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Wie zufrieden sind IT-/Engineering-Freelancer wirklich?

Ergebnisse der großen GULP Stundensatz-Umfrage, Teil 3

10.05.2013
GULP Redaktion
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Aus der großen GULP Stundensatz-Umfrage konnten wir dank der regen Beteiligung nicht nur eine Bildergalerie, sondern auch eine dreiteilige Artikelserie für unsere Leser erstellen. In diesem dritten und letzten Teil geht es um die Zufriedenheit der Selbstständigen, darum, was unterm Strich vom Stundensatz übrig bleibt und um das Thema Reisekosten. Vor allem Letzteres überraschte – bei keinem anderen Aspekt schieden sich die Geister derart. Während die einen der Meinung sind, dass Projektanbieter dafür leider überhaupt kein Verständnis haben, bekommen andere ihre Spesen vom Kunden eins zu eins erstattet. Doch dazu später mehr – werfen wir zunächst einen Blick darauf, ob die IT-/Engineering-Freelancer gerne selbstständig sind.

Rückblick: Die GULP Stundensatz-Umfrage

Einige Werte aus unserer GULP Stundensatz-Umfrage haben wir hier noch einmal zusammengefasst. Im Überblick:

 

Einige Ergebnisse in Kürze

Durchschnittlicher Stundensatz der IT-/Engineering-Freelancer (All-inklusive, netto, ohne MwSt.) 79 Euro
Durchschnittliche Projektdauer 23 Monate
Durchschnittlicher Jahresumsatz 2012 134.449 Euro
Im Schnitt selbstständig tätig seit 10 Jahren

„Ich bin selbstständig aus Überzeugung.“

Das ist deutlich: 93,8 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer sagen von sich: Ich bin selbstständig aus Überzeugung. Gilt das auch für diejenigen, die nicht im Projekt sind?

Ja, das gilt auch dann. Von denjenigen Freelancern, die zum Zeitpunkt der Umfrage-Teilnahme nicht im Projekt waren, gaben dennoch 90,0 Prozent an, aus Überzeugung selbstständig zu sein. IT-/Engineering-Freelancer sind generell aus Überzeugung selbstständig – und zwar nicht nur dann, wenn sie ein Projekt haben, sondern langfristig.

Hierzu sei eine Bemerkung erlaubt: Wir haben nicht erhoben, warum die Freiberufler derzeit nicht im Projekt sind. Infrage kommen freiwillige Gründe wie Urlaub ebenso wie Krankheit oder die Übergangszeit zwischen zwei Projekten.

Es ist auch nicht so, dass Freelancer der Selbstständigkeit mit zunehmendem Alter müde werden – im Gegenteil. Wer einmal erfolgreich freiberuflich gearbeitet hat, möchte nicht mehr zurück in ein Angestelltenverhältnis. Betrachtet man nur die Antwort „Trifft voll zu“, dann sind Freelancer umso lieber selbstständig, je länger sie schon selbstständig sind. Von denen, die seit 25 bis 29 Jahren selbstständig sind, sagen 83,6 Prozent: Ja, ich bin aus vollster Überzeugung selbstständig. Von den Neueinsteigern sind es „nur“ 57,2 Prozent.

IT-/Engineering-Freelancer sind umso überzeugter von der Selbstständigkeit, je länger sie schon selbstständig sind.

„Ich bin mit meiner momentanen beruflichen Situation zufrieden.“

88,9 Prozent der IT-/Engineering-Selbstständigen sind mit ihrer momentanen beruflichen Situation zufrieden. Auch hier sehen wir genauer hin:

Von den Freelancern, die zum Zeitpunkt der Umfrage-Teilnahme nicht im Projekt waren, sagten dennoch 72,0 Prozent, dass sie mit ihrer momentanen beruflichen Situation zufrieden sind. Von denjenigen, die im Projekteinsatz waren, gaben 91,5 Prozent diese Antwort. Da explizit nach der momentanen Situation gefragt wurde, liegt doch sehr nahe, dass die projektfreie Zeit selbst gewählt oder zumindest akzeptiert ist. Nach einer verzweifelten und hoffnungslosen Suche nach dem nächsten Projekt sieht das jedenfalls nicht aus.

Interessant ist, dass es scheinbar einen leichten Einfluss der Unternehmensgröße auf die Zufriedenheit der Freelancer gibt. Tendenziell sind Freiberufler, die zum Zeitpunkt der Umfrage-Teilnahme in größeren Firmen im Projekteinsatz waren, zufriedener mit ihrer momentanen Situation. Vielleicht wegen der besseren Chancen auf ein Anschlussprojekt oder wegen interessanterer Projektinhalte? Hier kann nur spekuliert werden.

