Freelancer sind zufrieden und verdienen mehr

Ergebnisse der großen GULP Stundensatz-Umfrage, Teil 5

13.05.2014
GULP Redaktion
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Auch dieses Jahr konnten wir dank Ihrer regen Beteiligung an der GULP Stundensatz-Umfrage nicht nur eine Bildergalerie, sondern eine mehrteilige Artikelserie für Sie erstellen. In diesem fünften und letzten Teil geht es um die Zufriedenheit der Selbstständigen. Soviel vorweg: Ja, sie sind gerne ihr eigener Chef. Und Freelancern bleibt unterm Strich mehr zum Leben übrig als Angestellten. Ein Traumjob also – oder? An der GULP Stundensatz-Umfrage 2014 haben von November 2013 bis Februar 2014 insgesamt 2.046 Selbstständige in IT und Engineering teilgenommen – mit und ohne GULP Profil.

„Ich bin selbstständig aus Überzeugung.“

Aus der Not heraus Freelancer werden? Im IT-Bereich sicher nicht: 93,6 Prozent der IT-/Engineering-Selbstständigen sind aus Überzeugung selbstständig ("trifft voll zu" und "trifft zu"). Das ist ein eindeutiges Ergebnis, das sich übrigens im Vergleich zum letzten Jahr kaum verändert hat. Damals betrug der Anteil 93,8 Prozent.

 

Auch ohne Projekt überzeugt von der Selbstständigkeit

Ich bin selbstständig aus Überzeugung nach aktueller Projektsituation

94,4 Prozent der Freelancer, die zum Zeitpunkt der Umfrage-Teilnahme im Projekt waren, sind aus Überzeugung selbstständig. Bei denen, die zu der Zeit nicht im Projekt waren, sind 90,5 Prozent der Meinung, nur etwa vier Prozentpunkte weniger. Also: Projekt oder nicht – Freelancer sind gerne selbstständig.

Das Ergebnis ist natürlich auch ein Hinweis darauf, dass der aktuelle Projektstatus frei gewählt sein kann. Kein Projekt zu haben bedeutet nicht zwangsläufig, keines zu finden. Sondern es kann auch heißen, dass der Freelancer krank ist, sich weiterbildet oder Urlaub gönnt.

 

Je länger, desto lieber selbstständig

Freelancer werden der Selbstständigkeit auch nicht müde, sondern ganz im Gegenteil. Je länger der Freelancer schon selbstständig ist, desto überzeugter ist er von seinem Unternehmertum. Während etwa die Hälfte derjenigen, die seit weniger als fünf Jahren ihr eigener Chef sind, "trifft voll zu" ankreuzten, taten das fast alle (92,7 Prozent) derjenigen, die seit 30 Jahren und mehr Freelancer sind. Die Überzeugung nimmt mit der Zeit zu, oder diejenigen, die nicht überzeugt sind, sind noch nicht so lange Freiberufler.

Je länger der Freelancer schon selbstständig ist, desto überzeugter ist er selbstständig – auch dann, wenn er einmal kein Projekt hat.

„Ich bin mit meiner momentanen beruflichen Situation zufrieden.“

Konsequenterweise sind deswegen auch 87,0 Prozent der Teilnehmer an der großen GULP Stundensatz-Umfrage mit ihrer momentanen beruflichen Situation zufrieden. Wieder fast keine Änderung im Vergleich zum letzten Jahr: Bei der GULP Stundensatz-Umfrage 2013 betrug dieser Wert 88,4 Prozent.

 

Projektlosigkeit hat auch mal Unzufriedenheit zur Folge

Die Frage, ob sie mit ihrer momentanen Situation zufrieden sind, bejahen 91,0 Prozent der Freelancer, die derzeit im Projekt sind ("trifft voll zu" und "trifft zu"). Doch nur zwei Drittel der Selbstständigen ohne Projekt stimmen zu. Natürlich bedingt das eine auch das andere.

 

Zufriedenheit steigt mit Dauer der Selbstständigkeit

Auch hier zeigt sich eine leicht ansteigende Tendenz: Freelancer sind zufriedener mit ihrer momentanen beruflichen Situation, je länger sie schon selbstständig sind. Den Spitzenwert erreichen Freelancer, die seit mehr als 30 Jahren ihr eigener Chef sind: 61,0 Prozent von ihnen sind derzeit mit ihrer beruflichen Situation zufrieden.

 

Ältere Freelancer werden immer noch gebraucht, da sie oft über Knowhow verfügen, das jüngere nicht (mehr) mitbringen. In solchen Fällen werden sie von Unternehmen ins Boot geholt und können den Übergang in einen arbeitsfreien Ruhestand fließend gestalten. Das machen auch viele – anstatt des bei Angestellten üblichen harten Schnitts werden nach und nach die Arbeitszeit und die Reisetätigkeit reduziert. Allerdings gibt es immer wieder auch Selbstständige, die darüber klagen, nur schwer Projekte zu finden, weil jüngere (und günstigere) Freelancer bevorzugt werden. Laut unserer Umfrage sind die unzufriedenen älteren Freelancer aber in der Minderheit.

