a Randstad company
Login
© Fotolia/Andrey Popov

Ausdruck schafft Eindruck – mit stimmiger Körpersprache Wirkung erzeugen

Tipps für IT-Freelancer: Professionelles Auftreten vor dem Auftraggeber

21.06.2016
Tobias Friedl und Julia Rupprecht – Gastautoren
Artikel teilen:

Was kommt an?

Der erste Austausch zu den Projektinhalten ist erfolgt und nun steht das Interview beim Kunden an? Um sich als Freelancer Projektaufträge zu sichern, ist es wichtig, den potentiellen Auftraggeber von Anfang an zu überzeugen. Neben einer gründlichen Vorbereitung auf den Termin ist vor allem die Körpersprache ein wichtiger Faktor, den Sie nicht vernachlässigen sollten.

Unsere Gastautoren Tobias Friedl und Julia Rupprecht geben Tipps, wie Sie dabei sicher agieren.

Kennen auch Sie folgende Aussage? „93 Prozent Ihrer Kommunikation wird von Stimme und Körpersprache bestimmt, nur 7 Prozent von der Sprache, also den faktischen Inhalten“. Sie basiert überwiegend auf Studien des US-Psychologen Albert Mehrabian aus den 60er und 70er-Jahren. Doch wurden die wissenschaftlich validen Ergebnisse von Mehrabian häufig falsch gelesen und interpretiert und auf zwischenmenschliche Kommunikation als Ganzes übertragen. Er selbst wollte diese Aussage nie treffen, doch hält sich die daraus abgeleitete 7-38-55-Regel hartnäckig. Sie besagt, dass die Wirkung eines Sprechers zu 7 Prozent vom Inhalt, zu 38 Prozent von der Stimme und zu 55 Prozent vom Körperausdruck bestimmt sei. Diese Aussage ist schlichtweg falsch und sollte Sie kritisch aufhorchen lassen.

Die Inhalte und Fakten sind die Basis, um mit Kompetenz und Professionalität bei Ihrem Auftraggeber zu punkten. Entsprechend wichtig sind Ihre fachliche Expertise und die wohlüberlegte Vorbereitung eines Termins. Stimme und Körperausdruck haben allerdings einen wesentlichen Einfluss darauf, wie Sie als Person wahrgenommen werden und wie das Gesagte beim Gegenüber ankommt.

Bei allen Tipps und Tricks zu Rhetorik und Körpersprache bleibt der entscheidende Faktor einer gelungenen Kommunikation ihre Kongruenz, also ihre persönliche Stimmigkeit. Sprache, Stimme und Körper gehören untrennbar zusammen. Sie erzielen die gewünschte positive Wirkung nur, wenn die nonverbale Kommunikation durch Stimme und Körper mit dem gesprochenen Inhalt übereinstimmt. Und das soll auch Ihre Persönlichkeit und Ihre Stimmung zum Ausdruck bringen. Zeigen Sie also Profil!

Der erste Eindruck

Wirkt Ihr Gesprächspartner vertrauenswürdig und kompetent? Ist er Ihnen sympathisch? Weniger als eine Sekunde benötigt das Gehirn in der Regel für den ersten Eindruck. Sie können selbst einmal überlegen, wie oft sich dieser erste Eindruck bestätigt hat. Auch hier gibt es keine feste Regel, da sich der erste Eindruck wieder wandeln kann. Doch sollten Sie sich bewusst sein: Der erste Eindruck bleibt hängen!

Vor allem beim ersten Gespräch mit Ihrem potentiellen Auftraggeber ist es wichtig, mit Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Präsenz zu punkten. Dazu gehört, bei der Begrüßung bewusst auf den Namen des Gegenübers zu hören. Dem Namensgedächtnis können Sie beispielsweise auf die Sprünge helfen, indem Sie den Namen Ihres Gesprächspartners laut wiederholen „Guten Tag, Frau…“.

