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Ni Hao, Buenos Días, Hello, Guten Tag – Interkulturelle Zusammenarbeit als Freelancer

19.01.2017
Tobias Friedl – Gastautor
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Als Freelancer in einem internationalen Team – gerade im IT-Umfeld eher die Regel als eine Ausnahme. Das Thema „Diversity“, zu dem auch der kulturelle Hintergrund gehört, bietet sehr viele Chancen, als Team von dieser Vielfalt zu profitieren – so lautet der gängige Tenor in Veröffentlichungen zu dem Thema. Die Kehrseite der Medaille: Menschen fällt der Umgang mit Verhaltensweisen, die sich von ihren eigenen unterscheiden, nicht immer leicht. In den meisten Fällen kostet es erst mal zusätzliche Zeit und Anstrengung, sich auf andere Denk- und Verhaltensmuster einzustellen. Hinzu kommt für Sie als Freelancer, dass Sie oft in eine Ihnen unbekannte Unternehmenskultur kommen. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe innerhalb des Teams sind dann eine weitere Herausforderung, ganz abgesehen von der sprachlichen Barriere, die an Schwierigkeitsgrad hinzugewinnt, sobald es um hochfachliche Themen geht. Wie gehen Sie da am besten heran?

Handeln ergibt immer Sinn – aus Sicht des jeweils Handelnden

Unabhängig von Ihrem Wissen über kulturelle und länderspezifische Unterschiede gibt es einen ganz wesentlichen Aspekt, wie Sie die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit schaffen können: Ihre positive Grundhaltung und Neugier gegenüber anderen Herangehensweisen und Kulturen. Dafür müssen Sie nicht mit vermeintlichen Techniken und theoretischen Modellen zu interkulturellen Unterschieden hantieren. Sondern einfach mit dem Vorsatz herangehen, dass Sie Teammitglieder – aus Ihrer eigenen oder aus anderen Kulturen – erst einmal verstehen wollen. Ein Leitspruch dabei kann sein: Handeln ergibt immer Sinn – aus Sicht des jeweils Handelnden. Indische Kollegen beispielsweise denken oftmals viel stärker in hierarchischen Ebenen und sind es gewohnt, Anweisungen strikt umzusetzen, weiß Christoph Hagmann von Infosys in Deutschland in einem Bericht der Computerwoche zu erzählen. Das wirkt auf einen agilen deutschen IT-Freelancer möglicherweise unselbstständig, während es die Inder eher als unhöflich empfinden, wenn ein deutsches Teammitglied mit seinem Auftraggeber zu diskutieren anfängt. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen und Empfindungen sollte man kennen und mit Respekt betrachten. Egal wie unverständlich oder kontraproduktiv Ihnen also die Verhaltensweisen anderer erscheinen mögen, für den anderen ergibt sein Verhalten Sinn. Sonst würde er nämlich nicht so handeln. Und Sie haben im Umgang mit solchen, für Sie fremden Verhaltensweisen zwei Optionen. Entweder Sie beurteilen das andere Verhalten als falsch und Ihr eigenes als richtig. Oder Sie bleiben offen und versuchen, erst einmal zu verstehen, warum Ihr Gegenüber so handelt. Leisten Sie aber auch im Hinblick auf Ihr eigenes Verhalten ruhig Aufklärungsarbeit. Zeigt sich Ihr interkultureller Gesprächspartner also etwas verwundert über Ihre Handlungen, dann erklären Sie ihm ruhig, warum für Ihre Arbeit zum Beispiel eine offene und direkte Kommunikation so wichtig ist (Effektivität, Zeitersparnis etc.).