Mit ihrer beruflichen Situation sind IT-/Engineering-Freelancer nicht immer auch dann zufrieden, wenn sie kein Projekt haben – doch das tut der Überzeugtheit, mit der sie ihren Beruf ausüben, keinen Abbruch.

„Wenn ich momentan eine Festanstellung zu guten Konditionen angeboten bekäme, würde ich sie annehmen.“

68,7 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer würden derzeit eine Festanstellung ablehnen, wenn sie eine angeboten bekämen – auch wenn die Konditionen gut wären. Im Vorjahr war der Wert um eine Nachkommastelle niedriger, damals lehnten 68,6 Prozent ein Angestelltendasein ab.

 

Projektlosigkeit verleitet zu Festanstellung

Klar, bei den Freelancern, die zum Zeitpunkt der Umfrage-Teilnahme nicht im Projekt waren, ist der Anteil derer, die eine Festanstellung ablehnen würden, niedriger. Aber immerhin sagen insgesamt 59,0 Prozent der Freelancer ohne Auftrag nein zum Angestelltendasein. Bei den Selbstständigen mit Auftrag beträgt der Anteil 71,0 Prozent, liegt also um zwölf Prozentpunkte höher.

 

Zwischen der Dauer der Selbstständigkeit und der Bereitschaft, in eine Anstellung zu wechseln, ist übrigens kein Zusammenhang festzustellen. Freelancer bleiben ihrer Entscheidung treu, egal wie lang sie schon selbstständig sind, wie alt sie sind oder wie viel Berufserfahrung sie bereits gesammelt haben.

Auftragslosigkeit verleitet dazu, eine Festanstellung anzunehmen. Dennoch lehnen auch die meisten Freelancer ohne Projekt das Angestelltendasein ab.

„Einem IT-Selbstständigen bleibt unterm Strich mehr zum Leben übrig als einem Festangestellten.“

Im Schnitt sind IT-/Engineering-Freelancer 18 Arbeitstage pro Monat im Projekteinsatz für ihren Kunden tätig. Dazu addieren sich drei Tage pro Monat, die sie für ihr eigenes Unternehmen aufwenden: Sie bilden sich fort, akquirieren neue Projekte oder kümmern sich um Buchhaltung und Verwaltung. Diese Zeit wird dem Freelancer nicht vergütet – er muss sie also selbst finanzieren, ebenso wie Urlaubs- oder Krankheitstage.

 

Diese „unbezahlten“ Stunden pro Monat sind einer von mehreren Gründen, warum der Vergleich zwischen dem Gehalt eines Angestellten und dem Stundensatz eines Selbstständigen immer hinken wird. Konkret darauf angesprochen sind dennoch 74,1 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer der Meinung, dass einem IT-Selbstständigen unterm Strich mehr zum Leben übrig bleibt als einem Festangestellten (Vorjahr: 78,9).

Auch diese Einschätzung ist unabhängig von Dauer der Selbstständigkeit, Alter oder Berufserfahrung. Doch die Projektsituation wirkt sich leicht aus: 77 Prozent der Freelancer mit Projekt stimmten der Aussage zu, dass einem Selbstständigen unterm Strich mehr zum Leben übrig bleibt als einem Angestellten. Bei den Projektlosen betrug der Anteil 62,2 Prozent. Sie müssen gerade eine Zeit ohne Einkommen überbrücken und sehen die Situation vielleicht nicht ganz so optimistisch wie ihre Kollegen mit regelmäßigem Geldeingang.

Dreiviertel der IT-/Engineering-Freelancer sind der Meinung, dass einem Selbstständigen unterm Strich mehr zum Leben übrig bleibt als einem Angestellten.

Fazit

Die Ergebnisse haben sich im Vergleich zum letzten Jahr kaum geändert: IT-/Engineering-Freelancer sind aus Überzeugung selbstständig, sie sind mehrheitlich mit ihrer beruflichen Situation zufrieden und zwei Drittel würden eine Festanstellung ablehnen, auch wenn die Konditionen gut wären. Dreiviertel denken überdies, dass einem Selbstständigen unterm Strich mehr zum Leben bleibt. Besserer Verdienst, hohe Zufriedenheit und eine mit Dauer der Selbstständigkeit zunehmende Überzeugung: Wir können nicht anders als die Bilanz ziehen, dass die Selbstständigkeit im IT-/Engineering-Bereich ein Traumjob ist für die, die sich dafür entschieden haben. Glückwunsch an alle, die sich bewusst dazu entschlossen haben, ihr eigener Chef zu sein, die mit dieser Entscheidung zufrieden sind und denen es finanziell gut geht. Sie haben alles richtig gemacht.