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Was haben Freiberufler, was Angestellte nicht haben?

25.11.2008
GULP Redaktion
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Laut einer GULP Umfrage sehen sich 94 Prozent der IT-Freiberufler mit Neid von Seiten der Festangestellten konfrontiert. Die klare Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer sieht außerdem den Freiberufler als den besseren Verdiener. Doch ist es wirklich nur das höhere Honorar, auf das Festangestellte neidisch sind? Was ist dran am Freiberuflerleben? GULP hat IT-Freiberufler um ihre Meinung gebeten und sie haben GULP geantwortet: im Forum und direkt an die Redakteurin der Knowledge Base. Vielen Dank dafür!

Aus den Kommentaren und Meinungen der Freiberufler lassen sich einige Dinge klar erkennen. Erstens: Ja, es gibt Neid, manche Freiberufler spüren ihn sehr häufig und manche eher selten. Einige versuchen, sich zu verteidigen und den hohen Stundensatz durch Argumente wie zusätzliche Kosten und erhöhtes Risiko zu entschärfen. Andere sind diese Diskussionen leid und nehmen neidische Bemerkungen mit Humor. Eine bei vielen beliebte Reaktion ist: "Wenn Freiberufler es so viel besser haben, mach dich doch auch selbstständig!"

Wir haben die Aussagen der Selbstständigen zusammengetragen, geordnet und stellen sie hier vor - sozusagen als Vor- und Nachteile des Freiberuflerdaseins. Wer mag, kann diese als Argumente in die nächsten Diskussion mit einem neidischen Festangestellten einfließen lassen. Dem, der das lieber mit sich selbst ausmacht, geben sie ein paar mehr Gründe an die Hand, auf die eigene Leistung stolz zu sein. Alte Hasen im IT-Projektmarkt kennen diese Vor- und Nachteile schon, aber Jüngere und Neueinsteiger finden sie erst nach und nach heraus. Um den Prozess zu beschleunigen: Hier das Positive und das Schwierige am Freiberufler-Dasein - zusammengefasst und auf den Punkt gebracht.

Wovon profitieren Freiberufler?

Am Anfang steht der relativ einfache Start als Freiberufler: Es bestehen "keine nennenswerten Markteintrittsbarrieren - mit einem ersten Auftrag in der Hand ist noch nicht mal Eigenkapital erforderlich", sagt ein Forums-User. Klar, die Anfangsinvestitionen sind denkbar gering, wenn überhaupt vorhanden. Was ein IT-Freiberufler zur Ausübung seiner Tätigkeit braucht, hat er meist ohnehin schon zu Hause - und im Kopf. Mit einen Versuch kann also nicht viel Verlust gemacht werden.

Wer einmal als Freiberufler Fuß gefasst hat, profitiert laut Umfrage meist von einem höheren finanziellen Verdienst. Weit mehr als die Hälfte der Projektanbieter und Freiberufler sind der Meinung, dass Freiberuflern unterm Strich mehr zum Leben bleibt als Festangestellten. Vorausgesetzt natürlich, sie sind mit Projekten gut ausgelastet.

Wer mit Projektpausen "kreativ-offensiv" umgeht und sich "nicht ins Bockshorn jagen" lässt - wie es uns ein Freiberufler geschrieben hat - kann sogar von projektfreien Zeiten profitieren. Der besagte Freiberufler nutzt sie als "willkommene Auszeit" für Reisen oder Sprachkurse. In der Tat ist die Liste seiner Reisen lang (Vielen Dank für die tollen Fotos!) und Südamerika steht als nächstes auf dem Programm. Für diese Reise plant er mehrere Monate ein - das wäre den allermeisten Festangestellten nicht möglich.

Mehr Freiheiten bei der Arbeit - die hat der Freiberufler. Das Arbeitsjahr läuft nicht so geordnet ab wie bei den meisten Festangestellten. Zum Beispiel wechseln Selbstständige ihren Arbeitsort sehr häufig. Forums-User MrDatabase schreibt, dass Freiberufler durch ihr Dasein als Wanderarbeiter zwar nicht in die normalen betrieblichen Abläufe integriert werden (Seminare, Ausflüge), aber eben auch nicht in Grabenkämpfe: "Das ist meiner Meinung nach ein Riesenvorteil: Ich kann mich auf meine Aufgabe konzentrieren (...). Der zweite Riesenvorteil ist, dass man verschiedenste technische Umgebungen kennen lernt und auch Unternehmens-Philosophien. Und das sind Erfahrungen, die man eigentlich gar nicht bezahlen kann."

Was müssen Freiberufler leisten?

"Es wäre zu schön und zu einfach, wenn der Unterschied zwischen einem Angestellten und einem Freiberufler "nur" das liebe Geld wäre. (...) Selbstständige gehen ein deutlich höheres Risiko im Vergleich zum Angestellten ein. Das darf auch entsprechend "bewertet" werden": Diesen Kommentar hat ein Freiberufler an die Redakteurin für die Knowledge Base geschickt. Ein Selbstständiger übernimmt mehr Aufgaben zusätzlich zur Arbeitsleistung als ein Angestellter. Einige Beispiele dafür von Freiberuflern:

Während ein Angestellter nach erledigter Arbeit nach Hause geht und frei hat, kümmert sich der Selbstständige dann um Korrespondenz, Buchhaltung, Akquise, Networking oder Vertragsverhandlungen. "Ein Selbstständiger arbeitet im Durchschnitt zwölf bis 14 Stunden täglich", schrieb uns ein Freiberufler. Auch in Weiterbildung muss er Zeit investieren, wenn er sich am Markt behaupten und Aufträge erhalten will.

Ein Selbstständiger lebt außerdem mit dem (finanziellen) Risiko, dass eine Projektarbeit verspätet oder gar nicht bezahlt wird. Zu den üblichen Ausgaben gesellen sich zum Beispiel administrative, Steuerberater- und Rechtsanwaltskosten, diverse betriebsbedingte Versicherungen, Krankenversicherung und private Altersvorsorge. Krankheit und Urlaub sind Tage ohne Einkommen.

Ein weiteres Risiko neben dem finanziellen ist das plötzliche und vorgezogene Ende eines Projekts. Niedrige Kündigungsfristen sind außerdem durchaus üblich, Kündigungsschutz gibt es nicht. "Schwächelt der Markt (...), kürzt man meist zuerst bei den Freiberuflern und Selbstständigen", so ein Freiberufler.

Freelancer müssen deswegen flexibler sein. Mitunter müssen sie akzeptieren, dass sie nur am Wochenende nach Hause kommen, viel reisen müssen oder bis spät abends arbeiten. Um Berufs- und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, ist Organisation gefragt. Ebenso, um eine angemessene Work-Life-Balance zu erhalten. Für Urlaub und Freizeit müssen sich die meisten Freiberufler nach eigenen Angaben explizit Zeit nehmen.

Was haben Freiberufler also, was Festangestellte nicht haben? Einiges! Gleichzeitig gibt es ebenso Dinge, von denen Angestellte profitieren, Freiberufler aber nicht. Es ist eine Frage der Prioritäten.

Nun sind die Freiberufler zu Wort gekommen. Welche Meinung zum Thema Neid haben die anderen Teilnehmer im IT-Projektmarkt, die unter den Lesern der GULP Knowledge Base sind? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!