Arbeitskultur und Technologiegrad eines Landes verstehen

Wenn Sie als Freelancer bereits die Konditionen der Zusammenarbeit mit Personen aus anderen Kulturkreisen verhandeln, haben Sie keine „Anlaufphase“, um sich auf die andere Kultur einzustellen. In dieser für die anschließende Zusammenarbeit sehr wichtigen Verhandlungsphase sollten die Rahmenbedingungen nicht nur schriftlich festgehalten werden. Stellen Sie vor allem sicher, dass Sie und Ihr Auftraggeber auch das gleiche Verständnis davon haben. Bedenken Sie auch, dass die fortschreitende Digitalisierung das Arbeiten über Ländergrenzen hinweg stark beeinflusst. Faktisch gesehen wären Sie dank Kollaborationsplattformen und diverser Messenger-Technologien als Spezialist zu jeder Tageszeit erreichbar. Wird erwartet, dass Sie sogar spätabends oder frühmorgens abrufbar sind, wenn Ihr Auftraggeber in einer anderen Zeitzone sitzt, dann könnte eine Rückmeldung Stunden später als unprofessionell oder unhöflich wahrgenommen werden. Ist das vereinbarte Timing als feste Deadline oder doch eher als variabler Zielwert zu verstehen? Weisen Sie auf diese Eventualitäten hin und sprechen Sie Kontroversen offen an. Behalten Sie außerdem im Auge, dass es durchaus länderspezifische Unterschiede in der Nutzung digitaler Tools zur Selbstorganisation und auch hinsichtlich des Service-Grades gibt, der von Ihnen gefordert sein könnte. So verlangt der amerikanische Auftraggeber einen perfekten Umgang Ihrerseits mit einem bestimmten Projektmanagementtool, während ein landwirtschaftliches Unternehmen in Rumänien möglicherweise die Kommunikation per Telefon und Fax bevorzugt. Zudem kann die Art der Zusammenarbeit mit den anderen Teammitgliedern sehr unterschiedlich sein. Fragen Sie sich daher auch, ob Sie beispielsweise damit rechnen können, dass Sie die Arbeitspakete anderer Teammitglieder auch im vereinbarten Zeitrahmen erhalten. Je nachdem, wie die konkrete Konstellation der interkulturellen Zusammenarbeit aussieht, sollten Sie sich Zeit nehmen, zu durchdenken, welche Missverständnisse entstehen können. Um ein besseres Gespür zu haben, welche Unterschiede es gibt und wie Sie in der Kommunikation darauf eingehen können, hilft sicherlich auch konkretes Wissen über den jeweiligen Technologiegrad in einem Land und der Arbeitskultur als solche.

Tendenzen kennen, ohne zu verallgemeinern

Für interkulturelle Unterschiede gibt es Seminare und Modelle zu typischen Verhaltensweisen einzelner Kulturen (z.B. das Lewis-Model oder die Kulturdimensionen nach Geert Hofstede). Sich mit solchen Modellen zu befassen oder für Kulturen, mit denen Sie regelmäßig zu tun haben, ein Seminar zu besuchen, kann helfen, Sicherheit im Umgang zu gewinnen. Allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Die für einzelne Kulturen typischen Verhaltensweisen sind Tendenzen, die nicht als Verallgemeinerung für alle Menschen dieser Kultur gelten. Genauso wenig wie alle Deutschen sachlich-nüchtern sind, trifft auf alle Italiener oder Spanier die Eigenschaft „emotional“ zu. Deshalb stellen Sie den Charakter des jeweiligen Menschen in den Vordergrund und haben Sie die kulturellen Tendenzen im Hinterkopf – nicht umgekehrt!

Die wichtigsten „Don’ts“ kennen

Einprägen sollten Sie sich im ersten Schritt die wichtigsten „Don’ts“ für die jeweilige Kultur. Denn wenn Sie schon einmal wissen, was die größten Fettnäpfchen sind, können Sie den Kontakt gelassener und sicherer angehen. Doch wo können Sie solche Informationen nachlesen? Zum Thema „interkulturelle Zusammenarbeit“ gibt es viele Lehrbücher wie zum Beispiel:

Außerdem gibt kleine Hilfsprogramme, die Ihnen eine Übersicht zu einigen wichtigen Ländern wie den USA, China oder Brasilien geben.

