Freiberufler-Status nur mit Hochschulabschluss?

Ergebnisse der großen GULP Stundensatz-Umfrage, Teil 3

22.07.2014
GULP Redaktion
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Teil 1: Stundensatz | Teil 2: Top-Branchen | Teil 3: Freiberufler-Status | Teil 4: Wichtige Skills | Teil 5: Zufriedenheit

 

Mit Hochschulabschluss steigt die Wahrscheinlichkeit, als Freiberufler anerkannt zu werden. Aber er ist keine notwendige Voraussetzung. Im kurzen dritten Teil unserer Artikelserie zur GULP Stundensatz-Umfrage widmen wir uns der Gretchenfrage: Freiberufler oder Gewerbetreibender? An der GULP Stundensatz-Umfrage 2014 haben von November 2013 bis Februar 2014 insgesamt 2.046 Selbstständige in IT und Engineering teilgenommen – mit und ohne GULP Profil.

Umfrage-Teilnehmer zur Hälfte Freiberufler

Mit 52,0 Prozent sind etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer an unserer Stundensatz-Umfrage anerkannte Freiberufler. 45,9 Prozent sind ohne Freiberufler-Status selbstständig.

Ein Selbstständiger kann entweder ein Gewerbetreibender nach § 15 EStG sein oder aber er ist freiberuflich tätig. Anerkannte Freiberufler genießen einige Vorteile: Sie müssen ihre Tätigkeit nicht als Gewerbe anmelden und sind von der Gewerbesteuer befreit. Außerdem sind sie nicht dazu verpflichtet, IHK-Mitglied zu werden. Eine kaufmännische Buchführung müssen sie auch nicht vornehmen – es reicht eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung.

Ingenieure gehören zu den in § 1 Abs. 2 PartGG und § 18 Abs. 1 EStG aufgezählten Katalogberufen, das heißt, sie sind in der Regel automatisch Freiberufler, wenn sie sich selbstständig machen – ebenso wie beispielsweise Ärzte, Apotheker oder Steuerberater. Informatiker sind in diesen Gesetzen nicht erwähnt – was aber nicht daran liegt, dass sie keine Freiberufler sind, sondern eher daran, dass die Vorschriften entsprechend veraltet sind.

Eine „besondere berufliche Qualifikation“ und die „eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art“ grenzen laut § 1 Abs. 2 PartGG Freiberufler von den Gewerbetreibenden ab. Die Einordnung von selbstständigen IT-Spezialisten läuft oft unter anderem über die Prüfung, ob sie eine ingenieurähnliche Tätigkeit ausüben. Auch wird der Beruf des Selbstständigen danach beurteilt, ob dafür objektiv ein Hochschulabschluss erforderlich ist. Falls ja, deutet das eher auf eine freiberufliche Tätigkeit hin. Sie ahnen es schon aufgrund der schwammigen Beschreibung: Es ist ein Graubereich.

Auch in der Praxis gibt es einen Zusammenhang zwischen Diplom und Freiberufler-Status, wie die nächste Auswertung zeigt.

Nähere Informationen zur Unterscheidung zwischen freien und gewerblichen Berufen gibt der Artikel „ Selbstständige und freie Berufe im verfassungsrechtlichen Vergleich“. Desweiteren finden Sie in der GULP Knowledge Base einen Beitrag zum Thema „ IT-Selbstständiger ohne Studienabschluss: Freiberufler oder gewerblich Tätiger?“.

Freiberufler-Anteil unter Hochschulabsolventen höher

Tatsächlich scheinen die Chancen auf eine Anerkennung als Freiberufler mit Hochschulabschluss größer zu sein als ohne. Am höchsten ist der Freiberufler-Anteil unter den Diplom-Informatikern (FH): Er beträgt 66,3 Prozent. Aber auch bei den restlichen Hochschulabsolventen ist der Anteil überdurchschnittlich hoch – sogar bei den anderen Universitätsabschlüssen (56,6 Prozent), zu denen auch Quereinsteiger zählen. Am niedrigsten ist der Anteil der anerkannten Freiberufler bei den IT-System-Elektronikern (22,2 Prozent).

Dabei ist zu beachten: Es kommt vor allem auf die Tätigkeit an, die der Freelancer ausübt. Vertreibt er zum Beispiel vorrangig Software, wird er eher als Gewerbetreibender eingestuft werden – auch wenn er über einen Hochschulabschluss verfügt.

Das war Teil 3 unserer Artikelserie. In den nächsten Berichten wird es um Meinungen und Gefühle gehen: Wie gerne sind Freelancer selbstständig? Wie zufrieden sind Sie mit ihrer beruflichen Situation?

Möchten Sie etwas Spezielles aus der großen GULP Stundensatz-Umfrage wissen oder wünschen Sie sich eine bestimmte Auswertung? Dann schreiben Sie uns bitte eine E-Mail.