

Wenn Sie schon wissen, dass Ihr Gewinn niedriger ausfallen wird als im Vorjahr, sollten Sie nicht auf den Steuerbescheid des Finanzamts warten, sondern vorher tätig werden. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, wie Sie Ihren Einkommensrückgang belegen können. Wenn Sie einen geeigneten Nachweis vorlegen, können die Versicherungsbeiträge eventuell noch vor Erhalt des endgültigen Steuerbescheids nach unten angepasst werden. Solch ein Nachweis kann zum Beispiel ein Jahresabschluss oder ein Einkommensteuervorauszahlungsbescheid sein. Eine Lösung könnte also sein, beim Finanzamt eine geänderte Festsetzung ihrer Einkommensteuervorauszahlung zu beantragen und den Bescheid an die Krankenkasse weiterzugeben.

Es gibt keine einheitliche Praxis hierfür und keine Garantie, dass Ihre Krankenkasse einen anderen Bescheid als den Einkommensteuernachweis akzeptiert, aber einen Versuch ist es wert. Wenn Ihre Krankenkasse nicht mit sich reden lässt, bleibt Ihnen nur, Ihre Steuererklärung so früh wie möglich abzugeben und auf einen baldigen Bescheid zu hoffen.

Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, welche Nachweise sie akzeptiert. Und lassen Sie sich hier gegebenenfalls von einem Steuerberater unterstützen, denn die Ideallösung ist stark vom Einzelfall abhängig.

Mindest- und Höchstbeitrag beachten

Ob sich dieses Vorgehen lohnt, hängt nämlich unter anderem davon ab, wie hoch das Einkommen des Selbstständigen generell ist. Wie oben bereits geschrieben, ist die Festlegung der Beiträge nur zum Teil einkommensabhängig. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung bewegen sich bei Selbstständigen immer in einem bestimmten Korridor, der von Jahr zu Jahr neu gesetzlich festgeschrieben wird.

Derzeit liegt der Beitragssatz theoretisch bei 14,9 Prozent des monatlichen Einkommens. Dieser Satz gilt aber nur für Einkommen zwischen der gesetzlichen Mindest- und der Höchstbemessungsgrenze. Die untere Einkommensgrenze liegt 2014 bei 2.073,75 Euro, die obere Grenze bei 4.050,00 Euro. Somit ergeben sich ein Mindestbeitrag von 308,99 Euro und ein Höchstbeitrag von 603,45 Euro (ohne Krankentagegeld, ohne Pflegeversicherung). Wer weniger als 2.073,75 Euro verdient, zahlt trotzdem den Mindestbeitrag – wer mehr als 4.050,00 Euro verdient, muss niemals mehr als den Höchstbeitrag an seine Krankenkasse überweisen. Einen Beitragsrechner und die aktuellen Grenzen finden Sie zum Beispiel hier.

Fazit

Kurz zusammengefasst: Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, sollten Sie Ihre Gewinnschwankungen gut im Auge behalten, vor allem, wenn sich Ihre Einnahmen ungefähr im Bereich zwischen 2.000 und 4.000 Euro pro Monat bewegen. Erhöht sich Ihr Gewinn: Legen Sie Geld für Nachzahlungen zurück. Sinkt ihr Gewinn: Kümmern Sie sich schon vor Erhalt des Steuerbescheids um eine Reduzierung Ihrer Beiträge.