Freelancer sind so zufrieden mit ihrer beruflichen Situation, dass auch eine projektlose Zeit sie nicht von ihrer Überzeugung abbringt.

„Wenn ich momentan eine Festanstellung zu guten Konditionen angeboten bekäme, würde ich sie annehmen.“

31,4 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer würden sie annehmen, wenn sie momentan eine Festanstellung zu guten Konditionen angeboten bekämen. Der Rest sagt klar Nein zum Angestelltendasein.

Bevor wir uns die einzelnen Aspekte näher ansehen, ein kurzer Hinweis zu den nächsten Grafiken: Im Folgenden ist jeweils dargestellt, wie viele Freelancer die Aussage „Ich würde eine Festanstellung annehmen“ mit „Trifft überhaupt nicht zu“ verneinen. Kurz: wie viele Freelancer eine Festanstellung ablehnen würden.

Je mehr Berufserfahrung ein Freelancer schon gesammelt hat, desto weniger kommt es für ihn in Frage, in eine Festanstellung wechseln. Eine Festanstellung würden 37,0 Prozent der Selbstständigen mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung ablehnen – aber nur 23,4 Prozent derjenigen mit weniger als fünf Jahren Expertise.

Außerdem nimmt die Bereitschaft zum Arbeiten in Festanstellung mit der Dauer der Freelancer-Zeit ab: 28,1 Prozent der Selbstständigen, die seit weniger als fünf Jahren freiberuflich tätig sind, würden eine Festanstellung ablehnen – im Gegensatz zu 46,5 Prozent der Freelancer, die schon mehr als 25 Jahre selbstständig sind.

Nun zum interessantesten Punkt: Würden Freelancer, die derzeit ohne Projekt sind, sich fest anstellen lassen? Von den Freelancern, die zum Zeitpunkt der Teilnahme an der großen GULP Stundensatz-Umfrage nicht im Projekt waren, lehnen 22,9 Prozent eine Festanstellung ab. Das sind etwas weniger als bei den Selbstständigen, die derzeit im Projekt sind – verständlicherweise. Dennoch ein recht hoher Wert für jemanden, der aller Wahrscheinlichkeit nach derzeit auf Jobsuche ist.

Je länger Freelancer schon selbstständig sind, desto weniger kommt eine Festanstellung für sie in Frage. Einmal Freelancer, immer Freelancer!

„Einem IT-Selbstständigen bleibt unterm Strich mehr zum Leben übrig als einem Festangestellten.“

Wer verdient mehr – Freiberufler oder Festangestellte? 78,9 Prozent der IT-/Engineering-Selbstständigen sind der Meinung, dass einem Freelancer unterm Strich mehr Geld zum Leben übrig bleibt als einem Festangestellten. Hier sind sich Freiberufler aller Altersklassen und aller Erfahrungslevel einig – egal ob sie derzeit im Projekt sind oder nicht. Kein Wunder also, dass so wenige in eine Anstellung wechseln möchten.

Zur Erinnerung die Konditionen, über die wir hier sprechen: Im Schnitt erhalten IT-/Engineering-Selbstständige einen Stundensatz von 79 Euro. Nur etwa ein Drittel (34,1 Prozent) arbeitet zu Stundensätzen von unter 70 Euro, bei 17,3 Prozent fließen über 100 Euro pro Stunde in die Kasse. Mehr als die Hälfte (53,8 Prozent) der IT-/Engineering-Freelancer rechnet damit, dass ihr Stundensatz auch im Jahr 2013 da bleibt, wo er ist. 40,9 Prozent von ihnen geben an, dass sie ihn sogar anheben werden. Dabei erhalten 44,7 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer in ihrem derzeitigen Projekt bereits einen höheren Stundensatz als in dem Projekt davor.

Die Mehrheit der IT-/Engineering-Freelancer aller Altersklassen und Erfahrungslevel ist der Meinung, dass einem Selbstständigen mehr zum Leben übrig bleibt als einem Festangestellten.

Auswärtsprojekt: Wer zahlt Reisekosten und Spesen?

Apropos mehr zum Leben übrig: Wie ist das mit den Spesen und Reisekosten – gehen diese vom Stundensatz weg, werden sie aufgeschlagen oder zahlt der Endkunde sie geosondert? Hier scheiden sich die Geister.

„Wie viel Prozent schlagen Sie im Schnitt auf Ihren Stundensatz auf, wenn Sie in einer anderen Stadt arbeiten sollen (Unterkunft, Fahrtkosten ...)?“ war hier gefragt. Im Schnitt werden 15 Prozent aufgeschlagen. 11,6 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer ändern ihren Stundensatz bei Auswärts-Projekten gar nicht – teils, weil sie denken, dass der Projektanbieter das nicht akzeptiert, teils, weil alle Zusatzkosten bereits in ihr Honorar eingepreist sind.

