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Freelancer müssen selbstständig arbeiten, stressresistent und teamfähig sein

Ergebnisse der großen GULP Stundensatz-Umfrage, Teil 4

06.05.2014
GULP Redaktion
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Welche Skills braucht ein IT-/Engineering-Selbstständiger, um erfolgreich zu sein? Auch das war Thema in unserer Stundensatz-Umfrage. In diesem Artikel stellen wir nicht nur die wichtigsten Skills vor – sondern sehen uns auch an, in welcher Branche Sie welche Fähigkeiten brauchen. Außerdem haben auch das Alter und die Dauer der Selbstständigkeit Einfluss auf die Wichtigkeit der Qualifikationen. An der GULP Stundensatz-Umfrage 2014 haben von November 2013 bis Februar 2014 insgesamt 2.046 Selbstständige in IT und Engineering teilgenommen – mit und ohne GULP Profil.

Welche Skills braucht ein Selbstständiger?

Um beruflich erfolgreich zu sein, muss ein IT-/Engineering-Freelancer vor allem selbstständig arbeiten können. 75,6 Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten das für sehr wichtig. Stress-Resistenz und Teamfähigkeit landen auf den Plätzen zwei und drei. Im Vergleich zum letzten Jahr ist das Ranking bis auf eine Ausnahme gleich geblieben: Seriöses Auftreten und Spezialwissen haben die Plätze getauscht.

Basis für dieses Ranking ist die Einschätzung der 2.046 Umfrage-Teilnehmer zu zehn (Soft-)Skills. Sie gaben jeweils auf einer vierstufigen Skala an, wie wichtig die jeweilige Fähigkeit in ihren Augen für den beruflichen Erfolg eines IT-/Engineering-Selbstständigen ist.

 

Teamfähigkeit in der IT unwichtiger als in Banken- und Automotive-Branche

IT, Banken & Finanzinstitute und Automotive sind die drei Top-Branchen für IT-/Engineering-Selbstständige. Zusammengefasst werden in diesen drei Branchen 42,0 Prozent der Freelancer-Projekte abgewickelt. Deswegen haben wir uns diese in Bezug auf die drei Top-Skills näher angesehen. Tatsächlich ergeben sich Unterschiede: Während Teamfähigkeit von 57,5 Prozent der in der Automotive-Industrie beschäftigten Freelancer für sehr wichtig gehalten wird, sind nur 50,0 Prozent ihrer Kollegen in der IT-Branche dieser Meinung. Selbstständiges Arbeiten wiederum wird in der Bankenbranche am häufigsten als sehr wichtig angesehen.

Nicht nur die Branche, sondern auch beispielsweise die Unternehmensgröße und das Alter der Freelancer haben Einfluss darauf, wie relevant welche Qualifikation ist. Werfen wir also einen genaueren Blick auf die einzelnen Skills, begonnen beim Platz zehn im Ranking.

Platz 10: Betriebswirtschaftliches Know-how

Nur 9,1 Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten betriebswirtschaftliches Know-how für sehr wichtig. Sollte es wirklich stimmen, dass Freelancer keine BWL-Kenntnisse brauchen, um erfolgreich zu sein? Mag sein, dass es im Einsatz für den Kunden irrelevant ist – doch es ist sicher zur Organisation des eigenen Unternehmens nötig.

Die Grafik, unterteilt nach Dauer der Selbstständigkeit, zeigt, dass der Skill anfangs unterschätzt wird. Mit zunehmendem Alter kommt die Einsicht: 11,1 Prozent derjenigen, die seit 25 bis 29 Jahren selbstständig sind, halten betriebswirtschaftliches Know-how für sehr erfolgsrelevant. Von denen, die seit fünf bis neun Jahren ihr eigener Chef sind, denken nur 9,5 Prozent so.

Je länger der Freelancer schon selbstständig ist, desto wichtiger erscheint ihm BWL-Know-how.

Platz 9: Branchenkenntnis

Insgesamt halten 11,6 Prozent der Umfrage-Teilnehmer Branchenkenntnis für sehr wichtig. Laut den Projektausschreibungen, die über die GULP Server laufen, ist in einigen Branchen die Kenntnis über die Strukturen, Software und Prozesse häufiger gefordert als in anderen. Das spiegelt sich auch in der Grafik wieder. Darin sind diejenigen zehn Branchen abgebildet, in denen die meisten Freelancer beschäftigt sind.