Ein großes „Do“ aber schon vorab: Zeigen Sie durch kleine Signale, wie Sie auf die andere Kultur eingehen, dass Sie einen guten Willen haben und auch, dass Sie sich vorbereitet haben. Ein nicht zu unterschätzendes Zeichen der Wertschätzung, das gerade für einen positiven ersten Eindruck sorgt.

Kommunikation als Schlüssel

Wenn Sie es schaffen, wirksam miteinander zu kommunizieren, wird man Ihnen das ein oder andere Fettnäpfchen oder eine Unwissenheit über die andere Kultur verzeihen. Ein konstruktiver Austausch ist und bleibt der Schlüssel für eine gute Zusammenarbeit – ob interkulturell oder nicht. Und bei allen Unterschieden und potenziellen Missverständnissen gilt trotzdem: Locker bleiben und die Neugier für andere Kulturen bewahren! So können wir auf Missverständnisse oder Irritationen auch mal mit Humor reagieren. Und gegenseitig davon lernen, wie die Sichtweise unseres Gegenübers ist.

Dann gewinnen wirklich alle durch interkulturelle Zusammenarbeit. Nicht zuletzt auch Sie als Freelancer. Schließlich gibt es einen klaren Trend zu immer mehr internationalen Teams. Und somit für Sie eine große Chance, wenn Sie sich darauf einstellen. Viel Erfolg dabei!

 

 

Unser Gastautor Tobias Friedl ist als Coach, Moderator und Dozent tätig. Er gibt individuelle Coachings, berät Unternehmen und führt Team-Workshops durch und gibt an Hochschulen Workshops zum Thema "Berufliche Orientierung".

www.tobiasfriedl.de

Lesermeinungen zum Artikel

3,4 von 5 Sternen | Insgesamt 5 Bewertungen und 3 Kommentare

  • kurz & bündig

    Maier T am 24.01.2017 um 13.47 Uhr

    Der Artikel umreißt sehr gut ein ausgeprägtes Minenfeld,-). Es muß nicht unbedingt DE-Indien sein - manchmal bietet schon der Kontrast Nord-/Süd-DE ausreichend (Z)Stoff für vermeidbare kulturelle Mis(t)verständnisse. Die weiterführenden links fand ich sehr hilfreich zur Vertiefung des Themas.

  • Von dem Artikel habe ich mir auch mehr versprochen...

    Martin1 am 20.01.2017 um 17.43 Uhr

    Und natürlich durfte das Buzzwort "Diversity" nicht fehlen: Wie lautet denn das deutsche Wort dafür?

  • Ulrich Bähr am 20.01.2017 um 07.52 Uhr

    Das einzig konkrete in dem Artikel ist: Sei offen und sei bereit die Sichtweise der anderen Kultur zu akzeptieren. Nun ja. Das ist jetzt nicht so erhellend.
    Ganz bestimmt wird man mit Kollegen keine schriftliche Verträge aushandeln, in denen dann steht "Keiner wird einem Muttersprachler unterstellen, daß er ihn beleidigt, da es sein kann daß man seine Sprache nur unzureichend versteht. Ich komme zu einem Meeting nicht erst am Ende des vereinbarten Termins. Eine Mittagspause von mind. 2 Stunden ist heilig und darf nie angetastet werden." Etc. Denn da wird sich doch keiner daran halten, weil ihn die eigene kulturelle Prägung anders leitet. Und es ist geradezu lächerlich sich vorzustellen, wie interkulturelle Teams seitenweise Regel identifizieren und darüber abstimmen.
    Interkulturelles Arbeiten ist halt bei aller Offenheit und Gutwilligkeit trotzdem eine beträchtliche zusätzliche Mühe, eine Quelle zusätzlicher Konflikte und eine Produktivitätsbremse. Im Kreativbereich würzt es die Suppe und führt auch zu neuen Ergebnissen - weniger im technischen Bereich.

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