Achten Sie auf einen angemessenen Händedruck. Am besten kurz und fest, also weder „toter Fisch“ noch „Knochenbrecher“. Und respektieren Sie die persönliche Distanzzone zwischen 50 cm und 120 cm zu Ihrem Gesprächspartner. Jetzt noch ein aufmerksamer Blickkontakt und ein freundliches Lächeln und Sie haben eine gute Basis für das weitere Gespräch geschaffen. Gehen Sie nun selbstbewusst ins Gespräch!

Stimme spiegelt Stimmung

Der Klang Ihrer Stimme spiegelt wider, mit welcher Stimmung Sie in das Gespräch gehen. Entscheidend für einen wirkungsvollen Einsatz Ihrer Stimme ist deshalb, sich Ihre Ziele für den Termin bewusst zu machen und sich mental auf den Termin einzustimmen. Was wollen Sie mit dem Termin erreichen? Was sind die wichtigsten Punkte, die Ihre Zuhörer mitnehmen sollen? Welchen Mehrwert können Sie Ihrem Kunden bieten?

Erzeugen Sie für sich durch Klärung dieser Fragen Sicherheit und eine innere Überzeugung für Ihre Sache. Die positive Wirkung auf Ihren Auftraggeber ist dann kein „Mittel zum Zweck“, sondern eine Folge Ihrer inneren Haltung daraus. Durch einen selbstbewussten Klang Ihrer Stimme schaffen Sie die beste Basis für Verhandlungen mit ihrem künftigen Kunden.

Verinnerlichen Sie Ihre besten (Verkaufs-)Argumente vorher und achten Sie dabei auf eine abwechslungsreiche Sprechmelodie mit Betonungen bei wichtigen Informationen. Wichtig, um dem Gegenüber das Verarbeiten Ihrer Worte zu erleichtern, sind ein angemessenes Sprechtempo, sowie eine bewusste Pausensetzung. Oft reicht dafür, bewusst zwischen den Sätzen zu atmen. Durch ein Absenken der Stimme zum Satzende, signalisieren Sie, dass Sie eine klare Aussage machen, was meist Selbstsicherheit und Souveränität vermittelt. In Verbindung mit einer offenen Gesprächshaltung und passender Pausensetzung laden Sie Ihren Gesprächspartner zum Dialog ein.

Körpersprache

Jeder von uns nimmt intuitiv die Körperhaltung von Menschen um sich herum wahr und interpretiert darüber deren Stimmung, Einstellung oder auch die innere Haltung. „Rückgrat haben“, „hochnäsig sein“, „duckmäuserisch“ – die Sprache ist voll mit Metaphern, die Körpersprache mit einer inneren Einstellung verbinden. Mit Ihrem Körper unterstützen Sie Ihre Worte. Genauso wie bei der Stimme ist wichtig, sich vorab die Zielsetzung des Termins bewusst zu machen. Damit schaffen Sie eine innere Haltung, die sich in Ihrer Körpersprache spiegelt und damit vom Gesprächspartner „stimmig“ zu Ihren Worten empfunden wird.

Genau wie Ihre Worte, können Sie Ihre Körpersprache vor dem Termin trainieren, am besten vor einem Spiegel. Richten Sie sich auf und schaffen Sie dadurch körperliche Präsenz. Nehmen Sie sowohl beim Stehen als auch beim Sitzen mit beiden Fußsohlen bewusst Bodenkontakt auf. Richten Sie dabei das Becken auf, machen Sie Ihre Wirbelsäule lang und halten Sie den Kopf aufrecht. Wenn Sie nun noch Ihre Schultern entspannen und leicht zurückziehen, haben Sie eine offene und präsente Haltung.

Probieren Sie es aus, welche Haltung sich für Sie gut und stimmig anfühlt. Und sind Sie im Termin dann nicht zu kritisch mit sich selbst. Es reicht, wenn Sie sich im Laufe des Gesprächs hin und wieder Ihre Körpersprache bewusstmachen und dann bei Bedarf korrigieren. Je öfter Sie das tun, umso mehr werden Sie eine stimmige Haltung verinnerlichen.