Die Werte differieren stark: Nur 7,1 Prozent der Freelancer sind beispielsweise der Meinung, dass für einen Projekteinsatz bei Behörden Branchenkenntnis sehr wichtig ist. Am häufigsten wird Branchenkenntnis von den Freelancern in der Versicherungsbranche (16,5 Prozent) und bei Banken und Finanzinstituten als sehr wichtig eingestuft. Automotive liegt mit 12,9 Prozent auf Platz vier – auch hier ist es wichtig, über Standards und Normen Bescheid zu wissen. In der Regel wird Branchenkenntnis übrigens in Projektanfragen nur als optionale Qualifikation angegeben. Dennoch – wer über die Rahmenbedingungen schon Bescheid weiß, arbeitet sich leichter ein.

Am erfolgsrelevantesten ist Branchenkenntnis bei Versicherungen, Banken und Finanzinstituten.

Platz 8: Kreativität

Kreativität halten 27,1 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer für sehr wichtig. Je älter der Selbstständige ist, desto relevanter ist die Fähigkeit in seinen Augen. Weniger als ein Viertel der Freelancer unter 40 halten Kreativität für relevant – aber 38,8 Prozent ihrer Kollegen über 60. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Berufserfahrung und Dauer der Selbstständigkeit.

Auch in den drei Top-Branchen wird Kreativität unterschiedlich eingestuft. Während 24,8 Prozent der in der Bankenbranche Tätigen sie für sehr wichtig halten, sind es in der IT 27,0 und im Bereich Automotive 34,4 Prozent. Ein besonders hoher Wert wird übrigens mit 40,0 Prozent in der Software-Branche erreicht – hier bringt Kreativität einen durchaus weiter.

Je älter und erfahrener ein Freelancer ist, desto wichtiger ist in seinen Augen Kreativität für den Erfolg eines IT-/Engineering-Selbstständigen.

Platz 7: Seriöses Auftreten

41,4 Prozent aller Umfrage-Teilnehmer halten seriöses Auftreten für unabdingbar, wenn der Freelancer Erfolg haben will. In der Banken-Branche ist es besonders wichtig: Etwas mehr als die Hälfte der dort Beschäftigten halten es für sehr wichtig. Auch Chemie und Pharma kommt auf einen Wert nahe der 50 Prozent. Als nicht ganz so wichtig dagegen wird seriöses Auftreten zum Beispiel in der Software Branche eingeschätzt (32,9 Prozent bei „sehr wichtig“).

Bei Banken und in der Pharma-Branche haben Freelancer verstärkt das Gefühl, dass sie seriös auftreten sollten, um Erfolg zu haben.

Platz 6: Spezialwissen

Generalist oder Spezialist? Diese Frage wird gerne diskutiert. Häufig werden Externe ins Boot geholt, weil sie über ein Spezialwissen verfügen, das im Unternehmen nicht vorhanden ist. Doch wer als Spezialist ins Projektteam kommt, sollte auch allgemeines Wissen mitbringen, um den Gesamtzusammenhang und die Tätigkeiten der anderen Projektmitglieder verstehen zu können. Aber auch um Lastspitzen abzufangen werden IT-Freelancer in Unternehmen eingesetzt – und hier sind nicht nur Spezialisten, sondern auch Generalisten gefragt. Je nach Einsatzgebiet zählt das eine mehr als das andere – und das zeigt auch unsere Umfrage.

Denn Spezialwissen liegt mit 44,4 Prozent bei „sehr wichtig“ auf dem sechsten Platz im Ranking – das breite fachliche Know-how landete mit einem leichten Vorsprung von 1,2 Prozentpunkte auf Platz fünf. Ein klares Unentschieden also.

Ein Blick auf die Ergebnisse nach Altersgruppen zeigt: Den höchsten Wert erreicht das Spezialwissen bei Freelancern zwischen 40 und 49 Jahren (46,8 Prozent). Da sich bei der Berufserfahrung und bei der Dauer der Selbstständigkeit eine ähnliche Kurve zeigt, kann man sagen, dass Freelancer Spezialwissen in der (späten) Mitte ihres Berufslebens für am wichtigsten halten: Wenn sie zwischen 40 und 49 Jahre alt sind, über 25 bis 35 Jahren Berufserfahrung in IT/Engineering verfügen und seit 20 bis 24 Jahren selbstständig sind.

Ansonsten wird Spezialwissen übrigens besonders von Freelancern für sehr wichtig gehalten, die in Unternehmen mit 500 bis 1000 Mitarbeitern tätig sind (47,7 Prozent bei „sehr wichtig“). Von Externen in Unternehmen mit 11 bis 100 Beschäftigten wird es nicht so häufig für relevant gehalten (37,9 Prozent bei „sehr wichtig“).

Spezialwissen und breites fachliches Know-how sind in den Augen der Umfrage-Teilnehmer nahezu genauso wichtig für den Erfolg eines IT-/Engineering-Selbstständigen.