Hier war ein Freitext-Kommentar möglich – und genau den sehen wir uns nun genauer an. Insgesamt wurden hier 368 Kommentare eingetragen:

42,1 Prozent schlagen einen gewissen Betrag auf den Stundensatz auf, den sie individuell berechnen, für fair erachten und der vor allem von der Entfernung, den Unterkunftskosten und/oder von der Projektlaufzeit abhängt. Bei manchen fließen auch weitere Faktoren ein, und zwar:

  • die eigenen Verhandlungsposition,
  • die Dauer der Abwesenheit von Zuhause (Tages-, Wochen, Monatspendler),
  • die Branche und der Kunde oder
  • der Projektinhalt, die Rolle im Projekt und die strategischer Wichtigkeit des Projekts für den eigenen Werdegang.

16,3 Prozent der Kommentatoren arbeiten nur heimatnah, entweder weil sie nicht in einer anderen Stadt arbeiten müssen („finde genug Projekte in meiner Nähe“) oder aus familiären und persönlichen Gründen. Hierzu zählen auch Freelancer, die ausschließlich Remote oder im Homeoffice arbeiten. Für sie stellt sich die Reisekosten-Frage gar nicht.

11,7 Prozent schlagen nichts auf den Stundensatz auf, sondern stellen dem Kunden die anfallenden Spesen und Reisekosten in Rechnung.

8,7 Prozent machen keinen Aufschlag auf den Stundensatz, weil sie denken, dass dieser beim Kunden nicht durchsetzbar ist, entweder weil es der Kunde als Argument nicht gelten lässt oder weil sie fürchten, damit nicht mehr konkurrenzfähig zu sein („ortsansässige Freiberufler können günstiger anbieten“).

6,0 Prozent arbeiten immer auswärts, das heißt, Reisekosten sind von vorneherein in den Stundensatz eingepreist.

So ähnlich geht es den nächsten 4,9 Prozent: Sie geben an, dass ihr Stundensatz ohnehin all-inklusive kalkuliert ist und somit alle Nebenkosten beinhaltet. Sie bieten immer diesen Stundensatz an, egal wo das Projekt stattfindet. Ein paar wenige von ihnen gewähren bei heimnahen Projekten einen Abschlag von ihrem All-inklusive-Honorar.So ähnlich geht es den nächsten 4,9 Prozent: Sie geben an, dass ihr Stundensatz ohnehin all-inklusive kalkuliert ist und somit alle Nebenkosten beinhaltet. Sie bieten immer diesen Stundensatz an, egal wo das Projekt stattfindet. Ein paar wenige von ihnen gewähren bei heimnahen Projekten einen Abschlag von ihrem All-inklusive-Honorar.

Weitere 2,7 Prozent richten ihren Stundensatz eher nach dem Machbaren aus als nach dem, was sie brauchen oder kalkuliert haben. Sie nehmen, was der Markt hergibt – das ist auch eine Art von All-inklusive.

Mit Pauschalen arbeiten 1,6 Prozent der Kommentatoren: Sie errechnen pauschale Preise für Unterkunft und Reise und schlagen diese entweder auf den Stundensatz auf oder vereinbaren mit dem Kunden die Zahlung dieser Pauschale.

Der Rest hatte mehr oder weniger umfassende Berechnungsformeln für die Spesen und Reisekosten – hier nur ein paar Beispiele:

  • 0,30 Euro pro gefahrenem Kilometer + Unterkunft + Verpflegungsmehraufwand
  • 2 * Entfernung mit 30ct/km + Übernachtung werden auf 40h/Woche umgelegt
  • drei Euro pro Stunde je 130 km Entfernung
  • Durchschnittliche Spesen (Hotel, Fahrtkosten) + Reisezeit*Stundensatz umgerechnet auf durchschnittliche Arbeitsstunden

Es ist interessant, wie weit die Schere auseinander geht – wobei in Gesamtschau die meisten einen – wie auch immer kalkulierten – All-inklusive-Stundensatz anbieten. Das ist sicherlich der konsequenteste Weg.

Fazit

Das waren Ergebnisse der offenen und anonymen Online-Befragung, an der von November 2012 bis Januar 2013 2.107 Selbstständige in IT und Engineering teilgenommen haben. Damit ist die Auswertung der großen GULP Stundensatz-Umfrage abgeschlossen – auf ein Neues im Jahr 2014! Wie fanden Sie die Erkenntnisse aus der Umfrage? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.