Arme und Hände

Mit Ihrer Gestik unterstützen Sie Ihre Worte. Auch sie muss zur Persönlichkeit passen, um authentisch und damit wirksam zu sein. Zu ruhigeren Personen passt eine bedachte, bei extrovertierten Personen eventuell auch eine ausladende Gestik. Setzen Sie diese also angemessen zum Inhalt und zur Situation ein. Hilfreich auf dem Weg, sich seine eigene Gestik bewusst zu machen, kann Feedback von Freunden sein.

Und wohin mit den Händen? Unabhängig von Ihrem eigenen Stil sollten Sie darauf achten, beim Sitzen die Hände nicht unter, sondern auf dem Tisch zu halten. Im Stehen ist es empfehlenswert, die Arme im Bereich des Oberkörpers in etwa zwischen Hüfte und Brust zu haben. Fixieren Sie Ihre Hände nicht, z.B. durch dauerhaftes Verschränken oder Vergraben in den Hosentaschen. Und achten Sie auch darauf, dass Sie eingefahrene Muster wie mit Stift oder Ring zu spielen, oder mit den Händen ins Gesicht oder an den Hals zu fassen, vermeiden.

Seien Sie sicher, dass die Hände aus einer lockeren Grundposition heraus automatisch anfangen zu gestikulieren. Machen Sie sich das auch zu Nutze: Aufgrund der neurologischen Zusammenhänge hilft Ihnen das Gestikulieren bei der Sprechplanung und dem Wortabruf, wodurch z.B. auch Füllwörter wie „ähm“ reduziert werden können und ein fließender Sprechrhythmus begünstigt wird.

Die passende Gestik lässt Sie dynamisch erscheinen, unterstützt den Inhalt auf visuelle Weise und erhöht damit Ihre Verständlichkeit.

Mimik

Was Ihr Gesicht dem Gesprächspartner über Ihre Augen, Augenbrauen, Stirn und Mund vermittelt, ist kaum trainierbar. Mehr als alle anderen Bereiche der Körpersprache, spiegelt sich darüber Ihr emotionales Empfinden der Situation wider und es fällt uns auf, ob die Mimik zu den Worten passt. Den Weg zu einer positiven und sympathischen Ausstrahlung begehen Sie also am besten durch eine positive und offene innere Haltung. Diese zeigt sich äußerlich und wirkt gleichzeitig auf die innere Stimmung zurück.

Ein Lächeln, der bekannteste Gesichtsausdruck schlechthin, kann da in vieler Hinsicht helfen. Ein Lächeln ist das Zeichen für positive Zuwendung, über das Sie weltweit Menschen für sich gewinnen. Zudem hat es auch für Sie einen positiven Effekt, wenn Sie trotz schlechter Laune oder negativen Erfahrungen lächeln. Es wird Sie darüber hinwegtragen. Wichtig dabei: echt muss es sein! Echt empfunden. Echt gemeint.

Fazit

Mit diesen Tipps wird es Ihnen gelingen, sich von anderen Experten abzuheben. Mit einer bewussten Umsetzung der einzelnen Schritte sind Sie für zukünftige Kundengespräche bestens gerüstet. In unserem Artikel „5 Schritte zum überzeugenden Auftritt – durch professionelle Terminvorbereitung“ geben wir weitere nützliche Ratschläge für einen überzeugenden Auftritt beim Kunden.

 

 

Unser Gastautor Tobias Friedl ist als Coach, Moderator und Dozent tätig. Er gibt individuelle Coachings, berät Unternehmen und führt Team-Workshops durch und gibt an Hochschulen Workshops zum Thema "Berufliche Orientierung".

www.tobiasfriedl.de

 

 

Unsere Gastautorin Julia Rupprecht ist als Trainerin, Speaker und Lehrbeauftrage an Hochschulen aktiv. Sie unterstützt verschiedene Institutionen und Personen aus Wissenschaft und Wirtschaft in den Bereichen Rhetorik, Kreativität, Didaktik und Stimmtraining.

www.julia-training.com

 

Mehr Tipps für Freiberufler

Exklusiv für GULP Profilinhaber