Platz 5: Breites fachliches Know-how

Zum breiten fachlichen Know-how gibt es ansonsten noch zu sagen: Je länger ein Freelancer schon selbstständig tätig ist, desto wichtiger erscheint es ihm. Jenseits der 20 Jahre Selbstständigkeit überschreitet der Anteil der Freelancer, die das Generalisten-Wissen für sehr wichtig halten, die 50-Prozent-Marke.

Tendenziell ist es außerdem so: Je älter der Freelancer, desto relevanter ist in seinen Augen ein breites fachliches Know-how. Nur 42,0 Prozent der 30- bis 39-Jährigen halten es für sehr wichtig – aber 53,2 Prozent der Über-60-Jährigen.

Je älter ein Freelancer ist und je länger er schon selbstständig ist, desto erfolgsrelevanter ist breites fachliches Know-how seiner Meinung nach.

Platz 4: Selbstbewusstsein

Insgesamt halten 47,1 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer Selbstbewusstsein für sehr wichtig für den beruflichen Erfolg. Die Unterteilung nach Alter zeichnet sich durch sehr kleine Unterschiede aus: Nur 39,3 Prozent der unter 30-Jährigen halten sie für sehr wichtig. Dagegen entschieden sich 51,3 Prozent der über 60-Jährigen für diese Antwort-Option. Allerdings ist die Zunahme nicht konstant – in den mittleren Altersgruppen verteilen sich die Anteile fast gleichmäßig. Egal wie alt der Freelancer ist – er ändert seine Meinung über das Selbstbewusstsein nicht.

Interessanterweise wird das Persönlichkeitsmerkmal vor allem in sehr kleinen und in sehr großen Unternehmen als relevant erachtet. 48,9 Prozent der Freelancer in Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten halten es für sehr wichtig und 48,7 Prozent der Selbstständigen in Konzernen mit mehr als 5.000 Beschäftigten. In der Mitte sind die Werte etwas niedriger: Zum Beispiel halten es nur 42,6 Prozent der Freelancer in Unternehmen mit 501 bis 1.000 Beschäftigten für wichtig.

Freelancer jeden Alters halten Selbstbewusstsein für erfolgsrelevant. Vor allem in sehr kleinen und in sehr großen Unternehmen scheint es wichtig zu sein.

Platz 3: Teamfähigkeit

Je älter der Freelancer und je länger er schon selbstständig ist, desto wichtiger ist in seinen Augen die Teamfähigkeit. In größeren Unternehmen müssen Selbstständige teamfähiger sein.

Platz 2: Stress-Resistenz

52,3 Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten Stress-Resistenz für sehr wichtig für ihren beruflichen Erfolg. Die Grafik mit der Unterteilung nach Dauer der Selbstständigkeit steht stellvertretend für andere Faktoren: Bei der Stress-Resistenz herrscht große Einigkeit. Egal wie alt der Freelancer ist, wie viele Jahre er schon Unternehmer ist oder wie groß das Unternehmen ist, in dem er im Einsatz ist: Er muss mit Stress umgehen können. Tendenziell halten ältere und erfahrenere Freelancer Stress-Resistenz für noch etwas wichtiger als jüngere.

Stress-Resistenz wird fast von allen Freelancern gleichermaßen für wichtig gehalten. Der Skill gewinnt nicht umsonst die Silbermedaille.

Platz 1: Selbstständiges Arbeiten

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim selbstständigen Arbeiten: 75,6 Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten diese Fähigkeit für sehr wichtig. Ältere IT-/Engineering-Freelancer halten selbstständiges Arbeiten tendenziell häufiger für wichtig als Jüngere. Ab 30 Jahren sind die Unterschiede aber überhaupt nicht mehr auffällig – das bestätigt die Wichtigkeit des Skills über alle Altersgruppen hinweg. Branche, Erfahrung, Unternehmensgröße – all das hat keinen Einfluss darauf, wie relevant die Fähigkeit in den Augen der Freelancer ist. Selbstständiges Arbeiten ist einfach ein Muss!

Selbstständiges Arbeiten ist die absolute Top-Qualifikation für Freelancer – über alle Branchen oder Altersgruppen hinweg.

Das war Teil 4 unserer Artikelserie. Im fünften Teil werden wir uns der Zufriedenheit der Selbstständigen widmen und der Frage, wem unterm Strich mehr zum Leben übrig bleibt. Die vollständigen Ergebnisse der GULP Stundensatz-Umfrage – Frage für Frage – finden Sie in unserer Bildergalerie.

Möchten Sie etwas Spezielles aus der großen GULP Stundensatz-Umfrage wissen oder wünschen Sie ich eine bestimmte Auswertung? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen oder schreiben Sie uns eine E-Mail.